Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 7 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 12. Februar 1937 Oemelndebcitrag. Durch Steuerbescheid haben wir Ende 1936 von denjenigen Gemeindemitgliedern, die zur Gemeindeanlage 1935 nicht zu veranlagen waren, als Mindestbeitrag zu den Gemeindelasten mm »» HUI. ö.— rrpforHor». vndenjenigen Gcmeinaemitgliedern, die mehr leisten können, wird erwartet, daß sie ihren Verhaltnissen entsprechend mehr bezahlen. Die Gemeindemitglieder, die mit dem Beitrag noch Im Rückstand sind, werden gebeten, denselben unverzüglich zu entrichten. Von jedem Juden wird verlangt, daß er seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft durch die Tat bekundet. Wer den geringfügigen Betrag von 3.— RM. nicht bezahlen kann, soll wenigstens durch einen kleineren Beitrag seine Verpflichtuncen gegen Hie Gemeinde anerkennen. Einzahlungen sind entweder au die Gemeindekasse von 9.30 bis 13 Uhr oder auf Postscheckkonto Leipzig 505 33 zu leisten. Der Vorstand Leipzig, den 9. Februar 1937. der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Not dem Tode entronnen (i. j. 1483), flüchtet er unter Preisgabe von Hab und Gut nach Kastilien, das ihm und bald darauf auch den Seinen zum Asyl wird. Daheim hat er eineErstlingsschrift„Af eres Sektn i m" (über die göttliche Vorsehung) verfaßt, und einen Kommentar zum j. Buch Mose begonnen. Jet/t, in der unfreiwilligen Muße, die er zugleich als Mahnung des Himmels auffaßt, vollendet er den letztgenannten Kommentar und schreibt innerhalb von 6 Monaten wie in einem Zuge einen solchen zu Josua, Richter und den Büchern Samuel. Er ist's, der seinen Ruf als Bibelerklärer fest begründet. In ihm spricht der Hof- und Staatsmann, der mit Krieg und Frieden und allem weltlichen Regiment, von dem in jenen Büchern die Rede ist, besser vertraut ist, als der (ielehrte der stillen Klause. Als einer der ersten geht er kritisch auf die! ragen der Verfasserschaft und Entstehungszeit kanonischer Schriften ein und weiß so manche Erkenntnisse der modernen Bibelwissenschaft vorwegzunehmen. In einer allgemeinen Einführung vergleicht er sinnreich die drei großen Bibelgruppen mit dem AllerheiligSten, dem Heiligtum und der Vorhalle des Tempels. Zum Prinzip der Dreiteilung macht er den Anteil Gottes an jeder der drei Qruppen: Thora, welche die Gebote enthält, ist ihm ausschließlich Oottes Wort; Propheten sind wohl Künder, aber auch Verfasset, Schriften haben Schriftsteller (medabhiim) zu Urhebern, die vom „heiligen Geiste" nur erfüllt waren, ..solange sie schrieben". Prophet und Historikei Unterscheiden sich darin, daß jener nur Göttlich-Erhabenes, den Menschen Notwendiges und Wahres künden müsse; dagegen der Geschichtsschreiber auch In iaiSHMHa JÜDISCHE WINTERHILFE Subjektives, Unrichtiges oder Überflüssiges berichten könne. In Jeremia erblickt Abravanel sogar einen „Redaktor'' der Königsbücher. So fruchtbar dieser Thoradienst war, so schnell war er abgelöst von neuem Fürstendienst. Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien, deren Bund zugleich den Untergang der spanischen JudenheH besiegeln sollte, locken den verbannten portugiesischen Staatsmann an ihren Hof, vertrauen ihm hohe Ämter an. Hat Abravanel das unaufhaltsam heranrückende Unheil unterschätzt, seinen eigenen Einfluß weit überschätzt? Sicher das letztere. Wir verdanken dem Forscherfleiß von Frit z Jizchak Baer heute zahlreiche Regelten aus jener kritischen Zeit von 14S4 92 (in seinem Werke „Die Juden im Christi. Spanien", I, Band 2); in ihnen ist Abravanel nur einer unter vielen jüdischen Höflingen; und besäßen wir nicht sein eigenes literarisches Schrifttum, das damals acht Jahre lang ruht, so bliebe uns sein Rang verborgen. Nur so viel scheint gewiß, daß Abravanel sich ganz, zuletzt mit voller Energie vor den Riß stellte und doch das Edikt von Granada vom 31. März 1492 nicht verhindern konnte! Kaltblütig schreibt das Königspaar an seine Beamten, daß sie die Außenstände des Steuerpächtcis Abravanel energisch einzutreiber; hätten, da sie dem Könige gehörten; Abravanel aber, „wie alle Juden", am 31. Juli das Land verlassen müßte! Er verließ es mit allen seinen Angehörigen; ausgenommen einem einjährigen Enkel, der seinen Namen trug; dem Söhnlein seines Erstgeborenen juda, des später zu hoher Berühmtheit gelangten Leone Ebreo (Verfassers der Dialoghi d'Amore). Nach Portugal gebracht, ward jenes Kind vermutlich im katholischen Glauben erzogen, und entpreßte dem Vater erschütternde Worte des Schmerzes in seiner „Elegie über das Schicksal". Die Geretteten der Familie mit Don Jizchak Abravanel als Oberhaupt finden sich wieder in Neapel. Noch hat Don Jizchak nicht Zeit, seinen Thoiadiensl wieder aufzunehmen, da glaubt er die unverhoffte Gunst der Könige Ferdinand und alsdann Alfonsos von Neapel nicht verscherzen zu sollen, und leistet ihnen hiirst- Dir Vertreibung Alt _ ^~Tnr;-vaT^i5iTcfier beraubt, kommt er auf kurze "Zeit nach Korfu, dann nach dem kleinen Monopoli in Apulien. Hier erst trägt der still verinnei lichte Thoradienst neue, köstliche Früchte: Abravanel verfaßt für seinen jüngsten, staatsmännisch begabten Sohn Samuel (den Gemahl der edlen Benvenista) einen Kommentar zu den Sprüchen der Väter (Nachalal Abot) 14%; einen andern zur Pessach-Haggada (1497); und ein Werk „R o s c h A m a n a" (Gipfel des „Amana" — anspielend auf „Emuna") über die Giundlchren des (ilaubens, sowie „Mifalot Elohim" (Wirkungen Gottes» über Schöpfung und Wunder. Niehl weniger als drei Schriften widmete er allein der in e s s i a n i s c h e n Erwartung: „Maa jene jeschua", „Jeschuot meschicho" und „Maschmia jeschuo". Tief durchdrungen war Abravanel »om Kommen jenes Heilsträgcrs Israels, den er auf vierhundert Blättern unserer Bibel klar und deutlich Verkündet fand. Im Exil, so vermutete er, wäre er bereits geboren, wie Mose der Befreier in Ägypten und Serubabel in Babylon Seine Zeit wäre nahe! Fern von jeder Schwärmerei schrieb ei zugleich einen Kommentar zum More. ' Als endlich sein zweiter Sohn, der Arzt Joseph Abravanel. in Venedig Fuß gefaßt hatte, veranlaßte er den Vater zu einer letzten Übersiedlung: in die schöne Lagunenstadt. Hier blieb eine einzii."