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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-10-09 · 41 (9.10.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
41 (9.10.1936)
Date
1936-10-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 9. Oktober 1936 Kurz vor Redaktionsschluß pehi im« Nachricht zu. daß unser vor kurzem aus de schiedener sr> cphr wfehrtw Qcrr "hfttfa UCiil /-»Uli gC" 4 imI,U!„ v. i iunrnn_l , Herr Dr. Ephraim Carlebach in Palästina, seiner neuen Heimat, infolge eines Herzschlages in die Ewigkeit abberufen worden ist. Eine Würdigung seiner Persönlichkeit und seiner Lebensarbeit wird in der nächsten Nummer unseres Gemeindeblattes erscheinen. Die Gemeinde veranstaltet eine Trauerfeier am Sonntag, 18. Oktober 1936, 5,30 Uhr abends in der Ez-Chaim- Synagoge, Otto-Schill-Straße, der Stätte seines früheren, segensreichen Wirkens. tritt er uns bei den ein/einen Teilen des Gottesdienstes entgegen, den Innewohnenden Begriff im i jehte dtr TsgcsbcdcutUAg »vll«»dend" (Chorch t? 671). Ähnlich erläutert Sachs: „Der unerschöpfliche Reichtum der Hagada ergoß sich in die religiöse Poesie, die nunmehr die Nationalliteratur, die nationale Geschichte und den Glaubens-, nicht selten auch den Gesetzesinhatt in das Gebet verwehte, und selber ein Ausdruck ward der gesamten Taten und Leiden Israels" (Rel. Poesie, ISO). Mit Hinblick auf die Tatsache, daß die Pijutim auch oftmals ilie im Laufe der Jahrhunderte bis tief in die Zeit des Mittelalters erlebten Verfolgungen und Leiden /um Inhalt haben und daran anschließend die wunderbare Hilfe Gottes feiern, nennt Zunz die Pijutim die „Begleiterin der Geschichte des Judentums. Sie sind die Denkmäler der Vorfahren, und der von ihnen erfüllte Gottesdienst wurde das in tausendjährigen Gefechten emporgehaltene Panier Israels" (Literatur der synag. Poesie, Vorwort). Line ganz anders gerichtete Auffassung über die Lntstchungsursache der Pijutim ergibt sich aus folgender Äußerung des R. Jchuda B. ßaisilai aus Barcelona: „Die Pijutim, die man in das Gebet einatuflechten pflegt, sind, nach Mitteilungen von Autoritäten, mir für Zeiten der Verfolgungen angeordnet worden. Die Leinde hatten nämlich das Thorastudiuni verboten, sowie das Zitieren von Thoraworten, darum haben die Weisen eingeführt, daß Dankgebete, Hymnen, Pijutim usw. eingeschaltet werden, in denen im Kähmen der Tefilla den Ungelehrten die Vorschriften über ein jedes Lest und die Einzelheiten der Mi/woth vorgeführt werden" (sefet liaitiül, ed. Schor, Berlin 1903, S. 232). Aus den weiteren Ausführungen daselbst geht hervor, daß sich die Pijutim späterhin auch nach Aufhören der Verfolgungen gegen den Willen ihrer Verfasser fest eingebürgert haben, was mit dem obenerwähnten Verlangen zusammenhängen mochte, den Gottesdienst der festlichen Tage nach Möglichkeit durch poetische Einlagen zu verschönern. Auch in anderen Quellen arabischen Ursprung« wird die gleiche Ursache füi die Entstehung der Pijutim angegeben und auf die persischen Judenverfolgungen hingewiesen, die im 5. und 6. Jahrhundert stattfanden. Jedenfalls gibt diese Begründung eine Erklärung für den allgemein auffallenden Umstand, daß die Ausdrucksweise der Paitanim eine sehr dunkle und rätselhafte ist. Sie waren eben gezwungen, die „Worte der Thora und ihre Vorschriften" in verschleierter Form /u zitieren. Es ist aber auch möglich, dal! diese Ausdrucksweise dem Wunsch entsprang, den Pijutim eine künstlerische Form zu verleihen, deren Reiz durch die Verschleierung gerade erhöht wird. Nachdem die Pijutim nicht zu den Grundbestandteilen der Gebete gehören und auch im Talmud keine direkte Erwähnung finden, sondern als spätere Zusätze in die festgesetzte Gehctordnuug traten, fanden um die Frage ihrer dauernden Aufnahme heftige Meinungsverschiedenheiten statt, die sich in klassischer Weise darin widerspiegeln, daß der Schulchaii Aruch ihre Aufnahme rundweg ablehnt, während R. Moses Isseries z. St. die Aufnahme gutheißt (§ 68, 90, 112). Es wurden gegen die Aufnahme eine Reihe von halachischeii Gründen geltend gemacht, wie die Unterbrechung der Üebete in ihre»: Zusammenhang, die Veränderung der Im Talmud endgültig formulierten und festgesetzten Gebete, die Verlängerung der Gebete, die unerlaubte Häufung von Gott beigelegten Attributen, die Anrufung der Engel und anderer Mirtelwesen zur Fürsprache bei uott und endlich die manchmal von der Lehre des babylonischen Taf*"!«d? r!fr»r£?":;J_ .'....','U„„„K. «.u uieseu uegnern rechnen sieh U. a. Maimonides, Abudraham, Joseph Albo, R. Chananel, R. Jakob ben Ascher. Es kommen aber noch andere Gegner der Pijutim hinzu, wie u. a. Jchuda Halevij Abraham ibn Esra, R. Jakob Emden. David Kimch.i, R. Joe! Sirkes (beth chodoscii), R. Chiskija de Silva (p'ri chodosch), welche formale Bedenken vorbringen, wie die UnverständiichkeH der Sprache und die Unzugangliclikeit in der Wiedergahe agadiseher Aussprüche, die grammatikalischen Unkorrektheifen, die Nachahmung und der Gebrauch fremder Dichtungsformen und Versmaße, der trauererregende Inhalt, der an Sabbaten Und Festtagen verboten sei, die willkürlichen Wortbildungen und Mischung fremder Ausdrücke, kurz, lauter „Umstände, welche zur Andachtsiosigkcit und Herabwürdigung des Gottesdienstes führen" (s. insbes. Ibn Esra zu Koheleth 5, 1 und Kusari II, 74). Demgegenüber fanden die Pijutim auch, eifrige Verteidiger, wie k. Jakob Tain, R. Natronai Gaon, R. Saadi.i Gaon, Rawed, R. Isaak Arama, Nachmanides u. a. m. (s. insbes, schiboieh haleket c. 28), w elche Ii« obigen ElnWände widerlegten. Der Wilnaer Gaon heetimm.te, dsB die Pijutim nach Beendigung des Gebetes vorgetragen werden, was heute noch in u< ■j ""Hv,hv Polens befolgt wild, teilweise auch außerhalb Polens, R. Jizchok Luria pflege lediglich die von den „Rischonini", w ie z. B. R. Jose ben Jose, R. Jannai, R. Eleasar Hakalir verfaßten Pijutim zu sprechen, nicht die späteren, ei bemerkte aber gleichzeitig, daß kein Ort das Recht habe, seinen Minhag zu ändern, denn „es gibt zwölf l'ore im Himmel, entsprechend den zwölf Stämmen, und jetler Stamm hat sein besonderes Tor, seinen gebräuchlichen Weg, mit Ausnahme dessen, was im Talmud als allgemeingültig verzeichnet ist" (s. mögen awrohom $ 68, 1). Für uns bleibt demnach das von R. Moses Isserles daselbst Gesagte maßgebend: „Man pflegt an allen Orten die Pijutim wohl zu sagen, und wer es leichter nimmt und sie nicht sagt, hat keinen Schaden (dies bezieht sich nur auf «Ii«' Jozeroth in den bciachoth von kenas sch'ma, die größeren bahamischen Bedenken begegnen als die Pijutim in des Schemone Esre); jedoch beschäftige man sich wählend die Gemeinde Pijutim sagt, mit nichts anderem, nicht einmal mit ThorastUdium, geschweige denn mit leerem Geschwätz; wer indessen lediglich in einem Sefer liest und nachsinnt, begeht zwar kein Verbot, allein man kommt hierdurch zum lauten Spreeheu und zu Unterbrechungen (dwt Gebetes), weswegen man sich von der Gemeinde nicht absondern soll, sondern die Pijutim mitsagen." Hierbei stützt sich R. M. Isserles auf das Urteil des Maharil, der „darauf achtete, die Kerowoth zu sagen, und zornerfüllt war über die jungen Leute, die in der Synagoge währenddessen lernten, und es sich nicht angelegen sein lassen wollten, sie nützusagen". Es zeugt von dem unüberwindlichen Verlangen nach geistiger und gefühlsmäßiger Erhebung zu Gott, das in Israels Volksseele lebendig ist, daß die Pijutim es vermocht haben, trotz, aller Angriffe, Einwendungen und Bedenken selbst der anerkanntesten Autoritäten sich dennoch durchzusetzen und ihre Stelle im Gottesdienst fast durchweg zu behaupten. Ein weiteres Zeugnis für dieses tief eingewurzelte Verlangen ist die außerordentlich hohe Zahl von Dichtern, sowie von Dichtungen, die uns bekannt geworden, bzw. geblieben sind. In seiner „Literaturgeschichte der synagogalen Poesie" hat Zunz nicht weniger als „400 Dichter behandelt, IS 16 Selichas, 40 Mussaf-Kcduchas, 57 Maarib, 70 Nischmat, 70 metrisefie Bakaschas, 100 Keiobas, 120 Reschut, 150 Mostedschab, 150 aramäische Kompositionen, 180 Techinuas, 200 Hoschanas, gegen 600 Lieder und Pijut im engeren Si.me, 600 Klagegesänge, 600 Jozcr und Jozer- Jüdische Winterhilfe Postscheckkonto Nr. 20516 Israel. Religionsgemeinde, Abt. Winterhilfe) __ 4 Zur Einrichtung des Winterhilfsbüros werden dringend zwei grobe Tische oder Schreibtische und einige Stühle benötigt. Wir bitten, uns diese Gegenstände zur Verfügung /u stellen. Die AbhviuUä «.li'ulgi üuieii unsere Heiter. Meldungen erbitten wir telefonisch unter 213S2 oder schriftlich an das Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Wärrer-BlÜmcHStraße 10.

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