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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-10-08 · 41 (8.10.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
41 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES OEM EIN DEBLATT LEIPZIG 8. Oktober 1937 / Nr. 41 Unsere Gemeinde Nehmt ein Kind mit an euren Mittagstisch! Auf Anregung des Wohlfahrtsamtes der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig übernimmt Frau Trudc Stein in Leipzig, Iii einer Str. 7 wohnhaft, ir. diesem Jahre wieder das Protektorat über die Kinderspeisung im Winter 1937,38. Nachdem in diesem Sommer die Verschickung vöü erholungsbedürftigen Kindern und die Halbtagsferienkolonic während der großen Ferien durchgeführt worden ist, soll die Kinderspeisung als nachgehende Fürsorge an diese Aktionen angereiht werden. Die Kinderspeisung hat den Zweck, schwachen Kindern, die im Hause ihrer Eltern nicht ausreichend ernährt werden können, während der Wintermonate wenigstens einmal täglich eine kräftige und warme Mahlzeit zu verabreichen. Schon im vorigen Winter konnten wir eine Reihe von solchen Kindern an Mittagstischen unterbringen. In diesem Jahre soll die Kinderspeisung in erweitertem Ausmaße durchgeführt werden, damit die in den Sommermonaten durchgeführten Verschickungen ihren Zweck erfüllen. Die Erfolge der Kinderspeisung im vorigen Jahre ermutigen uns, dieselbe auch in diesem Jahre weiterzuführen. Zu der Durchführung der geplanten Kinderspeisung stehen dem Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig etatmäßig keine Mittel zur Verfügung. Wir richten deshalb an alle die Bitte: „Nehmt ein Kind mit an euren Mittagstisch". Wenn Sie infolge Arbeitsüberlastung keine Möglichkeit haben, ein Kind an Ihrem Mittagstisch teilnehmen zu lassen, dann besteht die Möglichkeit, Ihre Spende in Geld abzulösen und dadurch einem bedürftigen Kind zu einem täglichen warmen Mittagessen zu verhelfen. Das Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig bittet darum, Frau Trude Stein in ihrem Bemühen um die Aktion in jeder Weise behilflich zu sein. Zusagen nimmt Frau I rude Stein, Leipzig, Bremer Str. 7, Telefon-Nr, 56766 — entgegen. Jüdisches Kinderheim des Felix-Goldmann-Gedächtnisbundes. In einer am 5. Oktober abgehaltenen gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand des Felix-Goldmann-üedächtnisbundes ist der Beschluß gefaßt worden, das seit 1903 bestehende Jüdische Kinderheim in die Verwaltung des Bundes zu übernehmen. Dieser Beschluß ist dadurch möglich geworden, daß einer mit dem Ziele der Fortführung des Heims durchgeführten intensiven Mitgliederwerbung ein voller Erfolg beschieden war. Darin bekundet sich das Verständnis für die große Bedeutung des Heims im Rahmen der jüdischen Einrichtungen unserer Gemeinde. Die Aufrechterhaltung dieser Erziehungsstätte gerade in gegenwärtiger Zeit wird von weitesten Kreisen als eine unbedingte Notwendigkeit empfunden. Die erzieherischen Erfolge des Heims sind allgemein anerkannt; nicht minder konnte bei den ärztlichen Untersuchungen immer wieder ein besonders guter Gesundheitszustand der Heimzöglinge festgestellt weiden. So sah der Vorstand des Felix-Goldmann-Gedächtnisbundes in der Aufrcchterhaltung des Heims eine aus den Umständen gegehene schöne Aufgabe. In der Sitzung, die den Beschluß des Vorstandes bestätigte, wurde auch der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß der miigiiederzuwachs der letzten Wochen die Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Aufgabe gewährleistet. Die Mitgliedsbeiträge sind auf das etwa Zweicinhalbfache des bisherigen Betrages angewachsen. Kuratorium und Vorstand haben daraus die Überzeugung gewonnen, daß dem Bunde darüber hinaus die finanzielle Förderung der Gemeindcmitgliedcr zuteil werden wird, die ihn instandsetzen, neben den bisher erfüllten Leistungen diese große und wichtige Aufgabe zu lösen. —- In der gleichen Sitzung konnte der Bundesvorsitzende, Rabbiner Cohn, darüber berichten, daß auch in diesem Jahre anläßlich der J a h r z e it des verewigten Rabbiner Dr. Goldmann an zehn bedürftige Familien als Erziehungsheihilfe für ihre Kinder eine Spende überwiesen worden ist. Handelsbank Iwria. Die bedauerlichen Ereignisse bei der lwria- Bank. Berlin, haben die Handelsbank Iwria e.G. m.b.H., Leipzig, die mit der Berliner Bank seit Jahren in personeller oder materieller Hinsicht nichts als den Namen gemeinsam hat, veranlaßt, sich einer außerterminlichen Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer Dr. Lcdermann in Gotha zu unterwerfen. Das Ergebnis der Prüfung sehen unsere Leser aus der in dem Anzeigenteil veröffentlichten Zwischenbilanz per 30. 9. 37. Diese Bilanz bestätigt die Berechtigung des Vertrauens, das die Leipziger jüdische Bevölkerung zu dieser Bank bekannt hat. Die Rentabilität der Bank ist auch im laufenden Jahr eine günstige. Nach Bereitstellung ausreichender Rückstellungen bleibt in den ersten drei Quartalen ein Gewinn in einer Höhe, die mindestens der des Vorjahres entspricht. Die Flüssigkeit der Bank ist wie in den Vorjahren außerordentlich gut. Es stehen große Barbestände und Bankguthaben bereit, und der Umschlag der Kredite ist, wie aus dem Bericht des Prüfers hervorgeht, in jeder Hinsicht einwandfrei. Das Wechsclmaterial ist gut, so daß der Bank jederzeit weitgehend Rcdiskontmöglichkeiten zur Verfügung stehen, in allgemeiner Hinsicht wird die Bank durch den Vorstand in Verbindung mit dem Aufsichtsrat umsichtig geleitet, so daß sie ihrer Aufgabe, den jüdischen wirtschaftlichen Kreisen zu dienen, in weitgehendem Umfange gerecht wird. Die Bank hat es insbesondere verstanden, den richtigen Weg zu finden, um den Kreditbedürfnissen der jüdischen Bevölkerung entgegenzukommen, ohne daß sie sich hätte verleiten lassen, Geschäfte zu unternehmen, die nicht dem Wesen einer seriös geleiteten Bank entsprechen. Es ist ihr deshalb gelungen, iffinfc Jüdische Winterhilfe ^Efln^V (Israel. Religionsgemeinde, Abt. Winterhilfe). ^^^F Postscheckkonto Nr. 20516 Der besonderen Aufmerksamkeit unserer Leser empfehlen wir die dieser Nummer beigefügte Beilage der Jüdischen Winterhilfe Leipzig 1937 38. Sie enthält alles Wissenswerte über Aufbringung und Verteilung der Mittel und Leistungen der diesjährigen Winterhilfe. Die hier vereinigten Nachrichten enthalten vieles, was nur einmalig bekanntgegeben wird; darum: die Beilage aufheben! in allen Jahren seit ihrem Bestehen, ihr Kreditgeschäft in Ordnung zu halten. Dr. C. G. Werbeveranstaltung für den Hilfsverein der Juden in Deutschland am 30. September. Die in den Anzeigen Unseres Blattes angekündigte Versammlung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland fand im starkbesetzien Kulturbundsaale statt. In einem etwa eineinhalbstündigen Vortrag, der von Anfang bis Ende fesselte, gab der Vortragende, Dr. Werner Rosenberg, Vorstandsmitglied des Hilfs- V er eins, ein anschauliches Bild von der augenblicklichen Lage der Auswanderung mit Ausnahme der nach Palästina, die ja bekanntlich vom Palästinaamt allein betreut wird. Er ging davon aus, daß Palästinaauswanderung und Auswanderung nach den anderen Ländern der Lrde sich ergänzen müßten, da nun einmal Palästina nicht alle Auswanderer aufnehmen könne, daß aber hier keine gegenseitige Konkurrenz, sondern ein Zusammenarbeiten sei. Man machte dann mit ihm gewissermaßen in eineinhalb Stunden eine Reise um die Welt, Zunächst die jetzt loyalere Handhabung der Einwanderung nach U.S. A. und die Aussichten dieses Landes der unbegrenzten Möglichkeiten schildernd, behandelte er ausführlicher die südamerikanischen Staaten, Australien und Südafrika und zeigte, daß die Lage der jüdischen Auswanderung zwar schwierig, aber nicht hoffnungslos sei, daß der Hilfsverein der Juden immer neue Möglichkeiten aufzuspüren versuche und auch finde. Man sah, welche Arbeit, auch Kleinarbeit, hier tagtäglich vollbracht wird, wie mannigfaltig und schwierig sowie verantwortungsvoll sie ist, wie Arbeitsgebiet und Zahl der zu Betreuenden tagtäglich wachsen. Nachfolgend einige Zahlen: Zahl der geldlich unterstützten Auswanderer und Kosten je Kopf: Europa Übersee zusammen Kosten je Auswanderer 1933 6717 943 7660 ' 40.— RM. 1934 1931 1297 3228 68- „ 1935 927 1617 2544 140.— „ 1935 741 4857 5598 2$5.— „ 1937 bis 1. August 2615 333.— „ Bei diesen Zahlen ist die Verschiebung der Auswanderung von Europa nach Übersee und die Steigerung der Kosten je Kopf interessant. Letztere zeigt die zunehmende Verarmung. Die Zahl der vom Hilfsverein teils geldlich Unterstützten, teils Beratenen ist mit 50000 nicht zu hoch gegriffen. Die geldliche Unterstützung besteht in Beteiligung au den Nebenkosten (Visum u. a. m.) und den Kosten der Fahrt. Wo nicht eine Notstandsgemeinde besteht, tragen die Gemeinden die Hälfte. Die Mittel hierfür fließen dem Hilfsverein vom Ausland über die Reichsvertretung zu und finden sich in deren Etat unter Zcnttalwohlfahrtsausschuß „Hilfe und Aufbau". Die Unkosten des Hilfsvereins der luden selbst betuigcn: 1933 etwa 148000 RM., 1934 etwa 165000 RM., 1935 etwa 177000 RM., 1936 etwa 385000 RM. (Einrichtung von 13 neuen Beratungsstellen im Reiche, darunter eine in Leipzig). Zu diesen Kosten werden aus Mitteln von „Hilfe und Aufbau", was nicht mit dem Hilfsverein der Juden verwechselt werden darf, von der Reichsvcrtietung 60000 RM. beigesteuert. Den Rest muß der Hilfsverein durch Mitgliederwerbung aufbringen. Das verlangen auch die ausländischen Freunde. Mit Recht wies deshalb in einem besonders eindringlichen Schlußwort Herr Rechtsanwalt Dr. Conrad Goldschmidt darauf hin, daß jeder Jude nach Kräften in seinem eigenen Interesse und in dem der jüdischen Gemeinschaft den Hilfsverein unterstützen und ihn dadurch, daß er Mitglied werde, nicht nur geldlich, sondern auch moralisch stützen müsse; es sei Pflicht jedes Juden, und sei es auch mit einem kleinen Betrage, wenn es zu mehr nicht reiche, Mitglied zu werden. Möge das nicht ungehört verhallen, und möge die jetzt im Gange befindliche Werbung wie in vielen anderen Gemeinden zu einem großen Erfolge führen! Hauspflege des Jüdischen Frauenbundes, in allen Fällen, in denen durch Erkrankung oder Abwesenheit der Hausfrau eine vorübergehende Vertretung im Haushalt erforderlich ist, stellt der Jüdische Frauenbund seine bewährten Hauspflegerinneu zur Verfügung. Es wird nochmals betont, daß es sich hierbei nicht um eine Vermittlung von Hauspersonal handelt, sondern ausschließlich um eine vorübergehende Entlastung der Hausfrau. Adressen und nähere Bedingungen sind zu erfahren durch Frau Dr. Abelsohn, Gohliser Str. 15, Tel. 26894. ' ' Unterstützungsverein „Linas Hazedek". Uns wird mitgeteilt „Nachdem durch Ausscheiden fast sämtlicher Mitglieder der Verein keinerlei praktische Arbeit mehr leisten konnte, ist vom Vorstand die

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