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Der jüdische Handwerker · 1935-02-01 · 2 (2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
2 (2.1935)
Date
1935-02-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Jüdische Stimmen zum Handwerkertag Die große Kundgebung des Berliner Vereins anläßlich seines 40jährigen Jubiläums, das zugleich mit dem 23jährigen Jubiläum Louis W o I f f s als Vorsitzender des Vereins verbunden war, hat in der breitesten jüdischen Öffentlichkeit den starken Widerhall gefunden, den wir immer für unsere Arbeit erstrebten. p ■ Die Blätter aller Richtungen brachten Uber den Verlauf der Veranstaltung ausführliche Berichte. Fast alle nahmen auch in großen Artikeln, oft Sogar Leitartikeln, bei dieser Gelegenheit das Wort zur gegenwärtigen und zukünftigen Stellung des Handwerks innerhalb unserer Gemeinschaft. Ihre darin dargelegte Haltung gibt uns die Gewißheit, ' daß wir fürderhin in der jüdischen Gesamtheit, soweit sie von der jüdischen Oeffentlichkei-t erfaßt oder in ihr Ausdruck findet einen starken vorwärtstragenden Bundesgenossen finden, der unsere fruchtbringende Weiterarbeit auf altem Wege zu altem Ziel nicht nur sichert, sondern eindeutig fördert. Im folgenden geben wir aus der Fülle der Abbandlungen auszugsweise bedeutsame eigene Meinungsäußerungen der verschiedenen Blätter über Handwerk und Handwerker-Kundgebung wieder. Sie zeigen zugleich auch, wie jede Zeitung bestrebt ist, ihre Haltung zum Handwerk in ihre Vorstellungswelt harmonisch einzuordnen. .Oerndnchbtart", Barlln Ein Bekenntnis weiter jüdischer Kreise zum Handwerk Der hohen Bedeutung entsprechend, die dem jüdischen Handwerkerstand in Deutschland in einer Zeit zukommt, da (las deutsche Judentum bei den Bemühungen um Sicherung seines Fortbestehens dem Problem einer Neuregelung seiher Berufsstrüktur ganz besondere Aufmerksamkeit zuwendet, trug der „Handwerkertag", den der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin anläßlich seines 40jährigen Bestehens am 25. Dezember abhielt, nicht nur den Charakter -eines an sich bemerkenswerten .Vereinsjubiläums, sondern gestaltete sich darüber hinaus zu einem Bekenntnis weiter jüdischer Kreise auch auflerhalb des Handwerkerstandes zu den von diesem proklamierten berufsethischen und praktisch wirtschaftlichen Zielen. JÜdlich« Teleqr«ph«i-Agntur [he] Dank für die Leistung — Sinnbild für die Jugend An der eindrucksvollen Kundgebung, die am Vormittag in der Synagoge Prinzregentensfraße stattfand, nahmen Vertreter der jüdischen Spitzenverbände und der weltanschaulichen Organisationen des deutschen Judentums aller Richtungen teil und hoben mit Dank die Leistungen der Handwerker-Vereinigung bei der Vorbereitung einer Normalisierung des jüdischen Berufslebens sowie die große Rolle hervor, die den jüdischen Handwerksmeistern bei der Ausbildung der jüdischen Jugend, sowohl derjenigen, die versuchen will, die Traditionen des jüdischen Handwerkerstandes 'in Deutschland weiterzupflegen, als auch derjenigen, die außerhalb Deutschlands, insbesondere in Palästina, sich eine neue Existenz sucht, zufällt. Wie ein Sinnbild der neuen Hinwendung der Jugend zum Handwerker-Beruf und .ihrer Verbundenheit mit dessen Meistern wirkte die Eröffnung der Feier, bei der das Vereinsbanner, gefolgt von den Lehrlingen der Berliner Meister, durch die Synagoge getragen und neben der Kanzel, flankiert von Jugendlichen, aufgestellt wurde. „Itflltltchei PatnlMwiblaW" Anerkennung unseres Werkes Vier Jahrzehnte systematischen Wirkens für das jüdische Handwerk'geben eine geeignete Grundlage zu einem Urteil Uber die Leistungen des Vereins, der im Jahre 1899 mit einer kleinen Gefolgschaft begann- und heute im Mittelpunkt aller Diskussionen um die berufliche Gliederung der Juden steht. Ein Weg, der durch 40 Jahre führt, zeigt anschaulich, daß unbeirrbare Arbeit ihre Rechtfertigung gefnnd e n hat. Die Schwierigkeiten für den jüdischen Handwerker sind heute gewiß nicht geringer, als sie vor vier Jahrzehnten waren, dennoch zeigt sich, daß die gediegene fachliche Ausbildung eine Grundlage für seine geregelte Existenz in einem hohen Maße ergibt, es zeigt sich aber auch, dafl dos Gefühl, nützliche und begehrte Arbeit zu leisten, den jüdischen Handwerker im Leben fest verankert und ihn damit zu einem wertvollen Bestandteil der judischen Gemeinschaft macht. Die jüdische Oeffentlichkeit nimmt lebhaften Anteil an dem Jubiläum, das die indischen Handwerker feiern. Sic erkennt das Werk an, (las geschaffen wurde und würdigt— die hervorragende Bedeutung, die dem jüdischen Handwerk für die berufliche Gliederung in unserem veränderten l eben zukommt. „C, V.-ZeJfting' Sichtbarmachung einer Schicht unbekannter deutscher Juden Aus einem Akt der Selbsterhaltung, in gewisser Beziehung sogar der Opposition gegen Zeitströmungen, wie ihn die Gründung des Jüdischen Handwerkervereins einst darstellte, ist durch unvorhersehbare und unerwartete geschichtliche Entwicklung ein g 1 U c k 1 i c h e r Umstand für. die jüdische Gegenwart geworden. 'Es ist nicht erst seit gestern und ehegestern, daß man in jüdischen Kreisen die' Problematik unserer Berufsstrüktur erörtert ... Dem Handwerk, das innerhalb des deutschen ständischen Aufbaues einen ehrenvollen und bedeutsamen Platz hat, muß auch innerhalb unseres jüdischen Lebens im Rahmen seines Umbaues und seiner Entwicklang die ihm gebührende Rolle zugestanden werden. . . . . Was wir bei der praktischen Gestaltung unserer jüdischen Arbeit brauchen, ist die Zuverlässigkeit im kleinen und die Liebe zum Detail, Was wir für unsere junge Generation brauchen, das ist die Konzentra- . tion ihrer Kräfte auf einen kleinen Kreis, den |eder. vollendet ausfüllen mag. Es ist durch den überkommenen Bildungsbesitz der Alten und durch das innere Streben unseres Nachwuchses ausgeschlossen, daß das handwerkliche Tun etwa zu geistloser mechanischer Verrichtung absinkt. Welchen Platz der Mensch in seinem Berufe einnimmt, hängt von dem Ueberblick ab, den er Uber einen größeren Bereich als den gerade bearbeiteten hat. Die Bedeutung des jüdischen Handwerkers im jüdischen Leben ist von der Berücksichtigung dieser Tatsache bestimmt. Und ebenso sein Platz im ehrlichen und freien Wettbewerb der allgemeinen Wirtschaft. Die gesetzlichen Voraussetzungen vom Lehrlingsvertrag bis zum Meisterbrief zeigen einen übersichtlichen, wenn auch zeitgemäß schwierigen Weg. Der Zwang zur überlegenen Kenntnis des fachlichen Tuns, den die Zeit auferlegt, wird leichtfertigen Dilettantismus -schnellfertigen Halbkönnens, soweit er überhaupt sichtbar geworden ist, zurückdrängen.' ' Handwerk und kaufmännische Berufe, diese beiden I.ebensraöglichkeiten stehen unseren jungen Menschen im wesentlichen zur Verfügung. Sie erganzen sich in vielem, aber sie mUnden in der einen Forderung: der deutsche Jude, der sich heute seinen Beruf wählt, muß sich klar darüber sein, daß er einen Sektor jüdischer Existenzmöglichkeit zu wahren und zu entwickeln und daß er sich in ihm beruflich und menschlich zu bewähren hat; daß er dabei piebt nur seine persönliche l.ebensabsicht verwirklicht, sondern zugleich auch eine Rückverantwortung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft ■ trägt, die ihm Jetzt nach besten Kräften beim Aufbau seiner persönlichen Existenz zur Seite gestanden hat und der er deswegen zur opferfreudigen Mitarbeit ver- . pflichtet ist, sobald er fest im Berufe steht. Die Männer, die vor' 40 Jahren in Zeitströmungen, die ihren Absichten wenig erfreulich waren, unbeirrt und treu ihren Weg gegangen sind, zeigen uns, was handwerkliche, was beruflichet Meisterschaft überhaupt bewirken kann. Ehren wir die Meister, so ehren wir damit die Zukunft eines Standes, dessen Arbeitsmethode für die Zukunft unserer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland beispielhaft sein kann .... Diese Jubiläumsfeier war kein Tag des Erntens, sondern ein Tag des Ruhens von stiller, steter Arbeit. Vierzig Jahre hindurch haben die Männer dieser Organisation gekämpft, und < heute erst ist ihre Stunde gekommen. Das deutsche Judentum, dessen Gesicht dem allgemeinen Leben zugewandt war, ging an ihnen und ihrem Werke fast achtlos vorbei, bis die Geschichte das nachholte, was zwei Generationen verabsäumt hatten. Wenn in der würdig geschmückten Synagoge Prinzregentenstraße. von deren Uckwand das einprägsame Zeichen der jüdischen Handwerker sich abhob, die Vertreter der zentralen jüdischen Körperschaften und Institutionen dem Verein ihre (duck wünsche brachten, so war dies nur ein äußeres Zeichen für eine innere-Wandlung. Es war die Sichtbarmachung einer Schicht unbekannter deutscher Juden, die in der Stille, 6

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