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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-06-11 · 24 (11.6.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
24 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 D.Juni 1Q37 Das imponierende Ergebnis der Sammlung, die in allen Gemeinden für die blaue Beitragskarte in pfennigweisen Beträgen durchgeführt wird, hat gezeigt, welches Maß von jüdischem Verantwortungsgefühl in den Schichten der wirtschaftlich Schwächeren vorhanden ist, die wissen, daß der Weg vom Subjekt zum Objekt der Hilfe heute oft ein kurzer ist. Umsomehr VewWtvww "oh unisC grSHc;* riiStowcicusctiatt darf der Zcntralausschuß von denjenigen Menschen imwer Oe ■ülciiwcbaii erwarten, denen ein günstigeres Geschick noch die Möglichkeit wirtschaftlichen Erfolges ihier Arbeit gibt. Wir wissen zwar, welche Last heute jeder wirtschaftlich Stärkere innerhalb seiner Familie, seines Ereundeskreises und seiner Gemeinde zu tragen hat. Das große Hills- und Aufbauwerk der Juden in Deutschland kann aber seine, für die Gemeinschaft lebenswichtige Arbeit, die in Leipzig durch das Sozialamt geleistet wild, nur fortsetzen, Venn jeder Einzelne die Verpflichtung zum Opfer für die Schwachen Miner Gemeinschaft erkennt und in Gestalt eiutr Spende auJi wirklich ein Opfer b riigt. Gemeindeanlage 1936 Letzte öffentliche Steuermahnung Da h»#» Oemelr.dc auf der. pUnkiikheii üing<uiK üer Steuern unbedingt •angewiesen ist v/erden hierdurch die Steuerpflichtigen, die ihre Oemeindeanlage 1936 noch nicht entrichtet haben, letztmalig ersucht, innerhalb einer Woche ihre Steuer zu bezahlen. Was innerhalb dieser Frist nicht bezahlt ist, muß im Vollstreckungsweg eingehoben werden Hiervon bleiben die auf besonders begründete Gesuche hin gewährten Steuerstundungen oder -ermäßigungen unberührt. Leipzig, d. 10. Juni 1937 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. 40 Jahre Zionismus in Deutschland. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland beging die 10jährige Wiederkehr ihrer Gründung mit einer Jubiläumskundgebung: Vertreter von drei Generationen des Zionismus in Deutschland kamen zu Wort. Rabbiner Dr Max Joseph, früher Stolp (Pommern) vertrat die Generation aus den Anfinget] dcrZVfD, Rabbiner Dr. Max Grunewald /Mannheim) die gegenwärtig die Führung inne habende Generation und laust Bauer, (Stuttgart! das jungt-, kommende Geschlecht. Im Namen des geschäftsführenden Ausschusses der Z. V. f. D. begrülite Rechtsanwalt Benno Cohn die Versammelten. Er gar» einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Zionistischen Bewegung In Deutschland, erinnerte an den Kölner Kreis um Dr. Bodenheimer, hob u. a. die aufrüttelnde Tätigkeit von Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee und anderer führender Männer, wie Ruppin, Martin Bubcr hervor und ging schließlich auf die neue Generation unter Kurt Blumenfeld, auf die Blau-Weiß- und die Makkabi-Bewegung ein. Er schlolt mit dem Hinweis auf das, was noch zu tun bleibt, um dem Ziel der Bewegung wahrhaft nahezukommen. Rabbiner Dr. Max Joseph schilderte ausführlich die Situation vor vierzig Jahren, als die ersten Zionisten in Deutschland zur Selbstbesinnung und Einkehr riefen. Die jüdische Zukunftshoffnung sei damals verblaßt, oft sogar erloschen gewesen. Die jüdische Selbstschiitznng war sehr geling, das jüdische Leben in Auflösung und Versinken begriffen. Die zionistische Bewegung, die diesem Zustand entgegentrat, sei in ihrem Anfangsstadium zumeist auf akademische Kreise beschränkt gewesen. Wichtige Unterstützung habe sie durch die Ostjuden erfahren. Er zeigte dann den Anteil, den die Zionisten in Deutschland an der Entwicklung der gesamtzionistischen Bewegung gehabt haben — auch Theodor Herzl cjpi ihrpm U'rpici* 7»7iirorlinAn —_ nnH wii»vli»vtn Ata At-Wnit H'i* ffM^lrff* .....»*« . v. w. w bWUiSWi^VU «.»v» *• rU4SW*tj Mit ^vinviv» der deutsche Zionismus für die Erziehung und Ucbersiedlung nach Erez Israel geleistet habe. Die Juden in Deutschland haben sich auf dem Wege der Selbstbesinnung zu ihrem Volke zurückgefunden. Zur Durchsetzung des zionistischen Zieles seien aber die Kräfte zu verstärken. Dem Zionismus in der Wirklichkeit — so führte Ernst Bauer aus — sei die junge Generation begegnet. Vor vierzig Jahren sei der Zionismus weitgenend Ziel und Idee gewesen. Die Erkenntnis der jüdischen Not und des jüdischen Schicksals von heute habe vielen jungen Menschen die Kraft geben können, den Aufbau zu bejahen. Das Jahr 1933 hat uns, so sagte er, zum Zionismus gebracht, das eigene Erleben und keine geistigen Analysen. Es ist nicht allgemein zu beantworten, ob diese Entscheidung echt gewesen oder nur einem Konjunkturbedürfnis entsprungen sei. Heute bedeutet der Zionismus eine Revolutionierung unseres Lebens, eine unmittelbare Beziehung zum Lande Er bedeutet Umgestaltung der beruflichen Wirklichkeit und Ideale. Ernst Bauer warf "die Frage auf, ob die tiefe geistige Begründung für die zionistische Haltung i:: der jungen Generation verlöre!' gegangen sei. Es habe sich hier wohl vieles geändert; vieles sei auf die veränderte soziale Lage zurückzuführen. Aber heute heilte es, sich zu bewähren. Wir blicken mit Sorge auf die nächste Zukunft, auf das, was sie in politischer Hinsicht für Raiästina bringen werde. Unerschütterlich aber sei und bleibe der Wille zur Neugestaltung des Landes und des Volkes. Rabbiner Dr. Max G r ü n e w a 1 d legte dar, daß der Zionismus seine Generation aus dem objektiven Kulturzerfall gerettet habe. Er habe da-, Ideal eines neuen Menschen und eine neue Auffassung von der Entwicklung der Zeit gegeben. Die Schule, durch die die Juden in Deutschland gegangen sind, sei eigenartig gewesen. Hier sei der theoretische Kampf zwischen Assimilation und Nationaljudentum besonders heftig ausgetrage:i worden. Es sei dabei ein großer Unterschied gegenüber dem Empfinden zum Zionismus im Osten zum Vorschein gekommen. Das Wesen einer Sache zu erfassen, sei für den Ostjuden kein Problem, wohl aber die Organisation. Bei den Juden in Mitteleuropa sei es umgekehrt: die Organisation sei leicht, aber das Wesen einer Bewegung zu erfassen schwer, im Westen Europas scheinen dagegen beide Fälligkeiten zu fehlen. D e Juden In Deutschland, und insbesondere die Zionisten, hätten heule eine wichtige Aufgabe: einem anderen Juden etwas mitzuteilen, was er nicht erlebt hat, denn bei den Zionisten in Deutschland sei die geschichtliche Erfahrung seit 1933 zu der theoretischen Durchbildung getreten. In anderen Teilen der 0-1,,< i.~u- ..,„.. .«l._____:~____j- __t..._i ______ j„_ — r»„ .».„ui~..-4 . ....ii. Ii.iuv Ulan ov.ni wniig au> ucai gcicim, wosulii juuvu in i^im:>i.iii,ii . begegnet ist, weil man nicht lernen kann, was mau nicht erfahren hat. Der Jude aus Deutschland verpflanzt mit sich eine QeschichtwrtajtrUilg, wenn er in die Welt hinausgeht, ohne daß sie jedoch für die Juden draußen nachprüfbar wird. Was wird aus dieser Zeit herauskommen? fragte Dr. Grunewald. Ein neues Galut? Palästina ist heute bedroht, aber auch die Galut. Und wir haben ein Interesse daran, an Steile der vielen Filialen, die wir in der Galut begründet haben, die Hauptniederlassung in Palästina aufzurichten. Wir werden immer wieder auf Palästina hingewiesen. Und gerade wegen der Weltsituation werden wir nicht aus Palästina herausgehen. jüdische Zeitschau Max M. Warburg 70 Jahre alt. Am 5. Juni wurde Max M. Warburg, d»r Inhaber des Hamburger Bankhauses M. M. Warburg Co., 70 Jahre alt. Weite Kreise der Judenheit in Deutschland gedenken all der Verdienste, die sich Max M. Warburg um das Ergehen der iuden in Deutschland erworben hat. In der Jüdischen Cemeinde in Hamburg hat er immer eine führende Rolle gespielt. Seit seiner Palästinareise i. J P)29 hat er den Palästinaaufbau tatkräftig gefördert und der Jewish Agency und ihrer Idee seine stete Unterstützung angedeihen lassen. Seit 1933 nimmt Max M. Warburg im Judentum in Deutschland eine ganz besonders hervorragende Stellung ein. Die Schaffung der Reichsver.tretung der Juden in Deutschland geht auf seine Initiative mit zurück. Er hat sich ihr stets zur Verfügung gestellt. Er isl der Vorsitzende des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, wo er maßgebend für die überseeische Wanderung wirkt Innerhalb der Hamburger Gemeinde hat er sich besondere Verdienste um die Erhaltung des Hamburger Waisenhauses erworben. Die jetzt im Gang befindliche Neuerrichtung des Hamburger jüdischen Geineiuschaftshauses ist zum allergrößten Teil sein Werk. Besonders hat er sich der Erhaltung der lalmud-rhora-Oberrealschule angenommen, dessen Vorstand crangehört. Auch der Synagogenverband in Hamburg hat ihm viel zu danken. Wesentliche Einrichtungsteile der Gemeindesynagoge am Borupiatz sind auf seine Stiftungen und von ihm veranlaßte Stiftungen seiner Familie TtuflckzufßhretL Das »üemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" widmet dem Jubilar in einem größeren Aufsatz Worte der Anerkennung und Dankbarkeit. Zum Schluß des Auf«ntzes heißt es: „Die Judenheit in Deutschland spricht ihm ihre Anerkennung aus für die Bereitschaft, um der er sich aiien allgemeinen Interessen zur Verfugung steiit. Möge die Kr.u'i. die von ihm ausstrahlt, noch lange erhalten bleiben und möge ö Max Warburg vergönnt sein, mit all der Bewußtheit und Energie lind all der Liebe tur Tradition, die wir an ihm kennen, noch viele Jahr: unter uns zu wirken zum Wohle des Judentums in Deutschland, dem er in schwere! Zeil stvli als eine wesentliche Siiuze erwiesen hui." (j! v Ludwig Tietz-Werkslätte in Jagur. Am 2. Juni fand die feierliche Einweihung der Ludwig Tietz-Handwerkerschule in Jagur statt. Schon vor mehreren Wochen sind >'0 lungens im Aiter von Iq und 10 Jahren nach sorgfältiger Auswahl und Vorbereitung aufgrund von Zettifl* katen der Jugendalijah an die Ludwig Tietz-Werkstätte nach Jagur g*1 schickt worden Die großen Organisationen der Juden in Deutschland, an der Spitze die Reichsvertretung, haben sich zusammengefunden, »Bl hier auf den Namen des unvergessenen Führers der jüdischen Jugend, Ludwig rieht, eine Ausbiidungsstätte zu schaffen, die im Sinne des Frnnvollendeten der praktischen Aufbauarbeit für die Jugend dienen Nach Plänen Erich Mendelssohns sind die Bauten im Rahmen eiue> dd größten palästinensischen Kibbuzim in Jagur, der ein Gemeinwesen von fast tausend Personen bildet, erstellt worden. Auf Grund sorgfältiger Lehrplane soll in der neuen Ausbiidungsstätte jüdische Jugend fachlich 2* schult werden, wobei die Weiterbildung In elementaren Fächern mit alle' Sorgfalt betrieben werden soll. Zu einem späteren Zeitpunkt ist auch die Aufnahme von Mädchen geplant. Die lange, mühselige Vorbereitim stand unter der Leitung von Dr. Kreuzberger, dem Generalsekretär oer Hitachduth Olei Germania und dem Leiter, dts Kibbuz ideisohn: Djj aus Deutschland stammende Diplomingenieur Schneemann wird LciW der Schule sein und zusammen mit je zwei Schlosser- und Tischlern1«1' stern die fachliche Ausbildung führen. Die Tischlerwerkstatt nin11"'

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