Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 51 (17.12.1937)
- Date
- 1937-12-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JOD ISCHE S OEM EI N DEBLATT LE1PZ1 G 17. Dezember 1937, Nr. 51 f*'#4 VasOT Denkt an die Jüdischen Handwerker! Adressen vermittelt die Geschäftsstelle: Max Singer, Uhrmacher, Plauensche Straße 2, Teiefon 27327 Bad Nauheim unter gebracht. Diese Bczirksschulc ist au die Stelle der früheren Israelitisehen Kinderluilstätte in Bad Nauheim getreten, die auf diese Weise eine das gan7e Jahr hinrlnrrhf»ehende Belegung erhalten kann. Von den 161 Kindern leben 77 im Internat, während S4 als sogenannte „Fahrkinder" täglich zur Schule kommen. Die Reichsvertretung ist leider im Augenblick nicht in der Lag1', weiteren Gesuchen um He/uscmiasutig aus dem huikittlerfouds /u enUprechen, da die bierfür vorhandenen Mittel voll in Anspruch genommen sind. Die Vermehrung der Mittel durch die Stärkung der Aktion für die „Blaue Beitragskarte" und die Vergrößerung der Mittel des Zentralausschusses ffir Hilfe und Aufbau ist daher dringend erforderlich. Jüdisches Lehrhaus Leipzig Vom Januar 1938 an wird im Lehrhaus wiedee ein Buchführnngtkar8 in zwei Abteilungen eingerichtet. Der Lehrgang wird von Herrn L.Wulff abgehalten und gliedert sieh in Kurs Via: Buchführung für Anfänger, und Vlb: Buchführung für Fortgeschrittene. Die Kurse finden jeweils Mittwoch abends statt. Die Zeiten werden in der Vorbesprechung venu Mittwoch, dem 12. Januar 1938 (Höhere Israelitische Schule, Gustav-Adolf-Straße 7), 20.15 Uhr vereinbart. Anmeldungsfrist für diese Kurse bis 31. Dezember 1937. Hörergeld pro Kurs RM. 5.— (BundesangchöKgc RM. 2.30, Erwerbs lose RM. 1. - ). Das Hörergeld ist entweder in bar an die Gemeindekasse, Walter-Blümel-Str. 101, werktäglich 1 ,10 -13 Uhr, zu zahlen oder auf das Postscheckkonto der Gemeinde. Leipzig 50533, zu überweisen. Die Hörerkarte wird alsbald nach Bezahlung desKurses durch die Post zugestellt. Teilnahme an den Kursen ohne Hörerkarte ist nicht zulässig. Farien der Sprach- und Stcnographiekurse. Wegen dc3 Schulfestes und der Schulferien müssen die Lehrhauskurse in der Zeit vom 10. Dezember 1937 bis 9. Januar 1938 ausfallen. Ab Montag, den IQ*Januar 10JS, laufen die Sprach- und Stenographie kurse in dei bisher üblichen Weise fort. Ferien der hebräischen Sprachkurse. Wegen des Schulfestes und der Schulferien müssen die hebräischen Sprachkurse in der Zeit vom 19. Dezember 1037 bis O.Januar 10iS ausfallen. Ab Montag den 10. Januar 1038, laufen die hebräischen Sprachkurse in der bisher üblicueu Weise fort. Neue Bücher A. D. Gordon: Auswahl aus seinen Schritten. Nach der von N. Tradjon unter Mitwirkung von F. Sehochat bearbeiteten hebräischen Ausgabe übersetzt von Viktor Kellner. Berlin [1937] (Jüdischer Verlag). Gordon war ein Denker, dessen Schriften Lei der liefe ihrer Qedanken nicht geringe Anforderungen an den I es er stellten. Das ganze Werk dieses bahnbrechenden Geistes in vollem Umfang Kennenzulernen, mußte daher schon immer einem kleinen Kreise von Menschen vorbehalten bleiben, die fähig und gewillt sind, es sich in geistiger Anstrengung zu erarbeiten. Die vorliegende Auswahl ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dafi dieser Typ des Leseis heute noch seltener angetroffen wird als zuvor und daß es notwendig geworden ist, Gordons Schriften „durch Kürzung zugänglicher zu machen". Sie erfüllt datn.t eine schon seit langem erhobene Forderung, Sie faßt in acht Abschnitten die in den fünf Bänden der Gesamtausgabe festgehaltene Geistesschöpfung zusammen, insoweit deren Wert, nach einem Wort üordons „ein lebendiger Wert ist, das heißl nicht ein literarischer oder publizistischer, sondern ein vitaler Wert für das Leben, das sich erneuert''. Josef Ahronowiez schöpft „Aus A. D. Gordons Leben" und Jael Gordon spricht „Von üordons Leben im Lande". Mit großem Geschick sind in diesem stattlichen Bande die ungemein fruchtbaren und befruchtenden Gedanken zu einem in sich geschlossenen Ganzen vereinigt. Wer den Weg zu Gordon, dem geistigen Vater der Chaluzbcwegung finden will, soll diese, auch technisch erfreuende, Ausgabe gerne als Führer wählen. G. C. Mendale Mocher Sfarim: Die Fahrten Binjamins des Dritten. Line Erzählung. Berlin 1037 (Bücherei des Schocken Veilags 85]. In seiner Erzählung „Ftsrhki der Krumme" hat Mendale den Tvn des wandernden Schnorrers gezeichnet. Benjamin den Dritten treibt nicht das Betteln in die Fremde. Sein Wandertrieb ist ganz anderer Art: Halb verstandene Lektüre bedeutender Reiseberichte vergangener Zeiten hat in dem schlichten Kleinbürger den Gedanken geweckt, er könne zu den „Roten Juden" gelangen, von denen Benjamin von Tudela erzählte: In völliger Naivität hat der unwissende Mann den weltenweiten Abstand nicht ermessen können, der ihn von jenen Größen trennt. So verläßt er planlos Frau und Haus, muß sich gemeinsam mit einein Manne seinesgleichen schnorrend erhalten. Mit behaglichem Humor schildert Mendale, wie ein gewisser Zug von Romantik die beiden zum Messias hinstrebendeu Männer einige Wochen hindurch erhält, bis ihre Fahrten ein abenteuerliches Ende finden. Eine köstliche Milieuschilderung, wie sie Mendale auch sonst zu treffen weiß; C. Schmeldlers Brot n,c Bauernart Haben Sie schon Ich p w n f f>h! Nordstr. 25 - Frankfurter Str. 11 - Ruf 25561 versucht? orzusiicncn KonalioFEiu/ufEii Im lahres-Schlußheft (lahrg. 7, Heft ft) der Blätter: „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", dem Organ der Zcmraiwoiii fahrtsstclle und der Abteilung Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, hat Georg Luhrnski in „Erfüllt die jüdische Sozialarbeit noch heute ihre Aufgabe?" die Grundgedanken des Vortrages veröffentlicht, mit dem er die Sozialarbeitertagung vom 29. bis 31. Oktober abschloß, und der für die jüdische Sozialarbeit dtr nächsten Zeit wesentliche Bedeutung behalten wird. Enge Berührung mit dem Thema hat eine Untersuchung über die „Kosteugestaltung in Anstaltsbetrieben", mit der Dr. Ludwig Bat zu er die in Heft 3 begonnene Prüfung fortsetzt. Hilde Meycrowicz schildert die Gestaltung und Bedeutung der jüdischen Bczirksschulc Bad Nauheim. Wichtige sozialrechtliche Fragen behandeln Fritz Wittelshöfer, „Das Ausländerkind im Jugend- und Wohlfahl tsi echt", Dr. Fritz Aron, der aus der neuen Arztberufsordnuug die auch für die jüdischen Ärzte wesentlichen Fragen behandelt, Gertrud Israel, die einige für Auswanderer wesentliche Bestimmungen der Sozialversicherung darlegt Von Interesse ist weiter ein neuer Versuch „Die Gestaltung der jüdischen Gegenwartskunde" zu diskutieren, zunächst durch einführende Bemerkungen von Dr. Paul Eppstein und Beiträge von Prof. a.D. B i 11 i g h e i in e r und Betty Rothschild. Der Bedeutung von Felix M. War bürg für die jüdische Wohlfahrtsarbett widmet Leo Baeck Worte des Gedenkens. Konzert und Theater Licsel Simon mit ihrem Kasperle-Theater in Leipzig, Der berufene Kritiker des vom Kulturbund und vom Jüdischen Frauenbund gemeinsam veranstalten Kasperletheaters ist die kleine Zuschauerschar, die das Kulturbundtheater am siebenten Chanukkaabend füllte. Und sie hat ihre Kritik stark und impulsiv gleich an Ort und Stelle geäußert. Herzerfreuender Kinderiubel, gespannte Anteilnahme an Kasperles wechselreichem Schicksal, aufgeregte Zwischenrufe, wohlgemeinte Ratschläge an Kasperle, der vernünftigerweise in allem, w as er tat, den klugen Kinderrat einholte, zeigte, wie stark gefesselt das Publikum war. Und die Erwachsenen, die sich leider in viel zu geringer Zahl den köstlichen Genuß an der naiven Kinderfreude gegönnt haben, bewunderten die künstlerisch ausgeführten Puppen, die fast lebendig wirkten, die yule Spie.ciileehnik, die fiisciic Ali, mit der LieSel Simon so schnell Kontakt mit dem kleinen Publikum fand. Die Aufführung war eine gelungene Chanukkafreude für die Kinder, Chanukkastimmung wurde durch das Lichteranzünden durch Herrn Oberkantor Lampel geschaffen. In freundlicher Weise hatte der Kulturbund dem Frauenbund Raum für eine Werbung gelassen, die, da viele Kräfte zum Gelingen beitrugen, zu einer sehr effektvollen Programmnummer wurde. Frau Bau mann -Heilpern als Wortführern, und sieben Kinder, Schillerinnen der Gymnastik- und Tanzlehrerin Fräulein Dr. Buxbaum, verkörperten die verschiedenen Arbeitsgebiete des Frauenbundes und sprachen die humorvollen Verse von Frau Käte Luft, die durch Mimik und Tanz, von Fräulein Dr. Buxbaum einstudiert, wirkungsvoll unterstrichen wurden. Der schön gezeichnete, ideenreiche Hintergrund war von Theo Her- ./ r n b e r g. Di r 7. Kultur- und Gesellschaftsahend des Vereins polnischer Kaufleute wurde in Anwesenheit des Herrn Generalkonsuls Chiczewski und Vizekonsul 1 ulasiewiez von den Herren Vorsitzenden Ader und Brecher durch Ansprachen eröffnet. An zwei Flügeln spielten Genta Schermann und Wolfgang Lederei aus Berlin, die sich auf dem Gebiete der leichten Muse ausgezeichnet eingespielt haben. In den „Polnischen Melodien" „G'schichten aus dem Wiener Wald" und den „Tonfilmmelodien" bewiesen sie pianistischen Elan. Unser einheimischer Säuger Paul Niederland besitzt einen dramatischen Tenor. Mit hoher Musikalität meisterte er, selbst in dem akustisch ungünstigen großen Saale des Zoo, die drei Arien von Puccjni und I eoncavallo Fr sang <äp mit gutem Vortrag im echten italienischen Stil; nur muß er noch mehr darauf achten, die Pianos leicht und weich anzusetzen. Martin 1 iuschlag schmiegte sich mit seiner Klavierbegleitung dem Sänger recht gut an. - Schade, daß es nicht möglich war, im Saale die nötige Ruhe zu schaffen, die den Vorträgen gebührte. It. Kulturbund: Heinrich-Heine-Abend. Wir wissen, das Heinrich Heine ein vielseitiges Genie war; man hätte uns von ihm an diesem Abend Buch Vielseitigeres geben können; etwas vom leichtbeschwingten, vom satirisch-spöttischen, vom romantisch-lyrischen oder vom sozialdenkenden Heine. Qewiß, doch wir hätten in den zwei Stunden von allem nur kleine Ausschnitte gehabt. So aber wollen wir den beteiligten Künstlern dankbar sein, daß sie uns einen eindrucksvollen Abend verschafft haben, indem sie uns den ernsten Heine in so geschlossener Form übermittelt haben. Das Histoiische verwebte sich