Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 50 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG II. Dezember 1930 1000 ins Lehen gerufene Israelitische Wohltätigkeitsverein ihre Verwaltung übernahm. Der Israelitische Wo h 11 ä t i g k e i t s v e r e i n, der seit vielen Jahren im Hause Nordstraße 15 seinen Sitz hat, gehört zu .luMinitifynM \ /,-...«:..: ___„ j:- -: -1- .1.. 1 1 1» .f. 1 •? .. T""il " ' s-ij -^"o> wi WUJii^Ull^lii, U1C 011.11 uuiwtl udo v 111 iaa&fcJlUC IUI L I I tlll^- ^^S^^^^^^^^^^^^^^ V i t —I---T^*— » —• -• - . ......----........I. IVlilUCIIlUt tj imihu u numiii-MU im, V UIKSKUCI1C, Mittelstandskuche, Altersheim, das sind die Arbeitsgebiete des Vereins, auf die im folgenden hingewiesen, werden soll. Die S p e i s e a n s t a 11 im Grundstück des Vereins gliedert sich in eine Mittelstandskuche, in der gegen geringe Bezahlung einfache, kräftige Mahlzeiten an Glaubensgenossen des Mittelstandes abgegeben werden und iu eine Volksküche, in der Bedürftige für einen ganz minimalen Kostenbeitrag eine ausreichende Mittagsmahlzeit erhalten können. Daneben sorgt die Speiseanstalt für die Kinderspcisung, sowie für die Ernährung der iu der Altersversorgungsanstalt Untergebrachten, über die wir weiterhin berichten. Wenn man die Leistung der Speiseanstalt für ein ganzes Jahr übersieht, so zeigt sich erst so richtig ihr Umfang. Täglich nimmt etwa jedes 90. Geineiudemitglicd seine Mittagsmahlzeit im Hause des Vereins ein. An Sabbat und Feiertagen wird dabei für besonders gutes Essen gesorgt und es muß vor allem erwähnt werden, daß die Küche streng rituell nach den überlieferten Grundsätzen geführt wird, so schwer dies auch heute fällt. Nicht weniger als 42765 Mittagessen sind im vergangenen Jahre durch die Sneiseanstalt zur Ausgabe gelangt. Die erwähnte Altersversorgung? anctalt hat den Zweck, bedürftigen, dauernd erwerbsunfähigen älteren Angehörigen der Gemeinde freie Wohnung und Unterhalt auf Lebensdauer zu gewähren. Das Heim befindet sich ebenfalls im Grundstück des Vereins, es ist stets voll belegt, die Insassen werden mustergültig betreut und können iiiieu Lebensabend in soigciuicici Zufriedenheit Venningen. Bedauerlich ist, daß die Raumverhältnisse die Aufnahme einer nur kleinen Anzahl bedürftiger Alter gestatten. Das Problem der Altersversorgung wird in den nächsten Jahren dringlicher hervortreten, eine Erweiterung der Anstait mußte aber bisher an den beschränkten Mittein des Vereins scheuern. Der Jugend hat sich der Verein ebenfalls besonders angenommen. Da es viele Litern gibt, die, durch berufliche Tätigkeit in Anspruch (rennmm#?n ödes* infolge materieller ^hwlerigkeiteü ihre Kinder nicht so betreuen können, wie sie es gerne möchten, unterhält der Verein einen J u g e n d h o r t. Von einer l iortlerin und einer Helferin beaufsichtigt, kommen täglich nachmittags etwa 45 scnuiprucntige ivmuer m den zwcckmauig ausgestatteten Käuineu des Vereins zusammen, wo sie ihre Schularbeiten erledigen und in froher Gemeinschaft die Zeit verbringen. Selbstverständlich werden sie dabei auch gut verpflegt. Ein größerer Teil kommt schon mittags ins Heim, wo ihm von der Speiseanstalt eine kräftige Mittagsmahlzeit — für die meisten kostenlos — geboten wird. Schließlich sei auf die Ferienkinder kolonten hingewiesen, die der Verein in eigenem wohlausgestattetem Grundstück im Solbad Dürrenberg unterhält. Vier Kinderkolonien mit je über 30 Kindern konnten im letzten Sommer, wie seit vielen Jahren, in Dürrenberg der Erholung von Kindern aller Kreise dienen. Die Bezahlung dafür ist ganz, den Verhältnissen der Eltern angepaßt. Die Leitung liegt in den Händen zuverlässiger bewährter Kräfte. — Wir konnten hier nur andeutungsweise die segensreiche Tätigkeit des Wohltätigkeitsvereins darstellen. Ein genaues Bild kann sich jedes Gemeindeinitglied am besten durch einen Besuch im Hause des Vereins machen. Aber damit allein ist es nicht getan. Es genügt nicht, dem aufopfeiuugsvoll arbeitenden Vorstand, den Damen und llerrtu des Kuratoriums und nicht zuletzt den zuverlässigen Beamten des Vereins für die hingebungsvolle Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit Dank zu bezeugen. Praktische Mitarbeit, materielle Hille aller ist heute erforderlich, wenn die nur andeutungsweise geschilderte Arbeit weitergeführt werden soll. Wer mehr nicht beitragen kann, zeige wenigstens durch einen kleinen jährlichen Mitgliedsbeitrag seine Bereitschaft zur Eihauuug der institutionell des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins. Auch wer sich schon auf anderem Gebiete für das Gemeinwohl betätigt, ist, so glauben wir, von dieser Verpflichtung nicht entbunden. Die Mitwirkung an den Aufgaben des.Wohltätigkeits- Vereins zeigt wahren Sinn für jüdische Gemeins c h a f t. Br. Sprich nicht „€s wirb genug getan" Ruf beine 6abe fcommts aud) an. nichts öarf bid) an ber CDt3Wol) t)inbern, 3u beinern Ceil bie Rot 3U Iinbem. Jüdische Zeitschau Lernmonat der jüdischen Jugendbünde. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände veranstaltete gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung vom 1. bis 30. November in seinem Jugendheim bröltalhaus bei Köln einen Lernmonat tur Jueendfj'ihrt'r der. —tr? nnscsskln???r.?r. jü-£.-.-.'rfv:r JlJgiradiÄSdt^. Hsr. L'cit'igaiig lunit7 uic Aufgabe, in einer vierwöchentlichen ßhribfwwK. sehen Uem«,'nJfrh»««ai-«.^5« •«•»• Frr:: h::::~ er. acr ..»;.•.« iir» Bünde zu vertiefen und den Nachwuchs der Jugcndbüode wissensinäUig und methodisch für die Gestaltung ihrer Bundesarbeit zu bände im jnhre l'JSl in Lehnitz eine Lernwoche und dann in" den Bezirken der ihm angegliederten Landesausschüsse eine Reihe von ilK*>rKl"iH("lic,^Ji*a« I (irtnrnr4h«>M fJ»ifr»V»rr*»fIi f.» «***o!p|(yf# Hin I nrn- ^UVl UUilUiwWiiUi mViUniVWmMi vintviifc^v-itiiiti i hi i i v. , t Li Ciiltgl v ».. %. » . n. > > zeit im Bröltalhaus zum erstenmal 33 Jugendführer aller Bünde aus dem ganzen Reich für die Dauer von vier Wochen zu gemeinschaftlicher Arbeit und Freizeitgestaltung. Der Lehrgang umfaßte fünf Hauptgebiete der jüdischen Jugendarbeit: Jüdische Geschichte, Bibel und Schrifttum, Gegenwartskunde, Erziehungsgrundlagen der jüdischen Jugendhilfe und Hebräisch. Sämtliche Arbeitsgemeinschaften waren auf Anleitung zum Selbststudium eingestellt. In dem Kurs von Prof. Kantorowicz, in dessen Händen die Studienleitung lag, wurden „Grundfragen des gesellschaftlichen Lebens" gemeinsam besprochen. Über die Erörterung der gesellschaftswissenschaftlichen Grundbegriffe: Gesellschaft, Gemeinschaft und Individuum hinaus gab diese Arbeitsgemeinschaft zugleich eine Einführung in die wissenschaftliche Arbeitsweise im allgemeinen. Rudi Baer vermittelte in seiner Arbeitsgemeinschaft über „Die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen des Palästina-Aufbaues" ein wirklichkeitsnahes Bild des heutigen Palästina. In die Welt des Ostjudentums und in das Milieu des amerikanischen Judentums führten die Referate von Boris Eisenstädt und Dr. Paul Eppstein über „Jüdische Zentren" ein. Dr. Friedrich Brodnitz stellte in seinem Vortrag über „Aufgaben und Formen jüdischer Gemeinschaftsarbeit" in klarer, knapper Form das verzweigte Hilfs- und Aufbauwerk für die Juden in Deutschland dar. in seinem Kurs über „Wirtschaftekünde" machte Dr. Eppstein am Beispiel einer von den Teilnehmern dargestellten Modellwirtschaft die Grundbegriffe des heutigen Wirtschaftslebens klar. Das letzte Referat der Gegenwartskunde war den „Geistigen Strömungen im Judentum" gewidmet. Frau Dr. Reichinann-Jungmann versuchte in temperamentvoller Weise, die Auffassung ues Zionismus und die von der jüdischen I liasporaexistenz m /hvs. i ^Pjjlmiiät - w.v.i h+< ifafc4~>-•• "ir.."" ~.k*a attsKt*hJief}cndeii tiegclispiTtgk?!I üTTfiTfzeiccr.. Die (irschichtskiKv: ,,.„;\,;';;..,, tvrei ivcicrate uri avei Arbeitsgemeinschaften, Die „Zeiträume jüdischer Geschichte" stciitcü cui zu umfangreiches Thema dar, um die einzelnen Epochen ausführlich behandeln M können. .Die ..Geschichte des Zionismus", _Ü i ii 0.t„t _ ui mi.i; l£t l ilM 'i i 'irt i ittu n )'<iii, vv tit % 11 itin t it (iCtl gründlichen Vortrag von Dr. Robert Weltseh „Die politische und kulturelle Lage des Vorderen Orient" in einen weiteren Rahmen einbezogen. Über jüdische Geschichtsbetrachtung hinaus führte die Arbeitsgemeinschaft von Dr. Liebeschutz über „Geschichtliche Bildungsarbeit in Jugendbünden". An dem Lehrbeispiel einer Einführung in das Zeitalter der Aufklärung zeigte Liebeschütz, in welcher Art man in Jugendbünden Geschichte treiben könnte. Einen breiten Raum im Arbeitsplan des Lehrganges nahm die Behandlung von Bibel und Schrifttum ein. Hier ebnete vor allem Prof. Martin Buber mit seinen Arbeitsgemeinschaften über „Das Judentum im Zusammenhang der Weltreligionen" und „Was bedeutet die Auserwählung Israels?" das Verständnis für zentrale Probleme des Judentums. Durch gemeinsames Bibellesen wurden von Martin Bubei die Schwierigkeiten einer wort- und sinngemäßen Textauslegung verdeutlicht. Das nachbiblische Schrifttum, insbesondere Talmud und Schulchan Aruch, war Gegenstand der Vortragsreihe von Rabbiner Dr. Eschelbacher über „Das Verhältnis von jude und Mitmensch". Die für alle Bünde gleich wichtigen pädagogischen Fragen wurden in den beiden Arbeitsgemeinschaften von Prof. Bondy über „Die körperliche und seelische Entwicklung Jugendlicher" und .„Bündische Erziehung" erörtert. Den „Aufgaben der jüdischen Jugendbewegung" war naturgemäß eine besonders umfangreiche Arbeitsgemeinschaft von Dr. Br. Sommerfeld gewidmet. In der Mitte zwischen reiner Arbeitsgemeinschaft und Freizeitarcstaitunp; bewegten «ich die Kurse von Karl Adler über „Musikpflege". Die Freizeit wurde durch gemeinsames Musi-