Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 51/52 (19.12.1935)
- Date
- 1935-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 19. Dezember 1935 nehmen diesem Buche die nachstehenden Ausführungen, die zugleich die in die synagogale Liturgie übergegangene Propheten-Verlesimg des Chanukka-Sabbats (Secharja Kap. 2) in eine sehr interessante ., .1...... -.".~!-* ~w^„^...-..b ....... „viaa iSi ... ücr .tinn una aer Ursprung des siebenarmigen Leuchters? ... Die Terminologie der Beschreibung des Leuchters im Exodus-Buch verrät die pflanzliche Herkunft des Geräts. ... ... Bei Zacharias erscheint der Leuchter in Begleitung von zwei Ölbäumen, die ihn flankieren. Die Ölbäume versehen ihn in mystischer Weise mit öl. Der ursprünglich als Baum (Mandelbaum) aufgefaßte Leuchter wird beim Propheten mit Bäumen in Beziehung gesetzt." Rahel Wischnitzer-Bernstein weist auf gleichlaufende Erscheinungen in orientalischen Darstellungen hin, in denen die Dattelpalme als Lebensbaum verwendet wird. Eine ähnliche Verwendung findet sie auch im Midrasch. Von da aus ist die symbolische Entwicklung zu verfolgen. „Die Dattelpalme verwandelte sich in den Lebensbaum schlechthin, die Palmenzüchter, wenn auch häufig mit Korb und Blütcnbüschein gekennzeichnet, wurden durch lebenspendende geflügelte tierköpfige Genien oder auch Löwen, Greife und Flügelpferde erset/t. Der Baum wurde durch stilisierende Abschleifungen ein Palmettenstamm. Neben der Bedeutung als Lebensbaum erhält der Baum die Bedeutung eines Weltbaumes. Er tritt in Beziehung zu den Himmelskörpern. Sonne, Mond und Sterne, die sieben Planeten des babylonischen Weltbildes, schweifen über ihm. Gelegentlich wird die an vierter Stelle, in der Mitte der Sternreihe, gedachte Sonne, als geflügelte ägyptisierende Sonnenscheibe, die man in den vorderasiatischen Bildern oft von den Gärtnern mit Seilen zur Herbeiführung der Reife zur Erde ziehen sieht, über den Rankenstamm gelagert. Der Baum und die Sonne verschmelzen zu einem ornamentalen Gebilde. Das Bild des Lebens- und Weltbaumes, sowie der geflügelten Sonnenscheibe hat in Palästina besonders durch die Siegel Verbreitung gefunden. Auf den Siegelbildern aber erfuhr das Darstellung«- motiv eine besonders rasche Abschleifung, der Rankenstamm vereintachte sich /um Standartenschaft, es entstand das Prototyp des Leuchters, des Schaftes mit den Ästen und den Lampen an "Stelle der Der von den Löwen, ilen symbolischen ölspendern, umgebene Leuchter. Abbildung aus der Krakauer Bibel des 14. Jahrhunderts. J Wenn du noch satt zu essen hast, So denk an die, die es nicht haben! WDaß Du sie nicht vergessen hast, I I Beweist Du durch JWH- Gaben. M sieben Planeten. Daß Sterne als Lampen gedacht und durch ölgefäße dargestellt werden, entspricht der ägyptischen und der babylonischen Auffassung. Die Schale an der Spitze des Leuchters des Zacharias ist offenbar das Wahrzeichen der Sonne. Die doppelte Bedeutung des Leuchters ist von Gunkel erkannt worden, jedoch ist ihm der Sinn der „gula" an der Spit/c des Schaftes entgangen. Auch ist die formgeschichtliche Beziehung des siebenarmigen Leuchters zum Palmettenstamm der vorderasiatischen Kunst, insbesondere zur gewandelten Gestalt desselben mit der geflügelten Sonnenscheibe bis jetzt nicht erkannt worden. Die pflanzliche und die kosmologische Symbolik des siebenarmigen Leuchters war Flavius Josephus gegenwärtig. Er schildert ihn so: Der Leuchter war aus kleinen Kugeln, Lilien, Granatäpfeln und Kelchen, im ganzen 70 an der Zahl, aus einem einzigen Fuß heraus in die Höhe gearbeitet und teilte sich in so viele Arme, als Planeten sind, einschließlich der Sonne. Zacharias setzt rechts und links vom Leuchter je einen Ölbaum. Er verzichtet auf die Verschleierung der ölspendeiidcn Handlung durch die heiligen Tiere. Die Bäume selbst, nicht die Mittelgestalten die Pollen sogar, die zur Befruchtung gebraucht werden, figurieren in seiner Schilderung. Die Dattelpalme ist bei Zacharias durch den immergrünen Ölbaum erset/t. Der Leuchter, die Menorah, ist der weibliche Ölbaum oder der Lebensbaum, denn das Olivenöl hat in der jüdischen Symbolik eine vielfache Bedeutung, es spendet Leben und es spendet Licht. Zum Symbol des Weltbaumes mit den sieben Sternen und des Lebensbaumes, der seine Lebenssäfte von zwei Bäumen erhält, tritt das Symbol des Leuchters, der mit Brennöl versehen wird. Dies sind die drei Schichten der Leuchtersymbolik, ZU denen sich eine politische Apothese gesellt: der Tempel in der Mitte und /u seinen Seiten der Davidsproß, der Fürst Serubabcl, und der Hohepriester Joschua, die das jüdische Reich aufbauen werden. Aus der Untersuchung der Leuchtersymbolik läßt sich die Bedeutung der Tiere am Fuße des Leuchters, als ölspendende Genien, entnehmen. Wir begegnen ihnen auf den jüdischen Goldgläsern in Rom. Es sind kerubartige Tiere, die die Palmenzüchter der Lebensbaumbilder ersetzen, Symbole männlicher Stärke. Allerdings treten sie oft in abgewandelter Form auf, nicht in anspringender I laltung, sondern als Wächter des Leuchters. Der siebenarmige Leuchter am Titusbogen in Rom, der nach dem Leuchter des herodianischen Tempels in Jerusalem gemeißelt wurde, weist am Sockel Reliefdantellungen von Delphinen auf. Diese mögen römische Abwandlungen der heiligen Tiere sein, wie wir sie auch in der römischjüdischen Katakombe in der Villa Torlonia finden. Die Verdrängung durch die Delphine kann schon am herodianischen Tempelleuchter selbst stattgefunden haben und würde einer Variante des Weltbäumet entsprechen, der im Meere wurzelt. Jedoch hält die jüdische Tradition an der Löwensymbolik fest. In den hebräischen Handschriften des Mittelalters wird der siebenarmige Leuchter mit gegenständigen Löwen geschmückt, wie wir das z. B. in der Krakauer Bibel sehen. (Durch freundliches Entgegenkommen des Verlags Siegfried Scholem sind wir in der Lage, die von Rahel Wlschlritzer- Bernstein beigegebene Abbildung hier wiederzugeben.) Wir finden ihn seit dem 17. Jahrhundert, frühere Denkmäler mögen verschollen sein, auf den Grabsteinen und im KultgeräJ, insbesondere auf den Rückwänden der Chanukkalampe, der LfcMerlade