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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-08-13 · 33 (13.8.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
33 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES GEMEIN DEBLATT LEIPZIG 13. August 1937/Nr.33 Millionen Acres Boden verfügt, der gar nicht bebaut wird, und die Juden, die in so vielen Ländern in Not sind, nichts haben sollen. Was in,in uns anbietet, fuhr Ussischkin fort, ist ein Judenstaat dem Namen nach, nicht aber in Wirklichkeit. Unsere Grenzen müssen von Dan bis Beer Schewa reichen. Wir verlangen, daß das Mandat in vollem Umtanir durchgeführt wird und diejenigen bestraft weiden, die an der Verhinderung seiner Durchführung Schuld sind Zum Scttjuo versteuerte der Rechter, daß keine Mehrheit ihn und seine Anhänger zwingen werde, ihre Ansichten zu ändern. Sie wurden es nicht zulassen, daß Palästina in zwei Teile zerrissen wird und würden jeglichem Kompromiß die Zustimmung vertagen, Der Schwur, den die Juden vor zweitausend Jahren an den Wassern Babylons geleistet haben: „Wenn ich dein vergesse. Jerusalem, vergesse meine Rechte den Griff", könne an dem Ufer der Themse nicht in dem Sinne entkräftet werden, daß die Juden nur in der Jenisalemer Vorstadt Bet Hakerem bleiben sollen. Der Misrachi-i üln er Rabbi Meir Berlin erklärte u. a.: Das große Problem, das jetzt vor uns steht, ist nicht identisch mit dem Uganda-Problem, doch es gibt zwischen den beiden Prägen viele Ähnlichkeiten. Unsere Stellung hängt vor allem davon ab, wie wir den Zionismus überhaupt auffassen, und was wir von Erez Israel überhaupt verlangen. Mit dem größten Teil seiner Rede, besonders mit der scharfen Kritik au der englischen Regierung hat Präsident Weizinann uns aus dem Herzen gesprochen und bei uns allen Begeisterung hervorgerufen. Am Schluß seiner Rede, ais er zur Frage der Teilung kam, hat er zwei Kriterien aufgestellt, von denen wir ausgehen müssen, wenn wir an das Problem herantreten: erstens die geistige Möglich* keit für die Wiederbelebung des Judentums, zweitens die Verbesserung der Lage der Juden als teilweise Lösung der Judenfragc. Präsident Wei/mann erklärte, wenn die Teilung uns diese zwei Dinge sichere, so müßten wir sie akzeptieren. Im Namen des gesamten Misrachi — ich nehme -an, daß darin auch der Hapoel Hamisrachi mit uns einig ist — gestatte ich mir zu sagen, daß wir mit diesem Grundgedanken nicht einverstanden sind. Der Zionismus ist ein Ausdruck der Wünsche des jüdischen Volkes im Laufe seiner tausendjährigen Geschichte, er will nicht nur gewisse geistige oder materielle Bedürfnisse befriedigen. Sogar wenn die Juden unter den glänzendsten ökonomischen und politischen Verhältnissen lebten, und wenn das jüdische geistige Leben auf allen Gebieten, dem der Religion, der Sprache, der Kultur, der Kunst und der Wissenschaft auf höchstem Niveau stände, so wäre für uns die Notwendigkeit des Aufbaus Erez Israels nicht um ein Jota geringer. Für uns ist der Aufbau von Erez Israel nicht die Antwort auf geistige oder materielle Leiden, sondern ein inneres Bedürfnis der jüdischen Seele. Das Bestreben, ein eigenes Land, unser Erez Israel zu haben, das uns zukommt, ebenso wie anderen Völkern ihre Länder zukommen, unser Streben nach Erez Israel ist ein Zweck an sich, nämlich, unser Land als unseren Staat, als Medinat Hajehudim beerez Jisrael ZU erhalten. (Beifall.) Daher müssen wir bei unserer Entscheidung von dem höchsten Kriterium der jüdischen Geschichte und der jüdischen Geschichte und der jüdischen Tora ausgehen, vom Aufbau Erez Israels als unserem Land. Als die beiden positiven Ergebnisse des Berichtes der Kgl. Kommission hob Rabbi Beilin die darin enthaltene Feststellung hervor, daß das, was bisher öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte oder Nationalhcim hieß, als Judenstaat zu interpretieren sei und daß das ganze jüdische Volk ein Recht auf Erez Israel habe. Von den Arabern haben aber nur diejenigen, die Palästina bewohnen, ein Recht aut das Land. Das, sagte der Redner, müssen wir als Grundlagen für unsere Forderung festhalten. Auf Grund dieses Berichtes muß uns das Recht gegeben werden, in Palästina die Majorität zu werden. Wenn wir aber diese Teilung zulassen, vernichten wir die psychologische Grundlage, die uns die Kraft zum Aufbau gegeben psychologische Grundlage, die uns die Kraft zum Aufbau gegeben hat. Zum Schluß erklärte Rabbi Berlin: Wir werden nicht zugeben, daß man über die Teilung verhandelt. Es geht hier nicht um Vertrauen oder Mißtrauen zu Personen, sondern um unseren Glauben, daß ganz Israel unser sein wird. Wir glauben an die Erlösung aller Teile, nicht bloß eines Teiles von Erez Israel. Als nächster Redner sprach Dr. Kleinbaum von der > Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten. Er erklärte, sowohl die historische Schicksalsfrage, ob wir bereit sind, in einem Teil von Erez Israel einen Judenstaat zu errichten, als auch die perlamentarische Frage, obder Exekutive Vollmacht für Verhandlungen gegeben werden soll, sei zu bejahen. Die Fragestellung, Teilung oder Nichtteilung, Judenstaat oder Nichtjudenstaat sei falsch. Die Gegner der Teilung mögen klar sagen, welche Antwort es nach dem Nein gibt. Diese Antwort finde sich im Peel-Bericht: Begrenzung der Einwanderung auf 12000 Menschen jährlich oder, wie Herbert Samuel verlangt, Beschränkung auf 40«' 0 der Bevölkerung Palästinas. Man sage, daß mau dann gegen eine solche Interpretation kämpfen müsse. Wenn man aber kämpfen wolle, dann verheiße es eher einen Erfolg, gegen die Verengung der Grenzen des Judenstaates zu kämpfen. Die ganze Rede Ussischkins, fuhr Dr. Kleinbaum fort, war von Melanismus erfüllt. Ich leugne nicht den Glauben an die Heiligkeit des Landes, aber es gibt auch ein Pathos der jüdischen Not, ein Pathos der hungrigen, erniedrigten und beleidigten Juden, ein Pathos der jüdischen Gegenwart, das man ebensowenig mißachten darf, wie das der Vergangenheit. Das jüdische Blut, das # ■ i*t: "V >...'"' heute fließt, ist ebenso heilig wie das Unserer Vergangenheit. Die Juden Polens bangen um Palästina, nicht nur wegen der Zertifikate, sondern weil sie die Verwirklichung des Zionismus ersehnen. Audi bei der Frage der Einwanderung in einen Judenstaat haben wir für 15 20 Jahre eine ungeheuere Arbeit vor uns. Dann freilich werden wir die Enge spüren. Aber ich frage: wollt* ihr die Möglichkeit für pttlP Arheif i nn l"> IoV»m„ .»..* .i;.. *.:«.. D~~-......----- ■• ,. o - , ' —---«»—* —»*» V~V ihr diese Begrenzung schon morgen.' Im weiteren Verlauf der Debatte wie* der Vorsitzende des Welt Verbandes der Allgemeinen, Zionisten '(Gruppe B) Dt. I. Schwarzbart darauf hin, daß das Territorium, das den. Juden in dem Teilungs-plan angeboten wird, keinen Beitrag zur Lösung der judenfragc ermögliche. Sie würden die Exekutive nicht ermächtigen, Verhandhandlungen über die Schaffung eines Staates aufzunehmen, der weder eine Lösung des Zionismus, noch eine Lösung für die Judenfrage ist. An Dr. Wcizmann richtete der Redner den Appell, kräftigeren Widerstand zu leisten und ein Maximum zu verlangen. Der Arbeiterführer Salman Rubaschow erblickte in dem Teiiungsplan einen Keim für die Lösung des arabisch-jüdischen Problems. Er polemisierte gegen die Teilungsgegner und schloß mit der Aufforderung, vor einer Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Teilungsplanes die Vorschläge der Kgl. Kommission eingehend zu prüfen. Kurt Blumenfeld (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten) erklärte, der Teilungsvorschlag enthalte zwar viele negative Momente, sollte aber trotzdem mit größter Sorgfalt geprüft werden. Es sei möglich, daß uns ein zweitesmal nicht eine solche Chance wie heute geboten werden wird. Eine prinzipielle Ablehnung ist nur erlaubt, wenn man der Oberzeugung ist, England auf den Wej^ der Erfüllung des Mandates zurnekzwingen zu können. Nach allgemeiner Ansicht hat England nicht getan, was wir erwartet haben Es ist zweifelhaft, daß England jetzt das Versäumnis nachholen wird, die Aussichten dafür erscheinen mir sehr ungünstig. Die Regierung hat nicht die Absicht, besondere Anstrengungen zugunsten der Juden /u machen, wenn wir ihren Vorschlag ablehnen. Das müssen sich die grundsätzlichen Neinsager vor Augen halten. An welche Mächte werden wir nachher appellieren? Dr. Aron Barth (Misrachi) erklärte, er wolle die gefühlsmäßigen Argumente, die von Rabbi Meir Berlin gegen den Teilungsplan vorgebracht wurden, durch die verstandesmäßigen ergänzen. Wenn man an Verhandlungen über eine Verbesserung des Vorschlages der Kgl Kommission denke, dürfe man nicht vergessen, daß auch die Araber das, was man ihnen angeboten hat, für ein Minimum halten und verhandeln wollen. Die optimalen Verbesserungen, die man erreichen könnte, seien kein Äquivalent für das, was man durch die Annahm.' des Plaues aufgebe. Der Redner wies darauf hin, daß die innere und äußere Sicherheit in dem geplanten Judcuatdai. sehr gering sein würde. Die Siedlungsmöglichkeiten würden wesentlich kleiner sein. Entweder werde man versuchen müssen, Masseneinwanderung durch Industrialisierung herbeizuführen, dann fehle der landwirtschaftliche Unterbau; oder man werde die landwirtschaftliche Basis verstärken, dann könne man keine großen Massen in das Land bringen. Wenn die Gesamtfläche Palästinas nicht im richtigen Verhältnis zur Küste steht, dann gewinnen Küste und Seehandel iine überragende Bedeutung und es fällt alles in sich zusammen, was in zwanzig Jahren au Umschichtung vom Handel zu produktiven Berufen \ ersucht wurde. Die Ansicht, daß man von dem Staat aus neue Möglichkeiten bekommen konnte, lehnte er ab. Die Schaffung des Judeiistaates bedeute gleichzeitig die Garantierung der Grenzen der Nachbarlander. Aus den Feststellungen des Berichtes, fuhr der Redner fort, gehe dokumentarisch hervor, daß das Mandat nicht erfüllt wurde Habe man da noch darüber verhandeln dürfen, daß uns als Preis für das uns geschehene Unrecht noch große Gebietsteile weggenommen werden? Hätte man nicht vielmehr Schadenersatz Fordern müssen für das, was die Verwaltung angerichtet hat? An die psychologische Bearbeitung des jüdischen, des englischen Volkes und des Völkerbundes müsse man mit dem Argument herangehen, daß die Verwaltung, wenn sie schuld sei, jetzt die Bedingungen für die Durchführbarkeit des Mandates schaffen müsse. Im Peel-Bericht sei die von der Executive der Kgl. Kommission vorgelegte Frage der arabischen Einwanderung übergangen worden. Wir müßten endlich Erfüllung unserer Mandatsforderungen erlangen, Abstellung aller bisherigen Mängel, Schließung der Arabereinwanderung zwecks Ermöglichung einer wirklichen Araberpolitik und einer wirklichen Aufbauarbeit. Auf die in der Aussprache mehrfach laut gewordene Forderung, Näheies darüber zu hören, wie sich die Exekutive die Änderungen des Projektes vorstelle, ging Wei/.mann in einer weiteren Rede ein: Denken Sie sich einmal, führte er u. a. aus, wir würden unsere Arbeit unter dem Mandat weiter fortsetzen, und es wäre eine groß' Einwanderung gekommen, eine Einwanderung von 60000 jährlich, und das dauerte noch zehn bis zwölf Jahre, und wir wären nach fünfzehn Jahren die Majorität im Lande. Auch dann wäre die Kolonisation, von der ich spreche, zumeist, ntu in dem Teil vor sich gegangen, der uns jetzt zugewiesen ist. Und schließlich wäre es 1 Judenstaat gewesen, ebenfalls mit einei Minderheit von ungefähr 45 0 0 Arabern, und die Siedlung hätte sieh natürlicherweise verteilt. In der Küstenebene wäre eine überwiegend jüdische Majorität, im Hinterland eine arabische Majorität: die Teilung wäre entstan-.

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