Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (3.1.1937)
- Date
- 1937-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG 8. Januar 1937 Gemeindeabend x Der bereits zur Cröffnung des LehrilftUSCS iiigckü^uigte Vurirag des Herrn Dr. Arthur Eloesser, in__i:~ /—i___i c i -------..r__ i\ , ■»» .w~-~.w «/ „Heinrich Meines Rückkehr zum Judentum" findet am Sonnabend, den 23. Januar 1937, pünktlich 20 Uhr im Kulturbundsaal des Battenberg-Theaters, Tauchaer Straße, statt. Als Unkostenbeitrag, zugleich zur Abgeltung der Garderobegebühr, werden 40 Pfg. erhoben, w'ir laden iiiciuun.ii aiie Gemciiiuemiigiieiier zu diesem Vortrag ein. Leipzig, den 5. Januar 1937 Der Vorstand der Israelitischen Religionsgenieinde zu Leipzig nicht länge; als sechs, höchstens acht Jahrzehnte, oder die Malerei unter Reinbrandt und Franz Hals, oder die Dichtkunst unter (ioethe und Schille. und zuletzt, aber nicht in ietzter Reihe, die Epoche der Propheten in der Zeit von Jesaja und Jerernia. Einzigartige Erscheinungen wie diese, hervorgerufen durch ein einzigartiges Zusammentreffen günstiger Bedingungen, gibt es vielleicht einmal in tausend Jahren; sie sind atmosphärischen Hochspannungen zu vergieiclien, die sich unter Donner und Blitz, entladen und denen wieder vollständige Finsternis folgt. So hat auch die Musik ihre besonderen Bedingungen und Imponderabilien. Als, etwa in der Periode zwischen Bach und Beethoven, eine solche Konjunktur von Bedingungen und Imponderabilien zustande kam, lebten die Juden noch im Ghetto; als die Schranken des Ghettos endlich gefallen waren, hatte die Musik ihren Höhepunkt bereits überschritten, für Juden nicht minder als für Nichtjuden. Möglicherweise muH erst jene Idee des „modernen Funktionalismus" Überwinden werden, eine Errungenschaft, auf die musikalische Kreise vielleicht noch stolzer waren als andere; wir müssen aufs neue Glauben und Vertrauen zu unserem Schicksal bekommen, damit Vom Reichsverband der jüdischen Kulturbünde. j Im Anschluß au die Kulturtagung und die dort gefaßten Resolutionen hat sich das Präsidium des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde intensiv dem weiteren Ausbau der Tätigkeit des Reichsverbandes gewidmet. Insbesondere ist das Präsidium d :n Notwendigkeiten einer verstärkten Programmberatung für die einzelnen jüdischen Kulturbünde nachgegangen und hat auf den Gebieten der Dramaturgie, der Konzcrtprogramme und des Voitragwesens Arbeiten in die Wege geleitet, die im Laufe des Januar 1937 den Kulturbünden in Form von Programmcmpfchlungcn zugängig gemacht werden. Fs ist auch bereits die Vergebung von Aufträgen zur dramaturgischen Bearbeitung, von Billioftiwfr.kcn, die besonders gut in den Rahmen dei jüdischen Kulturbundai beit hineinpassen, eingeleitet. Um kleinsten Gemeinden im:! Kulturbünden .t|. Möglichkeit hochwertiger C'srbieTungen zu geses, ist U;c bxicbluug eines SehalLpjattenar'cnivs mit Aufnahmen jüdischer Künstler, sowie jüdischer Tonwerke in Angriff genommen. Gegenwärtig findet eine Bestandsaufnahme der Vorhandenen künstlerisch wertvollen Schallplatten statt. Der Reichsverband wird in aller Kürze einen unter diesen Gesichtspunkten zusammengestellten Sonderkatalog mit Bezugsquellennachweis an die Kulturbünde hinausgehen lassen. Von w'eiken jüdischen inhalis gelangen im Laufe der nächsten Mona*«1 zur Aufführung: in Berlin „Amcha" von Scholen Alejchem, in Köln „Der Pojaz." von Georg Hirschfeld (nach dem Roman von Franzos), in Hamburg „Der Säuger seinei Trauer" (Yusik) von Ossip Dymow. Das Hamburger Schauspielensemble, das sich inzwischen zu einem Tournce-Fnsemble ausgebildet hat, wird mit diesem Stück in einer großen Anzahl Kulturbünde im Reich gastieren. Auf musikalischem Gebiet sind bereits Einzelberatungeii von Kulturbünden, Orchestern und Solisten auf deren Anfragen hin in umfangreichem Maße erfolgt. Die SchauspislenscmDits von Krüh) Kauibutg und Kwln Mauden in den letzten Monaten in einem lebhaften Austausch der Schauspielkräfte und Regisseure. Durch Vermittlung des Reichsverbandes waren aus den einzelnen Ensembles für bestimmte Aufführungen Schauspieler und Regisseure ausgetauscht. Auch die Opcrnauffüh rungen in Berlin und Frankfurt Main standen und stehen in einem gewissen Austausch von Kräften. Zahlt -eiche Jugendbünde wandten sich in <h-n letzten RÜHMten an unsere innersten Erlebnisse wert werden, durch Musik, diese mystischste aller Künste, geläutert und erhoben zu werden; vielleicht muß die Menschheit erst aufs neue lernen, den Nächsten zu lieben, bevor sie hoffen kann, „diesen Kuß der ganzen Welt" von einer neuen Neunten Symphonie zu erhalten. Und wo in der Welt gibt es einen Ort, an dem jedermann, Gläubiger und Ungläubiger, Jude, Christ und Mohammedaner, so unwiderstehlich von einer unbegreiflich mystischen Atmosphäre ei griffen wird, wie in Palästina? Gibt es ein anderes Land, das stärker vorbestimmt wäre, die Welt durch eine neue, dritte Heilsbotschaft der Menschenwürde und Menschenliebe zu erlösen als dies unser Palästina, das durch die Liebe seiner Bewohner umgewandelt wird aus einer Wildnis in einen Garten Eden? Das Orchester dieses immer alten und immer jungen Landes steht nicht nur vor der Aufgabe, die Bewohner F.rez Israels durch Stärkung ihres kulturellen Lebens bei dem Aufbauwerk zu unterstützen, es soll auch sein Ziel sein, einer musikalischen Kultur den Boden zu ebnen, die vielleicht, wenn der glückliche Tag kommt, der Welt einen großen schöpferischen Musiker schenken wird. den Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde um Beratung für ihre Laienspiele. Diesen Wünschen wurde entsprochen. Im Laufe des Januar wird versucht werden, das unorganisch auftretende Verlangen der Jugend nach künstlerischer Betätigung (Laienspiele, Theater und Musik) in organisatorische Bahnen zu lenken durch Errichtung und Planarbeit eines Jugendbeirates beim Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde. Hierüber wird noch Näheres bekanntgegeben. Auf organisatorischem Gebiet ist zu berichten, daß mit Ablauf des Jahres der Vertrag des Reichsverbandes mit der STAGMA eine Erneuerung erfahren wird, die den Kulturbünden eine finanzielle Fr-, leichterung verschafft. Erfreulicherweise hat sich der Besuch der Kulturbundvcranstaltungen im Reichsgebiet fast durchweg stark gehoben. Die Mitglieds« zittern sind zwar entsprechend dem allgemeinen Schrumpfungsprozeß kleiner geworden, jedoch vermochten die Kulturbünde relativ ihren austaltuugeu besuchenden Mitglieder gestiegen ist. Die Zahlen der in den Kulturbünden laufend beschäftigten Menschen sind nicht gesunken; es gelang bisher, den Stand der Spielzeit 1935/36 zu halten, in einzelnen Kulturbünden sind die Beschäftigten- Ziffern sogar gestiegen (wobei sich eine Tendenz zur Senkung der Verwaltungskosten deutlich bemerkbar macht). Auf Antrag des Reichsverbandes dei jüdischen Kulturbünde hat die Reichsvertretung der Juden in Deutschland für das kommende Jahr einen Ftatposten für die Subventionierung besonders notleiden- Jüdische Schulen. Das Schulgeld und der Beitragzu den Hcizungskosten O O w für den Monat Januar 1937 sind bis zum 13. Januar 1937 an die Schu'.kasse zu zahlen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß der Beitrag zu den Heizungskosten auch für Freischüler zu entrichten ist. Die Schulkasse Humboldtstralte 13 Erdg., ist täglich von 10—13 Uhr geöffnet. Leipzig, den 7. Januar 1937 Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V.