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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-10-02 · 40 (2.10.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
40 (2.10.1936)
Date
1936-10-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1GIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 1()(KK), nach Palastina gehen. Demi in Palästina sieht Dr. Tianl) unverändert den „Schwerpunkt konstruktiver jüdischer Aufhaupolitik'', ohne allerdings verkennen /.u können, daii „die Zahl der Einwanderungskandidaten für Palästina in den verschiedensten Ländern der Erde unvergleichlich größer ist sfe die Zahl des Menschen, die Paiä«HnV;.. ....... 2 :1 beherbergen kann (S. 44). Gerade diese /ulet/t wiedergegebene Bemerkung läßt eine andere Broschüre, die gleichzeitig mit derjenigen Dr. Traubs herausgekommen ist, als deren notwendige Ergänzung erscheinen. Dr. Traub erinnert daran, daß die jüdischen Kolonisationsprojekte in außerpali* stinensischen Ländern „alle samt und sonders gescheitert" und daß diese „Vorkriegsprojekte unserer Tenitorialisten denn auch in der Zwischenzeit längst in Vergessenheit geraten" (S. 42 u. 43) seien. Und nun agjgfrjtfpjy.fisR tinur da tat, dei sie nlr.111 "ffiergessfn hat und ihr Wiederei wecker geworden ist. Professor Max Apt geht in seinem Buche-) sogar so weit, zu behaupten, daß das Scheitern jener außcrpalästiueusischen Kolonisationsprojekte nicht notwendig gewesen wäre und daß es nur durch ailzu einseitige Festlegung auf Palästina verursacht worden sei. Er erinnert daran, daß auf dem 7. Zionistenkongrcß (ll)<)5) Englands offizielles Uganda-Angebot von der Kongreßmehrheit abgelehnt wurde, daß aber eine starke Minderheit die Verantwortung für diesen folgenschweren Entschhiß nicht tragen wollte. So kam es zur Gründung der „jiuiisi li-territorialistischen Organisation (J. T. O.)", deren Führung kein Geringerer als Israel Zaugwill übernahm. — Apt erinnert ferner an das Erlebnis, das. Schmarya Levin in seinem Buch erzählt: als dieser eine Protestbewegung gegen Baron llirschs Argentinienplan in> Leben rufen wollte, stieß er zu seinem eigenen Erstaunen Rllf geschlossenen Widerstand gerade unter den russischen Juden; Begründung: „Ls gibt genug Juden für Argentinien u n d Palästina und es bleibt noch eine Masse übrig." Den gleichen Gedanken habe auch Robert Weltsch in die Worte gekleidet, daß es in dieser I rage nicht ein „Entweder-Oder" sondern ein „Sowohl-als-Auch" gäbe. Ausdrücklich betont Apt, daß für die Territorialbewegung die Araberfrage keine entscheidende Rolle spiele, wenn auch durch das immer sich wiederholende Auftauchen des Araberproblems die Berechtigung der Territorialbewegung bekräftigt worden sei (S. Kl). Und nun folgt eine Aufzählung der ungeheuren, fast menschenleeren Gebiete, die es heute noch auf des Erde gibt und deren Einwanderungsverbote sich meist nur gegen Kaufleute und Intellektuelle richten, während für Landwirte, Gärtner und Angehörige aller Berufsarten, die die Länderschließung unmittelbar fördern, die meisten dieser Länder offenstehen. Die Möglichkeiten, die sich aus den von Apt nachgeuie- -) „Konstruktive Auswanderuugspolitik", ein Beitrag zur jüdischen Überfrcckolouisation von Max Apt; Philo Verlag, Berlin, 1936, 4'J Seiten. 2. Oktober 1936 Jüdische Winterhilfe. Da die Vordrucke zur Entgegennahme von Anmeldungen für die Jüdische Winterhilfe noch nicht eingegangen sind, konnten wir die Annage am Montag und Dienstag nicht ausfertigen. Sie werden ucMiam entgegengenommen für die Buchstaben A—G Montag, den 5. Oktober, von 'L4—4 Uhr, Buchstaben H—P Dienstag, „ 6. H „ \'.,4—4 „ Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß Stempelkarte, I ürsorgeausweis und Familienbuch mitzubringen sind. __ _____Das ..Wohlfahrtsamt----------- der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. senen Tatsachen ergeben, decken sich seiner Meinung nach mit dem, was uns Juden zur Ausnutzung diesei Möglichkeiten notwendig ist; Apt stützt sich bei dein Entwurf seines großzügigen Plaues auf Franz OppenheimerS Ausspruch, daß „Bauern heranbilden muß, wer Städte bauen will". Der Plan selbst ist außerordentlich umfassend, und, zusammengefaßt, werden als Grundlage für eine konstruktive Auswanderungspolitik I, die Errichtung ciuei Kolonisationszentrale, 2. die Entsendung und Ausrüstung der erforderlichen Expeditionen, J. die Gründung einer Agrarbank bezeichnet. L> handelt sich um einen gigantischen Plan, denn Professoi Apt denkt nicht nur an die Juden Deutschlands, sondern au die aller europäischen, besonders der osteuropäischen Länder, und es ist ein Vorzug sehics Buches, daß er die jüdische Wanderbewegung nicht losgelöst betrachtet, sondern sie im Zusammenhang mit der gesamteuropäischen Übervölkerung und Auswanderung sieht. Er darf Be achtung beanspruchen und Prüfung, damit nicht vielleicht wieder Israel Zangwills resignierende Bemerkung sich bewahrheite, daß die Geschichte des Judentums eine Geschichte der verpaßten Gelegenheiten sei. Wir müssen aufs neue wandern; Wandern aber ist Kampf um die Zukunft Und wenn wir den Gedanken Traubs und Apts — auch hier das große „Sowohl-als-Auch" gelten Ismend — folgen, dann «wssen wir, -Jan wir uns diese Zukunft erringen werden. Denn beide Bücher machen uns fühlbar und sichtbar, was wir als wichtigstes heute wissen müssen —: daß alles Einzelschicksal tuil seinem Schmerz und seinen Hoffnungen eingegliedert ist in eine Wanderbewegung, die nach Umfang und Dauer geschichtliches Ausmaß hat. Wir ziehen in neue Erde . . . diese Erkenntnis gibt uns Hoffnung und Auftrieb: wieder wird für unsere Kinder und Kindeskinder die Hütte aufgebaut, und Gott, der Lenker der Geschichte, wird sie uns errichten helfen, wie es heißt: als „I lütte sei n c s F r i e d e u s". Zum Tode Meir Dizengoff's. Wie in der letzten Nummer unseres Blattes Rrhofl kur? bekanntgegeben wurde, ist Meir Dizengoff am 23. September verschieden. Seine Beisetzung gestaltete sich zu einer dei grüßten Massenkundgebungen, die Pcl Awiw bisher erlebt hat. Die Bevölkerung bewies, ohne Unterschied der Parteirichtungen, die Verehrung und Liebe, die dem fast Sechsundsiebzigjährigen entgegengebracht wurde. Meir Dizengoff ist am 2"j. Februar iSbl in Akimowzi-Bessarabien geboren. Nach Palästina kam er zuerst 1893 im Auftrage Baron Edmund de Rothschilds. P>!*3 unternahm er eine zweite Palästinareise, auf der er die ersten Bodenkäufe bei Jaffa durchführte. Kurz darauf ließ er sich endgültig in Palästina nieder. An den zionistischen Bestrebungen hat Dizengoff seit den Anfängen der Cho^ wewe Ziou-Bew egung teilgenommen, Der von Herzl geschaffenen Organisation des politischen Zionismus schloß ei sich raki nach ihrer Gründung an. — Meir Dizengoff wurde einer der markantesten Vertreter des palästinensischen Jischuw. Der Gedanke geschlossener städtischer Siedlung :;; Palästina war in ihm, dem Schöpfer der ersten modernen reinjüdischen Stadt, verkörpert. In der Organisierung des Widerstandes gegen die wirtschaftlichen Folgen des Araberstreiks, insbesondere bei dem Kampf um die Schaffung eines Hafens in Tel Awiw, hat er noch in letzter Zeit bewundernswerte Energie entfaltet. Mit Festigkeit und Entschiedenheit!'.:;! er seine Persönlichkeit für die jüdischen Gebamtinteressen Palästinas gegenüber der Mandatarmacht eingesetzt — Für Tel Awiw war der Stadtvater Dizengoff eine uberragende zentrale Figur. 1906 war die Gesellschaft „AchdUt Bajit" unter seiner maßgebenden Mitwirkung zur Errichtung einer rein jüdischen Siedlung bei Jaffa geschaffen worden. In demselben Jahr noch wurde der Grundstein;:u dem späteren Tel Awiw gelegt' i s.t Ai-»h.itt .tri Stadl, in der die erste Hebräische höhere Schule Palästinas, das Herzl-Gymnasin in, gegründet wurde wurde durch den Weltkrieg unterbrochen. Dizengoff, durch den türkischen Oberbefehlshaber Dschemal Pascha des Landes verwiesen, konnte erst nach der Eroberung Palästinas durch die Engländer sein Bürgermeisteramt wieder übernehmen. Er verschaffte der st;ult eine große amerikanische Anleihe, bemühte sieh eitrig um die Ausgestaltung dei Levante-Messen, für die er Komitees in last allen europäischen Staaten zu schaffen wußte. Wenn Tel Aw iw heute das Zentrum, der neuen jüdischen Wirtschaft Palästinas und ein Brennpunkt jüdischen Kulturlebens geworden ist, so ist dies zu einem wesentlichen l eil Meir Dizengoff zu verdanken. Auch bei den Landeshehörden erbeute er sieh hohen Ansehens, seine Erfahrungen und sein Rat hatten in allgemeinen Angelegenheiten lies Landes Gewicht. Der jetzige High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, zählte sich zu seinen persönlichen Freunden. „Das Lied von Moses". Oratorium von Max Ettinger. Uraufführung in Berlin. Als harmonischer Abschluß der „ialik-Tage" wurde diese musikalisch-oratorische Darstellung des Lebens und Wirkens Moses' von der jüdischen Chor- und Orchester Vereinigung unter der Leitung Leo Kopfs /ur Uraufführung gebracht. Seitiasi zwei Jahren, seit Hugo Adlers „Balak und Bilam", kam w ieder ein I e b e n d e r jüdischer Tonsetzer mit einem größeren Werke Irl Berlin zu Gehör, das Monopol, das Brehms und Händel bei den Juden (nicht nur bei den Berliner Juden) haben, wurde durchbrochen. Max

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