Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 2 (3.1.1937)
- Date
- 1937-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang - Nr. 2 Auflage 3400 Stack W4ß ) r//y. (fit 8.Januar 1937 r?n ULI RELIGIONSGEMEINDE ZU BtÄTT DER GEMEINDEVERWALTUNG .n........H.......u.ra.....H...H...H.^.MBBHI«.H„VIH. Einer »nresnny; des GcKseindevorNianfie» nm! der Leitung der Jüdischen Winterhilfe ■ zufolge werden sich bei der am ■ lO. Januar 1937 stattfindenden Sammlnng jj neben den bislang tatigen Helfern auch im (»emeindeleben stehende führende ■ Persönlichkeiten beteiligen. Die Sammlung wird als Eintopf- und zugleich als Haus- 11 Sammlung als einmalige Ablösung von StraUensammlungen durchgeführt. jg Wir erwarten von dieser Sammlung einen besonders guten Erfolg. J Leipzig, den 24. Dezember 1930. « Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Jüdische Winterhilfe. ■ Schöpferische jüdische Leistung auf dem Gebiet der Musik von Bronislav Huhorman. Bei dem ersten Konzert, das das neue palästinensische Symphohieoiehester am 26. Dezember in Tel Awiw veranstaltet hat, hielt der Gründer und Organisatoi des Orchesters, Bronislav Hllberman, eine Ansprache über schöpferische jüdische Leistung auf dem Gebiet der Musik. Er führte aus: In diesem Augenblick, da das Palästina-Orchester sich von einer luee in Wirklichkeil verwandelt, geziemt es im*, Beteachtungen anzustellen über die von den Juden auf dem Gebiet der Musik gespielte Rolle. Sogar in jüdischen Kieisen werden oft Zweifel geäußert übei die musikalische Begabung der Juden in den höchsten Sphären schöpferische! Kraft. Niemais Hat es, so argumeulkren diese Skeptiker, einen jüdischen Bach. Mozart oder Beethoven i>cgchen; ergo müssen die Juden unfähig sein, ein Genie solchen Maßstabes hervorzubringen. Das ist ein Trugschluß, der mit Rücksicht auf die grobe Zahl und Bedeutung jüdischer Musiker in der nachklassischen und jetzigen Zeit nur zurückzuführen ist auf vollständige Außerachtlassung der politischen und sozialen Verhältnisse, die entscheidende Faktoren in der schicksalsschweren Geschichte der Juden waren. Kunst ist nicht bloll ein schöpferischer Akt des Einzelnen, sondern auch der Ausdruck eines aktiven Kontaktes des Einzelnen mit einer geistigen Gemeinschaft; sie faßt zusammen und versinnbildlicht die in einer gegebenen Gesellschaft latenten Gefühlswerte, ihre Ideale, ihre Sehnsüchte, ihre I loffnuugen, ihre Verzweiflung. Somit ist Kunst nur möglich in der ihr gemäßen Atmosphäre, die das Geineiuschaftsleber, erzeugt, Besonders trifft dies für die Musik- /u, die nicht Wirklichkeit wird, bevor sie vorgetragen und gehört ist. Aber aus dieser Atmosphäre der Gemeinschaft waren die Juden durch die kulturelle, soziale und politische Absonderung jahrhundertelangen Cihettolebens ausgeschlossen. Erst die Emanzipation, die Napoleon den mitteleuropäischen Staaten mehr oder weniger aufgezwungen hat, schuf für die Juden die Möglichkeit, mit der herrschenden euro päischen Kultur in Berührung zu kommen. Nach dem Sturz Napoleons entstand in tiein für die Musik jener Zeit besonders wichtigen mitteleuropäischen Gebiet die Tendenz, die Emanzipation rückgängig zu machen. Dies führte zu politischen und kulturellen Einschränkungen, die erst allmählich im Lauf des Jahrhunderts aufgehoben wurden. Es war daher kein Zufall, sondern in der Macht der Verhältnisse begründe», d:'.b der erste grobe jüdische Komponist, Eelix Mendelssohn, ein getaufter Jude war. In der eisten Periode der Emanzipation war es dem Juden nicht möglich, sich auch nur jßr elementarsten Bedingungen tu sichern, die iur die hrwcckimg und Entwicklung sefnei musikalischen Begabung notw< mi.g sind, außer duicii den Übertritt zum Christentum, der rasch alle Schranken beseitigte, die das Ghetto von dem geistigen Leben Europas trennten. Sobald jedoch die geistige Emanzipation aus dem Ghetto im Lauf des IQ, Jahrhunderts zum Abschluß gekommen war, haben die Juden qualitativ und quantitativ einen so hervorragenden Anteil an dem musikalischen Leben Europas genommen, daß man ihre uesondere Begabung auch auf diesem Gebiet, wie auf so vielen anderen, anerkennen muß. Ls genüge Namen zu nennen wie Meyerbeer, Offenbach, Anton Rubinstein, Goldmark, Max Bruch, Mahler, Schoenberg, Milhaud, Emest Bloch. Es muß zugegeben weiden, daß sich Ulitei diesen kein Genie von der Grobe Beethovens befindet. Aber wo gibt es eine Nation, die in der Zeit nach dem Eintritt der Juden in das musikalische Leben Europas auf einen Beethoven hinweisen könnte? Nicht alle Geschichtsepochen sind in gleicher Weise und ohne Unterschied fähig, ihren Ausdruck in jedem Zweig der Kunst zu finden. Bedenken Sie einen Augenblick lang, wie kurz etwa der Zeitraum war, in dem die Bildhauerei unter Phidias und Praxiteles in Blüte stand, Morgen, Sonntag, Pfund- und Haussammlung. Tut eure Pflicht!