Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 3 (18.3.1936)
- Date
- 1936-03-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Qemeindeblatt Bremen Nummer 3 Leistungen seiner beiden großen Vertretungen in den Hafenstädten auf. Sie zeigen ferner die unermeßlichen Erfahrungen, die der Hilfsverein auf dem Gebiete der Auswanderung der Jahrzehnte zwangsläufig gesammelt hat Um einige Ziffern zu nennen, sei hervorgehoben: 1906 bewältigte die Bremer Abteilung des Hilfsvereins eine von Ihr kontrollierte (Iber Bremen gehende Auswanderung von 26 575 Juden. Völlig eingekleidet wurden 1 210 Menschen. 20602 Mahlzelten wurden unentgeltlich verabfolgt. 98004,88 RM wurden für die Auswanderer verausgabt. 1907 wanderten nicht weniger als 23 104 jüdische Passaglere Uber Bremen, von welchen 1815 Menschen allein auf Kosten des Hilfsvereins befördert wurden. 14600 Mahlzelten wurden.unentgeltlich abgegeben, wahrend tausendc von Menschen, und zwar täglich durchschnittlich 200, für ein geringes Entgelt Mittagessen, Frühstück und Abendbrot erhielten. I 050 Menschen wurden vom Hilfsverein eingekleidet. 160 Augenkranke wurden ausgeheilt. Insgesamt wurden 162 421,70 RM für Ozeanreisen verausgabt. 1908 wanderten Ober Bremen nach Nord-, Mittel- und Südamerika 9 345 Juden aus. 1 101 Auswanderern wurde materiell geholfen. 79 647,15 RM wurden für Ozeanreisen verausgabt. Abgesehen davon, daß in diesen Jahren der Massenauswanderung jährlich lausenden von Menschen Auskunft erteilt wurde Uber Reisen und Einwanderungsbedingungen, UberLandes- und Arbeitsverhältnisse, mußte in vielen hundert l allen für die damals oft planlos und Hals Uber Kopf abgereisten Auswanderer das auf verschiedenen Stationen zurückgelassene (iepäck herausgefunden und den Emigranten nachgesandt werden. In den weiteren Jahren gingen über Bremen folgende Auswanderungen: 1909 12435 1910 19750 ■r-1911 15496 1912 19836 »< 1913 35 000 wobei in all diesen ungeheuren Ziffern die Zahlen der Rückwanderer noch nicht einmal enthalten sind. Die aus der Vorkriegszelt bekannte große Üalveston-Auswauderung (Ito), die unter der tatkräftigen Mitwirkung bekannter Phllantropen - - des Amerikaners J. H. Schiff und des Engländers Zangwlll — vor sich ging, vollzog sich ausschließlich Unter Leitung von Rabbiner Dr.- Rosenak Uber Bremen. 1920 und 1921 gingen dann ferner unter seiner Leitung die Transporte, der von der H'as In Warschau über Danzig nacli Uebersee geführten ukrainischen Waisenkinder Uber Bremen. Als Rabbiner Dr. Rosenak im Jahre 1923 auf der Rückreise von Amerika, wo er im Interesse der durch die amerikanische Einwanderungsgesetzgebung in Bremen gestrandeten Wanderer gewirkt hatte, starb. Qbernahm Bernhard Galatter die Leitung der Bremer Abteilung. Nach dessen Hinscheiden im Jahre 1927 ging die Leitung in die Hände von Rechtsanwalt Dr. Rosenak Uber. In den Jahren 1920—1935 gingen Uber Bremen rund 30 000 jüdische Auswanderer. . r In lausenden von Fällen bewendete es nicht bei der bloßen Ratserte>lung. sondern wurde mit den Empfangskörperschaften in Uebersee oder in den sonstigen Lindern der Welt korrespondiert, um diese zu veranlassen, bei Eintreffen des Wanderers und bei seiner Unterbringung und Eingliederung in den Arbeitsprozeß Ihm zur Seite zu stehen. Zehntausende von Menschen in allen Teilen der Welt, denen geholfen wurde, er'nnern s'ch dankbar des Hilfsvereins, der ihnen zur Seile stand, als sie die alte Heimat verließen, um eine nette zu suchen. Aus der Israelitischen 8t - Hill ||.|II IM .1' 'i ■T i ' n Beiträge für den lokalen Teil sind an die ScVittleitung Jüdischen Gemeindeblattes, Bremen, Oartensttafie 7, zu senden. Amtliche Bekanntmachungen: - Gemeindebeiträge 4 sind bis zum 10. jeden Monats fällig. FUr Zahlungen benutze man die Gemeinde-Konten bei der Sparkasse In Bremen (Konto Nr. 6217), bei der Bremer Bank (Konto Nr. 3710) oder beim Postscheckamt Hamburg (Konto Nr. 8083). Der Oemelndebeitrag ist eine Bringschuld. ,! *.'• .; >!,»y^Sfc;£^ * " Sprechzeiten In den Verwaltungsbüros Fernruf: Domsheide 28588 Üemelndevorstand (Büros: Gartenstraße 7, I. Etage) Werktags 9—12 Uhr Wohlfahrtspflege (Gartenstraße 7, I) Montag und Donnerstag 9—12 Uhr- Gottesdienst in Bremen Synagoge: Gartenstraße 6 Sibbit Vorabend Morgen» Mlncba .Ausging 21 Min: W'Jakhcl, plkude Nrutnnndjvtrihf. Predigt Sabbath haChodctch 18.30 8 00 18 30 1921 28. MHz: Wjlkra 18.45 8 00 18.50 1934 4. Aptil: Zaw (Sibbath hagadol) 19.00 8.00 19.00 .19.48 Neumondttag Nimm Dienstag. 24. MIR.' Wochentag»: 7.00 Uhr und 18.30 Uhr. Nächste Prundspenden - Ablösung: Sonntag, 22. März. Nächste .Blaue-Karlen-Akllon" für Hille und Aufbau" am Sonntag, 5. April. Familien-Nachrichten: Geboren: Ein Sohn: Hugo Feist und Frau Grete, geb. Müller. Kqhlhökerstraße 9. 75. Geburtstag: 15. Februar: Benny Zacharlas, Steintor 98 (verspätet). Gestorben: 18. Februar: Hermann Schwarz, Ruckertstraße 26. im 68. Lebensjahre. Bremer Nachrichten HeWenehrung: Im Rahmen einer Feierstunde, in der Rabbiner Dr. Aber Uber „Die Sprache der jüdischen Pietät" einen Vortrag hielt, fand am Sonnabend, den 29. Februar, abends eine Gedenkfeier in der Synagoge statt. In Anwesenheit zahlreicher Angehöriger der im Weltkrieg gefallenen Soldaten des deutschen Heeres, Vertreter dcs-Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten und Mitglieder religiöser Vereinigungen wurde der toten Helden ehrerrVoll gedacht Reichstagswahlrecht: Nach § 4 der Verordnung zum Reichsbürgergesetz können Juden nicht Reichsbürger sein und . ein Stimmrecht in polltischen Angelegenheiten steht ihnen nicht zu. § 2 des neuen Gesetzes bestimmt, dal derjenige, der > ohne Wahlberechtigt su sein, seine Stimme abgibt, mit Gefängnis, und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bei straftwird.