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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-09-03 · 36 (3.9.1937) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
36 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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3 September 1937 Nr. 36 JÜDISCHES GEMEINDE; BLATT LEIPZIG Seile 7 Einnahmen des KKL. im laufenden Jahre wiederum eine, alle früheren Jahre ubersteigende Rekordsumme ersehen haben, so ist dies teilweise auf die Galil-Aktion zurückzuführen. Zu Tischri, wo der Kcren Kaiemeth in Deutschland alljährlich au simtlich« Juden herantritt n„.; Jti Landes zu .....!....... ..... Sicstnal die traditionelle Sammlung unter der Parole „HagallIah" durchgeführt werden. Neben dieser Parole und dem großen Landentwicklungsplan, der damit verbunden ist, sprechen noch besondere Gründe dafür, daß die Aktion in Deutschland mit dem Aufgebot aller Kräfte durchgeführt wird. Das Zentralbüro für die Ansiedlung der Juden aus Deutschland hat dem XX. Kongreß einen Bericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, w as Palästina für Juden aus Deutschland in den letzten vier Jahren geleistet hat. Mehr als vierzigtausend jüdische Einwanderer kamen aus Deutschland nach Erez Israel und über neuntausend von ihnen haben sich auf dem Lande niedergelassen. Ein großer Teil dieser Einwanderer, darunter eine Reihe von Jugendgruppeu, deren Ausbildung bereits beendet ist, warten auf Ansiedlimg. Auf die Hule-Ebeuc und das (ialil richten sich zahlreiche Hoffnungen. Die Juden in Deutschland, die heute bereits durch tausendfache Bindungen mit Erez Israel verknüpft sind, haben in den letzten Jahren einen bedeutenden konstruktiven Beitrag für den Aufbau des Landes und insbesondere für die Erlösung des Bodens geleistet. Sie haben sich damit ein moralisches Recht auf Ansiedlung erworben und gleichzeitig die bewundernde Anerkennung Palästinas und des Weltjudentums gefunden. Jüdische Zeitschau Tagung des Council der Jewish Agency geschlossen. Nach Abschluß des Zionisienkongresses fand in Zürich die V. Tagung des Council der Jewish Agency statt. Sie ist am 22. August geschlossen worden, nachdem volle Einigung über die vom Council zu fassende politische Resolution und die Frage der Zusammensetzung der künftigen Executive bzw. die Zahl der nichtzionistischen Vertreter in ihr erzielt worden war. Die Einheit der Jewish Agency, die durch die Krise der letzten Tage vorübergehend bedroht erschien, bleibt dadurch gewahrt. Zu den vom Zionistenkongreß gewählten Mitgliedern der Executive treten fünf weitere durch den Council bestimmte Mitglieder hinzu. Die Resolution bringt in ihrem ersten Teil die Zustimmung mit den wichtigsten Schlußfolgerungen der Mehrheitsentschließung des Zionistenkongresses zum Ausdruck. In dem zweiten Teil der Resolution wird die Behauptung der Kgl. Kommission zurückgewiesen, daß das Mandat undurchführbar sei; die von der Kommission vorgeschlagenen „Palliativmittel" und die Festsetzung einer politischen Höchstgrenze der jüdischen Einwanderung werden verurteilt. In dem dritten Abschnitt der Resolution bekräftigt der Council „die auf seinen früheren Tagungen abgegebenen Erklärungen, in denen die Bereitschaft zur Herbeiführung einer friedlichen Regelung mit den Arabern in Palästina auf der Grundlage freier Entwicklung sowohl des jüdischen wie des arabischen Volkes und gegenseitige Anerkennung ihrer Rechte zum Ausdruck gebracht wird. Er beauftragt die Executive, ihre darauf gerichteten Bemühungen fortzusetzen und fordert die Regierung Seiner Majestät im Hinblick auf dieses Ziel auf, eine Konferenz von Juden und Arabern Palästinas einzuberufen, damit die Möglichkeiten einer friedlichen Regelung zwischen Juden und Arabern in einem und für ein ungeteiltes Palastina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration und des Mandates untersucht werden''. In dem vierten Punkt stellt die Entschließung fest, daß der Council den Vorschlag der Kgl. Kommis- Mon für unannehmbar hält und die Executive ermächtigt, Verhandlungen mit der Britischen Regierung über dir genauen Bedingungen für die geplante Errichtung eines jüdischen Staates aufzunehmen; wenn sich hieraus ein endgültiger Plan ergibt, so hat ihn die Executive einer außerordentlichen Tagung des Council zur Prüfung und l.ntscheidung vorzulegen. Ein Rot Chinuch in Berlin. In Berlin wurde unter Leitung des kektors des Rabbinersemiiiars, Dr. J. Weinberg, und anderer namhafter Persönlichkeiten ein Bet Chinuch eröffnet, in dem schulentlassene Jungen vor ihrem Eintritt in den Beruf ein bis zwei Jahre in indischem Sinne ausgebildet werden. Der Unterricht erstreckt sich auf TennAch, Iwrit. Talmud und sämtliche Fortbildungsschulfächer sowie auf handwerkliche Vorlehre. Die auswärtigen Knaben sind in einem Internat untergebracht. Der Betrieb der Anstalt ist bereits in vollem Gange. Weitere Anmeldungen werden umgehend an das Büro des Bet Chinuch, Berlin N4, Artilleriestr. 31, erbeten, das auch bereitwilligst jede Auskunft erteilt (JTA.). Constantin Brunner gestorben. Im Haag verstarb, einen Tag vor seinem 75. Geburtstag, der Philosoph Constantin Bruuner, der Schöpfer der , Lehre von dem Geistigen und vom Volke". Unter diesem Titel erschien 1908 sein erstes Hauptwerk, das aber nur den ersten Teil der Gesamtdarstellung seines völlig eigenen, originell geprägten Denksystems enthält und seine Fortsetzung in späteren Werken („Unser Christus oder Das Wesen des Genies"; „Liebe, Ehe, Mann und Weib"; „Materialismus und Idealismus") fand. Das letztgenannte Werk, das vielleicht die Vollendung der Brunnerschen Philosophie darstellt, ist zugleich auch ein völlig neuartiger Kommentar zur Philosophie (insbesondere zur Attributenlehre) Spinozas. Auch mit Schriften jüdischen Inhaltes ist Brunner wiederholt hervorgetreten; sein fextrem antizionistischer Standpunkt fand heftige Gegnerschaft, ebenso seine philosophische Lehre und seine von ihm immer wieder betonte Obereinstimmung mit Spinoza, schließlich auch seine neuartige Auffassung von der Person jesu, dlf 'hü! ruZv/iiMtu icuer der verschiedenen jfl?!?chcil Richtungen mtd Pariüüi seinen eigenen Platz. "IU 7 üicaer unaDhängigea und eigenwilligen Stellung ging von der Persönlichkeit Brunners stets eine weitreichende und tiefe Wirkung aus; unter den vielen begeisterten Anhängern seiner Lehre befinden sich auch eine große Zahl von Juden, bemerkenswerterweise auch in Osteuropa und in Palästina. In neuerer Zeit hat sein NX erk auch in französischen und amerikanischen Gelehrtenkreisen viel Beachtung gefunden; seine Schrift „Spinoza gegen Kant" ist ins Französische ubersetzt worden, und das Spinoza-Institute of America hat ein großes Werk „The Philosophv of Spinoza and Bruuner" von Prof. Walter Bernard erscheinen lassen. — Constantin Brunner, am 28. August lSb'i in Altona (Elbe) geboren, lebte viele Jahre in Potsdam bei Berlin. Er entstammt einer alten jüdischen Gelehrtenfamilie. Unter seinen Vorfahren ist u.a. sein Großvater, der berühmte Altonaer Oberrabbiner Akiba Wertheimer, zu erwähnen.- Aus sächsischen Gemeinden Plauen. Der Qemeindcvorstand versendet einen Bericht über die Geschehnisse der letzten etwa neun Monate. Bei der am 6. Dezember 1936 vorgenommenen Gemeinderatswahl wurden die Herren Ernst Qoldberg, Jakob Qoldmann, Meyer Reifer, Jakob Srebrnik wiedergewählt und Herr Albert Wertheimei neugewähtt. In der üemeinderatssitzung vom 8. April wurde alsdann der Genieindevorstand durch Zuwahl ergänzt. Die Herren Jakob Qoldmann und Walter Goldberg wurden als I. Vorsitzender und Kassierer einstimmig gewählt, so daß der ehrenamtliche Gesamtvorstand der Gemeinde, wie* er auch von der Kreishauptmannschaft Zwickau bestätigt worden ist, z. Zt. aus den Herren Jakob Qoldmann als 1. Vorsitzenden, Adolf Langgut als 2. Vorsitzenden und Walter (ioldberg als Kassierer besteht. Die Herren Hauptlehrer a.D. Qodlewsky und Albert Wertheimer wurden als Synagogenvorsteher bzw. Stellvertreter gewählt, Herr Wertheimer hat außerdem die Betreuung der Wohlfahrtskasse auch weiterhin in dankenswerter Weise übernommen. Die Ausschüsse wurden neu besetzt. — Am I. 1. 1937 hat eine Zählung der Gemeindemitglieder ergeben, daß im Qemeindebezirk 403 Seelen, davon in Plauen selbst 304 waren. Die Steuern werden von 90 Zensiten aufgebracht und die Winterhilfe 1936/37 betreute ca. 110 Personen. — Mit einem Verhältnis von 10: 1 beschloß der Gemeinderat, das Aufbauwerk des Keren Hajessod durch einen Beitrag zu unterstützen, der aber nur aus laufenden Mitteln genommen werden darf. — Der Gemeindevorstand richtet einen herzlichen und dringenden Appell an die Gemeindemitglieder, nach besten Kräften die Arbeit des Ausschusses für Kunstpflege zu fördern und sich mitverantwortlich zu fühlen für dieses große kulturelle Werk; ergibt ferner Kenntnis von der Absicht, einen Zuschneidekursus für Damen abzuhalten, den englischen Sprachkurs fortzuführen und bei Bedarf einen Kursus für Anfänger, sowie Kurse in anderen Fremdsprachen einzurichten. — Der Bericht enthält weiterhin alles Wissenswerte über Sprechstunden in Rechtsfragen, Wohlfahrtsangelegenheiten und andere für das üemeindcleben wichtige wissenswerte Daten. Amtliche Bekanntmachungen Andacht und Würde der Gottesdienste. Die Andacht der Beter in der Gemeindesynagoge wird in empfindlicher Weise dadurch gestört, daß viele Besucher schon vor Schluß des Gottesdienstes, bei den Abendgebeten vor dem Schlußgesang, ihre Plätze verlassen. Vielfache Beschwerden sind darüber laut geworden. Wir richten deshalb an die Besucher der Gottesdienste das dringende Ersuchen, durch stilles Verbleiben auf ihren Plätzen auch während der letzten wenigen Minuten Würde und Andacht der Gottesdienste zu wahren und dadurch insbesondere dem Kaddisch-Gebet und dem Schlußgesange ihre Weihe zu erhalten. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aufrcchtcrhaltung der Ordnung anläßlich der Feiertagsgottesdienste. In dankenswerter Weise liat sich auch in diesem Jahre der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten für den Ordnungsdienst in allen Synagogen und Bcthäiisern an den honen Feiertagen zur Verfügung gestellt. Es wird deshalb von allen Gemciudcmitgliedeni erwartet, daß sie den Anweisungen der durch Abzeichen erkenntlichen Ordner unbedingt Folge leisten. Insbesondere bitten wir, ermahnend auf die Kinder hinzuwirken, jeden unnötigen Aufenthalt vor den Gotteshäusern zu unterlassen und sowohl im Verhalten als auch in der Kleidung jede Auffälligkeit zu vermeiden und die gebotene Zurückhaltung zu üben. Wir weisen noch besonders darauf hin, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ehrenamtlich und im Interesse eines jeden Synapogenbesuchers tätig ist. Es ist daher Pflicht eines jeden Gemeindemitgliedes, diejenigen Herren, welche diesen Dienst ausüben, in jeder Weise verständnisvoll zu unterstützen. Leipzig, den 24. August 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeiude zu Leipzig.

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