Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 45 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 8 November man beispielsweise Thoraschilder und -Kronen und -Vorhänge oder Bessomim büchsen oder Ssederschüssebi und alle die Hunderte gröberer und kleinerer Kultgeräte künftighin „betrachten" und an iiineu vielfach Schönheiten der Formen entdecken wird, an denen mau •MI ■ w \'finlht'r(ri'(r'in<rini Staunen, häufig genug vui uei latsache stehen, uai> die Abbildung menschlicher Gestali keineswegs bedingungslos verpönt var, wie allgemein angenommen wurde: es gibt darauf haue Landsberger vielleicht noch deutlicher, als er es getan hat, eingehen können mannigfache Darstellungen des Menschen, wo mau sie keineswegs erwartet: nicht nur in illuminierten Handschriften, also in Malereien, sondern auch in plastischer Ausführung seihst auf ThoraschUdern, auf Grabsteinen und gelegentlich sogar in Vollplastik an Ghanukkaleuchtern. In einem weiteren Abschnitt untersuch! Landsberger die I rage, inwieweit solche Arbeiten auf j u d i S C h e Künstler zurückgehen Und kommt ZU dem zutreffenden Ergebnis, dali insbesondere bei den Werken der Steinmet/.kunst, der Malerei, den Arbeiten der Gold- und Kupferschmiede vielfach an Juden zu denken ist. Ist auch die Zahl bekannter Namen nicht groß: sehr viele Arbeiten, deren Schöpfer nicht zu ermitteln sind, tragen ein so ausgesprochen jüdisches Oepräge, dali sie nur von Juden geschaffen sein können. Sehr vorsichtig äultert sich Landsberger /ur letzten Frage, die gestellt werden mit Ii, welche Kenn/eichen jüdischen Kunststils festzustellen sind. Unverkennbar ist gewiß das Vorwiegen sakraler Kunst, die der Starke religiösen Empfindens im Judentum entspricht. Weiter erblickt er der jüdischen Kunst Eigenes in der Anhäufung von Motiven, der Neigung ältere und jüngere Stilformen ZU vermischen, einer gewissen Verspieltheit, der reichlichen Beschriftung künstlerischer Objekte; für die neuere Entwicklung beobachtet er die Bevorzugung des Portraits bei den jüdischen Malern, hervorgerufen durch das psychologische Verstehen, das im Juden durch die ihm obliegende Notwendigkeit, ein rasches Bild von seinem Nächsten /u gewinnen, gezüchtet worden ist. Eintopfsammlung. Am Sonntag, den 10. November, vormittags 9 bis 13 Uhr findet unsere erste Eintopfsammlung statt. II« «fir Irckina Hone, iinri Sf rq Kancom m I tt nrtan war anstalten, bitten wir, den Beitrag recht hoch zu be messen. Die Helfer sind angewiesen, darauf zu achten, daß der Spender den Betrag selbst in die Liste einträgt. jüdische Winterhilfe. Gestalten, dieser unendlich vielfältige Schmuck, mit dem das (ieräi gestaltet ist. Habel Wischnit/cr belehrt den Leser. da!5 nicht etwa bloßes Spiel der Phantasie den Künstler gerade dies oder gerade jenes wählen ließ: er formte vielmehr ein dein Kenner des jüdischen Schrifttums geläufiges Gleichnis, sah im (leiste ein /um allbekannten jüdischen Symbol gewordenes Zeichen und gab ihm eine I orm, die dem Leben seiner Zeit angepalit war. Iis wäre unrecht an all» '" anderen, wollte mau einzelne dieser typischen Stoffe herausgreifen: wer illuminierte Handschriften, alte verzierte Ketubboth, alte Misrachtafeln, Thoravorhänge und l horaschilder, Menorahs und Hawdolohbüchsen und all die Fülle der ()egenstände verstellen lernen will, dem wird Kabel Wischnit/ers ausgezeichnete Anleitung ein unentbehrlicher Begleiter werden, wenn auch hie und da eine von ihr gegebene Deutung umstritten sein wird. Auch dieses Buch ist in technisch hervorragender Ausstattung herausgebracht, die Abbildungen, /um gröliten Teil schwer zugänglicher I )inge, sind ausgezeichnet reproduziert. Beide Bücher stellen eine überaus wertvolle Bereicherung der, wie eingangs dargelegt, noch jungen Forschung dar. Sie werden ihr gewiß neue Impulse geben. Rabbiner Gustav Cohn. [ mditbeteiligung an der Winterhilfe bedeutet Jiussdüub aus der jüdischen Gemeinschaft! ] Diese knappen Hinweise machen deutlich, welche reiche Belehrung und wirksamen Anregungen Landsberger Buch bietet Und doch sind wir dem Zusammentreffen dankbar — übrigens keinem zufälligen, sondern in der Lntwicklung dieses Forschungsgebietes begründeten , daß fast zur gleichen Zeit ein Werk erschienen ist, das an die Förderung des Problems von ganz anderen Gesichtspunkten herangeht (Kabel Wischnitz er-Bernstein: Symbole und (i est alten der judischen Kunst. Mit (> farbigen Tafeln und Sl Abbildungen. Berlin-Schönchcig [1935]. Verlag Siegfried Scholem). Qeht Landsberger Arbeit in die Weite, so Rahel Wischnit/ers Buch in die Tiefe; will jene für das Ganze der jüdischen Kunst gewinnen, so unterzieht die auf diesem Gebiet schon vielfach bewährte Sachkennerin eine Einzelfrage und keineswegs eine nebensächliche einei tiefschürfenden Untersuchung und legt mit ihren meist überzeugenden, oft überraschend sicheren Deutungen den Weg für wichtige Fortschritte in dem grollen Komplex von Fragen jüdischer Kunst frei: hat Landsberger für die gesamte ältere Zeit das Vorwiegen der sakralen Kunst betont, so betrachtet Kabel Wischnit/er die auf diesem Gebiet vorhandenen Schöpfungen in erster Reihe vom jüdischen Schrifttum aus, das die künstlerische Betätigung befruchtete, und führt so zum Verständnis des Schmukkes, mit dem das im jüdischen Kult verwendete Gerät geziert wurde, Die Untersuchung fuhrt /" dem Ergebnis, daß eine Reihe religiöser Grundlinien zu typischer Symboldarstellung geformt wurde, so dali sie mit Recht als eine „Vorarbeit für eine Motiv- und Typen* geschichte der jüdischen Kunst" bezeichnet wird. Um acht solcher wesentlichen Gedanken gruppieren sich diese oft und immer wieder begegnenden Darstellungsformen: Göttliche Offenbarung, Königtum, die Lehre, Priestertum, Judentum, I est und Brauch. Zukunftshoffnung, Zeit und Welt. Wer nur je, wozu Landsberger ja anregen will, solche Gegenstände wirklich „gesehen", d. h. mit vollem Bewußtsein sieh in das Schauen versenkt hat, dem begegneten tausend Fragen: was bedeuten diese Tiere, diese Kronen, diese Säulen, diese Bäume neben den Leuchtern, diese dämonischen Unsere Gemeinde. Die Hausfrauenberatungsstunden des Jüdischen Frauenbundes finden allwöchentlich Montag und Donnerstag von —1/26 Uhr im Sozialamt, Humboldtstr. 13, statt. 80. Geburtstag des Herrn Samuel Hodes. Der SO. (ieburtstag dc> Herrn Samuel Hodes gestaltete sich zu einer herzlichen Kundgebung weitester Kreise unserer Gemeinde. In der Mittagsstunde versammelten sich in der Wohnung des Jubilars neben den zahlreichen persönlichen Freunden eine grolie Schar von Vertretern der Gemeinde und der Organisationen. Namens des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde sprach Herr Gemeindevorsteher Goldschmidt in wannen Worten die Glückwünsche des (iemeindevorstandes und der Gemeindekörperschaften aus, indem er insbesondere auf das schöne Einvernehmen /wischen diesen und dem Jubilar hinwies. Angesichts der groben Verdienste, die sich Herr Hodes um Eröffnungsfeier des Jüd. Lehrhauses Leipzig. (Gemeindeabend.) Die Gemeinde veranstaltet zur F.röffnung des Jüdischen Leluhauses in der Gemeindesynagoge, Qottschedstraße, am Sonntag, dem 17. November 193S, nachmittags 5 Uhr pünktlich, eine Feier. Bei dieser Feier wird Herr Rabbiner Dr. Heinrich Lemle, Frankfurt a. M„ Miquelstraße 3 über „Die seelische Situation in der Zeit der jüdischen Umkehr" sprechen. Nicht nur die Hörer des Lehrhauses, sondern auch sämtliche Qemeindemitglieder sind zur Teilnahme au der Feier eingeladen. Im Hinblick auf Bedeutung und Inhalt dieses Gemeindeabends wird regste Teilnahme erwartet. Ein Eintrillsgeld wild nicht erhoben; jedoch ist für reservierte Plät/e ein Unkostenbeitrag von RM. 1. ZU zahlen. Hörer des Lehrhauses können gegen Vorlegung ihrer Hörerkarte Sonntag, dem 17. November 1*H5, in der Zeit von 4,15 Uhr 4,45 Uhr in der QemeindesynagOge unentgeltlich Karten für res* vierte Plät/e erhalten. Leipzig, den 0. November 1935. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. bis