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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1935-05-15 · 5 (15.5.1935) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
7 (1935)
Issue
5 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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*w Seile 6 Gemeindeblatt Bremen Nummer 5 Familien- und Gelegenhetts-Anzeigen H«r Art pUm in du Q«awind«bUtt Für FntBan-Annigm und .Kleine Anzeigen" voh'PrivtUn ermäßigte Sonderpreise — Anzeigen- /Tufträge nimmt entgegen Ferd. Meyer* & Co., Bremen, Oerbardstr. 9, Fernspr. 27355 Im Auftrage meiner Kolletten der Steuerkommtssion möchte ich Sie von dieser Steile aus nochmals bitten, auf Ihre freunde und Bekannten so einzuwirken, daß die Gemeinde ohne finanzielle Schwierigkeiten arbeiten kann. Leider gibt es immer noch Mitglieder, die sich ein Beispiel an den Steuersaboteuren nehmen, anstatt :in .Mitgliedern, die guten Willens sind, der Gemeinde die Mittel zuzuführen, die für reibungslose Wirksamkeit notwendig sind. - Bevor ich schließe, richte ich die Bitte an die Vorstände der jüdischen Vereine, zahlungsfähige Mitglieder nur dann zu dulden, wenn sie ihre Pflicht der Gemeinde gegenüber zuerst erfüllt haben. Die Steuerkommission: I. A.: Jos. Platzer. Jahresbericht der Chewra Kadischa am 8. 4. 35 erstattet durch Herrn Hugo Levy Wie wir Jahr für Jahr unsere Fest- und Fasttage begehen, so gehört es mit zu den religiösen Obliegenheiten, zu denen wir verpflichtet sind, wenigstens einmal im Jahre uns zu versammeln, um über unser Wirken im Kranken-Wohltätigkeits- Verein, unserer Chewra kadischa. Rechenschaft abzulegen; Rechenschaft weniger vor den mehr oder weniger zahlreich versammelten Mitgliedern als vor uns selbst, vor uns, den Gabboim. den Vorstehern der hl. Brüderschaft; uns selber zu fragen; haben wir der Chewra so gedient, wie es unser jüdisches Gesetz es uns sagt? Haben wir den Forderungen unserer Satzung entsprechend regelmäßig Kranke besucht? Haben wir zu ihrer Heilung beigetragen? Haben wir wirklich Wohltätigkeit geübt, nicht nur in der Bereitstellung materieller Mittel, sondern in persönlicher Fürsorge um den ob seiner Notlage niedergedrückten Hilfsbedürftigen? Haten wir allezeit Rücksicht und zarte Zurückhaltung gelten lassen und dem Frieden in den Familien und gegenüber allen, mit denen wir in Berührung gekommen sind, eine Stätte gebahnt? Ein.schweres Amt ist uns auferlegt, und so sollten wir uns täglich von Neuem fragen, ob wir - nicht als mechanische Helfer — sondern als mitfühlende, aufopferungsbereite, gottergebene Persönlichkeiten diesem schweren Amte gewachsen sind; daß wir uns selber bewußt sind-: wir sind nur Fremdlinge Bestellschein An das Postamt (Zeitungsstelle) Benützt die Brieftelegramme des )üd. Wohlfahrtsamts! auf Erden, in jedem Augenblick kann der Tod uns ereilen, und uhsere Pflicht ist es. jeden Tag so zu verbringen, daß wir in der Stunde des Todes vor Gott, dem Allmächtigen, bestehen können. Denn der Gedanke an den Tod soll nltjht unsere. Tatkraft lähmen, sondern uns einsehen lernen, im schweren Lebenskämpfe die Vorschriften unserer Religion auszuüben und die Gesinnung, der wir im Kaddischgebete Ausdruck verleihen, zur Geltung zu bringen. Ursprünglich war die Chewra kadischa. das t)rgan jedtfr jüdischen Gemeinde, das lediglich für die Bestattung der Toten zu sorgen hatte, daher der Name Chewra kabranim, Brüderschaft der Totengräber. Lesen wir die alten Satzungen, so bestand die Hauptaufgabe darin, die jüdischen Toten - wer es auch sei — eigenhändig zu reinigen, die Leiche zum Friedhof zu tragen, das Grab zu schaufeln und sie eigenhändig zu begraben. Wie schwierig das in früheren Zeiten war, als es noch keine Leichenautos gab und die Gemeinde nicht für den Kuhlengräber sorgte, kann man sich leicht denken. Meist gab es nur jüdische Sammelfriedhöfe, die vielfach weit entfernt lagen, und der Leichentransport selbst war oft mit Gefahren verbunden. In den altert Statuten sind deshalb scharfe Bestimmungen getroffen; eine straffe Gliederung des Vereins in einzelne Abteilungen sorgte für eine reguläre Verteilung der notwendigen Dienstvorrichtungen, und Mitglieder, die sich nicht fügen oder nicht mitmachen wollten, wurden mit Geldstrafen oder mit Ausschluß aus der Bruderschaft gestraft. Häufig finden wir auch, daß die Mitgliederzahl auf 18 beschränkt ist; diese kleinere Anzahl bildet einen engen Freundeskreis, sie müssen sich bei frohen oder traurigen Anlassen gegenseitig besuchen, stehen in Krankheitsfällen und .bei Fintritt eines Sterbefalls, einander bei. Selbstverständlich sind sie zu einem streng reitgiösen Lebenswandel verpflichtet, alljährlich haben sie ihren besonderen Fasttag, besuchen gemeinsam den Friedhof und veranstalten ein gemeinsames Festmahl mit religiösen Vorträ-' gen und Ermahnungen ihres Rabbiners. In einigen Sfädten, z. B. in Emden, gab und gibt es heute noch eine ganze Reihe von Chewraus, von denen jede ihre besonderen Obliegenheiten zu erfüllen hat; z. B sorgt die älteste vom Jahre MM dafür, daß die Kranken täglich zweimal abwechselnd besucht werden und daß in ernsten Fällen Tag und Nacht bei den Kranken gewacht wird. — Andere Chewraus wieder widmen sich dem Studium der jüdischen Lehre und es ist erwiesen, daß nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen europäischen Judenheit die Chewra Ihr Gemeingut war. Wir entnehmen diese Angaben einem Aufsatz von Fritz Baer-Berlin und ersehen daraus ferner, daß noch ein Chewra- Statu! aus einer kleinen nordspanischen Stadt vorliafi3eit "Ist und zwar nicht in hebräischer, sondern ■spanlscherTSssung. Da» wird den Mitgliedern eingeschärft, bei Beginn des Sabbats rechtzeitig die Arbeit niederzulegen, täglich frühmorgens die Synagoge zu besuchen und es wird ihnen verboten, Würfel zu spielen. Dafür liest man in deutschen Statuten das Verbot Karten zu spielen und sich zu rasieren. So sind unsere bescheidenen Chewra-Statuten I>okurrfente einer allgemein menschlichen Kulturgesinnung: in der heutigen Form sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach im europäischen Mittelalter entstanden; allerdings mit AusnaKmecter ausschließlichen Bestimmung zum TotengräberdienMumLder -Verpflichtung jedes Einzelnen zum persönlichen Dlfh'st am Toten. Hier wird vielmehr der ursprüngliche antike Geist verspürt: ihm Ist die Bestattung unheerdigter Toten die höchste, mit dem w**jm*/u*i j '■■'> nwhfcoawtee »»■1>i»ijt»'ii. i'ilW AWösungstelegrarrmie smd rvra PtetseVon je 1 RM erhältlich: 1. Im Oemelnde - Büro, Qartenitrate 7, 2. bei Herm Albert Bloch, Schuhgeschäft. Paulenttrale 48 3. bei Herrn Joseph PliUer, , Nordatrate 207 — 209, 4. . bei Herrn Benno Schiutermann, Kurzwaren. Vor dem Steintor 45.

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