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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-09-11 · 37/38 (11.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
37/38 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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11. September1936 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIO Seite 3 Tag, eine kurze Vorbereitung zu gehen, die an den Sinn der herrlichen Worte heranführen und in Verbindung mit einer Übersetzung, die doch woh! den meisten zur Hand ist, Ja-, Verständnis dicsci Ifflti.!••••»» r>r*nKrrnr>\trn urM l\MIIUUtl^ ^1 IIIUgllVUl.ll jeremia, der Säuger unserer ergreifenden Klagelieder, der Prophet des nahenden Untergangs, dessen Worte und Reden zumeist in den düstersten Farben gehalten sind, hat uns auch einige Reden geschenkt, in denen er in gttgegebener überströmender Begeisterung das einmal doch eintreffende Heil unseres Volkes weissagt. Gerade auf dem dunkeln Hintergrund seiner übrigen Prophezeiung heben sich diese Trostkapitel um so strahlender ab. Eines dieser Kapitel ist das zuiiiaphtarah 'des zweiten Rösch-Haschanah Tages bestimmte 31. Kapitel. Seine Auswahl für diese Stelle verdankt das Kapitel zunächst der Tatsache, daß es in seiner Mitte, an dem Punkt, wo die Haphtarah endet, einen jener Sätze enthält, die hl d<.i Mussaph-T'phülah des Rosch-Haschanah-Fcstcs als Schrittbeweise tur den Gedanken der „Sichronoth" angeführt werden, jener Sätze aus dem Schrifttum, die Ott als den in Liebe Gedenkenden zeigen wollen. Auf diesen Satz aber als seinen gedanklichen Höhepunkt arbeitet das ganze Kapitel hin, und somit tritt das Kapitel in seiner Gesamtheit in Beziehung zu den Gedanken, die am Rosch-Hasehanah uns nahe sind. Mit einem großartigen Akkord setzt Jeremia ein. In der Völkerwüste /pr«;trf»iit( 'b**r doch sehen dem Schwert des Feindes entronnen, sieht er Israel der gttlichen Gnade teilhaftig werden. Und in schneller Steigerung zeigt er in lebendigen, jedem Hörenden sofort einleuchtenden Bildern die Gestaltung der frohen Zukunft. Wir hören geradezu die frohen Reigentänze, die beim Feste der Weinlese veranstaltet werden. Und die Freude geht über das rein Materielle alsbald hinaus: sie hört den langersehnten Ruf aus den Gebieten des Nordens, aus Ephraims Reich, das von Zion-Jerusalcm einst sich gelöst hatte: Auf, laßt uns wieder ziehen nach Zion ins Haus unseres Gttes! Denn dorthin sieht der Seher den großen Zug des erlösten Volkes sich bewegen, das (ittes Gnade sammelt von den Enden der Erde, „aus dem Land des Nordens". Keiner, der zum Volke gehört, ist von der Gnade der Erlösung ausgeschlossen, auch der Gebrechliche wird teilnehmen können. Zwar werden Tränen diesen Zug begleiten, aber es sind nicht Tränen des Schmerzes und der Trauer, sondern ein Weinen der Rührung, ein Flehen der von dem Erlebnis der Erlösung überwältigten ist es, das Jeremia hört. Und wieder ist der Gedanke, der aus Gttes Offenbarung ihn bewegt, daß Gtt „Israel ein Vater und Ephraim sein Erstgeborener ist*'. Weithin in die Welt verbreitet sich die Nachricht, daß der Zerstreuer Israels seine Herde auch wieder sammelt, und dieser Nachricht an die Völkerwelt draußen steht gegenüber das Bild des auf Zions Höhen zusammengeströmten Volkes, dem min auch die materiellen Segnungen nicht weiter versagt bleiben sollen. Alle Trauer und aller Kummer werden schwinden und in helle Freude und Jubel sieh wandeln. Mit der Qedanken* und Sprsrhgpwiilt d'S'gttHcfl bfgtt&dtten Pro pheten reißt Jeremia dann den Blick des mit ihm Sehenden und das Ohr des mit ihm Hörenden zurück in seine Zeit oder doch in die Zeit vor der Erlösung. An einem nicht zu übertreffenden Bild wird die Lage des nicht erlosten Volkes gezeigt. Mutter Rahel sitzt und weint uner ihre Kinder, weigert sieh, Trost anzunehmen. Mutter Rahel als Symbol besonders jener Volkstcüe, die den ihr zugezählten Stämmen Josephs, vor allem Ephraim angehören. Sind es doch diese Stämme, die zuerst das Schicksal der Verbannung tragen mußten, sind es doch diese Stämme, um die schon in Jeremias Zeiten der noch im Land befindliche Volksteil Inda in brennender Sehnsucht bangte.— Nur einen Augenblick wird unser Blick zurückgeworfen. Denn sofort vernehmen, wir..die. gttliche Antwort an-Mutter-Rahel.-Laßab vom Weinen, „es gibt eine Hoffnung für Deine Zukunft". Und als solle uns dieses Wort bekräftigt werden, hören wir die Worte, die das zurückkehrende Ephraim spricht, da es ringt um den Weg wieder zu Gtt hin, den es durch seine Schuld sich verbaut glaubt. Bewußt ist es sich aller Verfehlungen aus der Zeit seiner Jugend, beschämt wartet es einen Bescheid aus Gttes Mund ab. Aber nicht schöner, nicht aufrichtiger kann die Autwort ergehen als in jenen herrlichen Worten der Liebe, die Jeremia als Ausspruch Gttes verkündet: „Ist nicht ein Liehliiigssohn mir Ephraim, nicht ein Kind der Liebkosung? Wenn immer ich von ihm rede, gedenke, ja gedenke kh sein! Darum regt sich mein Inneres für ihn, erbarmen, ja erbarmen will ich mich .. - *.. . i. tu -»v mit; Es ist ein ergreifendes Dokument der Liebe Gttes zum Menschen und zumal zum jüdischen Volke, das in diesen Sätzen Jeremias niedergelegt ist. Dieser Abschnitt gehört zu dem, was uns in allem Leid und in aller Not begleitet hat durch die Jahrtausende und uns immer wieder Kraft und Stärke gegeben hat, allen Stürmen zu trotzen in dem sicheren Bewußtsein, daß die Erlösungsverheißungen unserer Propheten wahr sind und eine bessere Zukunft uns erwartet. Wann wären solche Gedanken hesser am Platze als am Tag unseres Jahresanfangs, wenn wieder für einen Zeitabschnitt wir zurückblicken und wieder für ein neues Jahr wir das Dunkel der Zukunft wenigstens mit unseren Wünschen durchdringen wollen, und uns dabei wieder ins Gedächtnis zurückrufen können, daß ein liebender Gtt über uns wacht, daß sein r.r.ienken uns immer in unverminderter Liebe gilt. Wann aber könnten diese Gedanken uns mehr die einzige Antwort für unsere in Unruhe ringende Seele sein als in unseren Tagen, da die Lage unserer Brüder mehr als je, so scheint es wenigstens uns, verzweifelt und hoffnungslos ist! Wann wäre mehr am Platze die Botschaft an Mutter Rahel als in einer Zeit, da sie erneut allein und verlassen sitzen muß, da ihr Grab nicht einmal aufgesucht werden kann von den Scharen frommer Pilger, die über die Jahrtausende hinweg die ewige Zusammengehörigkeit aller Glieder des jüdischen Volkes lebendig zum Ausdruck gebracht haben. Ihr und in Wahrheit uns, die wir alle die weinende Mutter Rahel sind, gilt heute das Trostwort des Propheten: „Laß ab deine Stimme vom Weinen, deine Augen von den Tränen, es gibt einen I ..l... «____U i;;- j«:« w/:-»--- | f.* Off .....t ■ L Alti__. uOliil DwCn iui uiiii vuau1| aiftw »pitCiM wtt, unu LUXUCltKClUClt WCiden sie aus dem Land des Feindes!" Etwas über die svnaaoaalen Maindien •# *—• am Rausch-Haschonohfeste, Von Oberkantor S. Lampel. Es dürfte nicht unwillkommen sein, zum bevorstehenden Rausch- Haschonohfeste etwas über die Melodien dieser Tage zu erfahren. Ein jedes unserer Feste, ob fröhlichen Charakters wie die drei Wallfahrtsfestc, ob ernsten Charakters, wie Neujahrsfest und Versöhnungstag, ja sogar Chanukkah und Purim hat, musikalisch gesehen, eine eigene Note. Manche Melodien erscheinen dem aufmerksamen Ohre älter, manche ' man denke besonders an die dem deutsch-jüdischen Kulturkreise so sehr vertraute Moaus-zur- Melodie — jünger. Der feierliche Frnst der Jomim Nauroim, der erhabenen Tage, drückt sich verständlicherweise auch in der schönsten, ergreifendsten Synagogcnmusik aus. (Die Zeit, in der man glaubte, den durchaus christlichen Choral auch in der Synagoge singen zu dürfen, ist ja wohl vorüber und damit auch die Annahme, von jüdischem Geiste und jüdischem Temperament erfüllte Synagogeiiuiclodien im Tempo eines Chorals vortragen zu können.) Gewiß waren auch schon in alter Zeit die Klagen über die Unordnung in dem musikalischen Teile des jüdischen Gottesdienstes durchaus berechtigt, und dem Bestreben, hier Abhilfe zu schaffen, entsprang das erste gedruckte Notenwerk für die Synagoge: Schhe S:he!crnch, Lieder Salomes, von Salomonc de Rossi (gedruckt 152U in Venedig), eine Sammlung von 30 Nummern. Zwar fiel das Werk der Vergessenheit anheim, — erst 1877 wurde es durch den Pariser uberkantor S. Naumbourg wieder ans Licht gezogen —, doch war der Anfang gemacht, synagogalc Musik duren Noten zu fixieren, und seit ca. hundert Jahren ist auf diesem Gebiete viel Gutes geschaffen worden; man denke insbesondere an Sulzer, Lewandowski, Deutseh und an die noch Lebenden: Kirschner und Komitzer. Zurückgreifend auf altes, hie und da noch erhaltenes jüdisch-musikalisches Out haben diese Männer Neues geschaffen und beherrschen die 'syiagoge der Alten und Neuen Welt. Unseren Neujahrsgottesdienst — und an dieser Stelle soll ja von ihm besonders gesprochen werden durchziehen die sogenannten alten Kirchentonarten, aufgebaut auf Tonleitern, die sieh vom heutigen Dur und Moll sehr wesentlich unterscheiden. Sehr häutig trifft da die mixolydischc Leiter unser Ohr. Diese Leiter mit der charakteristischen kleinen Septime ist sowohl im Abendgottesdienst, als auch am Tage zu hören. Auch die zur Thora Autgerufenen singen sie (oder sollten sie singen). - Nach der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten (wenn auch nicht sehr alten) Einleitung

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