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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-04-02 · 14 (2.4.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
14 (2.4.1937)
Date
1937-04-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG 2. April 1937 aus dem Hause gehen. An seiner Stirn steht geschrieben „aemaeth" (Wahrheit, üott), er nimmt aber täglich zu und wird leicht größer und stärker als alle Hausgenossen, so klein er anfangs gewesen ist. Daher sie aus Furcht vor ihm den ersten Buchstaben auslöschen, so daß nichts bleibt als ..maeth" (er ist tct), «maui ci MiMmmentain und wieder in Thon aufgelöst wird. EincTT. ist cc::: Go!«.üi «b«j «iuüü3 au liudi geworden und iiai iini aus Sorglosigkeit immer wachsen lassen, daß er ihm nicht mehr an die Stirn hat reichen können. Da hat er aus der großen Angst den Knecht geheißen, ihm die Stiefel auszuziehen, in der Meinung, daß er ihm beim Bücken an die Stirn reichen könne. Dies ist auch geschehen, und der erste Buchstabe glücklich ausgetan worden, allein die ganze Lehmlast fiel auf den Juden und erdrückte ihn. Durch (irimm ist die Qolemsage in den literarischen Kreisen seiner Zeit bekannt gewqrden und konnte so nun auch in die schöne Literatur eingehen. Dio Beratungsstelle Leipzig des Hilfsvereins der Juden in Deutschland im ersten Jahr! Elftem kürzlich erstatteten Bericht des Leiters der Beratungsstelle entnehmen wir: 1. Die Beratungsstelle hat einen Bezirk, der die Länder Sachsen, Thüringen, Anhalt-Dessau und Provinz Sachsen mit etwa 25000 Juden umfaßt, zu betreuen. 2. In der Zeit vom 1.2.1936 bis 31.12.1937 wurden rund 1600 Personen — die Familienmitglieder mit eingerechnet teils mündlich, teils schriftlich beraten, davon 1000 männlich, 600 weiblich. Auf Leipzig entfielen rund 750, davon 450 männlich, 308 weiblich; 42U waren lcdig, 320 verheiratet, 10 verwitwet oder geschieden. Der Staatsangehörigkeit nach waren 220 Deutsche, 300 Polen, HO Staatenlose, die Übrigen anderer Staatsangehörigkeit. Hinsichtlich der Berufsgliederung ist zu bemerken daß 120 selbständige Kaufleute und Vertreter, 125 Angestellte, 05 selbständige Handwerker, 4d handwerkliche Gehilfen, 85 freie Berufe, 31 weibliche Hausangestellte waren. 40 hatten Europa, r*5 Südafrika, 20 sonstiges Afrika, 210 U. S. A., 7 Kanada, 93 Argentinien, 2d Brasilien, 50 sonstiges Südamerika, als Auswanderungsziel; die übrigen hatten kein bestimmtes Auswanderungsziel. Aus dem ganzen Bezirk sind mit geldlicher Unterstützung des Hilfsvereins und teilweiser Unterstützung der üemeinden 129 Personen ausgewandert, davon 67 Personen aus Leipzig. Did vom Hilfsverein gezahlten Zuschüsse zu den Fahrtkosten betrugen im ganzen Bezirk rund UM. 23 500. . für Leipzig allein KM. 7500.—. Man kann rechnen, daß diese Auswanderung die üemeinden, die vielfacfi noch die Ausstattung aufbringen müssen, auf ihren Anteil über KM. 30000.—, in Leipzig aiso weit über KM. 10000. gekostet hat. Der Hilfsverein kann nur Zuschüsse zu den Fahrtkosten, ausnahmsweise zu den Visum-Kosten, nicht aber, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, auch zu den Gepäck-, Umzugs- und Ausstattungskoaien gewähren. Da, wo eine Gemeinde keine Notstandsgemeinde ist, teilen sich Gemeinde und Hilfsverein in die Kosten. Für die Zuschußgelder ist der Hilfsverein eine Art Treuhänder. Die (leider fliehen ihm über die Reichsvertretung, Hilfe und Aufbau zu, im wesentlichen vom Ausland; er ist durch genaueste Kontrolle, insbesondere auch des Auslandes, gebunden. Von den aus Leipzig mit Unterstützung des Hilfsvereins ausgewanderten waren: männlich 27 Deutsche, 20 Polen, 5 Staatenlose, 2 Sonstige, veihlirh Li i i t f> »* ciuiiwn ■» »» »» u i» Beruflich gliederten sie sieh wie folgt: männl. weibl. Landwirte 2 Handwerker (selbständig) 2 1 (Gehilfe) 7 1 Kaufleute ö Angestellte 23 7 Freie Berufe 2 1 Hausangestellte 1 Schüler 10 7 ohne Beruf 2 nhni- Ancabe iu 54 Ls wanderten aus nach: Europa Südafrika U. S. A. Sonstiges Nord- und Mittelamerika Argentinien Brasilien Sonstiges Südamerika ohne Angabe 18 1 5 10 11 2 34 13 3 3 3 10 2 54 34 Die Gesamtzahl der aus dem Bezirk der Beratungsstelle Ausgewanderten wird auf etwa 800 Personen für die Zeit vom I. 2. bis 31. 12. 36 geschätzt. Eine zuverlässige Statistik darüber ist noch nicht vorhanden und läßt sich auch schwer beschaffen. Für die landwirtschaftliche Siedlung in Argentinien die Jca- Jewish Colonization Association, fanden dreimal Besichtigungen von durch die fWo<iinrrcc*»iio ycrjjeschlsi&c:: l\*„.'.Y.^, »mm». iiaucn sich mehr für diese Siedlung geeignete Mensrhen gefunden *|c mau ursprünglich angenommen hatte. Es wurden 78 Familien und Gehilfen mit 345 Köpfen besichtigt, o Familien waren zurückgetreten. Bis 31. 12. 36 waren 27 Familien mit 127 Köpfen bestätigt. 5 Personen waren zur Ableistung eines hinführungsjahres am 31. 12. 36 nach Argentinien vorausgefahren. Aus Leipzig waren unter den besichtigten Familien: 28 Familien mit 119 Köpfen, bestätigt waren 6 Familien mit 26 Köpfen, darunter 4 deutsche Familien und 2 polnische Familien. 3. Die Beratungsstelle erschöpft ihre Tätigkeit nicht nur in Auswanderungsberatung. Anfragen ausländischer Komitees, Anfragen im Ausland usw. erfordern viel Arbeit. Bei äußerster Sparsamkeit sind außer dem Leiter der Beratungsstelle 2 volle Arbeitskräfte beschäftigt. Allein an Gchaltsausgaben sind monatlich KM. 550.— nötig, dazu kommen sachliche Ausgaben für Miete, Porto, Telephon usw. insgesamt kostet diese Stelle jährlich über KM. 8000.—. Demgegenüber ist das, was an Mitgliederbeiträgen jährlich an den Hilfsverein fließt, weit zu wenig. Weil Leipzig die weitaus größte Gemeinde im Bezirk ist, hat man die Beratungsstelle nach Leipzig gelegt. Es entfällt fast die Hälfte der Tätigkeit dieser Stelle auf die Gemeinde Leipzig. Der Hilfsverein ist zur Erhaltung der Beratungsstellen auf die Mitglieder und deren Beiträge angewiesen. Bei neu eingerichteten 14 Beratungsstellen, zu denen noch eine solche in Bielefeld und ab 1. April 1937 eine solche in Nürnberg tritt, ist der aus anderen Quellen zu den Verwaltungskosten gewährte Zuschuß vöiiig unzureichend. Diesei Erkenntnis Rechnung tragend, hat das Lokalkomitee der hiesigen Ortsgruppe des Hilfsvereins, dem alle Kreise der Leipziger (iemeinde angehören, sich entschlossen, eine regere Werbetätigkeit für den Hilfsverein zu entfalten. Den Vorsitz hat Herr Rechtsanwalt Dr. Konrad Goldschmidt, die Kassen- und Schriftführer geschatte hat Herr Rudolf Breslauer übernommen. Man darf wohl erwarten, daß angesichts der bedeutungsvollen Aufgaben, die der Hilfsverein für die jüdische Gemeinschaft erfüllt, die aus früherer Zeit (vor 1933) stammenden Mitgliedsbeiträge beträchtlich erhöht und neue Mitglieder gewonnen werden Es dient unserer jüdischen Sache, wenn jeder im Rahmen seines Könnens einen jährlichen Beitrag zahlt. 1 [öffentlich verhallt der Ruf nicht ungehört. Jüdische Zeitschau Vorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes. Der Jüdische Frauenbund hatte oie Vertreterinnen seiuei VerbitUde und Gruppen zu einer Gesamtvorstandssitzung in das Lehnitzer Heim des Berliner Jüdischen Frauenbundes geladen. Auf einem Begrüßungsabend gedachte die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, Ottilie Sehoenewald, der Schöpferin und geistigen Führerin des Jüdischen Lrauenbundes, Bertha Pappenheha. Der Präsident der Kcichsvertretunii der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck, sprach von den Besonderheiten der Frau, die auch der jüdisenen Gesamtarbeit eine eigene Note geben. Direktor Heinrich Stahl, der Vorsitzen.!, der Berliner Jüdischen Gemeinde, schilderte die umfassende Sozial arbeit, die in der Berliner Gemeinde unter Mithilfe der Frauen ge leistet wird. Namens des Bundesvorstandes des Jüdischen Frauenbundes dankte Prof. Dr. Cora Berliner den Rednern, der Reichs- Vertretung und der Berliner Jüdischen Gemeinde, für das Interess« und die Förderung, die der Frauenbund jederzeit von ihnen erfahrt Auf der Tagung selbst wurden Fragen der Frauen- und Kindelauswandcruug behandelt. Nach Referaten von Chan nah M a j 0 f i s (Köln), Lude Levy-Zobel und Käte Rosen heim (Berlin) wurde auf Grund eingehender Aussprachen beschlossen, neben uiu! mit den für die Auswanderung tätigen jüdischen Organisationen (Reichsvertretung, Hilfsverein, Wizo und Jugendalija) durch geeignete Aufklärung, Schaffung von Ausbifdungsmögltchkeiten und Nutzbarmachung der Beziehungen jüdischer Frauenkomitees anderer Länder die Arbeit und Kräfte des Jüdischen Frauenbundes noch Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat April 1037 ist bis zum 9. 4. 37 an die Schulkasse zu zahlen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sämtliche Schulgeldrückstände aus dem alten Schuljahr bis zu diesem Tage abgedeckt werden müssen, da andernfalls die betreffenden Kinder bei Schulbeginn nicht zum Unterricht 7ngelassen werden können. Für die neu aufgenommenen Schüjer ist das Schulgeld ebenfalls bis zum Q. 4. 37 zu entrichten. Leipzig, den 1. April 1937. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig.

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