Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1936-02-18 · 2 (18.2.1936) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
8 (1936)
Issue
2 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492301-5441719-5441775--100-4883056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seile 6 je weitere Zeiträume die Tradition hingegen zurückreicht," desto stärker sind in der Kegel die Positionen, Ober die Konservatismus und Orthodoxie verfügen. In der Berichtsperiode fanden zwei XjruppcnverbandsWe statt (November 1934 in Hamburg uno Mai 1935 in Bremen) sowie 2 Kreistage (Oktober 1934 in Lübeck und Februar 1935 in Oldenburg). Im ganzen Gruppen verband sgehiet verfügte die" zionistische Arbelt?eH alter Zeit nur Uber drei Zentren, nämh\h Hamburg, Emden und Lübeck. Darüber hinaus einen wirklichen Vorstoß zu erzielen, gelang der zionistischen Propaganda mir in Oldenburg, Ostfriesland und vor allem in Bremen, dessen Ortsgruppe einen lebhaften Aufschwung nahm. Aehnlich wie in Bremen liegen die gemeindlichen Verhältnisse im benachbarten Hannover, über das folgendes Bild entworfen wird: Die Hannoversche Oemeinde, die etwa 4200 Seelen zählt, zerfällt inzwei, ziemlich scharf voneinander geschiedene Teile: die „Autochthonen" und die Zugewanderten, die Ostjuden, wobei unter „Ostjuden" beinahe alle diejenigen verstanden -werden, die von ostwärts der Elbe kommen. Charakteristisch für diese Haltung ist Jas sogenannte „Aufnahmeprinzip" der Oemeindeverfassung, demzufolge nicht alle in Hannover lebenden Juden Mitglieder der Oemeinde sind^von den 4200 nur etwa 2500). Bis heute war vs' trotz des großenDhd aktiven ostjüdischen Teiles der Oemeinde nicht möglich, dies Aufnahmeprinzip zu beseitigen. Diese Zustände haben lange Zeit die zionistische Situation sehr wesentlich bestimmt. Es war der Ortsgruppe vor 1933 trotz aller Anstrengungen nicht oder kaum gelungen, außer den KJVern und wenigen alten Zionisten Westjuden in nennenswerter Zahl zu erfassen . . . Einen Wendepunkt bilden die Sommermonate des Jahres 1935. Die Sprache der jüdischen Pietät: Im jüdisch-konservativen Qemeindeverein Breslau sprach Herr Rabbiner Dr. Aber über dieses Thema, dessen AktueJIität eine nach Hunderten zählende Zuhörerschaft angezogen hatte. Von den Grundbegriffen jüdischer Pietät (Chessed w'Emeth) ausgehend, so berichtet die „Jüdische Zeitung", behandelte der Redner eingehend den Sinn des „S'chut" als Summe einer sittlichen Leistung, die sich von den Vätern (s'chuth aboth) ahf die Söhne (s'chuth bonim) vererbte, als Dank an die Ahnen und ihre jüdische Leistung. Eine derartige Familie war stolz'auf ihren Jichus als Zeichen der Portpflanzung der Familienwerte im Sinne des Zeltlosen, das eine Hervorhebung des Individuums ausschließt. Aus dieser sielt stets erneuernden Kette hat die Aufklärungszeit Glied um Glied gelöst — und übrig blieb nur eine konventionelle unehrliche Pietät. Das Kaddisch-Qebet. das ein Bekenntnis zum väterlichen, jüdischen Ideal war, hat einer Inhaltlosen sentimentalen Religion des Todes statt der jüdischen, pulsierenden Religion des Lebens den Sinn opfe.rn müssen. Wahre Pietät sei nicht das Opfer sondern die Fruchtbarmachung zur Schließung der Kette, die Väter und Söhne'Im Bestellschein In dtn Poll- : kiitta wultnl An das Postamt (Zeitungsstelle) Hier Nummer 1 Sinne des S'chuth als wertvolle Glieder verbinde. Dr. Aber brachte wundervolle Inschriften von Grabsteinen, die «ine derartig geistig-seelische Verbindung zwischen den Trauernden und den Betrauerten ahnen lassen, und berührte damit ein Gebiet, das viele unserer Glaubensgenossen in den persönlichsten Fragen der Pietät von Mensch zu Mensch angeht Gründung der Jüdischen Auswanderungsschule Am 16. Januar fand In den Räumen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Gründungsversammlung der Jüdischen Auswanderungsschule statt. Die „Jüdische Auswanderungsschule" setzt sich die Vorbereitung junger jüdischer Menschen für die Auswanderung nach Uebersee zur Aufgabe. Sie tritt damit neben die bisher bestehenden Auswanderungsstellen, deren Arbelt sie ergänzen will. Die auf einem Gut unterzubringende Schule wird der landwirtschaftlichen, gärtnerischen, hauswirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung von zunächst 125 Schülern und Schülerinnen dienen. Neben der rein beruflichen Ausbildung wj£J in der Erziehungsarbeit besonderer'Wert auf charakterliche, geistige und sprachliche Schulung auf der Grundlage eines bewußten Judentums gelegt werden. Nach Eröffnung durch Leo Baeck wurde Pr. Julis L. S e I i g s o h n zum Vorsitzenden des Kuratoriums gewählt, dem die Vorbereitungsarbeiten und später die Verwaltung der Schule obliegt. Die Adresse der Geschäftsstelle Ist: Professor Dr. Gurt ßondy, Berlin W 15, Kurfürstendamm 200. jüdisches Altersheim: Die Verwaltung teilt mit. daß die Beiträge für das Altersheim nur noch an Herrn Max Stern gezahlt werden dürfen, der als Kassierer tätig ist. Herr Eppenstein ist nicht mehr berechtigt, Beträge für das Heim einzukassieren. - Die Pressestelle des Hilfsvereins der Juden in Deutschland teilt mit: Um dem gewaltig angewachsenen Auswanderungsdrang der jüdischen Bevölkerung gerecht zu werden, hat der Hilfsverein sich zur Errichtung von II neuen Auswandererberatungsstellen im Reiche entschlossen, die in den wichtigsten Städten den Auswanderungswilligen mit Rat und Tat zur Seite stehen und die Zentrale von einem Teil der immer mehr anschwellenden Arbeit entlasten sollen. Bisher bestanden solche Stellen in Hamburg und Bremen. Die Arbeitsbereiche der neuen Auswandererberatungsstellen sind folgende: Königsberg, Breslau, Leipzig, Stettin, Hannover: für Hannover, Westfalen, Braunschweig-Lippe, Halberstadt, z. Hd. v. Herrn Rechtsanwalt Dr. Max Schlelsner, Hannover 1 M, Sophienstraße la; Köln a. Rh.,.Frankfurt a. M., Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, München, Hamburg: für Ham- Mfg, Lübeck, Kiel, z. Hd. v. Herrn Henry C h a s s e I, Beneckestraße 6, Hamburg: Bremen, für Bremen, Oldenburg1 — ohne Lübeck und Birkenfeld — UnterwesergVbiet, Ostfriesland und Münster, z. Hd. v. Herrn Rechtsanwalt Dr. J. Rose n a k, Am Dom 6, Bremen. > Um die neuen Berater mit den schweren Aufgaben ihrer künftigen Arbeit vertraut zu machen, hat der Hilfsverein einen Auswandererberatungskurs veranstaltet, In dem von berufener Seite Vorträge über die zahlreichen Probleme der Beratungstätigkeit gehalten wurden. Insbesondere gaben die Mitarbeiter der Berliner Zentrale sowie einige Referenten-^er Reichsver- Gemeindeblatt Bremen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.