Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 6 (20.6.1934)
- Date
- 1934-06-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 6 Qemeindeblttt Bremen Seite 3 vertraut ist, mitwirkt, da« er in dieser Arbeit jung geworden ist. Dafür seien alle ihm aufrichtigen, großen, besonderen Dank schuldig. Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer schließt sich dem Dank an und gibt Anregungen für die weitere .Arbeit Die statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses werden einstimmig wiedergewählt, und zwar: Generalkonsul Eugen Landau, Max M. Warburg, Willy Dreyfus, Prof. Dr. Eugen Mittwoch, Berthold Israel. Rabb. Dr. Leo Hacek. Rabb. Dr. Leo Baerwald- München. Krau Lola Hahn-Warburg, Dr. Felix Kauffmann- Frankfürt a. M., Rechtsanwalt Dr. I. Rosenak-Bremen, Dr. Paul Schottländer-Breslau, Salomon Simon-Detmold, Dr. Benno Walter. In das Zentralkomitee wurde Dr. med. Sänger- Stuttgart gewählt. Tagung des Vorsteherbundes jüdischer Gemeinden Nordwestdeutschlands Zur 9. Tagung des Vorsteherbundes der jüdischen Gemeinden Nordwestdeutschlands, die am 27. Mai in Leer (Ostfriesland) stattfand, waren 49 Herren und Damen aus den Gemeinden Aurich, Emden, Norden, Weener, Leer, Uldenburg, Delmenhorst, Varel. Jemgum. Aumund-Vegesack-Blumenthal, Bremerhaven-Wesermünde, Achim, Bremen, Meppen und Papenburg erschienen Nach Begrüßung durch den Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Leer, Herrn David Hirschberg, erstattet der Vorsitzende. Herr Max Markreich, Bremen, einen Tätigkeitsbericht. Wiederholt hat der Vorsteherbund zur Schlichtung von Differenzen in mehreren Gemeinden eingreifen müssen. Zur Beratung der Gemeindeverwaltungen hat die Bremer« Geschäftsstelle dauernd zur Verfügung gestanden. Der Bericht erwähnt auch die vorbildliche Arbeit der Berliner Organe, vor allem der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau. So hoch die Hilfe seitens der ausländischen Brüder auch anzuerkennen sei, so ist es doch Hauptaufgabe aller Verwaltungen, den Bestand der Gemeinden und der Institutionen durch Selbsthilfe zu sichern. An ^Stelle des verhinderten 'Herrn J. Schocken, Bremerhaven, berichtete Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt. Weserniünde, über den Bundes-Hilfsfonds. Es wird beschlossen, einen Betrag von 300 RM zur Verteilung zu bringen. Die Zuschußleistungen der jüdisclien Familienversicherung „Die Hilfe" werdet, dankend anerkannt. — Die Versammlung nahm darauf den Vortrag des Herrn M. Lippmann, Delmenhorst,.entgegen der die Notwendigkeit der wirtschaftlichen und kulturellen Hilft für die Kleingemeindcn betonte. Die Not zwinge dazu, von den Auslandsgeldern angemessene Beträge für die Wohlfahrtspflege in Nordwestdeutschland zur.Verfügung zu stellen; bei aller Anerkennung der Wichtigkeit kultureller Tätigkeit müsse diese sekundärer Natur bleiben, solange der wirtschaftliche Bestand der Gemeinden so gefährdet sei wie heute. — Die folgende Debatte entspinnt sich in der Hauptsache um die ausländischen Hilfsgeldcr. Der J'royinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege Hannover kann nur noch minimale Beträge bewilligen,, so daß die Gemeinden des Bezirks Stade beantragt haben, sich der Wohlfahrts-Kommission des Verbands der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte anzuschließen. Allgemein herrscht die Auffassung, daß die nor&wcstdeutschc Ecke stiefmütterlich von Berlin behandelt wird); der Großstädter kann sich nicht in die Lage der ländlichen Kleingemeinden versetzen. Auf Antrag des Herrn Louis Woiff, Emden. wird eine Kommission gewählt, die den Berliner iStcllen den Standpunkt der Versammlung klarlegen und an Ort und Stelle für eine gerechte pehandlung eintreten soll. Eine «ntsprechende Resolution soll nach Berlin weitergeleitct werdein. ■—, Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgte um 16 Uhudas Referat des Herrn Landgerichtsrat Dr. Li Menth a I A Berlin, über: „Aufgabengebiet und Tätigkeit der Reichsvertretung der deutschen Juden". In zweistündiger Rede entwickelte Referent ein anschauliches Bild Uber die umfangreiche Wirksamkeit der Reichsvertretung, über die Maßnahmen; mit denen sie bislang an die deutsche and jüdische Oeffentlichkeit zu treten hatte, und über den organisatorischen Aufbau, der ebenso das religiöse und kulturelle, wie das Wirtschaft*- und sozialpolitische Gebiet betrifft. Besonders hervorzuheben war der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau mit seinem gewaltigen Aufgabenkreis: Berufsumschichtung, Wirtschaftshilfe, Auswanderung, Rückwanderung, Arbeitsvermittlung. Darlehnskassen und allgemeine Finanzierung des gesamten Hilfswerks. Ein Spezialgebiet bildet die Stutzung der bestehenden und die Neugründung jüdischer Volksschulen. Während die 10—12 höheren jüdischen Schulen für die deutschen luden genügen, stellt die Reichsvertretung für die Errichtung von jüdischen Volksschulen finanzielle Beihilfe zur Verfügung. Allerdings sollen diese Schulen nicht einseitig im Geiste einer einzigen jüdischen Richtung geführt werden. Die jüdische Jugend muß Raum haben für die Mannigfaltigkeit ihrer Erziehung. Das Problem des finanziellen Ausgleichs ist nur zu lösen, wenn die Großgemeinden ihre Steuerkraft, die zum Teil nur 25—30 Prozent beträgt, erschöpfender ausnutzen. Wie schwierig die Lage der deutschen Juden sich auch gestaltet hat, sie ist doch nicht hoffnungslos, und trotz der Not der Zeit wird es möglich sein, nicht ohne Hoffnung in die Zukunft schauen zu können. Die. Versammlung nahm das lehrreiche Referat mit großem Beifall entgegen. Ivr Vortrag brachte der zahlreichen Zuhörerschar (der große Saal des Viehhof-Restaurants war bis auf den letzten Platz gefüllt) Aufklärung über die Arbeiten der Reichsvertretung und die Gewißheit, daß die Berliner Zentralstellen nicht untätig sind. — In der nachfolgenden Diskussion behandelte Herr Bukofzer, Oldenburg, vor allem die Schulfrage und die Frage der Finanzierung der Wohlfahrtsarbeit in den verarmten Bezirken Nordwestdeutschfinds. Die Tagung des Vorsteherbundes fand mit einem religiös gehaltenen Schlußwort des Herrn Landrabbiner Dr. Blum, Emden, einen feierlichen Ausklang. Die Einführung der Beitragskarte für Hilfe und Aufbau i ist auch in Bremen in vollem Gange. Eine große , inzahl Damen aus allen Kreisen der Gemeinde hat "sich in dejt Dienst des Hilfswerks gestellt. Es wird erwartet, daß sich niemand von der Mitteineschaffung für die Hilfsarbeit ausschließt. Als monatliche Beitragszahlungen sind Zeichnungen von 25 Pfennig bis 3 Mark vorgesehen, so daß selbst der Minderbemittelte die Möglichkeit hat, eine freiwillige Leistung für die große Gesamtheit zu bringen. Ueber die Bedeutung der Einführung einer vom Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau in Verbindung mit der Zcntralwohlfahrtsstellevder deutschen Juden ausgegebenen Beitragskarte als Mittel, die jüdische Hilfsarbeit auf breiteste Grundlagen zu stellen und die vom Zentralausschitß und der Zentral-Wohlfahrtsstelle bei weitgehender Mitarbeit des Jüdischen Frauenbundes organisierte Sammelaktion bis in die kleinsten Gemeinden hineinzutragen, machten namens des Zentral Ausschusses und der Zentral-Wohlfahrtsstelle Dr. Friedrich Ollendorf und Dr. Oeorg Lublnski arn 5. Juni den Vertretern der jüdischen Presse Mitteilungen, in denen vor allem darauf hingewiesen wurde, daß hier zum erstenmal der großangelegte Versuch unternommen wird, jeden einzelnen Willi. ROSebrOClC Bremen, Br.i.enwag 28 Möbeltransport—Wohnungsnachweis Auslandstransporte