Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 33 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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UND NACH RICHTEN BlÄTT DER GEMEIN DEVERWAL^ TUN6 DER ISRAELITISCH EN REUGIONSGEM EIN DE ZU LEIPZIG AWGEMELPET BEIM SONDERBEAU FTRA6TEN DES REICHSMINISTERS Ti i/LUi 13. AUGUST 1937 / 6. ELLUL 5697 13. JAHRGANG / NUMMER 33 Der Teilungsplan vor dem Zionistenkongreß. 300 1158 In namentlicher Abstimmung hat eine Mehrheit von 300:158 Stimmen die den Forderungen Weizmanns entsprechende Resolution angenommen. Darin wird der Plan der Peel - Kommission als unannehmbar zurückgewiesen, der Executive aber die Vollmacht erteilt, mit der Britischen Regierung über einen anderen Teilimgsplan zu verhandeln; die Entscheidung soll dann ein neugewählter Kongreß fällen. Die große politische Aussprache, die den Kern der Zionistcnkongresse zu bilden pflegt, geht bei dem gegenwärtig in Zürich tagenden XX. Zionistenkongreß um die eine Frage, die die gesamte rloseoj suchtistr.ll Judenheit der Welt bewegt. Ob die Zionisten dem Plane, Palästina in mehrere staatliche Gebilde zu teilen, in der Form, wie ihn die Britische Regierung dem Völkerbund vorlegen will, zustimmen, ob sie ihn grundsätzlich ablehnen oder klare Abänderungsforderungen geltend machen werden — für die weitere Behandlung der Peel-Vorschläge in der Mandatskommission und später im Rate und der Versammlung des Völkerbundes wird die Stellungnahme des Kongresses nicht ohne Einfluß sein. Darum kommt ihm eine Entscheidung zu, wie keinem seiner Vorgänger. So sind die Ausführungen, die von den führenden Vertretern der zionistischen Gruppen zu der Frage gemacht wurden, von weitreichender Bedeutung, wir können sie, im Rahmen unseres Blattes, nur in knapper Form wiedergeben, die die wesentlichen Argumente aus dem Ganzen der Reden heraushebt. Wie schon berichtet, hatte Dr. Weizmann in seiner Eröffnungsansprache die Fragen gestreift; in seiner großen politischen Rede entwickelte er dann eingehend das Für und Wider gegenüher dem l'eelbericht. Die Unruhen des Jahres 1936, so führte Weizmann aus, waren ein politischer Angriff, der sich direkt gegen das Mandat gerichtet hat. Die Palästinaverwaltung habe durch Mangel an fester Haltung die arabischen Extremisten ermutigt und die Führer der gemäßigten Araber verhindert, zu Vereinbarungen mit den Juden zu gelangen. Die Palästinaverwaltung habe die Königl. Kommission zu dem Glauben geführt, das Mandat könne nicht verwirklicht werden. Den Truppen, die nach Palästina entsandt wurden, sei die Rolle bloßer Zuschauer bei den Unruhen zugeteilt worden. Es sei für ihn ein Ratsei, warum die Palästinaregierung es zugelassen habe, daß die In ruhen sechs Monate andauerten, und es einer Gruppe von Terroristen ermöglicht wurde, das Prestige des Britischen Reiches zu gefährden. In keinem anderen Teil des, Reiches wäre es möglich gewesen, daß Unruhen ein halbes Jahr dauern. In Palästina habe die Verwaltung das Prestige Englands zugrundegerichtet. So habe, führte Weizmann weiter aus, die Kgl. Kommission in Palästina eine Lage vorgefunden, zu der es nie hätte kommen dürfen. Hie Beurteilung der Verhältnisse durch die Kommission wurde dadurch notwendigerweise beeinflußt; so kam sie zu de: Schlußfolgerung, daß das Mandat undurchführbar sei. Diese These werde von den Juden abgelehnt. Der Bericht der Kgl. Kommission selbst erbringt in reichem Maße den Nachweis des Gegenteiles. In eindrucksvoller Weise richtete Weizmann an Großbritannien den Appell, mit den Juden ehrlich zu verfahren. Wir haben dies verdient, rief er aus. Möge doch die Britische Regierung den Juden offen sagen, daß ihrer Meinung nach die Zeit für ein Jüdisches Nationalheim noch nicht gekommen ist, aber sie soll nicht mit jüdischem Blut spielen. Trotz der Ungerechtigkeit, fuhr Weizmann fort, die den Juden in Palästina angetan wird, solle man aber England nicht für Zustande verantwortlich machen, die hauptsächlich durch Handlungen °der Unterlassungen der Palästinaverwaltung entstanden sind. Es gibt, sagte Weizmann, Gott sei Dank noch ein anderes England, das England, das im Unterhaus und in dem House of Lords gesprochen hat. Der wahre Geist Großbritanniens sei in den letzten Parjanientsdebatten /um Ausdruck gekommen. Kein Jude hätte ohne Rührung den Geist des guten Willens und der Hilfsbereitschaft feststellen können, der diese Debatten beherrschte. Niemals dürften die Juden vergessen, daß die Britische Nation heute die einzige ist, die, °t>\vohl sie selbst von vielen schweren Problemen bedrängt wird, cjne aufrichtige Anstrengung gemacht hat, um wenigstens eine Teilung für die nationale Not der Juden zu finden. Durch vorübergehende Schwierigkeiten dürfe man sich in dieser Beurteilung Englands nicht beeinflussen lassen. Was die Beziehungen zwischen Arabern und Juden betreffe, fuhr Weizmann fort, so repräsentiere der Mufti von Jerusalem und Fauzi el Kaukij, der Führer des Aufstandes, nicht alle Araber. Es gibt eine arabische Nation mit einer rurfmreichen Überlieferung. Dieser Nation bieten wir unsere Hand unter einer Bedingung: sie möge, ebenso wie wir ihr die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit und die Verwirklichung ihrer nationalen Bestrebungen wünschen, auch anerkennen, daß wir das Recht haben,, Palästina als Nationalheim wiederaufzubauen, ohne jemandem Schaden zuzufügen. Dem Bericht der Kgl. Kommission sich zuwendend, erklärte Weizmann, in der Form, wie der Teilungsplan in dem Blaubuch unirissen wird, sei er für die Juden unannehmbar. Dagegen wäre er, Weizmann, bereit, über das Grundsätzliche dieses Angebotes unter der Voraussetzung zu verhandeln, daß ein Teilungsplan aufgestellt wird, der den Juden die Möglichkeit ihre« unabhängigen nationalen Lebens gibt und zur Lösung der Judenfrage in anderen Ländern beiträgt. Sollten diese beiden Hauptbedingungen erfüllt werden, dann sei der Kongreß verpflichtet, eine klare Antwort, wie sie jetzt von den Juden in Polen und anderen Ländern erwartet wird, zu geben. Er glaube, daß diese Antwort nicht nur gegeben werden könne, sondern auch gegeben werden müsse. Die Errichtung eines Judenstaates, auch auf kleinerem Gebiet, würde für die erste Zeit Entwicklungsmögliclikeiten in den Hauptgebieten jüdischer Siedlung unter eigener Regierung bieten. Sollte ein Projekt vorgelegt werden, das die Aufnahme von zwei Millionen jungen Juden in Palästina ermöglicht, dann würde er persönlich nicht zögern, dazu Ja zu sagen, und er hoffe, daß auch der Kongreß es tun werde. Die Lage sei so, daß der Kongreß zu wählen habe, zwischen jüdischer Minderheit in ganz Palästina und einer kompakten Mehrheit in einem Teile des Landes. Der Kongreß möge zwischen messianischen Hoffnungen und Ansprüchen und den unmittelbaren Möglichkeiten unterscheiden. Die unabänderliche Verheißung^ werde sich einst erfüllen, wenn die Welt nicht mehr Kanonen und Gewehre haben wird. Wir Menschen können nur den Weg ebnen, und an uns liegt es, die uns gebotenen Gelegenheiten nach besten Kräften zu verwerten. Der Kongreß werde über keinen bestimmten Pian abzustimmen haben, denn endgültige Vorschläge sind von der Britischen Regierung noch nicht formuliert worden. Vielmehr soll der Kongreß eine Resolution annehmen, in der die neue Executive ermächtigt wird, mit der Britischen Regierung und mit dem Völkerbund Verhandlungen auf Grund der genannten beiden Hauptprinzipien aufzunehmen. Es gelte, die genauen Bedingungen festzustellen), unter denen die Errichtung des ludenstaates vorgeschlagen wird. Wenn die Entscheidung an den Kongreß herantritt, werde er eine klare Antwort zu geben haben, denn die Verantwortung treffe jedes Mitglied des Kongresses. Die Rede Weizmanns wurde häufig von stürmischem Beifall unterbrochen. Viele alte Zionisten erklärten, diese Rede sei eine der glänzendsten gewesen, die Weizmann jemals gehalten hat. In einer großangelegten Rede vertrat Ussischkin den Standpunkt der absoluten Teilungsgegner. Er erklärte, er werde sein Möglichstes tun, um den Kongreß zu bewegen, daß er die neugewählte Executive nicht zu irgendwelchen Verhandlungen über den Teilungsplau ermächtige. Dr. Weizmanns Rede sei ein heftiges „J'accuse" gegen die Palästinaregierung wegen ihrer Politik in den letzten zwanzig Jahren gewesen. Der Kongreß solle darum au» der Vergangenheit die Lehre für die Zukunft ziehen. Das Ziel des jüdischen Volkes sei es, ganz Palästina zu erlangen. Niemals werde es auf irgendeinen Teil des Landes verzichten, das ihm durch das Mandat versprochen wurde, und das ihm kraft historischen Rechtes gehört. Es sei ein unsittlicher Zustand, daß die arabische Welt über