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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-11-08 · 45 (8.11.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
45 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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11. Jahrgang - Nr. 45 Auflage 3700 Stück 8. November 1935 DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Um die jüdische Kunst Am spätesten und wenigst intensiv hat sieh die Wissenschaft des Judentums der jüdischen Kunstgeschichte gewidmet. Es galt al> eine unbestreitbare These, dafl die BUderfeindlichkeit der jüdischen Religion die Entfaltung künstlerischer Betätigung bei den Juden nicht habe aufkommen lassen. Als sich ein protestantischer Forscher im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts an jüdische Schriftforscher um Hinweise auf figürliche Darstellungen in hebräischen Handschriften wandte, wurde ihm erwidert, daß solche nicht vorhanden seien; das Bilderverbot stehe dem entgegen. Dieser Irrtum hatte zur Folge, daß man ungewöhnlich spat zu einem systematischen Suchen nach dem Stoffe kam: eine Ausstellung in London (die übrigens mehr geschichtlichem als kunstgeschichtlichem Interesse diente), die 1SQ5 in Wien begründete „Gesellschaft für Sammlung und (Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" und die 1807 durch Heinrich I rauberger in Frankfurt a. M. mit Unterstützung von Ch. L. Hallgarten geschaffene und lange Jahre von ihm geleitete „Oesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" bilden die Anfänge dieser nicht mehr dem Zufall Überl'ssenen, sondern methodisch durchgeführten Forschungen. Die jüdische Kunstwissenschaft ist also ein sehr junger Zweig jüdischer Ciesamtvvissenschaft. Und zudem ist in dem knapp ein halbes Jahrhundert währenden Zeitraum die Aufmerksamkeit fast noch mehr auf die grundsätzliche frage nach dem Bestehen einer jüdischen Kunst als auf die Kunstwerke selbst gelenkt gewesen. Erst in neuerer und neuster Zeit hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß Voraussetzung für die grundsätzliche Entscheidung über das Vorhandensein eine möglichst umfassende Übersicht über den Stoff jüdischer Kunst, seine Analyse und seine kunstgeschichtliche Einordnung sein muß. Ein erster außerordentlich wertvoller Versuch einer Oesamtwertung, den dann Ernst Cohn-Wiener 1929 veröffentlichte, konnte daher gewiß noch nicht „die" Lösung der Aufgabe bringen: wir waren und sind auch heute noch viel zu weit von einer Vollständigkeit der Kenntnis des Stoffes entfernt, hatten — und haben auch heute noch — viel zu wenig an sichtenden Vorarbeiten, um sclion zu einer systematischen Darstellung schreiten /u können. Qleichwohl bedeutet sein Werk eine wichtige Stufe im Aufbau dieses Wissenschaftszweiges; der Hinweis auf „Lückenhaftigkeit" kann es deshalb nicht verkleinern. Eine nicht geringere Bedeutung kommt dem neuesten Versuche *U, die jüdische Kunst als Ganzes darzustellen, de" der als KunstleschichtJer bekannte und geschätzte Prof. Dr. I ran/ Landsberger unternommen hat (Einführung in die jüdische Kunst. Berlin 1935, Philo-Verlag). Die letzten Jahre haben die Arbeit der Forscher auf den mannigfaltigen Einzelgebieten in Fluß kommen •Isen; wichtige Eortschrittc sind zu verzeichnen. Oleichwohl sieht Landsberger, der klare Methodiker, die Grenzen, die heute noch der Behandlung des Gebietes gesteckt sind: noch ist die Zeit für Am 29i Oktober wurde das vom Bildhauer Rudolf Saudek geschaffene Denkmal für Qeroeinderabbiner Dr. Goldmann s. A. enthüllt. eine Darstellung der Entwicklung jüdischer Kunst nicht reif. Mit seiner „Einführung" will er daher „vor allem die Augen dafür öffnen, Dinge, die immer noch zu sehr vom Gegenständlichen, vom kultischen Zweck ausgesehen weiden, in ihrer formalen Schönheit zu genießen". Und das dürfte dem Oelehrten mit seinem wertvollen Buche durchaus gelingen. Das Stoffgebiet jüdischer Kunst zeigt bis in die neuere Zeit hinein eine fast völlige Vorherrschaft der religiösen Kunstbetätigung. Beispiele einer weltlichen jüdischen Kunst wie etwa ein jüdisches Rathaus in Prag oder (in der jüdischen Abteilung des Historischen Museums in Amsterdam) jüdische Spielkarten, auf silberne Platten gemalt, sind für die ältere Zeit durchaus Seltenheiten. Dagegen hat die Kuustbctätigung der Juden an den vielgestaltigen Formen des jüdischen Kults, in Synagoge und Haus, im Werktag wie an den Testen ein reiches l eid gefunden und fruchtbar gemacht. Iii einer nach unserer heutigen Kenntnis wohl lückenlosen Obersicht durchstreift Landsbergers Buch alle die vielfältigen Gebiete der jüdischen Kunst und erweist sich als ein ti elf lieber Führer; durch die geschickte Auswahl lehrreicher Beispiele, die iu ausgezeichneten Reproduktionen gezeigt werden, weiß er das Interesse an den Dingen zu wecken; mehr aber noch gibt er durch die Erläuterung und und Deutung der vorgeführten Kunstformen Anweisung zum rechten Schauen. Kein Zweifel: Seine „Einführung" wird dazu führen, daß feW reidilidil Morgen CintopfSammlung! Gebt reichlich!

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