Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 2 (2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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eines Glaubensbruders ärgern zu müssen glauben, weil er sich im Geschäftsverkehr nicht so verhält, wie wir es gern haben wollen, so haben wir seibat das Mittel dazu, nach und nach eine Besserung herbeizuführen. Wir sind ja alle als Verkäufer auch Käufer. Verhalten wir uns auch selbst als Käufer eben immer so, wie. wir es bei anderen haben wollen, dann werden unsere anderen Glaubensgenossen niemals einen Grund haben, mit uns als judischen Kunden unzufrieden zu sein. Täten das alle, wie schön würden wir dann immer miteinander auskommen. Wir würden-dann Uberhaupt nicht danach fragen, ob der Partner Jude ist, sondern wir würden dann als Kunden und Lieferanten den Kunden als Kunden, den Lieferanten als Lieferanten behandeln, Vom jüdischen Lieferanten nicht etwas verlangen, was er uns bewilligen müsse, weil wir Juden sind, und vom jüdischen Kunden nicht von vornherein annehmen, daß er auf jeden Fall Extrawünsche hätte. Und auch dann, wenn wir einen unserer Glaubensbrüdcr aus ethischen Gründen mit einem Auftrage bedenken, werden wir nicht mit der einen Hand geben und mit der anderen Hand nehmen wollen. Vor allem aber eins: Bringen wir uns gegenseitig die höchste Achtung entgegen. Jeder unserer Glaubensgenossen ist dafür dankbar. Und aus der Wirtschaftsbeziehung wird automatisch jede Reibung, die aus außerwirtschaftlichen Gründen entstehen könnte, vermieden. Denn jeder Jude hat Anspruch auf Ehrerbietung und darf sie zumindest von seinen eigenen Glaubensgenossen erwarten.' Jüdische Oarlehnskassen Die Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen hat soeben einen Tätigkeitsbericht Uber die Arbeit der letzten zwei Jahre herausgegeben. Wir. entnehmen ihm folgende Einzelheiten, die die jüdische Oeffentliehkeit interessieren durften: Der Wandel der wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Judentums hat das Aufgabengebiet der jüdischen Darlehnskassen ganz außerordentlich erweitert. Auf Grund der Arbeiten der Zentralstelle konnte ein Ausbau der jüdischen Darlehnskassen in Deutschland erfolgen. In den Jahren 1933 und 1934 wurden zwei bestehende Darlehnskassen erweitert, 26 örtliche und 17 Bezirksdarlehnskassen neu aufgebaut. Nach dem 1. Halbjahr 1934 arbeiteten in ' Deutschland insgesamt 43 jüdische Darlehnskassen. Die Arbeiten der Darlehnskassen kamen allen Berufszweigen, besonders den selbständigen jüdischen. Gewerbetreibenden zugute. Interessant sind hierbei 'die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Die städtischen Orts- Darlehnskassen wurden in Anspruch genommen von 40*/i Kaufleuten, 21'/t Handwerkern, 9*/» Einzelhändlern, 9V« Vertretern und Angestellten, 6*/t freien Berufen, UV« Uebrigen. Beiden Bezirkskassen sind neben 22,3'/i Kaufleuten, 20*/« 'Einzelhändlern, insbesondere die Vieh- und Landhändler mit 14*/« vertreten, zu denen 12*/t Handwerker, 7Vt Vertreter und Angestellte, sowie 24,3*/« übrige Berufe kommen. Besonders hoch ist die Inanspruchnahme .der Darlehnskassen durch die Handwerker in Berlin, die mit 28*/» an /.weiter Stelle stehen, während bei den Darlehnskassen im Reich ohne Berlin das kaufmännische Element unter den Darlehnsnehmern Uberwiegt. Im Jahre I93> sind die Kassen zur Erhaltung bestehender bisher rentabler' Geschäfte in Anspruch genommen worden, die durch UmsatzrUckgang oder mangelnden Lieferantenkredit ein Darlehn benötigten. Auch die vielen beruflichen Umstellungen, die das Jahr 1933 mit sich gebracht hat, sind durch die Kredithilfe der Darlehnskassen wesentlich gefördert worden. Allmählich hat sich die Kredithilfe als eine selbständige Form der Wirtschaftshilfe von den ' anderen Formen der jüdischen Hilfsarbeit abgehoben und sich zu einem Mittelpunkt des jüdischen Aufbauwerks in Deutschland entwickelt. In erster Linie haben die Darlehnskassen den Verwendungszweck der nachgesuchten Darlehen geprüft. Wenn aus dem Verwendungszweck die Ruckzahlungsmöglichkeit gewährleistet erschien, 'war die Entscheidung Uber die Frage der Sicherheitsart von geringerer Bedeutung. Allerdings muß jedes Darlehn gesichert werden. Dabei pflegen in der Regel Faustpfänder und mobile Sicherheiten nicht genügend zu sein. Hypothe- . karische Sicherungen können nur insoweit angenommen werden, als die Rückzahlung des Darlehns aus seiner produktiven Verwendung wirtschaftlich sichergestellt erscheint und es sich für die Darlehnskassen nicht um eine Anlage ihres Kapitals in Hypotheken handelt. Vielmehr können die Darlehnskassen nur, um möglichst vielen eine Kredithilfe zukommen lassen zu können,. in erster Linie kurz- und mittelfristige Kredite, in der Regel für die Dauer eines Jahres einräumen. Bei hypothekarischen Sicherungen ist. die Gefahr zu groß, daß Kredite einfrieren und auf diese Weise die Darlehnskassen nicht in die Lage versetzt werden, innerhalb kürzerer Zeiträume ihr Kapital an möglichst viele Darlehnsnehmer zu produktiven Zwecken auszuleihen. Die Regel bilden nach wie vor bürgschaftliche Sicher he it e n , .die erfahrungsgemäß bei entsprechender Bemühung des Kreditnehmers meist aufzubringen sind- Daneben ließ sich bei kurzfristigen Krediten durch Abtretung von Kundenforderungen und anderen Formen des Geschäftskredits eine bewegliche Gestaltung der Sicherheitsart herbeiführen. , Kredite zum Zweck der Abdeckung von Schuldverpflichtungen oder zu ausgesprochenen Sanierungen können von den Darlehnskassen schon deshalb nicht gegeben werden, weil die Höhe des Einzeldarlehns, auch im Interesse der Kredithilfe für möglichst viele, notwendigerweise beschränkt 4 werden muß. Wie stark die Anforderungen an die Darlehnskassen gestiegen sind, ergibt sich .daraus, daß im ersten Halbjahr 1934 der Anzahl nach etwa 80*/«, dem Betrag nach sogar 90*/l der Darlehen des ganzen Jahres 1933 zur Auszahlung gelangt sind. Durch die außerordentliche Anspannung aller verfügbaren Mittel, die unter dem Druck der wachsenden wirtschaftlichen'Not vorgenommen werden mußte, ist heute mit der Tatsache zu rechnen, daß die Mittel der Darlehnskassen bis an die Grenze des Möglichen für die Verausgabung von Darlehen eingesetzt sind. Den neu an die Darlehnskassen herantretenden Bedürfnissen wird nur Rechnung getragen werden können, wenn den Darlehnskassen neben den Rückflüssen aus ihren Ausleihungen zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen werden. Wie auf allen Gebieten von Hilfe und Aufbau, wird es auch hier entscheidend auf die Leistung ankommen, die das deutsche Judentum aus eigenen Kräften vollbringt. Unsere Stammtische Wir weisen aaf das an die Mitglieder des Handwerker- Vereins gesandte Rundschreiben Nr. 1/1933 sowie den Tätigkeitsbericht des Mittelstands-Verbandes ergebenst hin, die anf dea Zweck unserer Stammtische näher eingingen und jedem Mitglied aus Handwerk nnd Mittelstand den regelmäßigen Besuch im eigene« Interesse zar Pflicht machten. Die nächsten Stammtische finden statt: Westen: Restaurant Hefter, Wittenbergplatz 3. Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat. 26.2 12.3. 26.3. Nordwesten: Conditorei Hansa, Flensburger Str. 19. Jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat. 20.2. 6.3. 20.3. Norden: Conditorei Dohrin, An der Spandauer Brücke 7. Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat 27.2. 13.3. 27.3. Nordosten: „Greifswalder Hof, Greifswalder Str. 43. Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat. 21.2. 7.3. 21.3. Süden-Südosten: Cafe „Zum Wiener", Kommandantenstr.44a. Jeden 2, und 4. Montag im Monat. 23.2. 11.3. 23.3. Achtung! Die Stammtische werden nicht regelmäßig Utägig, sondern wie oben angegeben an ganz bestimmten Tagen eines jeden Monats veranstaltet Neu eingerichtet ist der Stammtisch im Bezirk Nordosten, der an jedem 1. und 3. Donnerstag im Monat im Restaurant „Greifswalder Hör', Greifswalder Str. 43 (nahe Klbinger Straße) stattfindet. Zum ersten Stammtischabend nm Donnerstag, den 21. d. M., der durch Vorträge besonders ausgestaltet wird, laden wir alle Mitglieder und Angehörige besonders des Bezirks Nordosten freundlichst ein. Die Januar-Stammtische der Bezirke' Norden, Westen und Nordwesten brachten aktuelle und interessante Vorträge unserer Kollegen Fritz Dresel, Adolf Lehmann, Ernst Michaelis, Dr. Aronowsky, Dr. Kahn u. a. m. — Wir werden auch in der Folgezeit neben der allgemeinen Information kurze Fachreferate, die allgemeine Wirtschaftsgebiete betreffen, halfen lassen. Der Stammtisch-Abend mit geplantem Vortrag des Bezirks Süden/Südosten am Montag, dem 23. Februar 1933, fällt wegen der für den gleichen Abend angesetzten Mitglieder-Versammlung des Handwerker-Vereins, die im ehemaligen Logenhans, Joachim*thaler Straße 12 a, stattfindet, ans.