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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-09-24 · 39 (24.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite '2 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 24. September 1936 Lebensform bezogen lind arbeiten mit einer Freudigkeit, die sie vordem nicht gekannt. Das verkümmert gewesene Selbstbewußtsein ist mit jeder neuen Bereicherung ihrer Beziehung ZU jüdischen Dingen gewachsen: sie fühlen wieder die Geschlossenheit des Wesens, die dem Juden innere Sicherheit verleiht. Yicfr;nsii<Ti klagen üaniper, daß ihnen dic$< Wandlung nicht gelungen ist. Nicht ohne Neid blicken sie auf die, die immer unentwegt auf jüdischem Wege gegangen waren und dadurch Wider- Standskraft genug besaßen, um sich nicht beirren ZU lassen, während der Sturm die anderen rüttelte und erschütterte; und auf die, die verstanden und begriffen, wohin sie uraltes Gesetz gestellt hatte. Aber sie rechtfertigen sich vor sich und anderen damit, daß es ihnen als gereiften Menschen unmöglich sei, ihre Vergangenheit ZU ver- Ic'üguviT und v.ui'üCkzüiWiiielT." ' ihnen erzählt das Büch des Propheten Jona von der sittlichen Kraft des Menschen, eine neue Richtung ein/uschlagen. Jona predigte in Ninive, redete den Menschen ZU Herzen, daß sie, vom Irrtum gefangen, ihre Pflicht verkannt, daß sie böse gehandelt hatten. Und sein Ruf verhallte nicht. Der König der Stadt erhob sich von seinem I hrone und ging den Bürgern mit dem Beispiel büßender Umkehr voran und bewirkte, daß sie alle umkehrten. Sie vermochten, groß genug ZU denken, um keine Scheu vor vermeintlicher Untreue gegenüber ihrer früheren Haltung zu empfinden. Sie öffneten ihren Sinn der Weisung, die ihnen das gftttliche Wort brachte und erneuerten sich selbst in der sittlichen Umformung. Es gibt, das ist die tiefe Lehre des Piophetcnhuches, keinen verderblicheren Irrtum, als den, daß dem Menschen die Hinwendung ZU neuer Erkenntnis unmöglich sei! Es ist gewiß nicht leicht, einen Weg zu verlassen, den man lange verfolgt hat, eine Anschauung preiszugeben, zu der man sich gerne bekannt hat. Aber das Ziel, das nach solchem Ringen und Sichbezwingen winkt, ist so gewaltig, Winterhilfe! Anträge auf Unterstützung aus der Winterhilfe werden bei uns an folgenden lagen entgegengenommen. Buchstabe A (i Montag, dem 28. ü. |yjb von 2—1 4 Uhr, H—P Dienstag, .. 2Q o. io'tf> .. ' ..! "t y—£ Mittwoch «» " ur<h i ") > 52 Stempelkarte? Fürsorgeausweis und Familienbuch sind mitzubringen. Leipzig, den 22. September 1936. Wohlfahrtsamt der israelitischen Religjonsgemeiude zu Leipzig. ^^^^^^^^^^^^t^^^^^m^m^^^m^^^^^mm^m—Bmmm^^m^^^^^^^mm^^mtmämm^^mmmi^^m^m daß es den Kampf lohnt. Denn nichts Geringeres wird erreicht, als die Befreiung des Selbst von allem störenden Fremden. Juden auf der Flucht vor Gott haben die wcrtypBstej} Kräfte jhVffl .¥ffWf, eingebüßt; sie wiederzuerlangen ist der schönste und reichste Gewinn, den Menschen erstreben können. Und es ist möglich, sich ZU wandeln. Und um so leichter in einer 7eit, in der beharrliche Weigerung dazu führen muß, an dem inneren Riß zu verbluten. So mag die Gefahr gedeutet werden, die Jona den Bürgern von Ninive vor die Seele stellte: Juden, denen die Zugehörigkeit zu unserer Gemeinschaft so mannigfache Ausschaltung gebracht hat, können keinen Bestand haben, wenn sie sich nicht innerlich dem zugehörig fühlen, was ihre Sonderstellung bedingt. Jörn haKippurim will die Umkehr, die der Erlösung, dem Frieden den Wey bahnen will. Weit mehr als in früherer Zeit sollte diese jüdische Lehre heute in unserer Gemeinschaft Verständnis finden und. zur Verwirklichung aufrufen. Es ist uns gegeben, manches für die Förderung des Friedens um uns zu tun. Unendlicher Gewinn aber kann der Tag für den inneren Frieden bringen: festige:: die Glaubeustreuen, anspornen die Lauen, erwecken die abseits Stehenden, daß sie ihr Judesein neu begreifen und verwirklichen lernen und damit sich selbst und den Frieden wiederfinden. Verteidigung und Aufbau. Von der Leipziger Zionistischen Vereinigung geht uns ein von Adolf Pollak, Jerusalem, verfaßter Aufruf zu, dem wii folgende beachtenswerten Ausführungen entnehmen: In Palästina verteidigen sich seit über vier Monaten vierhundert tausend Juden gegen eine Obermacht, und die Form ihrer Verteidigung ist eine außergewöhnliche: sie stehen zusammen, bewahren ihre Ruhe und wehren Angriffe ab. Diese vierhundci (tausend luden, die nur zweieinhalb Prozent der Gesamtjudenheit sind, verteidigen aber nicht nur sich und ihre Existenz, sondern auch das von ihnen in heroischer Art Geschaffene... In diesem einzigartigen Kampfe wird aber nicht nur um reale Werte, sondern um Ehre, Würde und eine gesicherte Zukunft des ganzen jüdischen Volkes gerungen. Der Aufbau einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ist ein schweres Werk, das weiß niemand besser als diejenigen, die wirklich daran teilnehmen. In all den Jahren des Aufbaus haben wir eine Erkenntnis gewonnen, die durch die Tatsachen immer wieder bestätigt wird: Mit den wachsenden Schwierigkeiten wachsen unsere Kräfte. Auch die jetzigen Geschehnisse sind ein Beweis dafür. . . . Ohne den Ernst und die Gefahren der heutigen Lage zu unterschätzen, darf festgestellt werden, daß wir in den durch die Kraft des jüdischen Volkes wsrt» .ff......» Positionen Bollwerke besitzen, I l v l VI 1 .. I . i i . sonde auch Aufbau vor. entscheidender Bedeutung sind. Diese Positionen su zu stärken, daß sie unerschütterlich sind, ist nicht nur das Ziel den Jisrhuw, sondern die zentrale Aufgabe des jüdischen Volkes. Zu keiner Zeit hat sich die Bedeutung und Wichtigkeit des nationalen Bodens in Palästina so deutlich erwiesen, als in der gegenwärtigen Lage. . . . Wenn das jüdische Volk in der Vergangenheit mehr Verständnis für die grundlegende Bedeutung des nationalen Bodens gehabt hätte, so stünden wir heute noch ganz anders da . . . Was wir versäumt haben, müssen wir jetzt nachholen, und auch dafür wird der Notstand - i'1 Palästina und im Galuth — ein starker Antrieb sein. In den letzten drei Jahren ist ein starkes Band zwischen Palästina und den Juden Deutschlands entstanden. Fast jede judische Familie hat nächste Angehörige, Freunde und Bekannte im Laude. Die besondere Situation, in der sich die aus Deutschland nach Palästina einwandernden Juden befinden, hat sich in der Haltung des jüdischen Palastina gegenüber diesem Teil der Olim dokumentiert. Bedeutend ist die Leistung, die der Keren Kajemeth durch Bestellung von Boden für landwirtschaftliche und vorstadtische Siedlungen, Hilfswirtschaften, Erziehungsanstalten, Ai hciterlager und Bauplätze vollbracht hat. Andererseits hat das deutsche Judentum in dieser Zeil erkannt, daß diese Leistung nur ermöglicht wird, wenn man an der Erlösung des Bodens Anteil nimmt. In vorbildlicher Weise haben weite jüdische Schichten in Deutschland schon bisher ihre nationale Pflicht gegenüber Palästina erfüllt. Auch bei der jetzigen großen Aktion, wo es sich darum handelt, den durch die Unruhen herbeigeführten Rückschlag durch verstärkte Aufbauarbeit wettzumachen, wird sich die Opferwilligkeit der Juden 1 Deutschlands bewähren. Form und Inhalt. Vom Landesverband Mittcisarhsen gehen uns Ausführungen über den . Jüdischen Centralverein" zu, die uacli der jüngst erfolgten Satzungs- und Namensänderung Grundsätze und Arbeit des Vereins dartun. Wir entnehmen dem Aufsatz folgende Abschnitte: Die innere und äußere Wandlung des in Deutschland lebenden Judentums stellt sich als ein Ereignis von geschichtlichem Ausmaß dar. Diese nicht allen Juden von Anbeginn bewußte Tatsache ruht auf uns als eine uralte, immer neu zu erfüllende Forderung: In Israel soll sich jeder einzelne für die Gesamtheit verantwortlich fühlen. Die Organisationen des Judentums sind lebendiger Ausdruck dieser Forderung, In ihnen sind nicht nur die Menschen einer bestimmten Willensrichtung, eines mehr oder weniger fest umrissenen Zieles vereinigt, sondern hier wirken d i e jüdischen Menschen, deren geistige und seelische Grundhaltung jenen einheitlichen Willen formt, der da> Judentum auf seinem Jahrtausende alten Weg durch die Zeiten immer wieder das Haupt hat erheben lassen, r-s i«* der W :!! c 7. v, m J u ü c ü i ii in , z um Glauben der Vater, ' u i ü e > a h u n g j ü d i s c her Schicksals? e m e i n sY h a t ii bei Rhu m und Zeit hinaus. Nicht ohne Reibung haben die großen jüdischen Organisationen ihre Arbeitsgebiete im jüdischen Raum gegeneinander abgegrenzt, ihre Arbeitsmethoden konzentriert, ihre Leistungen verstärkt. Welcher Art und welchen Umfangs diese Leistungen sind, die nach außen nicht immer zutage treten, dafür ist die Tätigkeit des C. V., der sich soeben als Jüdischer Cent raiverein von neuem den Juden jüdische Schulen. Schulgeld und Heizungsbeitrag. In den Wintcrmonatcn Oktober bis März ist für jedes Kind ein monatlicher Beitrag zu den Heizungskosten von RM. i.— zu zahlen. I )ieser Beitrag ist auch von Freischülern zu zahlen. Das Schulgeld und der Heizungsbeitrag für den Monat Oktober WM) ist bij zum 7. Oktober IQ'Jb zu entrichten. Diejenigen Kinder, für die Schulgeld und Heizungsbeitrag nicht pünktlich gezahlt wird, werden nicht mehr zum Unterricht zugelassen. Rückstände werden gerichtlich beigetrieben. SchüicrunSallversiclierung. Es wird ilarauf hingewiesen, daß zu Schulbeginn nach den Herbstferien die zweite Hälfte des Versicherungsbeitrages, RM. 1.— pro Kind, durch die Klassenlehrer eingesammelt wird. Leipzig, den 25. September!Q36. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V.

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