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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1935-07-29 · 7 (29.7.1935) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
7 (1935)
Issue
7 (29.7.1935)
Date
1935-07-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Gemeindeblatt Bremen Nummer 7 Jüdische Geschichtsbilder von Beilikirtbblntf Dr. Oriymlicb - Brachial I; Der Aufstand des Bar Kochba. (Zun 9. Ab). Die Geschichte ist nicht bloß an sich wichtig und fesselnd, sondern kann auch unsere Lehrmeisterin werden. Das Vergangene Leben wird zum Gleichnis für das eigene. Wir lernen so unser persönliches-Schicksal viel besser verstehen und gewinnen Weisheit, Kraft und Zuversicht. Die jüdische Geschichte hat solche beziehungsreichen Vorginge in nicht geringer Zahl aufzuweisen. Deshalb sollte uns diese und jene Probe daraus nahegebracht werden. Wir greifen zuerst den Bar-Kochba-Aufstand heraus, denn der 9. Ab im Jahre 155 ist sein entscheidender Zeitpunkt. In diesen Tagen, also im Juli-August, vor 1800 Jahren, hat er seinen Abschluß gefunden und er verdient unser warmes Gedenken ebenso wie der Geburtstag unseres 'grollen Maitnoni- " "des, ein Tag, welcher genau ein Jahrtausend darauf eintrat und soeben sehr gefeiert worden ist. Denn von dieser Erhebung urteilt der sehr bedeutende jüdische Geschichtsschreiber Qraetz, sie enthielt „tiefgehende Bewegungen und Kämpfe, welche zu den denkwürdigsten der jüdischen Geschichte gehören". Wie ist dieser Aufstand verlaufen und worin liegt seine grundlegende Bedeutung? Am 9. Ab im Jahre 70 war in dem großen Aufstand der Juden gegen die römische Herrschaft das Nationalheiligtum in Jerusalem in Flammen aufgegangen, nachdem kurz vorher die Hauptstadt selbst erobert und zerstört worden war. Damit war dieses gewaltige Ringen durch den Sieg des weltbeherrschenden Rom entschieden worden. Etwa eine Million Juden waren diesem Kriege durch Tod oder Sklaverei zum Opfer gefallen. Allein dieser furchtbare Verlust vermochte die nationale Spannkraft nur für kurze Zeit zu lähmen. Denn zu dem Leid der staatlichen Abhängigkeit, der Unterwerfung unter einen fremden politischen Willen, gesellte sich der Schmerz um den heißgeliebten Tempel, verschärft durch die Schmach, für den heidnischen Jupiterdienst eine regelmäßige Abgabe entrichten zu müssen. Und das nächste Geschlecht in Palästina, das den Jammer jenes Krieges nicht miterlebt hatte, wurde durch die Leidenschaft dieser Gefühle wiederum zum Kampfe gedrängt, und die Juden, welche m großer Zahl in Aegypten und in den benachbarten Gebieten lebten, waren nicht minder von dem Haß. gegen die Römer erfüllt. So loderten schon kaum 50 Jahre später, i. J. 115, in diesem Kreise starke Empörungen auf, während der römische Kaiser Trajan durch schwere Kämpf*gege« die Parther anderwärts gefesselt und geschwächt war. Diese Erhebung, zuerst erfolgreich, konnte nur mit großer Mühe niedergeschlagen werden. Aber die. Juden waren nicht entmutigt. Wiederum sammelten sie sich und rüsteten heimlich in Palästina. Denn sie sahen, daß der Kaiser Hadrian, der friedliebende Nachfolger, den Parthern die Preihelt wiedergab. Er hatte auch ihnen, den .Juden, die Erlaubnis zum Tempclaufbau in einem jüdischen Jerusalem erteilt aber bald darauf sich angeschickt, Jerusalem zur heidnischen Stadt zu machen und darin dem Jupiter einen Tempel zu errichten. Das mußte einen glühenden Haß der nationalgesinnten wie der religiösen Juden | hervorrufen und „Freiheit oder Tod", war die Losung dieser Schären, zumal da das jüdische Selbstbewußtsein gerade damals durch den Uebertritt vieler Römer zur jüdischen Religion oder durch die weitverbreitete Freundschaft für dieselbe seht gehoben wurde. Noch gelang es dem friedfertigen Rabbi Josua. dem hochangesehenen Führer der Religionspartei, den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhindern. Als dieser aber gestorben war, da wurde Rabbi Akiba das anerkannte Haupt, und er war trotz seines, hohen Alters noch kräftig und heißblütig genug, um sich für den Kampf zu entscheiden. Denn gleichzeitig trat unter den luden In Bai-Kosiba eine Persönlichkeit von so 1 bezwingender Kraft und hinreißender FUhrerinacht auf. daß ihn Rabbi Akiba für den Messias, den ersehnten Volksbefreier, erklärte und seinen Namen in Bar Kochba, d. h. „Sfernensohn" umwandelte. Beide wirkten nutf mit höchster Aufopferung und größtem Erfolge für die Sache der Freiheit und Akiba machte zu diesem Zwecke Wer bereisen nach Kleinasien und anderen Lindern. Während der Kaiser nichts von dieser Sachlage ahnte, schwoll diese Bewegung derart an, daß im Jahre 132 die Erhebung mit aller Wucht ausbrach. Schließlich kämpften auf jüdischer Seite nicht weniger als 400000, nach einem sonst zuverlässigen heidnischen Bericht sogar 580000 Männer, unter ihnen nicht wenige ausländische Juden. .Nach einem Jahre waren 50 befestigte Orte und 985 sonstige Städte und Dörfer im Besitze der Aufständischen. Die römischen Heere aber erlitten. eine Niederlage nach der andern, auch als sie von bewährten Feldherrn geführt wurden. Schon erfreute sich das Land einer selbständigen Regierung und Bar Kochba ließ eigene Münzen prägen. Der Sieg war ein herrlicher und wirkte so, daß er die ganze römische Herrschaft in Gefahr brachte. Aber nach zwei Jahren trat doch eine Wendung ein, als Julius Severus, der tüchtigste unter den romischen Heerführern, auf den Plan trat Ihm gelang es, allerdings mit Aufbietung sehr bedeutender militärischer Kräfte und einer glänzenden Kriegskunst und unter größter Mühe, den Löwen Juda niederzuringen, und in der starken Festung Bethar am mittelländischen Meere, nahe bei der Residenzstadt Caesarea (zwischen dem heutigen Haifa und Tel Aviv) fand Bar Kochba nach längerer Belagerung mit dein Reste seines Heeres ein ruhmvolles Ende im Jahre 135 am 9. Ab. Das ganze Land lag in Trümmern, Hunderttausende waren getötet und zu Sklaven gemacht worden. Und dann, nach diesem schweren Kriege von 3% Jahren, folgte eine ebenso schwere Bedrückung der Übriggebliebenen. Denn die Ausübung aller wichtigen Religionsgebote und jeglicher religiöser Unterricht wurde streng untersagt und die Zuwiderhandlung mit harter Marter und dem Tode bestraft. Viele flohen, vor allem noch Babylonien, aber die im Lande Gebliebenen gaben nicht nach. Nicht wenige leisteten den tapfersten Widerstand, und hoch klingt durch die Zeiten das Lied der zehn Märtyrer, jener Gelehrten, welche trotzdem die Religion lehrten und unter großen Qualen ihre Seelen aushauchten. Unter ihnen_ befand sich Rabbi Akiba. So vergingen wiederum drei Jahre, und dann I. J. 138, nach dem Tode Hadrians, erschien eine bessere Zeit. Zwar hatte sich der Mittelpunkt des religiös-wissenschaftlichen Lehens von dem Süden nach dem Norden Palästinas verschoben, aber dieses Leben blühte wieder auf, um goldene Früchte zu tragen, Samen, welcher nach etwa 60 Jahren in der Mischna, dem grundlegenden religiösen Werke, zu einem Uberaus fruchtbaren Baume wurden. Das ist das Bild von I.W Jahren (70—200). n deren Mitte der Bar-Kochba-Aufstand sich mächtig bewegt. Welch' ein Leben und wie e ndringlicli redet es zu uns! Es zeigt uns Im Judentum das unwiderstehliche Quellen einer schier wunderbaren Kraft und eines bewundernswerten, kühnen Heldentums in Krieg und Frieden. Es zeigt uns ein Hinab und Hinauf, ein wieder Hinab und wieder Hinauf, Vernichtung und Rettung. Wir begehen den Tisch'o b'Aw (9. Ab) als tiefernsten Gedenktag und nachher den „Sabbat der Tröstung". Lasset uns auch „bedenken"! Wehamasskil jowln „Wer verständig Ist, wird einsehen!" Wiffttttoatritt» fflt Ho{lunb 3abnb«rfatt& wlt arunr ]3onau tfartf il.pon gut« «■frtrbf •Drrfl c nJßtff tfwti R für On. an» 'XuWanO, CrfHftdhi Pdfttfwtw, Wl Bafrtrartrn, Cmrtfattatam, Jla*n,il)m« Cntrifattomi, gra4lM>f>ufa>.»ea aeata«Jar«ebrt ft«a IlftM»!»* wtt »ttb obnt lM««irttbn»rtfitM«f**fläA« ^S£tJ£^n?tnbattt9

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