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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-09-24 · 39 (24.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 39 Auflage 3500 Stück \S ic 24. September 1936 DER 3S R AE LIT4*-C4U^—1- RELIGIONSGEMEINDE ZU LC Kffc U DER GEMEINDEVERWALTUNG Durch das Ableben des Herrn n r*n « Willy juowy sind wir in tiefe Trauer versetzt worden. Der Dahingeschiedene gehörte seit einigen Jahren der Körperschaft unserer Gemeindeverordneten an nnd hat sich durch seine rege Mitarbeit und selbstlose Hingabe der größten Achtung und Wertschätzung erfreut. Dankbar gedenken wir seiner Tätigkeit bei der Erfüllung unserer Gemeindeaufgaben. Sein Wirken wird in unserer Gemeinde unvergessen bleiben. Leipzig, den 23. September 1936. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Jona. Zum Versöhnungsfeste. Von Rabbiner (Justav Cohn. Eine der machtvollsten Triebkräfte für die Religion ist das Sehnen nach' Erlösung. Der Mensch, der die Wirklichkeit erführt, wird immer von neuem durch die Erkenntnis erschüttert, welch eine tiefe Kluft ihn von dem friedvollen Dasein trennt, das er als Erfüllung wahren Lebens im (leiste sieht. Als f esseln empfindet er Lebensumstände, die mächtiger sind als seiifc Wille; denn in der Gestaltung seiner Tage ist er unfrei, weil er inmitten einer Menschenwelt lebt, die ihn auf Schritt und Tritt hemmt; Widerstreit der Interessen, der Charaktere, der Verhältnisse drängen ihn in Bahnen, denen er irerne errtflfetien wurde Und nicht 'Uletrt Widerstreit im . - iwii iiiiirir'n iastet drückend aui ihm und raubt ihm die* Ruhe, Aus all solcher störenden Einengung verlangt er Befreiung: Erlösung zum Frieden um sich und in sich. Dii<. Judentum kommt diesem religiösen Anspruch durch seine Versöhnungslehre entgegen. Wird auch der verheißene einstige allgemeine Frieden auf Erden von Gott herbeigeführt, so ist doch dem Menschen die grolle Kraft verliehen, mit der Verwirklichung der Versöhnungsidee auch dem Erlösungssehnen in vielem zu genügen. Dab der Friede der Menschen nur ein Traum, nicht ein Vorhandenes ist, wird ja nicht zum wenigsten durch die Menschen verschuldet, die nicht miteinander, sondern gegeneinander leben; daß der innere Frieden im Menschen so oft gestört ist. liegt in der Schuld begründet, mit der er selbst sich belastet, indem er nicht immer dem Rufe der Seele /um Guten und Wahren folgt. So oft eine Entzweiung, ^ine inner'.1 oder eine von anderen Menschet! trennende, durch eine Versöhnung überwunden wird, tritt befreiende Erlösung ein. Und das möchte immer wieder der Jörn haKippurim herbeiführen. Herbeiführen durch nichts Geringeres, nein, durch nichts Schwereres als durch die Erweckimg der Erkenntnis von der eigenen Schuld und der Wandlung /um Böseren. Umkehr nennt es die Sprache des liiHrhtnrrv: ^.uf'^eschlosseHheit für die Ma!'.:::::: sehen zu suchen, und Festigkeit in dem Willen, diesen Weg zu betreten und auf ihm zu verharren. Als eines der Mittel, solche Umkehr zu fordern, ist es seit ültcisliei Brauch, am Versöhnungstege das Prophetenbuch Jona zu verlesen. Mit feiner Menschenkenntnis haben die Lehrer weit zurückliegender Vergangenheit gerade diesen schlichten, ja naiven Bericht über die Sendung eines Gotteskünders gewählt, weil er durch seine Ursprünglichkeit wie überzeugendes Beispiel wirkt, üb man die wunderhaften Einzelbegebenheiten als Tatsachen gläubig aufnimmt oder in ihnen märchenhafte Züge erblickt: zwei Momente leuchten «o unwiderleglich aus dem Buche hervor, daß sie ihren Eindruck auf den Leser nicht verfehlen können. Jona erhält den Auftrag, der Bevölkerung von Ninive ihren sträflichen Lebenswandel vorzuhalten und sie zu« Unikehi *uliuruftu. Li wi«i sicn dieser j»enflunr* entzteheri -.*■»•.- y wird zu der Einsicht gedrängt, daß er nicht entfliehen kann. Eine Stunde der Bedrängnis kommt über ihn, in der er eingestehen muß: ich hin rm Hebfäci und dem Göll»: des iiiuuneis und der Erde diene ich. Der Mensch darf, nein, kann sich nicht ungestraft vor sich seihst verleugnen. Wer es versucht, zerbricht daran. Das kommt dem Gottesboten zum beschämenden Bewußtsein, als ihm die heidnischen Männer sein Gewissen wecken, ihm seinen Frevel vorhalten, daß ei au; der Flucht vor Gott sei. Das ist die Erkenntnis, die zahlreiche Juden in den letzten Jahren zur Selbstbesinnung geführt hat. Unerhört viele, wertvolle jüdische Menschen hatten sich aut der Flucht vor dem Judentum von ihrem eigensten Wesen entfernt. Jüdisches Qesetz und Brauchtum war ihnen etwas Fremdes geworden; teils weil man es sie nicht gelehrt hatte; teils auch aus eigenem Entschluß: die einen wie die anderen oft nicht abgeneigt, all das mit Hohn und Spott von sie 11 /u weisen, jüdische Ideenwelt, jüdische Geschichte und Kenntnis jüdischen Schrifttums schoben <ie beiseite; sie waren unwillig, wenn sie an ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft erinnert wurden. Dann aber, als diese Tatsache ihnen unüberhörbar zugerufen wurde, erwachte in ihnen was sie eingeschläfert hatten, und mit hingebendem Eifer gingen sie nun daran, ihr Selbst wieder zu harmonisieren: sie sprechen oft aufrichtig beglückt davon, wie sie sieh wieüei gvitmuen naher», sie zum f rieden, Entschließungsbereitschaft, den Weg hin zu dun Menhaben bereitwillig ihren Posten bei unserem Neubau jüdischer

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