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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1935-12-18 · 12 (18.12.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
7 (1935)
Issue
12 (18.12.1935)
Date
1935-12-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fcrlagsort: Mannheim 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE RDFMPM AMTL. ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG DnKiniäll Du JUduch« Oemelndeblatt gelangt »n dl« Mltgll.d.r der leraelltlaohen Qamainda Iraimn und an dla eJemelndeverwaltungen dar ftabblnatebezlrke Oatfrlaaland, Oldanburg und Stada zur Lieferung. Bezugeprela vierteljährlich 30 Ptg. zuzUgl. Poatzuetellgebuhr. Nachdruck nur mit Qutiimingiba und mit Ganahmigung daa Varfaaaara gaatattat. Nr. 12 Bremen, 18. Dezember 1935 7. Jahrgang Weg nach Innen w>< Dr. Ludwig Marx. Karlsruhe Wir alle wissen, wie es heute in der Seele des jüdischen Menschen aussieht,. Wir alle, tragen die gleiche Not unseres gemeinsamen Klebens, und jeder einzelne trägt noch sein eigenes persönliches Schicksal. Und uns alle bewegt heilte die eine grobe Frage: Wie können wir einander helfen? Es geht heute nicht mehr um Bewahrung des Erworbenen, Vergangenen, sondern um Bewährung im Lebendigen, Gegenwärtigen. Dazu werden wir alle Möglichkelten, alle Quellen erschließen müssen, die produktive seelische Kräfte zu spenden imstande sind. Wir werden mehr denn je den Weg nach innen gehen, Arbeit im Innern leisten müssen. Freilich, diese innere Arbeit verlangt Sammlung —,und Zeit. Und hier sei gleich eine Bitte an die Gemeinden und Organisationen ausgesprochen: Nehmt , nicht alle Abende eurer Gemeindemitglieder' in Anspruch! LaBt ihnen auch noch Zeit zu eigener Arbeit,'Konzentration, und — .Ruhe! Es war im letzten Winter in den Städten doch . vielfach so, daU eine Veranstaltung die andere drängte, ailes ' in der besten Absicht, dem jüdischen Publikum über die Schwere der Zeit hinwegzuhelfen. Aber die Gefahr einer Uebersätugung lag nahe. Wir wollen nicht wieder in den gleichen Fehler verfallen. Ein weises Maßhalten wird auch hier für das notwendige Gleichgewicht zwischen außen und innen sorgen müssen. Und noch eines: Es ist eine freundliche Sitte, großer Menschen zu bestimmten Zeiten des Jahres, so an Geburts- und Todestagen, zu gedenken. Aber unser Verhältnis zu den Großen des Geistes hängt erfreulicherweise nicht von solchen äußeren Zufälligkeiten ab: Dichter, Denker, Künstler wirken auf uns. wandeln uns zu allen Zeiten, zu allen Stunden, in denen wir aufgeschlossen sind, ihren Segen zu empfangen, — in der Einsamkeit zu empfangen. Gemeinsames Erleben mit Hunderten und Tausenden mag uns begeistern, berauschen: Aber nur was der einsamen Betrachtung standhält, was in der Stilb; fortwirkt und uns Geist und Seele bereichert, ist uns Besitz und Gewinn. Wir mögen noch so viel von Mainionides und Bialik hören: Erst wenn wir diesen Geistern in der Stille unserer Stube begegnet sind, wenn wir ihnen sozusagen einmal Auge in Auge gesehen, dann wird das tot« Werk lebendige Kraft, und jeder Tag kann Geburtstag, Schöpfungstag sein ... a Die äußeren Umwandlungen, die sich durch die neuen Gesetze in den Haushaltungen vollziehen werden, werden nicht ohne Einfluß bleiben auf das, was man früher „Geselligkeit" nannte. Einsichtige Hausfrauen haben hier schon in den letzten Jahren eine Reform vorgenommen. Nun wird unter dem Zwang der Verhältnisse eine Entwicklung eintreten, die von selbst den Weg nach innen vorbereitet: Es wird sich in Zukunft gar nicht mehr um „Geselligkeit" handeln, um materielle „Genüsse", sondern auch Irter um seelische Nothilfe. Und wenn hier das Gewicht vom Materiellen auf das Geistige übergeht, so wäre damit ein Gewinn zu verzeichnen, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Wir kommen nicht mehr zu „einem Löffel Suppe" zusammen, sondern etwa zu gemeinsamer Lektüre der Psalmen. Und wir entdecken " im kleinsten Kreise, daß diese Psalmen eine Sprache sprechen so als ob heute einer unserer größten, lebenden Dichter von unseren Nöten zu uns spräche. Denn diese Psalmen sind nichts anderes als Hilferuie eines geängstigten Herzens oder dankerfüllte Lobpreisungen der Gottheit, deren Macht erhaben ist über Mcnsclienvverk. Und weil vor Tausenden von Jahren ein Mensch diese Nöte seines Herzens in einer unvergänglichen Sprache mit der ganzen Glut einer göttlichen Dichterseele niedergeschrieben hat, werden diese Verse in ähnlicher Lage in einejtl verwandten Herzen wiederklingen. Denn was sind echte Gedichte? Erstarrtes Herzblut, das erst unter dem Feuer einer aufnehmenden Seele wieder zum Sprühen und Glühen kommt... Und was unsere Propheten uns Heutigen zu sujgen haben, braucht hier nur" angedeutet zu werden. Auch sie werden zu uns sprechen von Mensch zu Mensch und von Seele zu Seele, und das „Tröstet, tröstet mein Volk" wird von je- Jenny SdkUlcr Damen-Wäsche, einfache bis eleganteste Ausführung. Für timritt Dtmtn: Extrtwtitt UWn ixmA Haß. HtmtfSthUfMtiiügt auch aus Flantü. 191 AafttHgnng aadV ia{ zugcfteaiun Stofftn. B. X*t*. «9*%1. Unsere bekannten Lebensmittel- Schlager finden Sie ab Donnerstagabend bis Sonnabend jederWoche an unseren Schaufenstern verzeichnet. Beachten Sie unsere . Sonder-Angebote zum Fest! Wir bringen z. All 1,1 Neue Rosinen I „Nec plus ultra" Pfd 40 * Dautach. Ruböl z.Braten u. Backen I.tr. 1— m

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