Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 9 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGLMEJNDE ZU LEIPZIG 26. Februar 1937 Den nachstehenden Aufruf empfehlen wir herzlich der Beachtung durch alle unsere Gemeindemitglieder. Leipzig, den 23. Februar 1937. Jüdische Winterhilfe. t r r. a c h ä. Rdüuinat der israelitischen RaWglwmgerngindc ■ I.^..-'- rtfühiiaüfUamt ü=j israemiscncn Keügionsgemeinde zu Leipzig, ivauumer conu, Kabbmer Dr. Ochs, Rabbiner Rogosnitzki. Carl Goldschmidi. MOAUS CHITBM Auch in diesem lahr wendet sich der muaus-Outim-Ausschuß an unsere Gemeindemitglieder mit der herzlichen Bitte, durch Gewährung reichlicher Spenden dazu beizutragen, daß der besonderen Für»orgepflicht während der Pessachtage ausreichend Genüge geschehen kann. Unter der Last der wirtschaftlichen Not ist die Zahl der zu betreuenden Familien ganz beträchtlich gewachsen, so daß ein ungewöhnlich hohes Maß von Anforderungen ZU erfüllen sein wird. Es bedarf keiner besonderen Betonung, wie dringlich die Aufgabe ist, die unserem Ausschuß alljährlich obliegt. Die Pflicht, an den Pessachtagen dem Bedürftigen Maz/oth zu geben und ihn in die Lage zu versetzen, die Pessachtage in Ubereinstimmung mit den alten Uberlieferten Vorschriften zu begehen, ist in ihrem besonderen Ernste allezeit anerkannt gewesen. Sie soll auch inmitten unserer Gemeinde in ihrer ganzen Gewichtigkeit Beachtung finden. In Anbetracht der herrschenden Not muß die freiwillige Hilfstätigkeit um so mehr einsetzen, da die Gemeinde angesichts ihrer beschränkten Mittel nicht mehr in dem früheren Maße helfend eingreifen kann. Der Ausschuß bittet, die dem genannten Zwecke zugedachten Spenden zu überweisen an Herrn Samuel Hodes (Postscheckkonto Nr. jt>b40 Leipzig). Auch jeder der unterzeichneten Herren nimmt Spenden entgegen. Leipzig, den 23. Februar 1937. DER MOAUS-CHITIM-AUSSCHUSS S. Hodes M. Tag er J. Badt D r. j. Brande D r. D z i a 1 o w s k i J.Ader Q. Nathan sen J. S t e r n h e i m D. S t e i n m a r d e r auf sich. Und es ist nicht etwa so, daß Zerfall und Sammlung streng voneinander geschieden aufeinander folgen und nebeneinander lagen, stets bereitet sich mitten im Zerfall schon die Sammlung vor, und stets kämpfen die Menschen der Sammlung mit den Menschen des Zerfalls, Eist wenn eine Epoche abgeschlossen ist, weiß man, welche Motive die stärkeren waren; auch von uns wiru erst eine RpStere Zeit sagen können, ob unsere liegenwart die Sammlung war, als die wir sie empfinden, die wir erstreben und die wir von innen her zu vollziehen glauben Zerfaü kam; sein bei räumlicher Geschlossenheit, und Sammlung kann sein auch bei äußerer Zerstörung, denn Sammlung ist ein innerer, seelischer Vorgang, der vom RajUffl unabhängig ist. Unsere Gegenwart ist unzweifelhaft eine Zeit der Zerstreuung. Aber ist diese räumliche Zerstreuung Kennzeichen jeder jüdischen liegenwart? Auch sie ist nicht nur als widriges Schicksal zu betrachten, so sehr sie auch die einheitliche Gestaltung des Körpers der Judenheit erschwert, denn sie bedingt die stete Auseinandersetzung mit der Umwelt, und noch immei i»t das Judentum aus jeder Berührung mit der Umwelt nach Kampf und Gefahren bereichert und gestärkt hervorgegangen und hat aus seiner Umwelt dem Eigenen einen n«ten >\rtn und Wut.'"J?jVpiMt»U£ jjcaobaiii jede jüdische üfgenwarT^stchi unter dem deichen einer Berührung und Auseinandersetzung und einei Aufgeschlossenheit für die Welt. Es ist das beste, das wir von unserer Gegenwart sagen könnten, daß wir zugleich in uns selbst uns festigen und für die Welt CÜK neue Aufgeschlossenheit gewinnen. Der Ropschitzer kam einst müden Schrittes vom Bethaus heim. „Was hat dich so erschöpft"?, fragte ihn seine Frau. „Mit der Predigt", sagte er, „mußte ich mich so abmühen. Ich hatte von den Armen und ihrem vielfältigen Bedürfen für das kommende Peßachfest zu reden, denn Mazzot und Wein und all das andere ist in diesem Jahre überteuer geworden." „Und was hast du mit deiner Predigt erwirkt?" fragte die Frau weiter. ,,Die Hälfte des Nötigen ist gesichert1', gab er zur Antwort; die Armen nämlich sind bereit zu nehmen. Wies um die andere Hälfte steht, ob nämlich die Reichen zu geben bereit sind, daß weiß ich noch nicht.' Au<; Martin Bubcr, Das verborgene l icht. Jüdische Gegenwart ist heute die Wanderung in die Welt und zugleich der Aufbau Palästinas. Scheinbar ein Widerspruch; in Wahrheit war jede jüdische Gegenwart von beiden Brennpunkten bestimmt, der Galut und Erez Israel. Die Sorge für die Zukunft ist, Erez Israel nicht zu einer nur anders gefärbten Galut werden zu lassen und über der Galut Erez Israel nicht zu verlieren. Was bedeutet die Auserwähiung Israels? Ein Vortrag von Martin Buber. Das Jüdische Lehrhaus Breslau eröffnete sein 3b. Halb Semester mit einem Vortrag von Prof. Martin Buber: „Was bedeutet die Auserwähiung Israels?" Der Reihe hochbedeut sanier, aus der Gegenwart zu schöpfender tiefer Erkennt nisse des Judentums und seiner Aufgabe, mit denen Martin Buber in diesen letzten Jahren immer wieder die I ässigei; fortzureißen, die Strebenden zu stärken, die Eifrigen in ihrer Zuversicht zu stützen sucht, schließt sich auch diese nein Betrachtung an. Auch ihre Gedanken sollten jeden ..... ,.,.....*., .....KCU UCWCgCn« t-J.C jui " ■*'•''•*Ausgehendyob etrtrtn S^oi'e Dustuiewakis, dail »Hc. UroÜes geleistet haben, an ihre Auserwähltheit geglaubt hätten und daß solcher Glaube die Voraussetzung der Größe sei, warf Bube die Frage auf, ob Israel an seine ErwShltheit glaube F- /eigen sich dabei zwei Extreme: Es gäbe in Israel Menschen, welche die Erwählung zu besitzen glaubten und mit gewisser Selbstgefälligkeit sieh mit ihrem Besitze gegenüber den Leiden des Lebens trösteten und es gäbe andere, welche die Erwählung als Hindernis ansähen und sich ihrer entledigen möchten. Demgegenüber stehe einmal die Frage: Wie verhält es sich in Wirklichkeit? und zwar in der tatsächlichen, nicht in der nur anschauungsgemäß vorgestellten Wirklichkeit und ferner die Frage: Ist es Israel erlaubt, sich der Erwählung zu rühmen oder ist ihm dies nicht gerade durch die Er wählung selbst verboten? Prof. Buber führte aus, daß mau, um den ErwählungsbegnU zu erfassen, auf die lilaubenswelt der Bibel zurückgehen müsse. Im eingehenden Darlegungen wies dann der Redner nach, daß nach der Auffassung der Bilul Israel auf keinen Lall kraft seiner Erwählung einer Vorzugsstellung vor anderen Völkern beanspruchen dürfe, eine Auffassung, die auch im nachbiblischefl Schrifttum, das ein groß* > theologisches System entwickelt habe, unterstrichen WÜrd< Die Erwählung bedeute vielmehr Gesetz, Inpflichtnahme. Sie werde