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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1934-04-27 · 4 (27.4.1934) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
6 (1934)
Issue
4 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Qe meindeblat t Bremen Nummer - ■' k Seite 6_ gen um den Sterbenden, Waschung, Ankleidung und Bestattung des l oten, bedeutet unmittelbar Dienst am Mitmenschen. Wer die schweren Stunden, wo der Tod eines unsrer Lieben forderte, schon erlebt hat, weiB den opferbereiten Gemeinsinn und die liebevolle Pietät, die in diesen Bräuchen der Juden liegen, zu würdigen. Riten und Liturgie sind überwiegend nachmosaisclien, rabbinischen Ursprungs. „Das Qesetz Israels" hat sie auf dur Moseslehre aufgebaut. Verschiedene Epochen haben ihm sein Gepräge gegeben. Das Gesetz, von tiefem Verantwortungsbewußtsein vor Gott und der Gemeinschaft getragen, umgibt das Leben des Juden wie ein schützender Zaun. Ks will nach einem Ausspruch des Talmuds „die Menschen läutern" („lezaref et habrtot"). Es will, ohne ein dogmatisches Bekenntnis zu verlangen, das Sein Jedes einzelnen' im Glauben erfassen und soll im ethischen Bereich sein ganzes Innenleben beherrschen, es „heiligen". Es verlangt opferbereite Hingabe an die in ihm verkörperten Ideen, die in jedem Augenblick des Lebens uns etwas Göttliches zu -sagen haben. Dazu bedarf es nicht nur des Wissens, sondern unablässiger, harter Arbeit je-, des einzelnen an sich selbst durch Entsagung und Ue"bung. Besonders unsre Zeit heischt ein volles Maß Entsagung bei der (iestaltung des Lebens. Diese Entsagung schwächt keineswegs die Kraft zum Lehenskampf. Sie hebt vielmehr .den, der sie übt, zh innerst und erschließt ihm ein neues Reich von Werten. Die geisterfüllte Gebundenheit an religiöse Glaubens- und Denkformen von uralter Tradition, an das Unsichtbare und Symbolische, erzeugt und stärkt ein-Lebensgefühl und einen Lebenswillen, die sich in ethischen Taten auswirken und jedes Ungemach überwinden. Diese Gebundenheit soll nicht im Widerstreit stehen mit der inneren Freiheit des einzelnen und mit freiem Menschentum. Sie soll der immer sich erneuernde Ausfluß persönlicher Verantwortung vor Gott und der jüdischen ^Gesamtheit sein Das Bewußtsein, daß Israels Lebensgesetz ein Gemeinschaftsgut von hohem Ethos und eine der Grundkräfte des Judentums ist, führt den jüdischen Menschen von selbst zu lebendiger Verbundenheit mit den sinnvollen Bräuchen und Gebeten, die ihm die Väter als geheiligtes Gut hinterlassen haben. Die treue Pflege solcher jüdischer Kulturelemente, die so viel Eigenes und Hohes in sich bergen und die in keinerlei Widerspruch mit den" allgemein bürgerlichen Pflichten stehen, ist nicht nur ein beglückendes Gefühl für uns selbst, sondern letztlich ein Gewinn für die Kultur der Gesamtheit und das Gemeinwohl. Hufruf! Eltern, gebt Euren Kindern den Schabbos wieder! Der Herr Reichsminister des Innern hat jüngst verfügt, daß jüdische Kinder an Sabbaten und Festtagenvom Unterricht befreit werden können, daß aber bei Besuch der Schule, entgegen der bisherigen Handhabung, Befreiung vom Schreiben und Zeichnen nicht mehr erteilt werden solle. In meiner Predigt am letzten Tage des Pessachfestes habe ich darauf hingewiesen, daß jetzt dem deutschen Judentum Gelegenheit geboten sei, seine Gesinnungstreue in aller Öffentlichkeit zu bekunden. Schon wird aus einer Anzahl Gemeinden berichtet, daß alle Eltern sich entschlossen haben, ihren Kindern durch Fernhalten vom Schulbesuch am Schabbos, diesen heiligen Tag zum zentralen jüdischen Erlebnis allwöchentlich zu bereiten. Angesichts einer solchen Haltung werden die gehässigen Stimmen, die dem jüdischen Menschen ideale Gesinnung absprechen wollen, in vornehmster-Weise zum Schweigen gebracht und der Name G'ttes" wird vor aller Welt geheiligt. Ich richte auch an dieser Stelle an alle Gcmeindemitgliecter den eindringlichen Appell, die Frage des Schulbesuches ihrer Kinder am Schabbos zu überprüfen. Keinerlei Berechtigungen verleiht mehr die öffentliche Schule dem jüdischen Kinde, kein Bildungswert kommt der seelischen Bereicherung gleich, mit der der Schabbos diejenigen beglückt, die ihn hüten und bewahren! Das am Schabbos an Unterrichtsstoff Versäumte, wird durch besondere Maßnahmen einzuholen sein, wenn erst der Wille, den Kindern den Schabüos wiederzugeben, geweckt ist Eltern, gebt Euren Kindern den Schabbos wieder! Ihr erleichtert die jüdische Erziehung Eurer Kinder bis zu dem Tag, der aueji unserer Gemeinde die jüdische Schule bescheren wird. Rabbiner Dr. Felix Aber- Bremen, den 12. April 1934. Aus der Israelitischen Gemeinde Bremen Beiträge für den lokalen Teil sind an die Schriftleitung des Jüdischen Gemeindeblattes, Bremen, Gartenstraße 7. zu senden. Amtliche Bekanntmachungen: Durch Beschluß der Generalversammlung vom 27. März WM sind folgende Herren gewählt worden: A. In den Gemeinde vorstand: Als I. Vorsteher für 1933/35: Max Markreich. Als 2. Vorsteher für 1934/3& Nathan Grttnberg. B. In den Gemeinderat: Pür den Turnus 193334: Dr. Paul Hes, Max Jonas, Julius Stern, Norbert Nathan. Für den Turnus 1934/35: Hugo Levy.fOtto Meyer. Dr. t Roscnak. Dr. Herrn. Lehmann. Bremen, den lü. April 19.VI. Gurtenstraße 7 Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Bremen An die jüdischen Arbeitnehmer! Arbeltslose jüdische Angestellte und »II« durch Kündigung beschält'kungslos werdende jüdische Arbeitnehmer lor, dern wir hiermit auf, sich unter Einreichung eines, kurz gefaßten Bewerbungsschreibens (In dreifacher Ausfertigung) unverzüglich bei uns zu melden. Bremen, den 10. April 1934. Oartenstraße 7 Zentralstelle lür JUd. Wirtschaftshillc. Sprechzelten In den Verwaltungsbüros Fernruf: Domsheide 2 85 88 Gemeindevorstand (Büros: Gartenstraße 7. I. Etage) Werktags 9-12 Uhr Wohlfahrtspflege (Oartenstraße 7. I) Montags und Donnerstags 9 12 Uhr. Israelitische Gemeinde Bremen Synagoge: Gartenstraße 6 — Gemelndebüro: Oartenstraße 7 Religionsschule: Gcm.-Rabb. Dr. Aber, Auf den Häfen 100. Fernruf: 249 09. Sprechzeit: 9r-10 Uhr. Zu anderer Zeit nach fernmündlicher Verständigung. ' Kantor G. Rosemann, Kleine Allee 19, Hilfslehrer V Freund, Delmenhorst. Unterricht in der Domschule und Im Gemeindehaus. Oartenstraße 7. Anmeldung schulpflichtiger Kinder im Oememdebüro. Oottesdlentt: Täglich. Vgl. Gebetzelten;_ Durch»andcrer-l iirsorge: Abfertteungsstclle Oartenstraße 6 bis 7. (Bittstellern kein Geld, sondern Wohlfahrts-Schecks geben!) — Verpflegung: Pieperstraße 13 und Oartenstraße 5. Jüdisches Altersbelm: An der Morgenlandstraße, Eingang Gröpellnger Heerstraße 167. — Fernruf: Weser 80208.

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