Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 36 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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3. September 1937 / Nr. 36 JÜDISCHES GEM FINDLBL ATT LEIPZIG Seite 9 haben zu diesem Zwecke passendes Spielzeug, wie z. B. Bälle, Gummiringe, Springseile und Tambouriiis angeschafft. Wahrend des Frühstücks, wie auch an Regentagen, durften wir das Klubhaus des Sportvereins „Schild" benutzen. Zur Durchführung der Milchkolonie standen uns leider etatmäßig keine Gelder zur Verfügung. Die notwendigen Gelder in Höhe von pfws PM. JWJQ. ^„tJ, üim.ii private •»nennen mitgebracht worden. Allen Piivatpersoneu und Organisationen, die uns bei der Aufbringung der Mittel durch Spenden geholfen haben, sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. Die Erfolge, die wir mit unserer Milchkolonie erzielt haben, sind sehr zufriedenstellend. Die Kinder haben sich in diesem Jahre, wie auch in den Vorjahren, gut erholt. Berufsbezeichnung und Mitgliedschaft beim Reichsverband der jüdischen Kulturbünde. Der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland teilt mit: Durch Erlali des Herrn Ministers für Volksaufklärung und Propaganda (Soliderreferat ReichskulhirwaherHÜlkel) ist mit sofortiger Wirkung für alle dem Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland angeschlossenen Kulturbünde, Organisationen und aktiven Mitglieder aller Sparten folgende Anordnung getroffen worden: „Mit sofortiger Wirkung haben alle Mitglieder des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde, die in Drucksachen, Inseraten, Ankündigungen, auf Hausschildera, Visitenkarten usw. durch eine Berufsbezeichnung auf ihre künstlerische Tätigkeit hinweisen, neben diese Berufsbezeichnimg die Worte „Mitglied des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland" in Klammern zu setzen. Dieser Zusatz muß in gleicher Größe und in gleicher Weise sichtbar wie die betreffende Berufsbe/eichnung angebracht sein. Verstöße gegen diese Anordnung werden schärfstens verfolgt." Befreiung der jüdischen Arbeitslosen von der Stempelpflicht an den hohen Feiertagen. Auf Antrag des Sozialamtes der israelitischen Religionsgcmeinde hat die Leitung des Arbeitsamtes Leipzig entschieden, daß die jüdischen Arbeitslosen, um am Gottesdienst teilnehmen zu können, von der Stempelpflicht au den hohen Feiertagen (Rausch-Haschono Montag, den h. September, Dienstag, den 7. September, und Jörn kippur Mittwoch, den 15. September) befreit sind. Das Fürsorgeamt des Herrn Oberburgermeisters ist durch das Arbeitsamt entsprechend benachrichtigt worden. Handelskurse der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Die Schul Verwaltung der Jüdischen Gemeinde in Berlin teilt mit: Wie in den letzten Janren eröffnet die Handelsschule der Jüdischen Gemeinde zu lierlin am 1. Oktober 1937 eine neue Sprachenklasse. Diese ist besonders für diejenigen bestimmt, die die Absicht haben, in absehbarer Zeit auszuwandern und sich vorher eine eingehende, Kenntnis der Weltsprachen Englisch und Spanisch verschaffen wollen. Der Intensivunterricht soll die Teilnehmer der Sprachenklasse, die außerdem einen Unterricht in englischer und spanischer Stenographie und Schreibmaschine erfahren, befähigen, im Ausland eine entsprechende Stellung bekleiden zu können. Diesem Zweck dient auch die Einführung in Kultur und Wirtschaft der Auswanderungsländer, in denen Englisch und Spanisch herrschend ist Die Schule eröffnet ferner am 1. Oktober 1937 einen Halbjahreskursus, der in gedrängtester Kürze junge Menschen für die praktische kaufmännische Tätigkeit vorbereitet. Dabei wird besonderer Wert auf die technische Seite der Ausbildung gelegt (Stenographie und Schreibmaschine). Auskunft erteilt der Schulleiter, Herr Dipl.-Handelslehrer Berger, Berlin W 15, Joachimsthaler Str. 13. Bevorstehende Veranstaltungen 9. Sept.: Jüdischer Kulturbund: Orchcsterkonzeit des Berliner Kulbundes unter Mitwirkung von Rita Storch (Tschaikowsky- Konzert). 12. Sept.: Junioren- und Jugendmeisterschaften des Deutschen Makkabikreises auf dem Bar Kochba-PIatz.!2. Sept.: Sportverein Schild-Leipzig: Fußballspiele gegen Meiningen. 18. Sept.: Der Bunte Karren: „Achtung! Wir schaukeln weiter." 23. Sept.: Jüdischer Kulturbund: Gastspiel des Berliner Kulturbundes „Jean" (Gesellschaftsstück von Bus-Fekete). 28. Sept.: K.A.E.: üesellschaftsabend. Neue Bücher Almanach des Schocken-Verlags auf das Jahr 5698. Mit einem hebräisch-deutschen Kalendarium, einer Bildbeigabe und dem vollständigen Verzeichnis der Verlagswerke des Schocken-Verlags. 208 Seiten Oktav. Kartoniert M. 0.60. Zum fünften Mal schon erscheint nunmehr der Almanach des Schocken Verlags, der sich in den letzten Jahren im jüdischen Buchwesen bereits seinen festen Ort erobert hat und Jahr um Jahr von einer wachsenden Gemeinde erwartet wird. Wie immer enthält er eine reichgegliederte Zusammenstellung von Beiträgen neuer Autoren und Stücken aus alten, meist hebräischen Quellen: Prosa-Beiträge von Agnon, Baeck, Brenner, Buber, Rosenzweig, Scholem, Ernst Simon und Dichtungen von Mombert, Ludwig Strauß und Werner Kraft stehen neben Übersetzungen aus Talmud, Midrasch und dem mittelalterlichen hebräischen Schrifttum (von Giatzer, Spitzer, Suler, Wilhelm und Zobel), Umdichtungen mittelalterlicher hebräischer Poesie von Karl Wolfskehl und Friedrich Bargebuhr, sowie volks- und palästinakundlichen, geschichtlichen und literarischen Mitteilungen von Erich Brauer, Ephraim Cohn Reiß, Felix Falk, Einanuel bin üorion, Hugo Mandelbaum, E. L. Sukenik usw. Die Bildbeigabe /iigt zwei besonders schöne Proben von den neuentdeckten Fresken einer Synagoge in Mesopotamien aus der Mitte des dritten Jahrh. Hücher und Ritualien " rechtzeitg einkaufen bei 1 M. W |* M IlfV»ia»»»« •1.1 » . - *» kUi i -*v g Jüdisches Rlindenjahrbuch 5698 — 1937 38. Herausgegeben von der Selbsthilfevereinigvng der jüdischen Blinden in Deutschland. Berlin-Charlottenburg 4, Dahlmannstr. 5. Die Selbstliilfevereinigung der jüdischen Blinden in Deutschland hat jetzt zum drittenmal ihr Jahrbuch herausgegeben, das sich von den vielfach herauskommenden Kalendern wesentlich unterscheidet. Das Jahrbuch enthält zwar auch das Kalendarium, das für uns Juden jetzt so notwendig ist, gibt aber überdies eine Übersicht über das Wesen und Leben der Blinden, das die meisten Sehenden bis jetzt nicht gekannt haben. Die Selbstliilfevereinigung will mit diesem Buche darüber belehren, daß man keinesfalls etwa den Begriff eines Blinden mit dem eines Bettlers identifizieren darf. Die Blinden sind nicht Bettler und wollen es auch nicht sein. Viele, viele Blinde haben kraft ihrer Energie - allerdings mit Hille wohlgesinnter Freunde — die Möglichkeit, gleich den Sehenden, für sich und ihre Familie zu sorgen und sind unablässig bemüht, die bisher noch nicht Erwerbstätigen in erwerbsfähige und sich selbst erhaltende Menschen umzugestalten. Wir empfehlen unsem Lesern, das Jahrbuch 1937 38 (5b«S) der Selbstliilfevereinigung zu studieren. Sie werden kaum das Buch aus der Hand legen können, bevor es zu Ende geleseen ist. Ls wird sich für viele eine ganz neue Welt wahrer und wohlverstandener Nächstenliebe eröffnen, die darin besteht, dem blinden Menschen Kraft und Gelegenheit zur Arbeit zu geben, damit er jeder Art von Almosen entbehren kann. Palästina-Kalender im dritten Jahrgang. Der nunmehr im dritten Jahrgang erscheinende Palästinakalender, den der Verlag der Jüdischen Rundschau herausgibt, unterscheidet sich äußerlich von seinen Vorgängern dadurch, daß ihm eine von dem Bühnenbildner des Jüdischen Kulturbundes Heinz Condeil entworfene gefällige Mappe beigegeben ist, in der die mit künstlerischen Photoreproduktioiien geschmückten Abreißblätter nach Ablauf des Jahres gesammelt werden können. Die Bilder stammen von Z. Klugcr-Tel Awiw, Gidal-Jerusalem, Aenne Moshacher-Kassel, H. Sonnenfeld-Berlin und aus dem Pali8tinatonfilm „Awoda" von Helmar Lerski. Sie bieten wieder eine Auswahl charakteristischer Aufnahmen aus dem alten und neuen Palästina. In dem Vorwort, das Joachim Prinz, unmittelbar vor seiner Abreise nach Amerika geschrieben hat, ist von den Sorgen die Rede, die die ungewisse Zukunft des Landes erweckt. Aber die Sprache einer aus dem leidenschaftlichen Willen eines Volkes geschaffenen Wirklichkeit sei stärker als die Sprache aller Dokumente. Bericht über Palästina, erstattet durch die Britische Königliche Palästina-Kommission unter dem.- Versitz V'OQ Eari Peel. 480 Seiten Großoktav mit 9 Karten in Zweifarbendruck, kartoniert M. 6.—. Angesichts der großen Bedeutung, die dem von der sogenannten Peel-Kommission erstatteten Palästinabericht zukommt, hat der Schocken-Verlag sich entschlossen, ihn den deutschlesenden Juden in einer vollständigen Übersetzung zugänglich zu machen. Dem dokumentarischen Charakter des Berichts entsprechend ist der Wortlaut des Originals in der Übersetzung nach Innalt und Form so treu als möglich gewahrt geblieben. Darum ist auch auf alle Bemerkungen zur Berichtigung von Fakten oder Meinungen verzichtet worden. Neben seiner politischen Bedeutung hat der Bericht als umfangreiche Tatsachenaufnahme einen über den Tag hinaus dauernden Wert. Neun Kartenbeigaben ergänzen anschaulich den Wortbericht und erhöhen den Gebrauchswert des Buches, dessen Erscheinen in deutscher Übersetzung allseits auf das lebhafteste begrüßt wird. Nahum Norbert Glatzer: Geschichte der talmudischen Zeit. (Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 81 82.) In Leinen gebunden M. 2.50. Mit gutem Recht steht in der hier behandelten Epoche von der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 bis zum Abschluß des babylonischen Taimuds um das Jahr 500, im allgemeinen der Talmud selbst, das Werk dieser Zeit, im Vordergrund aller Betrachtung. In der vorliegenden Darstellung werden jedoch weder der Talmud, seine Entstehung und sein Aufbau, noch das in ihm entwickelte Recht, der in ihm nach Ausdruck ringende Glaube, die in ihmzu Worte kommenden Gelehrten behandelt. Es wird vielmehr der Versuch gemacht, auf die Epoche als auf eine in ihrer Art besondere innerhalb unsrer Geschichte hinzuweisen: auf den großen Prozeß der Ausbildung eines Volkes, dessen Kernteil die Ertülhmg des in der Lehre ausgesprochenen göttlichen Willens als sein letztes Ziel ansah, ohne doch die Lebensform als Volk und die Verbindung mit Erez Israel als dem heimatlichen Boden preiszugeben. Was das in der Welt der ausgehenden Antike bedeutet, will die Darstellung zeigen. Als Quellen sind neben den Angaben, die dem Talmud selbst entnommen werden können, zahlreiche Aufzeichnungen antiker, frühchristlicher und — für die spätere Zeit — arabischer Autoren verwendet worden. Der Morgen. Monatsschrift der Juden in Deutschland. Im Augustlieft des „Morgen" steht naturgemäß die Hauptfrage dieser Tage, die Zukunft Palästinas, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Während der Leitartikel die Entwicklung schildert, die zu der aktuellen jüdisch-politischen Konstellation geführt hat, greift Kurt Stillschweig eines der wichtigsten Teilprobleme heraus: „Minoritäten-