Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 7 (1935)
- Issue
- 12 (18.12.1935)
- Date
- 1935-12-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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""Seite 2 Gemeindeblatt- Bremen Nummer 12 dem einzelnen in seiner grandiosen Aktualität und helfenden Menschlichkeit empfunden werden. ,1 \ . ' ' Alle Kräfte müssen aufgerufen, alle Begabungen genutzt werden. Die Musik wird uns eine edle Begleiterin auf unserem Wege sein. Sie wird uns wahrhaft beruhigen, „wenn uns des Lebens wilder Kreis umstrickt". Aber auch alle andern literarischen und künstlerischen Neigungen müssen im kleinsten Kreis jetzt erst recht gepflegt und gefördert werden. Eine „Vor- ■ lesung" in dem alten würdigen Sinne des Wortes vor wenigen gleichgestimmten Zuhörern ist oft von sjärkerer Wirkung als ein groß aufgezogener Vortragsabend. Jeder von uns hat eine freundliche Einseitigkeit. Der eine hat vielleicht wissenschaftlich gearbeitet, und seine Veröffentlichungen sind in Zeitschriften zerstreut, die uns heute nicht mehr zugänglich sind. Seine Arbeiten, von ihnTselbst gelesen, werden einen dankbaren Zuhörerkreis finden. Ein anderer hat literarische Interessen. Vielleicht hat er seine Erlebnisse in Prosa oder Versen festgehalten. Auch wenn sie keinc-n Anspruch auf objektive Geltung machen, so interessieren, sie doch als Berichte, Bekenntnisse, Tagebücher e'ner Seele, Zeichen eines idealen Strebens, das überall zu fördern ist. Es geht hier nicht mehr um ästhetische Dinge: All unsere Beschäftigung in den kärglichen Stunden unserer Besinnung wachst aus der Sphäre des Literarischen in die Sphäre des Verpflichtenden. — Es gibt Gemeindemitglleder, die ausgezeichnete Lichtbilder besitzen, die sie vielleicht selbst von einer Reise aufgenommen haben, oder, was ebenso schön ist, Stereoskop-Bilder. Wieviel Freude können sie ihren Freunden bereiten, wenn sie von diesen Reisen - erzählen und sie mit ihren eigenen Bildern illustrieren! — Ein Theaterbesuch wird uns in Zukunft wohj nur noch im Rahmen der Kulturbund^Veranstaltungen möglich sein. Ein bescheidener Ersatz kann uns das (früher vielfach geübte) Lesen mit verteilten Rollen sein. Wir werden dabei alles Schulmeisterliche vermeiden und in zurückhaltender Ehrfurcht vor dem Kunstwerk das reine Dichterwort wirken lassen. Dazu werd<yi uns alle Kulturkreise zur Verfügung stehen, zu denen wir durch Sprache oder Bildung Zugang haben. Das Leben verlohnt nur um des Idealen willen. Mag dieses Ideale „Natur" heißen oder „Geist" oder — Gott: Nehmt dem Menschen eines dieser Ideale, und er wird verkümmern. Wir existieren in der Welt des Realen, wir leben in der Welt des Idealen. Dies zu betonen ist gerade in unseren Tagen besonders wichtig, wo es scheint, als ob es nur noch auf die „nackte Existenz" ankomme. Es brechen heute mit den Existenzen auch Weltanschauungen zusamratn, und mancher Zweifel droht in Verzweiflung (iberzugehen. Aber wem in Zeiten der Not seine innere Welt rasch zusammenbricht, der prüfe sich doch einmal ernsthaft, ob dieser Zusammenbruch nur ein Zeichen für die Stärke des äußeren Druckes ist oder nicht auch ein Beweis für die Schwäche seiner Weltanschauung: Die Echtheit eitler großen Wahrheit, die Kraft einer „tragenden" Idee muß sich gerade in Notzeiten erweisen. Derreligiöse Mensch weiß intuitiv um diese Dinge: ihm Ist Gott im Leid am nächsten. Retten wir aus den Trümmern des Tages diese Welt des Idealen: Sie ist der heilige Bezirk, in dem unsere Seele ungestört Ihren Gottesdienst halten darf. Sie Ist die erhaltende Kraft: Hätten unsere Vorfahren auf. Ihren Wanderungen nicht das „Buch", die Bibel, die Welt des Geistes und des Gemütes mit sich getragen, das Judentum hätte die Zeiten (licht überdauert. Jude sein heißt: um das Ewige wissen. Jude sein heißt: die Fackel, die sich an der Ewigkeit hinter uns entzündet hat. weitersagen in die Ewigkeit vor uns. Die Sgje''spricht "tförtf ewljtcn' Tu de n:t Wir wissen um den ewigen Juden... &6itt 3ut>t fcaef hl bitfettt tWitfet bttttflcctt! <ÖK> Mt Süb. iSSittteebilfe! 9lä<6fter $rf$eiimng*t<>0:17.3an. 1936 9tebaftiottgf$litft: ' 10. 3an. 1936 vT1T¥FffIIiTinTmniil»illMltlfllntiittltitllitllltllllHlttllfitlul.....iliiliiiiiilliililiiiiiiliiliiiiiiiinniiiiiiiiiiiiin Aus der Israelitischen Gemeinde Bremen Beiträge für den lokalen Teil sind an die Schriftleitung des Jüdischen Gemeindeblattes. Bremen, Gartenstraße 7. zu senden. Amtliche Bekanntmachungen: Sprechzelten In den Verwaltungsbüros Fernruf: Domsheide 2 85 88 Oemelndevorstand (Büros: Gartenstraße 7, I. Etage) Werktags 9—12 Uhr Wohlfahrtspflege (Gartenstraße 7, I) Montag und Donnerstag 9—12 Uhr. üemeindebeiträge sind bis zum 10. jeden Monats fällig. Für Zahlungen benutze man die Gemeinde-Konten bei der Sparkasse in Bremen (Konto Nr. 6217), bei der Bremer Bank (Konto Nr. 3710) oder beim Postscheckamt Hamburg (Konto Nr. 8083). Der Gemeindebeitrag ist eine Bringschuld. Gottesdienst in Bremen Synagoge: Gartenstraße 6 Freitag-Abend: 16.20 Uhr. Sabbat: Morgengebet: 8.30 Uhr. Minchali: '.i Stunden vor Maariw. , y Sabbat: Abendgebet: 21. Dezember 17 Uhr, 28. Dezember 17.05 Uhr. 4. Januar 19.36: 17.12 Uhr. 11. Januar: 17.21 Uhr, 18. Januar: 17.31 Uhr. Neunmndsweihe und Predigt: Sabbal-C h a n u k k a am 21. Dezember. Beginn des C Ii a n u k k a - Festes: Freilag, den 20. Dezember, 16.30 Uhr. Neumondstage: lebet: Donnerstag, den 26. und Freijag, ' den 27. Dezember. Fasttag: 10. lebet Sonntag, den 5. Januar 19,16. - Nacht: 17.M-Ulir. Wocli e ii t a g s- (iottesdienst: 7.15 und 16 Uhr. Lernvortrag: Allsabbatlich zwischen Minchali und Maariw. Familien-Nachfichten:, 75. Geburtstag: f ran Sophie Frank, Jüdisches Altersheim, am 2. Januar. . » Gestorben: In A c Ii i in am 9. Dezember: Alfred Heilbronn, 86 Jahre alt. 12. Dezember: Julius Stern. Ilauernst. Ib. 52 Jahre alt. *•'• SraMisifä sffien&enf WüsiheCm^s si;r III Mn^^^^/ Br«m«n.