Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 8 (1936)
- Issue
- 1 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 Oemelndeblatt Bremen Seite 5 mit anstreicht und daß er den Ausguß mit seiner Farbbrühe verstopft « 7. Zusammenarbeit der verschiedenen Handwerker, die gleichzeitig eine Arbeit ausfahren. In den seltensten Fällen findet hier ein überlegtes sich In-die-Hände-arbelten statt. Der Fleck an der Wand zeigt oft, daß hier der Installateur nach dem Maurer gearbeitet hat . . . und was der Handwerker von der Hausfrau? 1. Klare Darlegung ihrer Wünsche: Nur bei sachlichen Angaben und etwas Materialkenntnis kann sie verlangen, daß ein Kostenanschlag genau ausfällt. Jede sorgfältige und ehrlich ausgeführte Arbeit verdient ihren Lohn. 2. Einmal Bestelltes nicht unnötig abzuändern: Plan und Ueberlegung gehen der Ausführung voran. Ein Phantasie- - gebildeter Hausfrau sieht oft anders aus, als der fertige Gegenstand. Einen Kostenanschlag muß man sich genau ansehen und Einwendungen vor Beginn der Arbeit machen. 3. Die Rechnung sofort zu bezahlen: Audi der Handwerksmeister muß seine Gesellen sofort entlohnen, und sein Material bekommt er n!cht umsonst. Seine. Spesen wachsen, je länger die Begleichung der Rechnung ausbleibt. Er kann bei Barzahlung des Bestellers billiger arbeiten. Sind Ratenzahlungen vereinbart, so ist der Zahlungstermin gleichmäßig innezuhalten. -I. Jede Hausfrau freut sich, wenn sie „die Handwerker hinter sich hat". Sie wird ihnen aber die Qerltschaften, die sie vielleicht benotigen — Leiter, Eimer usw. —. In guter Verfassung und bereitwilligst zur Verfügung stellen. 5. Ihre Aufträge über das ganze Jahr verteilen: Der Töpfer soll nicht geholt werden, wenn schon der erste Schnee fällt Die Anfertigung der Sommerkleidung im Februar- März verlängert die Vorfreude auf den Sommer. 6. Dh» Wohnung herzurichten, damit der Handwerker arbeiten kann und gar nicht erst Gefahr läuft, ihre Sachen zu beschädigen.'Durch Hilfeleistung während der Arbeit zeigt sie, wie viel Ihr an einer möglichst sauberen und schnellen Erledigung liegt. / 7. Keinen Schwarzarbeiter zu beschäftigen und keine Pluscharbeit zu dulden, denn damit schädigt sie den ehrsamen Handwerker. Auch von ihr selbst ausgeführte Pfuscharbeit •ist letzten Endes teurer. Günther Kall tn.a n n im Vcrhandsbüro des Zentralverbands jüdischer Handwerker Deutschlands e. V., Berlin. Illllllllllllllllllllllllllllillllllllllll Der Tag vT'" Jeder Tag hat seine Freuden, Jeder Tag hat se ne Leiden. Jeder eilt dem andern zu; .Um was singend wir gestritten, Um was duldend, wir gelitten. Kündet leis' die AijendlajbJ----' Jeder Tag fiilirt* uns zum Ziele Näher, aus dem Weltgewühle, Zeigt uns die Vergänglichkeit; — Keinen laß dir drum entrücken, Sollst an jedem Blumen pflücken, Immergrün der Ewigkeit. (Israel Schwarz: Zions-Klänge. Religiöse Dichtungen.) Nachrichten des Familienschu'z E V Wir verweisen aul die Beilage unseres Vereins in dieser NirmHer des O mrindeblatte« und machen darauf aufmerksam. da8dieOe*eh|its«telle unseres Verein« in B «den sich bei Dr. Grete Ebertsheim, Karlsruhe, Hirschstraße Nr. 39, befindet. Cbauukka-FeJer Im Altersheim: Der I. Schabbos-Chanukka klang in diesem Jahre in eine besonders schöne Feier aus. Die Damen und Herren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unser Heim zu betreuen; hatten sich bei uns eingefunden. Um 20 Uhr rief unsere Vorsitzende, Frau Auguste Michel, Insassen und Personal in den lichteifüllteu, festlich geschmückten Tagesraum, und nachdem unser Gemeinde- Vorsteher, Herr Max Markreich, die Chanükka-Lichter entzündet hatte und zwei Strophen«<les alten lieben „Moaus zur" verklungen ttfaren, ergriff Herr Rabbiner Dr. Aber das Wort. Er gedachte zu Beginn seiner Rede der Verdienste unseres lieben langjährigen Administrators, Herrn Julius Stern, den wir leider so früh verloren haben. Alle Anwesenden erhoben sich zu seinem Gedenken von ihren Plätzen. Im weiteren Verlauf der zu Herzen gehenden Worte war es das Licht das auch im übertragenen Sinne all unseren lieben Alten in unserem schönen Heime, strahlt,1 das in Parallele zu dem Licht des Oelkrüglein gestellt wurde, das „in jenen Tagen, in dieser Zeit" unseren Vorfahren-Befreiung und Wiederaufleben der Freude bekundete. Nun folgte der gemeinsame Gesang der weiteren Strophen, und darauf forderte Frau Michel mit Heben Worten Insassen und Personal auf, die für sie bereit gestellten schönen Geschenke in Empfang zu nehmen. Diese, waren mit so viel Liehe ausgewählt und so nett aufgebaut, daß die Freude groß war. s Inzwischen war im Eßzimmer der Abendbrotlisch verteiltet worden, und unsere Gäste machten uns die Freude, mit uns zu essen. Einer unserer Insassen, Herr Leopold Abraham, dankte im Namen aller herzlich lür die erhebende Feier, und mit dem von Herrn Wolff X u s t g a r t e n vorgetragenen Tischgebet fand der schöne Tag sein Ende. E. T. Hierzu folgender Bericht aus dem ..Schild", dem Organ der jüdischen Frontsoldatenbewegung: Kam. Julius Stern, Leutnant d. L. -a. D., ist am 12. v. M. im 52. Lebensjahre verschieden. Seine Beisetzung hat unter großer Beteiligung am Sonntag, den 15. v. M. stattgefunden. Der Ortsgruppen-Vorsitzende. Kam. Benno Pihcus, hat bei der Trauerfeier folgende Abschiedsworte gesprochen: „Ich bringe Dir, lieber Kamerad Julius Stern, die letzten AbschiedsgriiSe Deiner Kameraden im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, dem Du Deine schätzbaren Dienste alle Zeit zur Verfügung gestellt hast. Im Weltkriege 1914—1918 hast Du Deine Pflicht dem deutschen Vaterlahde gegenüber erfüllt Für Deine vorbildliche Haltung bist Du zum Offizier befördert, von Deinen Vorgesetzten und Untergebenen hochgeachtet worden. Wir danken Dir für Deine Pflichterfüllung. Ehre Deinem Andenken." Die Familie unseres Lehrers, Herrn G. Rosemann, ist durch das am Sabbat 18. Kislew, erfolgte Hinscheiden ihres Familienoberhauptes Julius R o s e m a n n (Hamburg) in tiefe Trauer versetzt worden. Der Verstorbene hatte jahrzehntelang das Amt eines Oberküsters an den Hamburger Hauptsynagogen inne und genoß als charaktervoller Mensch und gesetzestreuer Jude nicht nur das volle Vertrauen des sei. Oberrabbiners Dr. Spitzer szl, mit dem er in inniger Freundschaft verbunden war, sondern auch der unzähligen Synagogenbesucher und Gemeindemitglieder, die seine ßerufstreue und seine außergewöhnliche Güte und Hilfsbereitschaft schätzten. Von der allgemeinen Verehrung zeugte die rege Beteiligung bei seiner Beisetzung auf dem Friedhof in Langenfelde, der massenweise Trauerbesuch während der Schiwah und nicht zuletzt die voll Innerer Anteilnahme gehaltenen Nachrufe Im „Israelit. Familienblatt" und im „Israelit". „Mit .luflus Rosemann, so schreibt das Organ für das orthodoxe Judentum, verliert das orthodoxe Hamburg eine seiner besten und stärksten Persönlichkeiten. Mit der Trauer der, greisen Mutter, mit dem Schmerz der frommen Gattin, mit dem Weh der guten' Kinder verbinden wir alle unsere Klage „wo finden wir wieder solchen Treuen?" Aber In das Klagen und Weinen mischt sich eine Stimme, die tröstend und aufrichtend all den Gebeugten zuruft: „Die Treue Deiner Zeiten wird zum starken Quell des Glückes." Julius Rosemann, der erst Im 55. Lebensjahre stand, entstammte einer alteingesessenen ostfriesischen Familie; in seinen Kitt-