Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 7 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGiONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 12. Februar 1937 künduug des Dekalogs voranging! —, da bekennt er sich zu den „Brüdern der Verbannung" und da ruft er die „Wandervölker" an, da gebietet er dem Aeon, seine „Ewigkeit zu leiden" und da will er wie der Prophet seinem üotte „dem Geiste einen Augenblick entfliehn". Diese und verwandte Bilder sind nicht als jüdische Motive in %» ji ff ' f- | t " f T t n »«iii> .•iiuiuin«,!! Cuigvaugl, *--■> siiiu v lilllliIII ininnv umi' LTUWerungsbilaCi-! iv. ->i«. uui L>ci einem jüui»ciicu myiniKer zutagetreten konnten. Jüdisch ist Momberts Glaube an den Geist, der über den Dualismus dieses Zeitalters gesetzt ist, der Geist ist sein Gott, sein strenger Monotheismus gleicht dem Spinozas, dessen Verhalt- Bit zur jüdischen Lehre auch dem Momberts entspricht: beide haben sich mit nichtjüdischcr Welt gesättigt, sind aus der jüdischen herausgeschritten und doch zutiefst jüdisch in ihren Impulsen geblieben. Über Spinoza führt der Weg weiter zurück zu Giordrinc BiUüOä rttiiUicutrnug, der in einer dogmenlosen Welt Gott einsetzte. So herrscht auch Momberts Geist-Gott an Gottes Statt in einer entgottetetl Welt. Und Gott erkennt diesen Anspruch an. Den Schlüssel zu Momberts Religion gibt das Gedicht „Der Gott spricht zu Sfaira dem Alten", das weltlich-heidnisch klingt und jüdischen Glaubensvorstellungen unendlich fern zu sein scheint. Und doch hatte zwei Jahrzehnte vor diesem „entwurzelten Westler" der fromme Ostjude Pcrez in seinem Mysterium „Die N.icht auf dem alten Markt" gleichfalls die Worte ausgestoßen: „Der alte Gott ist bankrott!" Mombert aber kündet: „Meinen Funken, wann unterm Horizont ich versank, verwahre in der Nacht als den Zeugen, daß ich gewesen bin — in Hallen der Verschollenheit werde du mir der Sänger vor geschwächten Welten, die mich leugnen. Ich bin jetzt nicht. Ich werde einst wieder sein." Jüdische Winterhilfe Postscheckkonto Nr. 20516 M<«rapl RpttfrinncnrAtnoinH» AK* \Y/;n*o-U:i*«\ Lebensmittel- Ausgabe. Am Montag, den 15. Februar 1937, in der Ausgabestelle Brühl 47, Hof Gruppe 1 und 5-10 von V,, 10 bis l/f1 Uhr, Gruppe 2 bis 4 von 7,3 und bis l/,5 Uhr. Einlaß nicht vor >/410 Uhr und '/43 Uhr. An unsere Betreuten. Wir weisen darauf hin, daß jedem unserer Betreuten auf Antrag die Besohlung von 1 Paar Schuhen bewilligt werden kann. Die Anträge sind schriftlich an unsere Geschäftsstelle, Walter-Blümel-Straße 10, bis spätestens Ende dieses Monats zu richten. Jüdischer Kulturbund (Nur f. Mitgi.) Montag, den 15. Febrnar 19.17, pktl. 20.15 Uhr im Kulturbundtheater, Tanchaer Strasse H£ (Oarderobeschluß 2U.00 Uhr) Liederu. Duett abend 1 Mitwirkende: Susanne Luc weitstein und Wilhelm Gnttmann Am Flügel: Erna Klein. Unsere Gemeinde 60 jähriges Geschäftsjubiläum. Am 12. Februar konnte Herr A. Heymtnn das 60jährige Bestehen des von ihm begründeten und in treuer Zusammenarbeit mit seiner üattin seither in dem Geschäftshaus ürimmaisehe Straße geführten Herrenkonfcktionsgeschäftes begehen. Die lautere Gesinnung und kaufmännische Zuverlässigkeit, die die Hcymannschen Eheleute in diesen Jahrzehnten bei dei Führung des Geschäftes leiteten, haben ihnen unbegrenzte Achtung und Wertschätzung hei einem treuen Kundenkreis nn«' diniher hinaus bei den BerufsgeUGsaCn verschafft und gesichert. In unverminderter Rüstigkeit stehen beide auch heute an ihrem Platze. Ihre zahlreichen Freunde wünschen dem durch jederzeitige Bewährung von Gemeinsinn und großzügiger Hilfsbereitschaft ausgezeichneten Jubelpaare noch viele schöne Jahre in frohem Schaffen und allen Freuden. Auch wir schließen uns diesen Wünschen an dieser Stelle .-uifs herzlichste an. Einstellung älterer Angestellter. Aut Grund dei 5. Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplaucs mußten alle Betriebe mit 10 oder mehr Angestellten bis zum 15. 1. dem Arbeitsamt auf einem Formularblatt mitteilen, welche Angestellten am i. 1. 1937 ständig bei ihnen beschäftigt waren und welches Alter diese Angestellten hatten. Auf Grund dieser Erhebung wird der Präsident der Reichsanstalt Wiesbaden, über „Moderne jüdische Frauendichtungen". Die Rezitatorin brachte im ersten Teil ernste Darbietungen, denen sie eine Gedachtnisteier für Bertha P a p p e n h e i m vorangehen ließ. Die ernsten und mit viel innerem Erleben vorgetragenen Werke jüdischer Autoren fanden einen starken Widerhall. Der zweite Teil brachte einen heiteren Ausklang; die Darbietungen hinterließen bei dem kleinen, aber sehr interessierten Hörerkreis einen tiefen Eindruck. Lotte Levy-Bacr ist eine geistvolle Vortragskünstlerin, die ihr Programm geschickt zusammengestellt hatte. Der warme Ton und die ergreifende Schlichtheit des Ausdruck*, werden ihr stets Erfolg sichern. H. S. Das jüdische Volk vor der Royal Commission. Anläßlich des Abschlusses der Verhandlungen der Royal Commission in Palästina veranstaltete das Präsidium des Keren Hajessod im Battenberg- Theater eine Kundgebung, bei der der Vizepräsident des Keren Hajessod in Deutschland, Dr. Michael Traub, unter dem Thema ..Das jüdische Volk vor der Royal Commission" die Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen m Palästina politisch weitete und die Verpflichtungen umriß, die der bevorstehende Kampf um die Wahrung des Anspruchs auf das Nationalheim den jüdischen Massen auferlegt. Eingeleitet wurde die Kundgebung durch begrüßende Worte des Herrn Gemeindevorstehers Carl Gold Schmidt, der auf die Bebeauttragte LMenstsTene uaitiDO ciuseiickucuj uu un ueuieü im angemessenen Umfang Angestellte im Alter von -1<! Jahren und mehr Beschäftige oder ob weitere ältere Angestellte eingestellt werden müssen. Die Kündigung junger Arbeitskräfte gilt als betriebsbedingt, wenn der Präsident der Reichsanstalt oder die von ihm beauftragte Dienststelle ihr zustimmt, so daß in einem solchen Falle eine Widerrufsklage der Kündigung aussichtslos erscheinen muß. Ausdrücklich seien, wie uns das C. V.-Syndikat mitteilt, die jüdischen Firmeninhaber darauf hingewiesen, daß bei der Notlage der sehr großen Anzahl der jüdischen älteren Angestellten von den jüdischen Betriebsführern erwartet werden muß, daß sie bei der Einstellung besonders sorgfältig die Frage prüfen, ob nicht jüdische ältere Angestellte eingestellt werden können. Die jüdischen Betriebstiihrer, die altere Angestellte einstellen müssen, haben das Ree'ni, das zuständige ArbeilsamI um Zuweisung jüdischer älterer Angestellter zu uiilcu. Hebräische Sprachkurse. Der Iwrit-Kurs für Kinder ab <> Jahren findet Montag und Mittwoch um 4 Uhr nachmittags in Zimmer Nr. 7 der Höheren Israelitischen Schule, Gustav-AdoTf-Str. 7, statt. Interessenten für hebräische Konversation werden gebeten, sich Umgehend beim Büro der hebräischen Sprachkurse, Llstcrstr. t I r., zu melden. Bürozeit: Montag und Mittwoch e<>n IQ Iiis 20,30 Uhr Moderne jüdische Frauendichtungcn. In der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes Leipzig sprach Lotte Levy-Baer, Palästina zu sichern. Dr. Michael Traub ging von den Möglichkeiten aus, die den jüdischen Vertretern für ihre Taktik vor der Kommission zur Verfügung standen; er hob die „integrale" realpolitische Haltung hervor, auf die sie sich einigten, eine Haltung, die neben den eigenen historischen und politischen Rechten auch die des arabischen Volkes und die Pflichten der englischen Mandatsregierung entsprechend ZU berücksichtigen hatte, und andererseits der Lage des jüdischen Volkes außerhalb Palästinas in vollem Maße Rechnung trug. Er schilderte, wie die Probleme der Einwanderung, des Bodens und des Rechtes der Juden auf Palästina, vor der Kommission geklärt worden sind. Er bezeichnete es als ein Glück, daß gerade Dr. Weizmann es war, dei VOl dei Kommission diese Rechte erläuterte und den Begriff des Nationalheims in einer Weise zu interpretieren verstand, die den Mitgliedern der Kommission cm leuchtete. National, so habe Wci/.maiin erklärt, bedeute, daß den Jud.ii in Palästina die Möglichkeit gegeben werden so!!, als Nn«'on zu leben I leim bedeute, daß sie nicht in der Fremde leben und leiden müssen. Glänzend und juristisch unwiderleglich seien auch die Ausführungen von Leonard Stein über das Mandat gewesen. Ohne daß die jüdischen Vertreter den Schwerpunkt auf die berechtigten Klagen der Juden legten, wurden die »Vorwürfe, die der Palästinaregierung wegen der Duldung der Rebellion und der schwächlichen I laltung gegenüber den Aufständischen zu machen sind, doch in angemessener Weise erhoben.