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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-02-12 · 7 (12.2.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
7 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. Jahrgang - Nr. 7 Auflage 3300 Stock 12. Februar 1937 ^ihhi^jUIÜIo] i i ■■ m >c^SV> DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Don Jizchak Abravanei Zur 500. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Rabbiner Dr. S. Samuel. In sinem Rundschreiben weist der P i euBis c h e L a nd e s v e r b a n d jüdischer ü e m c i n d e n auf die Bedeutung des 500. Geburtstages von Isaak Abravanei hin. Wir schicken der eingehenden Würdigung unseres geschätzten Mitarbeiters, im Hinblick auf d>e knappe Kennzeichnung des bedeutenden Staatsmannes und Qelehrten, dieses Rundschreiben voran. Die Schriftleitung. „Als wir vor zwei Jahren an unsere Gemeinden herantraten mit der Aufforderung, in Feiern und Vorträgen des grollen Maimonides zu gedenken, konnten wir dankbar feststellen, daß man überall dieser Bitte nachgekommen ist und daß bei uns, wie überall da, wo Juden leben, die Persönlichkeit dieses Großen unseres Volkes auch in unserem zeitgenössischen Judentum wieder lebendig geworden ist. In diesem Jahre 1037 das genaue Datum ist nicht überliefert — jährt sich zum 500. Male der Geburtstag Don Isaac Ab ra van eis. Die mit unserer Geschichte Vertrauten wissen, welche symbolhafte Bedeutung das Leben dieses Mannes hat. Er steht am Ende der bedeutenden, so vieie hervorragende Namen aufweisenden spanischen Epoche. Er ist nach einer glänzenden Laufbahn am portugiesischen und kastilianischen Hol der Führer seiner Generation im Schicksalsjahre 1492. Die Wanderung der spanischen Juden verschlägt ihn wie so viele in die Städte und Staaten Italiens, wo er gestorben ist. Ein Mann von tiefster, innerster Religiosität, der in den schwersten Tagen des Lebens in der Versenkung in unsere heiligen Schriften Trost und Aufrichtung fand und der dieses Schrifttum durch eigene Werke bereichert hat, ist er gleichzeitig Organisator und Führer in einer der schwersten Stunden der Geschichte seines Volkes. Wir bitten, daß man überall empfinden wir doch heute mehr •l-U m......■11 ' *"''Ten üif1'. bildern />■ nehmen das Gedenken dieses Mannes feiert. Die religiöse Persönlichkeit, der Religionsphilosoph, aber vor allem der wirkende Mensch und große Charakter sollen lebendig vor uns stellen, in allen unseren Gemeinden soll Veranlassung genommen werden, Don Isaac Ibravanels zu gedenken. Man wird den Erwachsenen in Predigt und am in unseren Gemeinden — ds je das Bedürfnis, uns Ücmciitachau zu Vor- Vortragspult die Größe seiner Persönlichkeit darlegen. der heranwachsenden Jugend in Unterricht und Kursen und den Kleinen je nach ihrer Fassungsgabe den Mann in seinem Leben und in seinem Wirken vor Augen führen. Da das Dalum der Geburt nicht feststellt, können die Veranstaltungen zu jeder Zeit in diesem Jahre abgehalten werden; wir möchten der Vereinheitlichung wegen die Zeit um das Pessachfest in Vorschlag bringen und wären dankbar, wenn uns recht bald wir stehen mit jeder Auskunft gern zur Verfügung mitgeteilt werden könnte, wie Sie in ihrer Gemeinde unsere Anregung durchzuführen beabsichtigen." Von dunklem Hintergründe hebt sich, wie so oft, die Gestalt eines Staatsmannes und Denkers ah. der dem ludentum vor nunmehr 500 Jahren Jizchak Abr i v 1137 in Lissabon — geschenkt worden ist. Don a n c 1. Wenn da., heutige Portugal, wie gemeldet wird, demnächst dieses seines Sohnes ehrend denken will, so haben .vir Juden vordringlichen Anlaß dazu. In seiner Persönlichkeit verkörpert sich in idealer Weise jenes Doppelbild des mittelalterlichen luden, wie es Grae tz in der Einleitung ZUH1 -I. Bande seiner Geschichte zeichnet: einmal das geknechtete Juda mit dem Wanderstab in der Hand, dem Pilgerbündel auf dem Rücken; und dieselbe Figur mit dem Ernste des Denkers auf der lichten Stirn, der Forschermiene in den verklärten Gesichtszügen. Er, in dessen Leben die düstere Endepoche einer Diaspora-Judenheit, ihre Verbannung aus dem geliebten sonnigen Spanien fiel, hat doch mit seinem Namen, den ein stolzes, bis auf das Königshaus Davids zurückblickendes Geschlecht führte, verklärendes l icht zu verbinden gewußt. Ein Riß schien freilich durch sein l eben zu gehen, der dessen Tragik scharf erkennen läßt: der Hang zu den lauten Staatsgeschäften der Mächtigen verbindet sich in ihm mit der Sehnsucht zu stillem Sinnen und Forschen. Mehr als vier Jahrzehnte darf er glauben, daß beides sich harmonisch verknüpfen ließe. Unter König Alfonso V. ist Portugal beinahe eine Friedensinsel; Abravanei ist Hofmann und Berater des Königs, Freund der Mächtigen, selbst ein Grande des Reiches. Er kann sich der Verfolgten in anderen Ländern annehmen, Gefangene in fremden Häfen auslösen, in seiner Vaterstadt Vorträge über den von ihm über alles geschätzten „More Nebuchim" halten. Aus einer elegischen Schilderung des Hochbetagten wissen wir, daß sein Haus ein Sammelpunkt der Weisen war; und wir staunen, welchen Umfang in der gleichen Zeit, in der das christliche Spanien sicii der Renaissance verschloß, des Portugiesen Abravanei humanistische Studien annahmen: Jakob Gut t mann (in seinem Werke J. Abr.'s rcligionsphilosophische Anschauungen, Bresi.ni 1916) zählt dahin Pvth:> grora=, Finpedoklcs. .'•.......goras, Sukratcs, >"<".<j, Aristoteles; und wiederum Seneca, Aiexander Aphrodisias, Ptolemaeus, Salkist, Vergil, Plinius, Plotin, Porphyrius, Themistios, Galen, Hermes Trismegistos. Daß Abravanei neben ausgebreiteten Kenntnissen in Bibel, Talmud und Midrasch, seiner philosophischen Neigung entsprechend, in den Schriften unserer Denker von Saadia bis zu Chasdai Ciescas, Serach ja halevi, Jos. Albo, Abraham Bibago und Jizchak Arama heimisch war, bezeugt jede Seite seiner Bücher, ja, man konnte aus diesen eine fast lückenlose Geschichte der religionsphilosophischen Probleme bis auf Abravanei herstellen, da es seiner Methode entsprach, erst nach eingehender Auseinandersetzung mit allen spruchbefugten Vorgängern die eigne, wohlbegründete und durch keine bloße Autorität gebundene Meinung darzulegen. Unter der Zweiheil von F ü r s t c n d i e n s t und T h o r a - dienst stand Abravanels leben wie unter unversöhnlichen Gegensätzen, die immer wieder gewaltsam in sein Schicksal eingriffen und doch nie zu entsagender Trennung, zum Entweder-Oder gelangen konnten. Jählings ward der Friede seiner Seele und seines Hauses unterbrochen, als er gleich im Anfang der Regierung Joaos II. in den Sturz des Hauses Braganza gezogen werden sollte. Mit knapper Morgen, Sonntag, den 14. Febr. Eintopfsammlung. Denkt an Purim!

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