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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-03-19 · 12 (19.3.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
12 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO IQ. März 1937 Den nachstehenden Aufruf empfehlen wir herzlich der Beachtung durch alle unsere Gemeindcmitglieder. | Leipzig, den 23. Februar 1937. Jüdische Winterhilfe. * LeoSachs. I Rdbuinai uer israelitischen H*Hgl»ff»ffrtWtrMic zu Leipzig- WobSUtkt Uami der israelitischen Keiigionsgemeinde zu Leipzig. Rabbiner Cohn, Rabbiner Dr. Ochs, Rabbiner Rogusuitzki. C a r 1 G o 1 d s c h m i d t. MOAUS CHITIM Auch in diesem jähr wendet sich der Moaus-Clütim-Ausschuß an unsere Gcmeindemitglieder mit der herzlichen Bitte, durch Gewährung reichlicher Spenden da/u beizutragen, daß der besonderen Fürsorgepflicht während der Pessachtage ausreichend Genüge geschehen kann. Unter der Last der wirtschaftlichen Not ist die Zahl der zu betreuenden Familien ganz beträchtlich gewachsen, so daß ein ungewöhnlich hohes Maß von Anforderungen zu erfüllen sein wird. Es bedarf keiner besonderen Betonung, wie dringlich die Aufgabe ist, die unserem Ausschuß alljährlich obliegt. Die Pflicht, au den Pessachtagen dem Bedürftigen Maz.zoth zu geben und ihn in die Lage zu versetzen, die Pessachtage in Übereinstimmung mit den alten überlieferten Vorschriften zu begehen, ist in ihrem besonderen Ernste allezeit anerkannt gewesen. Sie soll auch inmitten unserer Gemeinde in ihrer ganzen Gewichtigkeit Beachtung finden. In Anbetracht der herrschenden Not muß die freiwillige Hilfstätigkeit um so mehr einsetzen, da die Gemeinde angesichts ihrer beschränkten Mittel nicht mehr in dem früheren Maße hellend eingreifen kann. Der Ausschuß bittet, die dem genannten Zwecke zugedachten Spenden zu überweisen an Herrn Samuel Hodes (Postscheckr konto Nr. 56640 Leipzig). Auch jeder der unterzeichneten Herren nimmt Spenden entgegen. Leipzig, den 23. Februar 1937. DER MOAUS-CHITIM-AUSSCHUSS S. Hödel M. Tag er J. Badt Dr. J. Brande Dr. Dzialowski J.Ader G. Na t h a n s e n J. Sternheim D. Steinmarder die aus den öffentlichen Prüfungen erwachsenden Berechtigungen verzichten konnte, waren wir von vornherein au die staatlichen Lehrplänc gebunden. Wesentlich war es, dem gesamten Unterricht eine jüdische Note zu geben, alle Wissensgebiete den Kindern vom jüdischen Standpunkt zu beleuchten: noch wesentlicher war es, die Kinder in die jüdische Lehre und das jüdische Leben einzuführen. In den unter dem Namen Religionsunterricht zusammengefaßten Stunden sollten alle Disziplinen jüdischen Wissens an die Schüler herangetragen werden, vom Alef-Beth bis zum Talmud, von der Auswahl biblischer Geschichte über das Verständnis der Quellen unst-rer Religion bis zur Kenntnis dci neueste!» Geschichte der Judeuheit in aller Welt. Aus dieser starken Betonung des jüdischen Unterrichts sollte der Schule ihre besondere Note erwachsen, hier sollte das Unterrichtliche am natürlichsten übergreifen ins Frzieherische. Nicht nur sollte die neue jüdische Schule den Leipziger jüdischen Kindern Gelegenheit bieten, durch Schulfreiheit Sabbat und Festtage in der traditionellen Weise zu begehen, vielmehr mußte um diese Tage wie um die andern heiligen Güter Israels, um seine Lehre und sein Land, aller Unterricht sich gruppieren, die fernsten Wissender;:;'*;- eingeordnet werden in. die Prinzipien jüdischen Denkrns Hiiii neu k Hinein UllWÜ v.itJw U1S L>cvv uiiUeiii gciiäitlilicrl werden, da» unter jüdischem Aspekt gesehen, alle Wissenschaft klein ist vor der Weisheit unserer Weisen, alle Forschung und alles Können gering, wenn sie nur materiellen Zwecken dienen und nicht in den Dienst des Göttlichen gestellt werden. Das Ziel unserer Arbeit mußte sein: ernste jüdische Persönlichkeiten heranzubilden, die in sich harmonisch vereinen Liebe und Verständnis für die Wissenschaften und Künste der Völker der Welt mit tiefer Kenntnis unserer heiligen Lehre, mit wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit, praktische Kenntnisse für die Eingliederung ins bürgerliche Leben mit der rechten Einstellung des seines Ahnenadels bewußten Juden zu seiner Umwelt. So hochgesteckte Ziele werden nie in vollem Umfang erreicht. In einer Zeit der immer weiterschreitenden Liberalisierung des ganzen geistigen Lebens, in einer Zeit, in der unsere Kinder außerhalb der Schule den Sieg des Materialismus sahen, den materiellen Aufstieg von ir- und areligiösen Gesellschaftsgruppen, konnte die Schule allein nicht den Weg zur jüdischen Übei lieferung weisen, wenn das Ettemh&U8 nicht tatkräftig mithalf. Dazu kamen eine große Menge äußerer Schwierigkeiten, z. B. die einer gewissen Inhomogenität der Schülerschaft, welche letzten Lndes der Ausdruck der eigentümlichen Struktur der Leipziger Gemeinde war. Bei allen auftauchenden Schwierigkeiten blieb in unserem Direktor Dr. Carlebach und in allen seinen Mitarbeitern immer wieder der Gedanke lebendig, daß die Schule ihre Existenzberechtigung nur aus ihrer jüdischen Eigenschaft schöpfe, und dal) wir die Ziele, die ihr gesetzt sind, nie aus dem Auge lassen dürfen. Die ehemaligen Schüler, die jetzt in treuer Anhänglichkeit und Dankbarkeit ihrer alten Schule ihre eigenen Kinder anvertrauen, sind Zeugen der Leistung, die die jüdische Schule in einer ihier Arbeit ungünstigen Zeit, im Vertrauen auf die Richtigkeit ihres Weges, vollbracht hat Eine innere Wandlung bahnte sich schon lange an. Die jüdische Jugendbewegung hatte sich als wichtiger Faktor neben Elternhaus und Schule in die Erziehung eingeschaltet. Wenn der thoratreue I ehrer auch weit entfernt davon war, Idee und Praxis aller Bündj gutzuheißen, ja sich oft in Gegensatz zu einigen von ihnen setzen mußte, so machte sich die jüdische Interessiertheit der Schülerschaft doch seit Jahren geltend, wenn nicht im Lerneifer, der offensichtlich auch von außerschulischen Faktoren mitbeeinflußt wurde, so doch wenigstens auf dem andern Gebiete unserer Arbeit: in dein Wunsche der hingen Menschen, ihr Leben auf eine |fidisclte Basis zu stellen, ihr Judentum /in wesentlichen Komponente ihrer ganzen Geisteshaltung zu machen. Mitten in diese Entwicklung brach der Umschwung der äußeren Verhältnisse. In einer völlig veränderen Situation galt es, den Kindern Halt und Stolz zu geben, die es ihnen ermöglichten, sich in der für sie neuen Welt zurechtzufinden, Verständnis für d«e Not des Bruders zu wecken und Hilfsbereitschafi zu erziehen; es galt, das plötzlich in ganz, neue Kreise gedrungene. Interesse für hrcz JjisTOe! mmHg t^tffajttfi Chihn bat ha-arez zu verwandeln. Es galt aber auch, den veränderten Zeitverhältiiissen im Lehrstoff Rechnung zu tragen. Jüdische Geschichte, sonst Stiefkind im Unten ic'ut, öffnete nun den Kindern die Augen darüber, wie auch unsere Generation nur ein Glied in der langen Kette der Geschlechter ist, die das Galutleid des jüdischen Volkes tragen. Palästinakunde war nicht mehr ein Lernen von einem fernen Land mit fremden Ortsnamen; hatte doch fast jedes Kind bald Verwandte und Freunde dort, deren Berichte den Unterricht ergänzten! Dem Hebräischen als palästinensischer Landessprache mußte ein breiter Raum im Lehrplan gewährt werden, und handwerkliche und sprachliche Ausbildung der Schüler mußten entsprechend dei beruflichen Umschichtung und" der Notwendigkeit der Auswanderung unserer Jugend auf eine neue Grundlage gesteiii werden.

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