Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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13. Jahrgang - Nr. 12 Auflage 3300 StQck l i h 1 19. MMrr 1937 mioi DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Zum 25jähr. Jubiläum der Höheren Israelitischen Schule Von Dr. P. J. Kohn. Mit dem SchliiU des Schuljahres beschließt die Höhere Israel. Schule zu Leipzig ihr 25. Schuljahr, und wenn sich auch Jubiläumsfeiern im üblichen Sinne in unserem Kreise heute von seilet verbieten, erscheint es doch angemessen, den (.jnindungstag unserer Schule nicht ohne Rückschau auf ihr Werden und Wachsen im ersten Vierteljahrhundert ihres Bestehens vorübergehen /u lassen, Erst vor wenigen Monaten, anläßlich des Hinscheidens des verewigten (minders und Leiters unserer Schule und nicht allzu lange vorher bei seinem Abschied von der Anstalt, hatten wir wiederholt Gelegenheit, aus berufenem Munde Würdigungen seiner Leistungen zu hören. Aber es kann in heutiger Zeit, wo die weitesten jüdischen Kreise von der Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Schulwesens überzeugt sind, nicht oft genug und nicht laut genug betont werden, welcher Mut und welche Tatkraft, welcher Idealismus und welcher unerschütterliche Glaube einen Mann beseelen mußten, der vor 30 Jahren den Kampf für die Gründung einer höherei: judischen Schule aufnahm. In einigen deutschen Staaten mit /ahlreicher jüdischer Bevölkerung bestanden im Rahmen iles staatlichen konfessionellen Volksschulsystems jüdische Volksschulen in grober Zahl, jüdische höhere Schulen hingegen gab es nur sehr wenige, und diese bestanden in Gemeinden mit eigenem traditionellen Gepräge, Getueinden, die seit Jahrhunderten Pflegestätten jüdischen Geistes waren, und derer. Mitgliedern die jüdische Erziehung ihrer Kinder innigstes Herzensbedürfnis wai Leipziger ....... in den de; jung« Dr. Cariebach eine judische Schule pflanzen wollte. Ein Bedürfnis nach einer jüdischen Volkschule bestand nach der damaligen sozialen Schichtung der Leipziger judenheit nicht. Die große Mehrzahl der Kinder besuchte höhen' Schulen. Wer hätte damals in Leipzig die Gründung einer höheren jüdischen »chüle ersehnt? L>aß gewisse Kreise einem solchen Plan ablehnend egeuübCrsteheti mußten, verstand sich von selbst. Bedeutete doch nach der Meinung vieler der Besuch einer konfessionellen Schule den freiwilligen Verzicht auf die Schulgemeinschaft mit Andersgläubigen und vielleicht damit den Verzicht auf Gleichberechtigung überhaupt Selbst in den Lageiii, in denen man sich ZU den traditionellen od« jüdisch-nationalen Prinzipien unumwunden bekannte, zögerte man, mit der Verwirklichung dieser Ideen ernstzumachen, Wenn allen diesen Hemmnissen zum Trotz im April W12 unsere Schule ihre Aufgabe im Leben der Leipziger Gemeinde begann, so »1 dies das unsterbliche Verdienst ihres (irunders, der in mühseliger Kleinarbeit, nie erlahmend, ideell und materiell den Boden für sein Werk bereitete, in unserer Stallt, im Inland und Ausland Menschen dafür interessierte, bis ihm die einen ihre Kinder anvertrauten, die andern die Mittel zur Gründung und Erhaltung der Schule bereitstellten. Wir begannen das erste Schuljahr mit 276 Schülern und Schülerinnen in neun Knaben- und fünf Mädchcnklassen. Ein eigenes Heim stand der Schule anfangs noch nicht zur Verfügung. Sie war in den Räumen einer Privatwöhnuug und des Vereins für Vofks- WOhl untergebracht, die auch späterhin, so oft wir unter Raummangel zu leiden hatten, wiederholt in Anspruch genommen werden mußten. Als zu Beginn des zweiten Schuljahres die Schülerzahl auf ca. TA) angewachsen war, saher. tlternschaft und Lehrer gleichermaßen sehnsüchtig der Fertigstellung unseres Schulgebäudes und damit der Übersiedlung in lichte, ausreichende, hygienische Klassenzimmer entgegen Und so war es denn ein großer Tag, der die inzwischen zahlreich gewordenen Freunde der Schule von nah und fern vereinte, als am 25. Juni 1913 unser Schulhaus - im wesentlichen in seiner jetzigen Gestalt — mit einer stimmungsvollen Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben wurde. Von da an nahm die Schule eine schnelle Entwicklung. Schülerschaft und Lehrkörper vergrößerten sich ständig in der damals schnell wachsenden Gemeinde, um in den Jahren nach dem Kriege ziffernmäßig ■ , des jetzigen Standes der Schule zu erreichen. Seit etwa zehn Jahren wurden neben der Realschule Volksschulklassen aufgebaut, um einem ständig wachsenden Bedürfnis nach der Einschulung der Kinder aller jüdischen Kreise in die jüdische Schule Rechnung zu tragen. Ii: seiner ganzen Bedeutung hat sich das jüdische Schulwerk aber erst seit dem Umbruch von 1933 erwiesen; seit dieser Zeit hat sich der Gedanke einer jüdischen Erziehung des jüdischen Kindes in den weitesten Kreisen als notwendig durchgesetzt Das jüdische Schulwerk umfaßt jetzt eine achtklassiire Volksschule, eine sechsklassige Realschule, beide sowohl Knabenals Mädchcnklassen führend, und hat im letzter: Jahre hrr?.-.«»»-... «ne Ohr::-::'. .liirrttt'kürmrM;;.„.;^.., U„J mu iicuci Direktor, der allen Ansprüchen der gegenwärtigen Lage Rechnung trägt, bietet die beste Gewähr für eine weitere segensreiche Tätigkeit. Und so dürfte es bei unserer Jubiläumsfeier angemessen sein, noch einmal zu überschauen, welche Ziele einer jüdischen Schule vor 25 Jahren gesetzt waren, wie weit unsere Schule diese Ziele erreicht hat, vor welche neuen Aufgaben uns eine unerwartete Entwicklung gestellt hat, und wie wir an die Bewältigung dieser Aufgaben gegangen sind. Das Doppelziel aller Schularbeit: Vermittlung von Wissensstoff und Erziehung dei Zöglinge mußte in einer jüdischen Schule anders aussehen, als in den allgemeinen öffentlichen Schulen. Der Lehrplan mußte zwar dieselben Wissensgebiete Umfassen wie in jeder ,\ anderen Schule, und da man ru* praktischen Gründen nicht auf Für die nächste Ausgabe des Gemeindeblattes ist Redaktions- und Anzeigenschluß ■3 * Montag, den 22. März