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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-01-22 · 4 (22.1.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
4 (22.1.1937)
Date
1937-01-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 22. Januar 1937 Gemeindeabend Der Vortrag des Herrn Dr. Arthur Eloesser, Berlin, muß auf Sonnabend, den 27. Februar 1937, verscnonen werden. Der Vortrag findet also am Sonnabend, den 23. Januar 1937, nicht statt. Lein/ig, den 18 Januar 1937 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Zum Bericht über die Tätigkeit des Keren Hatorah in Deutschland im Jahre 5696/97 (1936) Mit staunenswerter Pünktlichkeit legt das Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland seinen Jahresbericht für das Jahr lU'Jb der jüdischen Öffentlichkeit vor. Neben der Fülle von Einzelheiten über die Arbeit des Landesdirektoriums bringt der Bericht eine Reihe von Tatsachen ZU allgemeiner Kenntnis, die auf ein Interesse in weitesten Kreisen rechnen dürfen. Wir erwähnen an erster Stelle das Wiederaufleben und Erstarken der Jeschiwa in Fulda, dem durch die Tradition des Maharam Schiff allein schon da/u prädestinierten Ort. Weiteste Kreise der deutschen Judenheit werden weiterhin mit tiefer Befriedigung davon Kenntnis nehmen, daß durch eine Subvcntionicrung des Landesdirektoriums des Keren Hatorah die Gründung einer Jeschiwa k'tana in Breslau auf den Namen von Rabbiner Dr. Simonsohu s. A. ermöglicht worden ist. Mit Staunen wird schließlich jeder an der jüdischen Bildung der Jugend Interessierte die Zahlen aufnehmen, die in den Anhängen /u dem Berichte über die jüdischen Jugendlichen aus Deutschland auf in- und ausländischen Jescluwoth mitgeteilt werden und dabei noch nicht einmal vollständig sind. Einen Begriff von dem Umfang der Arbeitsleistung des Keren Hatorah bekommt man, wenn man die Gebiete sieht, auf die sich diese Arbeit eistreckt. Da werden erwähnt Talmud-Torah-Schulen, Subventionierung von Jescluwoth und Jeschiwa-Besuch, Erziehungsheime, Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden und Beschaffung von S'farim. Das Erstaunlichste bei allem ist, daß in unserer Notzeit die Leistung des Keren Hatorah nicht nur nicht vermindert worden ist, sondern auf allen Gebieten gesteigert werden konnte. Mit dem Bedürfnis allerdings vermochte auch diese Steigerung nicht Maß zu halten, denn der Bericht muß die schmerzliche Tatsache verzeichnen, daß entgegen der früheren Praxis auch gut begründete Gesuche um Subventionierung des Jeschiwabesuches nicht mehr ausnahmslos bewilligt werden konnten. Dieser Zweig der Arbeit des Keren Hatorah ist geradezu ein Spiegelbild des Strebens unserer ugend nach Vervollkommnung ihres jüdischen Wissens, die natüricherweise nur auf den Jeschiwoth erreicht werden kann. Wer die Situation der jüdischen Menschen in den sterbenden kleinen Ge- Jüdische Zeitschau „Ewigkeit und Gegenwart des Judentums". — Martin Buber in Prao'. Weit iiher tnusend Personen wohnten im croßeu Saa! der!-v.'.ge> Städtischen Bibliothek einem Vortrag Martin Bub er s über das Thema: „Ewigkeit und Gegenwart des Judentums" bei. Ich kann, sagte der Vortragende, das Wort „Ewigkeit" nicht ohne Schauer aussprechen. Und doch, das Unsagbare soll gesagt sein. Ewigkeit ist nicht Zeit. Sie bedeutet das Maß, mit dem der Mensch sein zeitliches Leben mißt an der ewigen Person. Auch ein Volkstum kann sich in solcher Weise besinnen: Was hat es au konkreten Werken hervorgebracht, die in die Ewigkeit hinüberreichen? Bringen wir Ewigkeit zu Judentum in Beziehung, so wird uns bewußt: Wir Juden sind ein besonderer Fall. Wir sind schicksalhaft entsandt, sind von einer Stimme angerufen: „Geh, werde ein Segen!" Ein zweiter Auftrag: „Werde ein Volk!" Dies ist der große Befehl, den Gott Abraham erteilt hat; es muß bei allem bisherigen Versagen und trotz aller Fntt:iii«rlnm<r(>n immer wieder mit Her VerwirkllchUM! - o ---- - * - . (-» angefangen werden, ob wir wollen oder nicht: dieser Imperativ hebt uns heraus aus der Mitte der Völker. Volk ist nicht anthropologischer Begriff. Die hebräische Sprache kennt „Goj" und „Am". „Goj": Materie, „Am": Gestalt Wir sollen aus dem „Goj" ein „Am" werden, das heißt eine Gemeinschaft von Menschen, ohne srv/iale oder andere ReHimrtlieitiMi eine (lemi'insehnft Hit I Inbediutrt- 1K o - .....' - - — — - - heit, die sich zur Welt erweitert. Geschichte ist nicht Ewigkeit. Ewig ist der Gott der Geschichte. Geschichte ist der Schauplatz von Verantwortungen und Verantwortungslosigkeiten. Sinn der sozialen Gesetzgebung der Bibel ist: zu sein ein „Am segula", ein Volk der Auserlesenheit, das bei allen Unterschieden das Volkhafte behält, meinden kennt, wird dem Keren Hatorah Dank dafür wissen, daß er hier durch Unterricht helfend eingreift. Wie beschafft sich der Keren Hatorah die Mittel für seine Arbeit? Auch diese Frage beantwortet der vorbildlich ausgearbeitete Bericht. Da sieht man, daß zum weitaus größten Teil die Gelder aus Spenden Einzelner stammen, sei es, daß sie bei den großen Aktionen zu Chnmikka und Schawuoth aufgebracht sind oder pfennigweise aus Büchsen stammen oder bei sonstigen Gelegenheiten hereingekommen sind. Knapp 10"» der Einnahmen stellen einen Beitrag der Reichsverlretung dar. Dieser Teil des Berichtes wird keinen Leser unberührt lassen von dem Gefühl einer persönlichen Verpflichtung, nach Kräften für die Arbeit des Keren Hatorah beizusteuern. Der Bericht weiß mitzuteilen, daß außer dem schon erwähnten Beitrag der Ueichsvertretung dem Landesdirektorium des Keren Hatorah bei einei seiner wichtigsten Aufgaben wirksame Hilfe geleistet worden ist durch den Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau. Man wird in diesen Tatsachen eine erneute Bestätigung des grundsätzlichen Standpunktes finden, von dem das Landesdirektorium am Schluß seines Berichtes Mitteilung macht: Gegenüber denen, die lernen wollen, stellt der Keren Hatorah, eine Gründung der Agudas Jisroel, nie die Frage der jüdisch-politischen Zugehörigkeit. Als letzten Anhang legt der Bericht den Voranschlag für l(z37 vor. Er sieht für fast alle Einnahmeposten Erhöhungen vor, weil auf der Ausgabeuseite alle Posten gewiß noch stärker wachsen werden, als sie im vergangenen Jahr schon gewachsen sind. Man sieht, das Landesdirektorium des Keren Hatorah setzt in das jüdische Publikum das Vertrauen, daß es mit zunehmendem Verständnis und mit gesteigerter Opferbereitschaft seine Arbeit unterstützt. Dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden! Gilt es doch, eine Institution zu stützen und zu stärken, die Arbeit am Wichtigsten leistet, was wir haben, <>>< unserer Jugend. Uber den Kieis uci bisherigen Freunde und Gönner des Keren Hatorah hinaus müßte dieser Beiicht in allen Lagern der Juden in Deutschland Aufruf sein, ihre Beiträge zu erhöhen oder neu einzusetzen, angefangen bei den zentralen Instanzen bis zur letzten Gemeinde und Einzelperson, die noch spenden kann. Nur das wird ein Dank sein, mit dem sich die Herren des Landesdirektoriums, v. a. dessen Leiter, tür ihre unendliche Mühe und Hingabe belohnt fühlen können. Rabb. Dr. Ochs, Leipzig. Interessenten wollen den Jahresbericht beim Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg 13, Heinr.-Barth-Str. 21, anfordern. auch darin den Völkern ein Beispiel wird, daß Mensch zu Mensch und Volk zu Volk komme. Dem jüdischen Volk wurde die prophetische Mahnung gegeben: Fange an! Dies ist die Erwählung. Stets müssen wir unsere Gegenwart mit der Urgeschichte des jüdischen voiixcs konfrontiere >• < *ie ^uattniiitge m 1,11 Mng* n vveit scheinen sich auf einen Punkt besonders entladen zu wollen: auf das Judentum. Werden wir standhalten? Die schmerzlichste Frage ist: „Was haben wir da einzusetzen?" Uns müssen wir einsetzen. Rechnen wir nicht nach! In dieser unserer Verfallssituation ist uns ein Tor zur Wiedergeburt geöffnet worden: das Tor Palästinas. Unser ganzes Schicksal hängt davon ab, ob uns dieses Werk die neue Gelegenheit gibt, ein Volk zu werden und neuen Wert den Völkern zu bringen. Dies ist die Größe, dies die Problematik unseres Beginnens. Es gilt hier nicht, nur ein Volk zu werden, es geht um mehr. In dicsei jetzt neu ei öffneten Wirklichkeit gilt es auch zu erweisen: ob wir es vermögen, mit dem anderen Volk im Lande zu leben. Es geht um die Entscheidung: für das Königtum Gottes oder für die sogenannte Geschichte Wollen wir es tragen oder es von uns abwerfen? Die Tagespiesse in der Tschechoslowakei berichtet ausführlich über den Vortrag Bubers und hebt den tiefen Eindruck hervor, den er auf seine Zuhörer machte (JTA.). Ansicdlungsmögiichkeiten in französischen Kolonien. Der französische Kolonienminister Marius Moutet hat am 1(). Januar vor Vertretern der Presse seine bereits vor einigen Tagen angekündigte Erklärung über Einwanderungsmöglichkeiten in französische Kolonialgebiete abgegeben. Diese Einwanderungsmöglichkeiten sollen in erster Reihe Juden aus dem Ausland zugute, kommen. In Betracht kommen die französischen Kolonien Madagaskar, Neu-Kaledonieu, die Neuen Hcbriden und Französisch-Guyanä. Der Minister äußerte l

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