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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1934-06-20 · 6 (20.6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
6 (1934)
Issue
6 (20.6.1934)
Date
1934-06-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GEMEINDEBLATT BREMEN DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTL. ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdisch» Gemeindeblatt gelangt an dl« Mitglieder der f araelltlachen Gemeinde Bremen und an dl« Gemeindeverwaltungen dar Rabblnatabazlrfc« Oatf rleeland, Oldenburg und Stada Sur Lieferung. Bezugspreis vierteljährlich 30 Pfennig frei Haue. Durch die Post bezogen vierteljährlich 30 Pfannig zuzüglich PoatzuetellgebUhr. Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung da« Verfasser» gestattet. Vgrlagiort Mannhalm. Verant. für dan red. Teilt Dr.Max Grünswald, Mannhalm; für den lofc. TaB: M Markreich. Irmmmn; für dl» Anzeigen: Curt Brömsl. Ludwigehafen a. Rh. — O.-A. I. VJ. OOO Exemplar», Druck u. Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwlgahafen a. Rh. Nr. 6 Bremen, 2». Jnnl 1954 6. Jahrgang Bericht über die Generalversammlung des Hilhvereins der Deutschen Juden, Mai 1934 Die diesjährige Generalversammlung; des Hilfsvereins, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute, nahm wieder einen sehr würdigen Verlauf. Der Vorsitzende, Herr Generalkonsul Eugen Landau, begrüßte die Erschienenen, insbesondere die aus dem Reich gekommenen Heuen. Er hielt einen warmen Nachruf auf die dahingegangene^ Mitglieder des Zentralkomitees, Dr. Carl Melchior. Theodor Plncus, der auch das Ehrenamt eines Revisors versehen hatte, und Josef Wulff. Alsdann verlas er ein Schreiben des stellvertretenden Vorsitzenden des Hilfsvereins, Herrn Max M. Warburg, der am Erscheinen verhindert war. Die Ausführungen von Herrn Warburg über die dringenden Aufgaben des Hilfsvereins in der Jetztzeit, die von der Versammlung mit großer Aufmerksamkeit angehört wurden, lauten: „Der Hilfsverein hat zu seinen alten Aufgaben eine neue übernommen: Die Beratung und Betreuung derjenigen, die ^au Deutschland auswandern wollen. Der Hilfsverein steht auf dem Standpunkt, daB die deutschen Juden in ihrer Heimat, deren Schicksal das Ihrige ist, hi der Hoffnung auf ein würdiges Welterleben, ausharren Allen. Vscheint es aber deutschen Juden aus wirtschaftlichen (Jründen und der Zukunft der Kinder wegen unmöglich, in Deutschland zu bleiben und ergibt sich infolgedessen eine wirtschaftliche und ideelle Notwendigkeit zur Auswanderung, so legt der Hilfsverein größten Wert darauf, daß dieselbe sorgfältigst vorbereitet wird. Der Hilfsverein hat eine genaue Untersuchung aller Möglichkeiten vorgenommen, die sich für die Auswanderung der deutschen Juden Heten. Er hat das Material eingehend bearbeitet, so daß eine Beratung in sehr großem Maße bereits stattfinden konnte und auch weiter stattfinden wird. 60000 Menschen sind vom Hilfsverein Im Laufe des Jahres 1933 beraten und mit Informationen jeder Art versehen worden. 7700 Personen wurden finanziell unterstützt — durch Zuschüsse für Balm- und Schiffskarten, Visen, Verpflegung. Transport von Gepäck, Hausgerät, von Maschinen und Instrumenten. Pflr viele Tnusende wurde ein umfangreicher Briefwechsel mit Behörden. Gemeinden und Hilfskomitees geführt. Der Hllfsvercln betrachtet es als seine Pflichl de.nen, die den schweren Entschluß gefaßt haben, ihr Vaterland zu verlassen, bei der Gründung einer neuen Existenz zu helfen. Der Hllfsvercln berit Auswanderer nach allen Ländern, mit Ausnahme von Patistina. Bisher hat er bei der Auswanderung nach vterunddreißlg Oberseeischen Ländern mitgewirkt _ f*0t die Erfordernisse der Auswandererhilfe brauchen wir die) materielle und moralische Unterstützung unserer Mitglieder. Wir wissen, wie stark die deutschen Juden heute in Anspruch genommen sind, durch Verpflichtungen im engeren Hamiiiankreise und gegenüber der Gesamtheit Es sollte aber keinen deutschen Juden und keine deutsche Jüdin geben, die nicht Mitglied des Hilfsvereins sind. Nie stand der Hilfsverein vo»-ernsteren Aufgaben, nie war der Zusammenschluß der deutschen Jujjen notwendiger als heute. Nur das Bewußtsein der treuen Mitarbeit aller wird uns die Kraft geben, die Verantwortung zu tragen und das Werk fortzusetzen!" Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort dem Generalsekretär des Hilfsvereins, Dr. Mark Wischnitzer, zu seinem Bericht Uber die Arbeit des Hilfsvereins im Jahre 1933: Dr. Wischnitzer führte aus: „In dem letzten Jahrzehnt, seit 1924, ist der Hilfsverein In der Auswandererfürsorgearbelt vor ganz gewaltig« Probleme gestellt worden. Quotenbestimmungen, Einschränkungen der Einwanderung, Verbote, Ausländer zu beschäftigen, machten eine systematische Auswanderung von Juden in größerem Umfange nach überseeischen Ländern, namentlich nach den Vereinigten Staaten, und auch späterhin nach anderen amerikanischen Ländern, nach Südafrika, Australien, sowie nach kontinentalen Ländern sehr schwer, oft beinahe unmöglich. Im März 1933 setzte eine neue Auswanderungswelle ein. Der Hilfsverein wurde täglich von 400—600 Personen aufgesucht. Angesichts der ständig wachsenden Inanspruchnahme mußte der Hilfsverein eine AMerti*f»jUitelle In der Oranienburger Straße 31, eröffnen. AuJhIJSs Personal des Hauptbüros in der Martin-Luther-Mrrrai 91, mußte durch neue Hilfskräfte ergänzt werden, daas die vervielfachten Anforderungen nicht bewältigen köpfete. In kurzer Zeit'wurde die Arbeit so organisiert, daß Nachforschungen im Interesse der Auswanderer in allen Weltteilen angestellt werden konnten. Die Zahl,'der zu erledigenden Briefe erreichte in manchen Monaten 4000. Der Hilfsverein arbeitet in ständiger Fühlung mit dem neugeschaffenen Zentralausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau sowie mit über 120 Stellen im Reich und 300 im Ausland. Außer mit Hilfskomitees und Gemeinden steht der Hilfsverein Uberall in Verbindung mit Alteingesessenen sowie neu Eingewanderten, die ihn laufend mit Informationen versehen. Der Hilfsvefrein hat KÖffespendentenu. a. In Argentinien, Bolivien, Brasilien. Columbien,. Paraguay, Uruguay, Chile, In Südamerika, Guatemala, In Zentralamerika, in Windhöek. in Sfldwestafrika, in Kapstadt und Johannesburg In Südafrika, In Kampala und Mombassa In Kenyä. In Addis-Abebn in Abesslnien. in Teheran und Meched in Persien, ferner in Singapore, Harbin, Schanghai und Manila. Sein gesammeltes Material veröffentlicht der Hllfsvercln Im Korrespondenzbtatt Uber Auswanderungs¬ und Siedlungswesen (im Jahre 1933 sind zwei umfangreiche Hefte erschienen) und in Zirkularschrelben (61 sind im Jehre 1931 versandt worden). Eine charakteristische Erscheinung der jetzigen Wanderbewegung Ist die langsame, aber unverkennbare Stei-

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