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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1933-12-15 · 6/12 (15.12.1933) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
5 (1933)
Issue
6/12 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 üeme indebiatt Bremen < Ntuomer Qi? scren Zeiten ersetzte man die hölzern« Hülle durch eine silberne, und in widerum gebesserten durch eine goldene. Dies der Bericht in Mefillath Taanit 9, in Pesikta rabbaU 2. 5a. annlich baM. Menachot 28a. Diese Legende bat nichts von Wunderbarem, stützt sich nicht auf irgendein Wunder, vielleicht steht sie uns gerade darum seelisch naber, befriedigt sie mehr unseren Sinn für das Wirkliche. In der Sprache der Legende wird hier als das N ichtige und der dauernden Ueberlieferung mit die Tatsache hingestellt, daß die Führer der Zeit es verstanden, dem Augenblick und seiner Notwendigkeit gerecht zu werden. Sie wollten die Menorah im Tempel entzünden als Zeichen der Wiederberstellung des reinen Dienstes, aber die Menorah, die von altersher ihren Platz im Tempel gehabt und Ihren Dienst getan hatte, war nicht mehr zu verwenden. Nun warteten sie nicht, bis man getreu dem Gewohnten eine neue hergestellt hfitte, nm das Alte fortzusetzen grad so wie es bis zu dem Unglück gewesen War. Sie schüttelten auch nicht verzweifelt den Kopf, ratlos, was man im Augenblick tun könne. Sie taten etwas ganz Neues, eigentlich Unerhörtes und Ungehöriges, sie nahmen das Erste, Beste, was ihnen in die Hand kam, und (nachten daraus irgendein Menorah-Aehnllches. Sie warteten nicht einen Augenblick um zu suchen und zu beraten, sie stellten eine Menorah hin, wie sie noch nicht gewesen war, einzig und allein darauf bedacht daß das Licht, welches das Sinnbild der Offenbarung und der ewigen Verbundenheit Israels mit Qott sein sollte, wieder leuchte. Sie stießen sich auch nicht an der Aermlichkelt des Gegenstandes, dem Abstand von der Schönheit und Gediegenheit der Ur-Menorah, sie hatten die Hoffnung, die rasch verwirklichte, daß. was heute ärmlich und bescheiden beginnt, morgen oder übermorgen den alten Glanz wieder empfangen würde, Hauptsache nur: Das Licht leuchtete wieder, das Notwendige war begonnen und getan Wenn das der Sinn der Legende ist, dann ist sie — übrigens, das ist ja der Wert Jeder Legende, daß sie zeitlos ewigem Geschehen und ewiger Forderung Ausdruck gibt — gerade d i e Erzählung von Chanukka, die unserem Geschlecht not tut; dann ist sie die Legende, die in unserem Bewußtsein die vertrautere vom Oelkrug-Wunder zurückdrängen darf. Denn auch bei uns kommt ja alles darauf an, ohne ewiges Ueberlegen und Durchreden und Drumhcrumredeo. dem Augenblick gerecht zu werden: nicht Vergleiche anzustellen mit Gewesenem, Verlorenem, sondern den Ausweg zu finden, der allein wichtig ist, wie man das Licht der Offenbarung und des Verbundenseins Israels mit dem waltenden Qott wieder zum Leuchten bringt; nicht abzuwarfen, um vielleicht ein Richtigeres zu finden, sondern frischweg Tat zu tun, neuen Grund zu legen; ist er ärmlich und bescheiden, aus der hölzernen Hüllo Jener Spieß, an denen die Hasmonäer, die Schalen, Ihre ersten Weihelichter banden, wurde im Laufe der Zeit eine hell und heller glänzende. Legende ist zeitlos, sie umschreibt Gedanken, die nicht grad auf eine bestimmte Situation hinzielen, die immer wichtig und gültig sind. So auch diese von den acht Spießen. Iis ist nicht recht ersichtlich, was das für Spieße waren; ob es Bratspieße waren, die man zu den an ein Opfer sich anschließenden Mahlzeiten brauchte, ob es Wurfspieße waren, Waffen, die Feinde bei seinem Rückzug im Heiligtum vergessen hatten, das ist nicht mehr zu klaren. Aber sicherlich war ihr Verwendungszweck kein ..heiliger" gewesen; höchst weltlich« Gebrauchsgegenstande, mit denen nun plötzlich and unvorhergesehen ein Kultbedürfnis befriedigt wurde. Diese Menschen Uberlegten damafs nicht: Darf man diesen Gegenstand zu solch heiliger Verrichtung gebrauchen, geschieht nicht der Würde des Heiligen Abtrag, wenn unheiligc, profane Dinge in den Rang von Heiligtümern eingereiht werden? " Sie hatten ein richtiges Gefühl dafür, daß es im Judentum diesen Unterschied von Heiligem und Weltlichem, Religiösem und Alltaglichem nicht gebe, nicht geben dürfe und könne Und in der Tat. es hat sich auch in der spateren Entwicklung so ausgeprägt, daß im UmkreW des Jüdischen die Scheidung von Religiösem und Wolflichem fortfiel, daß man keine zwei getrennten Bezirk» des Lebens kannte, daß totales Judentum darin gesehen wurde, alle Bezirke des Lebens religiös zu dureharlrtgen, die alltäglichsten Verrichtungen von der Verbundenheit mit Qott aus zu verstehen und In sie die Zielsetzung, die Lebenswertung des Judentums hineinzutragen. Die Welt wurde im großen und im kleinen das Mittel der Lebensheiligung. Das aber bitte nicht von den Pharisäern erfunden werden können, wenn ein Gefühl dafür nicht schon im Volk gelebt hatte, wenn das nicht ein Urgefühl Jüdischer Menseben gewesen wäre. Die Männer, die damals die acht, Spieße, weltliche, höchst, gleichgültige Dinge nahmen, and mit ihnen einen Akt entscheidender Weihe vor-' nahmen, hatten ein solches Urgefühl, und Indem man an Ihrer Handlung einen symbolischen Akt gewann und für Zelt und Geschlechter festhielt, pflanzte man zugleich diesen Sinn für die Einheit der Lebensbezirke ein, gab man ein dauerndes Ziel, nicht zu scheiden zwischen Welt und Religion. Göttlichem und Weltlichem. Die Manner, die die acht Spieße zur Menorah erhoben, fragten nicht nach dem, was Jene bisher gewesen waren, sie wurden, indem man sie ins Heiligtum einpflanzte und Schalen an sie band, zur Menorah. Keiner hatte jetzt mehr ein Recht die Nase zu rümpfen und zu sagen: Das soff ein jüdisches Kultgerät sein Im heiligen Tempel, das war gestern noch eine Mordwaffe oder ein Küchengerät, ich sah es ehegestern noch, als es mit „Leuchter vor Gott" noch nichts zu tun hatte. Es kommt nicht darauf an. was gestern war, sondern was heute Ist; es kommt nicht darauf an, was gestern einer war und wo er stand, sondern was er beute wl.l und wo er heute steht Manch einer steht heute im Lager des Judentums, der gestern davon noch nichts wußte und vielleicht nicht einmal wissen wollte. Es hat keiner das Recht ihm das vorzuwerfen. Ihn als unbefugt, als minder befugt zurückzuweisen, es hat keiner das Recht, ihm vorzuwerfen, daß er gestern und ehegestern noch nicht so bewußt jüdisch war, wie er es heute ist Wie er heute sich einstellt was er heute will und tut zur Erhaltung Jüdischen Lebens, und ob er es ernst will und tut; darauf allein kommt es an. Ein chassidisches Wort sagt: Jeder Mensch muß, kann eine Thora sein. Man kann das abwandeln und sagen: Jeder Jude kann eine Menorah sein. Die acht Spieße konnten eine Menorah sein, gleich was sie bis dahin waren. Jeder von uns darf, kann, soll eine Menorah sein, gleich in welcher Perne oder Unheiligkeit er bis dahin war. Jüdische Familienforschung Ein Hinweis auf eine wichtige Forderung der Zeit Von itad.)«. Hins L«mm In München Unsere Zeit beschäftigt sich mit gesteigerter Anteilnahme mit Familienforschung und Erbkunde. Es war 1788 noch ein kühnes Wagnis, wenn der Göttinger Gelehrte Qatterer das Wort sprach: „Genealogie gab es eher unter den Menschen als Geschichte". Dieser Erkenntnis und der Forderung Riehls: ... . . Eine Familienchronik sollte in jedem BOrgerhause, In welchem man lesen und schreiben kann, angelegt werden!" wird heute zumeist schon viel mehr Verständnis entgegengebracht als In der letzten Generation. In der Tat: Erst In der jüngsten Zeit gesellte sich zum rein historischen Interesse an der Familienforschung das lebhafte und bedeutungsvolle des Naturwissenschaftlers. Er, der geschulte Erbforscher, vermag aus der Kenntnis der Ahnen, ihrer Fähigkeiten und Berufe, ihrer Eigenschaften und Stellung wertvolle Schlüsse von praktischer, oft zukunftsweisender Bedeutung zu ziehen. Der Begriff Jüdische Familienforschung aber ist schon uralt. Wir Juden sind seit jeher von einem ausgeprägten Familiensinn erfüllt' gewesen. Das Verständnis. für famillenkundllche Forschung schwand nur In Zeltabschnitten, die überhaupt durch ihr geringes — gewolltes oder ungewolltes — Verständnis für geschichtliche Bindungen gekennzeichnet sind. Das Urteil zweier führender nlchtjüdischtr Oeaeolo-

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