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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1936-01-17 · 1 (17.1.1936) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
8 (1936)
Issue
1 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Gerne IndcblVtt Bremen Nummer 1 dem, die seinem Vorbilde nachstreben, lebt die hone Persönlichkeit des Vaters fort. Mit der Synagoge am Bornplatz trauert auch die Israelitische Gemeinde Bremen um das zu frühe Hinscheiden des vortrefflichen Mannes. Sein Andenken bleibt zum Segen. Israelitischer Frauen verein: Am 23. Dezember wurde mehr als 130 Kindern unserer Gemeinde eine fröhliche Chanukkafeler beieitet. Nachdem man sich an Kakao und Kuchen gütlich getan und jeder eine „sflfie Tüte" eingeheimst hatte, begann der unterhaltende Teil der Feier, eingeleitet vom Lichterzflnden und gemeinsamen Gesang des „Moaus zur". Ein kleines Mädel sprach ein Gedicht und Frau Minnie Rosenak erzählte den Kindern die Chanukkageschichte. Allerliebst die Kleinsten aus Ilse Kayseis Spielkreis mit „Trommeln und Trompeten"! Die größeren Kindern führten ein Stück „Die Prinzessin mit def'-Nas'" auf und man konnte so recht merken, mit welchem Eifer, welcher Begeisterung sie bei der Sache waren. Auch für die kleinen Zuschauer war es am interessantesten, daß die Schauspieler aus ihren eigenen Reihen kamen. Wie aus Palästina berichtet wird, wurde im gesamten Jischuw feierlich Chanukka begangen. Besonderer Hervorhebung gebührt der traditionellen öffentlichen Feier in Tel Awiw, wo bei ReKinn des 3. Chanukkatags 8 000 Schüler der Tel Awiwer •Schulen an einem Fackelzug teilnahmen und zum Rathaus zogen. Nach Fntzündung drei riesiger Chanukkalichter hielt BürgermeiMer Dizengoff eine Ansprache an die versammelte jüdische Jugend. Der Hllfsverern der Juden, der bislang nur in Hamburg und Bremen Beratungsstellen unterhielt, baut seinen Apparat tHirch Hinzuziehung neuer Kräfte aus und zwar in Breslau. Königsberg, Stettin, Leipzig, Köln. Hannover, Kassel, Essen. Frankfurt a. M., Mannheim, Karlsruhe. Stuttgart und München. Die Zahl der Beratungen hat erheblich zugenommen und beträgt monatlich mehr als 4 000. Die finanziellen Aufwendungen zur Auswanderung nach Uebersee betrugen im September .25 000 RM, im Oktober 46000 RM und im November 66 000 RM; die Zahl der hilfsbedürftigen Auswanderer: im September 204, im Oktober: 300, im November: über 400. Im Kampf gegen Hunger und Karte wirkt die Jüdische Winterhilfe! Der 25. Delegiertentag der zionistischen Vereinigung in Deutschland, die oberste Instanz der zionistischen Bewegung in Deutschland, tagt vom 2. bis 4. Februar in Berlin. Für die erste Siedlung der Jugend-Alijah hat der Jüdische Nationalfonds mit Hilfe der zu Ehren von Miß Henrietta Sznld durchgeführten Aktion den notwendigen Betrag aufgebracht. Die ersten Siedlungsarbeiten werden in Kürze beginnen. Als Abschluß der Aktion hatte die Berliner Jüdische Gemeinde noch 2 000 RM und die Oroßloge für Deutschland UOBB 3 000 RM an den JUd. Nationalfonds überwiesen. Reichsverband jüdischer Kulturbünde: Nach dem Bericht des DNB. ist das Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin,'Direktor Georg K a r e s k i, zum verantwortlichen Leiter des Reichsverbandes bestimmt worden. Für die künstlerischen Veranstaltungen bleibt, wie bisher, Dr. Kurt Singer als Intendant verantwortlich. — 'Ein „Sekretariat tür Bildende Kunst", das kürzlich "beim Reichs verband errichtet wurde, hat die Aufgabe, die in Deutschland lebenden jüdischen Maler, Bildhauer und Graphiker zu erfassen und in ihren künstlerischen Angelegenheiten sachkundig zu beraten. Alle in Frage kommenden Künstler müssen ihre Anmeldung bis zum 15. Januar 19.% vollzogen haben. Die Adresse lautet: Jüdische KOnstlerhiire, eBrlin-Charlottenburg, Kantstraße 158. Zur Hausangestelltenlrage veröffentlicht die Jüdische Rundschau Antworten auf viele praktischen Fragen, die sich aus dem Hausangestellteru^esetz ergeben. Die h R. kann im hilfe, Berlin-Charlottenbttrg, Kantstraße 158. Bunter Abend von Jose! Plaut (22. Dez. 1935) Die dritte Veranstaltung der Kultur-Kommission unserer Gemeinde hatte wieder eine zahlreiche' Zuhörerschaft im kleinen Saale der „Union" zusammengeführt. Der Abend wurde ein voller Erfolg. .Der klangvolle Name von Josef Plant hatte auch viele Auswärtige veranlaßt, nach Bremen zu kommen, um für einige Stunden die in heutiger Zeit für jeden erforderliche Entspannung und fröhliche Stimmung auf sich wirken' zu lassen. Wer den Vortragenden seit längeren Jahren nicht mehr gehört hat, mußte erstaunt sein, daß er nicht nur auf der Höhe seines Könnens geblieben ist, sondern die Wirkung" seiner Vorträge noch erhöht undvertieft hat. Dazu trägt nicht nur sein liebenswürdiges Wesen und sein sonores Organ, sondern vor allem die hervorragende Mimik bei, welche nach manchen Darbietungen besonders lebhaften Beifall auslöste. Gleich mit der ersten Nummer „Dankbarkeit" von Job. Peter Hebbel war der Konnex mit dem Publikum hergestellt Es folgten, teils in Poesie, teils in Prosa, Werke von Andersen, Saiten, Wied und Kyber. Außerordentliche Heiterkeit erweckte Marc Twains feine Humoreske über „Barbiere"; sehr gefiel auch die famose Zetterströmsche Szcnc.auf der Straßenbahn. Besonders fiel bei dieser die kunstvolle Unterscheidung der verschiedenen Stimmenauf. Im zweiten, als ..Heiterer" bezeichneten Teile seines Programms kam Plaut mit nur Selbstverfaßtem zu Wort. Zunächst mußte die altbekannte „Geschichtsstunde" alle Anwesenden zu fröhlichem und befreiendem Lachen bringen. Als dann die eigenen Erlebnisse aus der Jugendzeit und die köstlichen Kleinstadtschilderungen aus Detmold, der Heimat des Vortragenden, folgten, war die Stimmung bald auf dem Höhepunkt.angelangt. Und Salome mit dem liegengebliebenen erstochenen Ritter und die Verhandlung von Max Reinhardt mit den die Juden darstellenden Statisten löste anhaltenden spontanen Beifall aus. Josef Plaut konnte die Ueberzeugung haben, sich'bei uns eine aufmerksame und anerkennende Zuhörerschaft erworben zu haben. Das dann zum Schluß des Abends noch gebotene kleine Interemezzo hätte unterbleiben können, es konnte pur die erzielte Wirkung abschwächen. — Sollt« uns auch weiterhin Gelegenheit geboten werden, an unsern Vortragsabenden echte und rechte Künstfer bei uns zu seilen, wird der Besuch sicherlich noch eine ertreuliche Stegerung erfahren. Auf diese Weise werden wir auch den Veranstaltern am besten für ihre große Mühewaltung danken können. M. A. Als Postskript zum \ Erstehenden Bericht ist hier nachzutrugen, daß d'e Im vorigen Gcmcindeblatt veröffentlichte Rezension'über den Herrnstadt-Oettlngen-Abend, gez. M. W. K. (nicht MMK. wie irrtümlich angegeben), starken Widerspruch hervorgerufen hat. Vor allem wendet man sich gegen die Auswahl der vorgetragenen Stücke. „Es geht gewiß n'cht an. so schreibt ein Zuhörer, jüdische Belange in einer Form darzustellen, die das Niveau der Synagoge in ein durchaus schiefes Licht setzen. Vor einjfr solchen Selbst-Persiflage muß sich das Judentum den nicht4frlschen Zuhörern, der Oeffentlichkelt und nicht zuletzt sTth selbst gegenüber Jiütejj. Der Westjude denkt über diese Dinge anders wie der OstJudeT und deshalb wirkt ostlfldische Dichtung, im Osten vorgetragen, anders wie eine Auswahl derartiger Affären In Nordwestdeutschland: sie bleibt unverständlich und wirkt überaus abstoßend. Frau Oellingen verfiel dazu noch in den Fehler, es n'cht bei einem dieser Stücke bewenden zu lassen, vielmehr den Hauptteil des Mu nds damit auszufüllen und so den Zweck der Veranstaltung, seelisch entspannend zu wirken, ins Gegenteil zu verkehren. Die KliHur-Kommlsslon kann bei Prüfung der Programme,l»f nicht vorsichtig genug sein und,muß vor allem ihr Augenmerk darauf richten, dem jüdischen Publikum alles lernzuhalten, was ihm seelisch nicht von Nutzen ist. Trotz aller Schwierig-. keiten bei der technischen Vorbereitung und Durchführung^ bleibt es ihre Aufgabe, dem jüdischen Publikum eine Feierstunde zu bereiten und diese Stunde zu einem Erlebnis der.

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