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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-02-26 · 9 (26.2.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
9 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. Jahrgang - Nr. 9 Auflage 3300 Stack (fft 26. Februar 1937 Ife^ni Müä I rr^f 4 WA (nl MamAX^ . I i IM 1/ ' ' — 1 1 > BB *~* Hl 1--1 DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Gemeindeabend Der für Sonnabend, den 27. Februar, angesagte Vortrag des Herrn Dr. Arthur Eloesser - Berlin-, muß zu unserem Bedauern, wie wir eben erst erfahren, ausfallen. Das gezahlte Eintrittsgeld wird, gegen Rückgabe der bereits gelösten Eintrittskarten, an der Gemeindekasse, Walter- Biümei-Straße 10, i. Etg. werktäglich, zwischen 9.30 und 13 Uhr, zurückgezahlt. Leipzig, den 25. Februar 1937. Oer Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Jüdische Gegenwart. Von Max Dienemann. Jüdische Gegenwart ist eine echte immer nur dann, wenn sie - so paradox es klingen mag — nicht auf die Gegenwart seihst bezogen, sondern auf die Zukunft gerichtet ist. Üa es der Sinn der Gebote ist, auf denen das Judentum beruht und in denen sein (•liarakter begründet ist, „die Menschen zu verbinden", da alle Anleitung zum rechten Tun den Sinn hat, auf die messianische Zeit hinzuführen, ist des Juden Sinn, insoweit er religiös motiviert und religiös gerichtet ist, immer der Zukunft zugewandt. Aber trotzdem gibt es gewisse Seelenhaltungen, die so zur Substanz des Judischen gehören, daß sie in jeder Zeit die prägenden sind, daß in ihnen die jeweilige jüdische Gegenwart ruht. Es gehört ZU jeder jüdischen Gegenwart, daß die Judcnheit, die ml i iv: vuui j^uis oiiii>iii na<J' "«"inv Iii logc hinein m den Strudel »"ili+iLr!!f!fi Tif HpH T.*VT" dCT P: :: hebe Erkenntnis, daß jedes Hineinbezogensein in die Verschlungen« heften und Verflechtungen der Weltpolitik von dem am Sinai gesetzten Ziel, der Heiligung des Lebens, abzieiit. Es hängt damit zusammen, daß jede jüdische Gegenwart unter dem Zeichen steht, daß Juden eine Minorität sind. Das aber ist nicht nur Schicksal, gewiß schwieriges, dornenreiches Schicksal, sondern es ist zugleich eine Aufgabe. Denn Minorität sein, heißt sowohl für bestimmte Gefühle und Erlebnisse ein besonderes Organ haben, ihnen in der öffentlichen Erkenntnis der Welt Vertiefung befeiten, als auch auf eine ganz bestimmte Seite der praktischen Gerechtigkeit in der Welt hinweisen, sie ausbauen, um sie kämpfen. Das bedeutet aber, daß es stets zur jüdischen Gegenwart gehört, um Gerechtigkeit zu kämpfen. Gerechtigkeit einzubauen in die Welt, Gerechtigkeit als d i e einzig berechtigte Politik in der Welt zu treiben, die Welt auf sie zu gründen, ist seit den Tagen l'er Propheten d B s Anliegen des Judentums. Es hat es in seiner sozialen Gesetzgebung zu verwirklichen gesucht, und, geschärft diirrh «ein eigenes Erlebnis und Bedfirfilii — es isi nicht das schlechteste Motiv, um etwas zu ringen, weil man selbst erlebt und erfahren hat, wie notwendig es ist fühlt es sich gedrängt, sein Sein, den Grund seiner Existenz darin zu suchen, um Gerechtigkeit in der Welt zu ringen. Aber es kennt diese Gerechtigkeit nicht nur als einen Ausdruck der Beziehungen von Mensch zu Mensch; weil ihm sittliches Tun immer von Gott abgeleitet erscheint, immer nur als Nachfolge Gottes möglich ist, darum gibt es diesem Kampf um Gerechtigkeit den Traggrund, daß es um die Gerechtigkeit Gottes, um die Gewißheit des gerechten flottes kämpft. Schon im Buche Hiob ist es angebaut, und von da aus zieht es sich durch die ganze Geschichte; in jeder Lage, in jedem Erlebnis, in jeder Gegenwart ist da« die Kernfrage des jüdischen religiösen Bewußtseins; wie erweist sich in dieser Weltstunde Gott als der Gerechte, Hrr OorcchtiffLccit QfCRetzt li.it unrf forciert, weii er seiht? f^rech*1 •<*?,J t nie aui diese Frage, w iiiiia>.ii, äuer "Immer vun der lebendigen Gewißheit aus, daß Gott gerecht ist. Dieses Bewußtsein von der Gerechtigkeit Gottes, dieses Kämpfen darum hat dazu geführt, daß der Jude in seiner Gegenwart den Grund für alles Schwere, das er erlebt, in sich selbst sucht. Seine Gegenwart ist stets bestimmt durch ein Bewußtsein um sein Schuldigsein, um das, was er selbst versäumt, falsch gemacht hat. Er ituchi nicht die Schuld bei irgend wem, mensch oder Ereignis, er sucht sie bei sich selbst, und die Erkenntnis seiner Versäumnis rettet ihm den gerechten Gott und hilft ihm zu sich selbst, zu einem besseren Selbst. Er kann sich zu seiner Schuld bekennen, weil seine Geschichte bestimmt ist durch den ewigen Wechsel von Zerfall und Sammlung. Von seinem ersten Geschichtstage an, von seiner Volkwerdung beim Auszug aus Ägypten an, wechselt seine Haltung stets zwischen Abfall von seiner Sendung, von seiner Aufgabe, die stets mit einem Zerfall verbunden ist, und zwischen Sammlung, Wiederbesinmmg Wer seinen Gemeindebeitrag von RM. 3 — noch nicht gezahlt hat, hole dies schleunigst nach. Die Gemeindekasse, Walter-Blümel-Straße 10, ist geöffnet von Q.30 bis 13 Uhr. — Postscheckkonto Leipzig 50533.

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