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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-06-04 · 23 (4.6.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
23 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 4 Juni 1937 gut sie auch sein mochten, waren nur Vorwäude, nur I Unterbrechungen /wischen den vielen Drosches, die von den Rabbinern gehalten wurden. Alle Gelehrsamkeit, aller Scharfsinn, alle I liugabe und Beredsamkeit dieser echten, in der jüdischen Geisteswelt fest verwurzelten Menschen kamen da zum Vorscheine. Nicht nur die schriftlich ''iütcrlac-c:;^.. VCvikc Smiciiicu rcoKcacns galien den Stoff dazu, auch mündliche ÜbeHief^r»«»«^ von uiJ«.» tiiieri. man mutttc nur •cheu, um welchem Genüsse manche besonders prägnanten Zitate von den Zuhörern mitgesprochen wurden, um zu erkennen, daß hier eine ungebrochene Tradition fortlebte. . Dazwischen wurde dem Gast aus Deutschland das Wort gegeben. Er überbrachte nicht nur die Grüße der Leipziger und der Berliner Gemeinde, er suchte auch Stellung zu nehmen, zu dem was er hörte >'nd erlebte. Was hatte er, der Absolvent deutscher Schulen mid Universitäten noch gemein mit dem geistigen Standorte seines Urahnen? Er zeichnete den Weg dc-i Generationen, der der Weg der deutschen und westeuropaischen Juden überhaupt gewesen ist; von der eng erscheinenden, geschlossenen, jüdischen Welt zur Universitas; seinen Höhepunkt und seinen tiefen Fall. Er schilderte den Umbruch, der sich in dieser Generation vollzogen habe, die Rückkehr zum Judentum als dem einzigen Wege, der aus der Tiefe wieder hinauf führe. Aber zu dem Ideal der älteren Generationen, der Torah, trete ein neues Ideal hinzu, die Awodah, die: Arbeit am jüdischen Volke und am jüdischen Lande. Er schildert« die Arbeit und die Hoffnungen der zionistischen Jugend — und seinen Anteil daran, und fragte zum Schluß, ob sein Kommen vnretänHIirV. o»;«« ASV.'SSCSh«. ii'uuci ligl sei. Ein in solcher Intensität nfrW erwarteter DcifalLoiüü.i gau mw die Antwort. Ein greiser Rabbiner stand auf und forderte zur Erfüllung der großen Mizwah auf, die in der Arbeit und im Leben für und in Erez Israel liege. Noch größer war die Genugtuung des Gastes, als er ins Freie trat und dort von den Bachurim umringt wurde, die ihn mit Fragen über Erez Israel* bestürmten. Von einem Ortskundigen begleitet, schritt ich, während die Drosches im Saale weitergingen, zum Friedhofe. Es war vielmehr ein Friedenshügel, an dem die Gräberreihen steil emporkletterten. Weit schweifte der Blick von hier aus über die ungarische Land Schaft. Golden strahlte die untergehende Sonne. Da stand ich vor dem Grabe Schemen Rokeachs, meines Ahnen. Ich fühlte mich ihm nicht nur räumlich nahe. Die lose gewordene Kette der jüdischen Generationen schloß sich wieder fester zusammen. Auf dem Rückwege sprach ich in Budapest zur jüdischen Jugend. Ich erzählte ihnen von Ahnen und Enkeln . . . Unsere Gemeinde Hauspflege des Jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig Der Jüdische Fiauenbund Ortsgr. Leipzig beabsichtigt, seine Abteilung „Hauspfiege" weiter auszubauen, um in allen Fällen, in denen eine Haustrau Vertretung braucht, Hilfe stellen zu können. Es fehlt aber an einer genügenden Zahl von Hauspflegerinnen. Benötigt werden Frauen, die befähigt sind, bei Erkrankung oder Abwesenheit der Hausfrau alle Arbeiten des Haushalts, evtl. auch leichte Krankenpflege, zu übernehmen. Meldungen sind zu richten an Frau Dr. Abelsohn, Gohliser Str. 15, wo auch alles Nähere über Organisation der Einrichtung und Bezahlung der Kräfte zu erfahren ist. Seitens der World Centre for Jewish Music in Palästina hat sich eine Zweigörganisation für Deutschland gebildet, deren Leitung in Händen von 7)r. Oskar Glitt mann liegt. Diese Stelle, die sämtliche BerUhtmflsiker und Schriftsteller erfassen will und die Förderung des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde wie der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin genießt, hat in Deutschland sieben Arbeitsgemeinschaften für die einzelnen Lahdestelle gebildet. Die Arbeitsgemeinschaft Mitteldeutschland umfaßt Provinz und Land Sachsen sowie Thüringen, Braunschweig, Lippe und Anhalt. Die Leitung liegt in Händen des Dirigenten des Leipziger Synagogenchores und des Collcgium nuisicuin jüdischer Musiklicbhaber, Barnet Licht. Die stellvertretende Leitung hat Kapellmeister w'ähci Quid mann, Dresden. Alte jüdischen Musikschaffenden und ausübenden Künstler werden gebeten, sich au Chordiiigent Barnet Licht 1 eipzig S3, Hardenbergstr. 22, zu wenden. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland gibt folgendes bekannt: Fs liegt Veranlassung vor, erneut darauf hinzuweisen, daß die Hilfskomitees in den europäischen Ländern nicht in der Lage sind, Einwanderern, die auf eigene Faust ohne genaue Erkundigungen der 1 lilfs- und Aufbaumögliehkeiteii und ohne Beratung durch den Hilfsverein sich dorthin begeben, irgendwelche Hilfe zuzusichern. Es ist unerläßlich, daß al'v Auswanderer zuvor bei den Beratungsstellen des Hil fsver eins vorsprechen und sich über die Einwaiiderungsmöglichkeiien genau unterrichten. Die Beratungsstelle Leipzig befindet sieh Goethcstraße l. Zum Gesetz, für die israelitischen Genieinden in Sachsen vom 18. Mal 1837. Das Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes erinnert in seiner Mai-Nummer an das vor hundert Jahren erlassene Gesetz, welches „den jüdischen Glaubensgenossen Sowohl zu Dresden als zu Leipzig gestattet, an einem jeden dieser Orte in eine Religionsgemeinde sich zu vereinigen und als solche ein gemeinschaftliches Bct- und Schulhaus zu haben". Dieses Gesetz wandelte, wie Emil Lehmann es gekennzeichnet hat, — zunächst in Dresden und Leipzig „die Judensehaften um in Religionsgenieinden. den Privatkultus in einen öffentlichen, die geduldete in eine gesetzlich zugelassene Religion, die religio tolerata in eine reeepta". Ihre gesetzliche Form erhielt unsere Leipziger Gemeinde allerdings erst nahezu zehn Jahre später. Schon zu Ende des zweiten Jahr7f>h.nts •£+ •« Dokumenten uüd Vethaudiungcn zwischen der Judenschaft und dem Rat der Stadt Leipzig der Begriff „Gemeinde'' gebräuchlich. Nicht aber im Sinne einer gesetzlichen Körperschaft, sondern als Ausdruck der Gemeinschaft aller in Leipzig lebenden und ihre religiösen und Wohlfahrtsangelegenheiten gemeinsam durchführende:! Juden. Sie wählten in Gemeindeversammlungen ihren Vorstand, der sie in allen Gemeindeangelegenhciten vertrat. Eist am 3. April 1643 wurde in der Gemeindeversammlung einstimmig beschlossen, sobald als möglich Slatuten für die Leipziger israelitische Gemeinde auszuarbeiten. Der cntivurf, den üei Sekretär der Gemeinde, Dr. Veith Meyer, hergestellt hatte, ging nach genauester Prüfung im Juli des gleichen Jahres an den Stadtrat. Die zuständigen Ministerien und Staatsbehörden forderten mehrfach Ändcnnigeu dieses Entwurfes. Darüber verstrichen noch mehr als drei Jahre. Erst am 23. September 1846 erhielten die „provisorischer. Statuten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig" vom Kultusministerium die förmliche Genehmigung. Die Leipziger Gemeinde besteht demnach etwas mehr als 90 Jahre. Jüdische Zeitschau Aufrufe zum nächsten Sabbatjahr. Am Rauschhaschana 5698 beginnt ein sogenanntes Sabbatjahr, in dem nach der Vorschrift der Bibel im Heiligen Lande die Bestellung der Felder ausgesetzt wird. Der Waad Hapoel der Agudas JUrocl-Weltorganisation hat mit Zustimmung des Rabbinischen Rates den Beschluß gefaßt, denjenigen jüdischen Landwirten, die das Sabbatjahr in Palästina einhalten, zu helfen und einen „Schmitto-Fonds" zu schaffen, der einer möglichst großen Zahl von landwirtschaftlichen Arbeitern und Kolonisten die Begehung des Schmittojahres (Sabbatjahres) im Sinne des Toiagesetzes ermöglichen soll. Der Schmitto-Fonds soll für die Einrichtung handwerklicher Betriebe auf kooperativer Basis in den landwirtschaftlichen Kibuzzim und die Beschaffung der hierzu erforderlichen Einrichtungen dienen. Er soll weiter für die Durchführung produktiver Bauarbeiten während des Schmitto]ahres_, zur Beschäftigung arbeitsloser landwirtschaftlicher Arbeiter, für die Einrichtung von Stellenvermittlungen zur Überführung landwirtschaft lieher Arbeiter in Industrie, Handwerk und Baugewerbe sowie zur Rftckfflhning dieser Arbeitetin die I anHwirtsehsft Ü2ch beendeten1 Schmittojahr Verwendung finden. Außerdem sollen aus dem Fond-- die Mittel zur Errichtung einer Schmitto-Jeschiwo in einem der landwirtschaftlichen Kibuzzim verwendet Verden, wo ausgewählte, besonders begabte landwirtschaftliche Arbeiter in einem einjährigen Kursus in die jüdische Geisteswelt gründlicher eingeführt und daneben auch theoretische landwirtschaftliche Kenntnisse erhalten wer den. Schließlich sollen aus dem Fonds Darlehen und Unterstützungen an landwirtschaftliche Arbeiter, die infolge def Schmittobeob achtung weniger als ihr Existenzminimum verdienen, gewährt werden. Der Vorsitzende des allweltlichen Rabbinischen Rates der Agudas Jisrocl, Rabbi Chajim Oser Qrodzienski-Wilna, die Agudas Jisroel Weltorganisation, die Palästinazentrale der Agudas Jisroel, der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel in Deutschland und andere gesetzestreue Vereinigungen erlassen Aufrufe, in denen zur Bcitragsicistung für den Sch'iiittofonds aufgefordert wird. Insbesondere werden die jüdischen Gemeinden aufgefordcit, aus ihren Etatmitteln sowie aus Synagogcnspenden größere Mittel zu sichern. Bevorstehende Veranstaltungen 12. Juni: K. A.E.: Sommcrveranstaltung. 27. Juni: Sportverein „Bar Kochba": Palästina-Handballmeister in I oiiv/t<r irroltf»« *si-»r*i-H'i»ct #l#»c HÄr KOClinfl L.C. ('-!(, ITCHII ^lUUOI "CVO'UI — »•»•»• IW»«"i#U. 28. Juni: Jüdischer Kulturbund: „l im Zickzack" (Jnlweranstaltuiig auf Juni-Marke). Personenstandsnachrichten G e hu r te n: ij. Mai 1937 Meier Max Wanderer und Frau Huicia geb. Isaak. Gustav-Adolf-Straße 2!, eine Tochter „Windel Mirjam". 15. Mai 1937 Leon Kalfus Und Iran Dora geb. Kaifuß, Thomasinsstraße b, einen Sohn „Alfred". R a r m i z w a : Sonnabend, 12. Juni 1037 Norbert Kleinmann, Sohn des Herrn Moritz Kleinmann und Frau Anni geb. Süssermann, Frankfurter Straße 27, in der Gemeindesynagoge. Tra 11 u n gen Sonntag, 23. Mai 1937, Fräulein Friedel -Leipziger, Frcgert; aße 7, mit Herrn Dr. Robert Kosiucr, Sedanstraße 17. Todesfälle: ' 20. .Mai 1937 Nina Brailowsky. Gustav-Adolf-Str. H. 21. Mai 10T7 Leiwus Davidson», Runsl. Sieinwcg 35 3/.

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