Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 48 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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?7. November 1936 OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 7 H Palast-Gaststätte am Dlttrldiring fr fonnmbend Sonderabend ■üH der Kapelle Belsadty / Einmaliges Auftreten des klassischen Kunstpfeifers Leo Matzner / Russische, rumänische und ungarische Zlgeunermus"» / ä^sangscir.IaKen des beliebten {Udisdien MedeMÜnjPM JnÜss üündlcf *v>Bui«ag naaimlttatc und abend ---— * Mittwoch, den uezemhor »*«•»■"»-* «*«if ver Eintritt 30 Pfg. zu Gunsten der jüdischen Winterhilfe min uesangseinlagen Die Jüdische Buchvereinigung teilt uns mit: Rich.irH Flatter: Hamlets Flucht in den Tod. Das Hamlet-Problem neu dargestellt und gedeutet (Herbert Reichner Verlag, Wien Leipzig--Zürich, 96 Seiten, RM. 1,50). Das Hamlet-Rätsel, das seit dreihundert Jahren die Geister beschäftigt, empfängt hier ein Licht, das viel des Dunkeln erhellt und aufklärt. Auf die Fragen, warum Hamiet weder Rache übt noch Selbstmord begeht, warum er die Lösung schier dem Zufall anheimgibt, warum er jedoch, zu Tode getroffen, im Augenblick das Versäumte nachholt, - auf all diese Fragen wird hier eine Antwort erteilt, die aus der Seelennot des gequälten Helden geholt wird. Des Vaters Geist befiehlt ihm Rache, gebietet ihm aber Schonung der Mutter. Dieser Doppelauftrag ist undurchführbar. Solange die Mutter am Leben ist, wäre eins nur möglich ohne das andere. Aus diesem Dilemma fuhrt kein Ausweg. Und so begrüßt Hamlet sehenden Auges, mit inniger Freude seine eigene Ermordung, die unter dem Schein eines bloßen Duells au ihm vollstreckt wird. Keiner, dem Shakespeare am Herzen liegt, wird au diesem Bändchen, dessen«* Bedeutsamkeit größer ist als sein Umfang, vorbeigehen können. Als nächste Veröffentlichung bringt die jüdische Buch-Vereinigting für ihre Mitglieder einen Band Erzählungen von Jakob I' i - card die unter dem Titel „Der Gezeichnete" erscheinen. Jakob Picard, der einer alten, am Bodensei' beheimateten Familie entstammt, gibt in seinen Erzählungen mit liebevoller Treue und dichterischem Einfühlungsvermögen ein anschauliches Bild der kleinen judengemefnden Südwestdeutschlands im vorigen Jahrhundert. Jüdische Menschen, naturverbunden und traditionsverhaftet, ziehen in buntem Reigen au uns vorüber. Wir leben ihr Leben mit ihnen, wir nehmen au ihren heiteren und traurigen Schicksalen teil. Dieser vergehenden Welt hat der Dichter Jakob Picard für die, denen sie unbekannt ist und für die, die noch an ihr Teil haben, ein bleibendes Denkmal gesetzt. Der Pojaz. Georg Hirschfeld hat Karl Emil Franzos' Roman „Der Pojaz" dianiaiisicrt. Der jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr hat diese Dramatisierung zur Uraufführung angenommen. Der berühmte Roman ist in einer Neuausgabe in der Brandusschen Verlagsbuchhandlung in Berlin erschienen. Neuerschienene Bücher: Eugen Wnlbe: Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark Brandenburg. Berlin 1937. (Verlag Kedem.) Fanny Neuda: Stunden der Andacht. Ein Gebet- und Lrbauungsbuch für Israels Frauen und Mädchen zur öffentlichen und häuslichen Andacht. Durchgesehen und bearbeitet von Martha Wertheimer. Frankfurt a. M. 1936. (J. Kauffmann Verlag.) Ernst Fürstenthal: Ahraham Berlin \')'lb (Jüdische Buchvereinigung). Ignaz Maybaum: Neue Jugend und alter Glaube. Der Chalu* und der Baal-habajit in der Verantwortung vor der Lehre. Berlin 1936 ......-i- ~\ IMkJ. iiirtlHIItlMTirfltl mui\. .iiriiiti^Htn» Iwlt Vi Ivi Uli t Reichner Verlag.) Stefan Zweig: Die Kette. Wien- Leipzig-Zürich 1936. (Herbert Reichner Verlag.) Prof. Dr. Bruno Kisch: Gottesglaube und Naturerkenntnis. Frankfurt a. M. 19iö (Verlag S. Neumann). Franz. Kafka: Gesammelte Schriften, Band 6. Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachlaß. Prag 1936. (Verlag Heinrieh Mercy Sohn.) Emil Lucka: Die große Zeit der Niederlande. Wien—Leipzig Zürich [1936]. (Herbert Reichner Verlag.) Karl Heinrich Stein: Tilman Riemenschneider im deutschen Bauernkrieg. Geschichte einer geistigen Haltung. Wien—Leipzig—Zürich [1937). (Herbert Reichner Verlag.) Konzert und Theater I. Kammermusikabend im Kulturbund. Dieser Schubertabend war wieder eine gelungene Veranstaltung des Leipziger Kulturbundes. Das „Mendelssohn-Trio" (Hella Chitrik Klavier, Leo Schwarz Violine, Paul Blumenfeld — Cello) zeigte sich von dei glänzendsten Seite. Schuberts herrliches B-dur-Trio und das sonnige Forellenquintett sind zwei Werke, die auf feinste Melodik gebaut sind. Alle Themen, ob in der Streich oder der Klavierpartie, sind gesanglich gehalten und gehen zu Herzen. Nur ein Schubert mit seinem Zu Chanukkah sdienkt man praktisch von Strumpf Mathes Brühl 23 / Telefon 27040 LäüüVd Binsen und wasche / Ber.gers Ribana OrJaegers-Unterwästhe/Doppelmoppel-Snoriwäsme Airowa Pullover / Herren -Kniesocken / Kayser- Tesyra-Oka Strümpfe / Original englische Herrensotken / Orig. Wiener Wollhandsmuhe / Wollwaren und sämtliche Herrenartikel herrlichen Melodienreichtum kann eine Zuhörerschar so fesseln und begeistern, wie wir das an diesem Abend erlebten. Namentlich im B-dur-Trio kam die romantische und melodische Linie zu starker Geltung. Konzertmeister Leo Schwarz zeigte sich vollkommen in Führung und verstand es, mit seinem innigen Ton die weiche, melodische Fülle hervorzuheben Und dem Trio seine geistige Note /u geben. Das Forellenquintett, das in seiner ganzen Stimmung herzerquickend ist und von heiterer Art, kam beschwingt und temperamentvoll zu Qehör. Zwei Berliner Gäste, Alfred Schlesinger — Viola. Rudolf i ewy Contrabaß, w aren zur Ergänzung herangezogen worden, beide Herren sind routinierte Orchester Spieler, die sich auch dem Kainniei niusikwerke gut anpaßten. Konzertmeister Leo Schwarz und Hella Chitrik als [einfühlende Schubertpartnerin am Flügel, sowie der Cellist Paul Blumenfeld hatten jeden Satz und besonders den vierten, „Thema und Variationen", bis aufs feinste ausgearbeitet und der Erfolg und stürmischer Dank blieben nicht aus. Der Abend wurde außerordentlich begeistert aufgenommen, und so mußten sie den schönsten Satz dieses herrlichen Werkes wieder holen. tt. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Auf dem „Schiki"-Plat/e suchte man am vorletzten Sonntag nach einer schlagkräftigen Frauen-Mannschaft, die morgen als Mitteldeutsche Verbandself des Sportbundes gegen Brandenburg (lies J.S. (i.) in Berlin anzutreten hat. Diesmal ließ man von den beiden Vereinen Leipzig und Halle zwei kombinierte Mannschaften aufeinander los, aus denen dann die Einheit formiert wurde, die, noch durch eine Dresdenerin verstärkt, dennoch kaum Aussicht haben wird, über eine Niederlage gegen den jüdischen Meister Deutschlands hinwegzukommen, von dem sie aber dafür spielerisch sicher manches abgucken kann, und das soll ja damit auch erreicht w erden. „Bar Kochha" trat mit vier Mannschaften seine avisierte Plfnktejagdiour zum „Makkabi"-Chemnitz an, die ihm äwh erwartuntrs- .drei..S»Cgf^»VWt./na>J»W»»l>*J:ijyJonj..... ..............:- V. VM'" riandbauci i/schopik und Sieradzky fast allein auf ihr Konto buchen konnten. Mau sieht also wieder einmal, daß ein guter Handballer sogar ein brauchbarer Fußballspieler sein kann, wenn seine spielerischen Qualitäten, gefestigt durch Intensives Training, eben „Hand und Füll" besitzen. Die II. Fußballelf holte sich ein glattes 3:0, die Knaben schössen ebenso viel Tore, mußten aber einen Gegentreffer hinnehmen. Nur die Mädels gingen leer aus, ließen dafür aber auch die Chemnitzer zu keinem Erfolg kommen, dennoch zeigte ihr Spiel im Vergleich zu früheren schon viel mehr System. Die Siege in Chemnitz fallen nicht so leicht in den Schoß, denn der dortige Sportplatz, bzw. Plätzchen bietet zum Kombinationsspiel kaum Raum und bringt dadurch den Ball fast mein außerhalb des l eides, als ins Spiel. In Berlin weilten noch die Kegler des „Schild'" zur Reichsmeisterschaft des Sportbundes, voll den 15 Gestarteten konnten sich zwei Herren für die Reichsmeisterschaftsriege auf Asphalt qualifizieren: Fritz Fernich als II. mit 'IV) Holz und Paul Grüneberg alsV. mit 253! lolz. Vorigen Mittwoch traten zwei Herreu-Handballmannschaften des „Schild" dem jüdischen Boxclub-Berlin gegenüber, der in seiner Domäne dem Boxen bestimmt schon etwas zu leisten vermag, im Handballspiel jedoch noch in den ersten Kinderschuhen steckt. Mau muß allerdings dabei berücksichtigen, daß der Gastvereiii als solcher erst kurze Zeit besteht und deshalb an Leistung noch nicht so viel von ihm pru'srte! werden kann und darf, wie man i.s insbesondere ■