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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-08-07 · 32 (7.8.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
32 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite2__OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1G1QNSQEME1NDE ZU LEIPZIG _7. August 1936 Die Geschichte Tancreds erzählt von einem jungen Lord, der, unmittelbar nach seiner Mündigsprechung, Englands wie überhaupt des Abendlandes überdrüssig ist und insbesondere in (ilaubensdiugen seine eigenen absonderlichen Wege sucht. Dci junge Lord 1 anered Montacutc schlagt alle ihm gebotenen gesellschaftlichen und politischen Lrfolgsmöglichkciten aus, weil eine heimliche Sehnsucht meiner StcKc iiiii zu jenem Hoden zieht wn Ofttt sich .u... «-lomi Male einem Volke — seinem Volke offenbart hat. Der junge Lord, dessen feurigen Schwärmergeist mau unschwer mit dem feurigen Schwärmergeist des jungen „Dizzi" identifizieren kann, trachtet darnach, in „uods own Country", „Gods own people" kennenzulernen. Der gefällige Zufall fügt es, daß ihm die*« Bekanntschaft in zwei ebenso charakteristischen wie edeln Persönlichkeiten zuteil wird: nämlich einem sehr schönen Mädchen und dessen Vater, einem sephardischen Bankier, au den ihn der Londoner Bankier Sidonia empfohlen hat, eine Lieblingsfigur pisnelk, verkörperte -GeUtigkeit,' und iiinegriff wirtschaftlicher Macht, ein Jude, der gleich den Rothschilds nichts von der Taufe wissen will, und den ein berühmtes Witzwort als „Disrothschild" qualifiziert. Seine junge Lordschaft verstrickt sich, trotzdem ihm vom väterlichen Hause alle militanten Und zivilen Schutzherren mitgegeben sind, in Palästina doch in alle mögliehen kriegerischen Abenteuer mit Beduinen-Scheichs und ihren Horden. Cr wird in Streitigkeiten zwischen Arabern, Dirken und Juden verwickelt, ist bald der Gefangene der einen und bald der anderen (iruppe, freundet sieh mit einem jungen Beduincnseheich an, der gleich ihm den Traum von der Beherrschung des fernen Ostens - allerdings unter der I ahne des Propheten , träumt, wird aber letzten Endes immer wiedei von der biblischen Landschaft und der Größe der biblischen Tradition bezwungen. Disraeli-Tancred, zu dem in Jerusalem die Steine der Jahrtausende reden und der sich von der glasklaren Luft der hochgefür steten Stadt ieicht berauscht fühlt, ohne daß er, der christlich erzogene Sproß sephardischer Juden, Israel und Ismael, sehr deutlieh voneinander zu unterscheiden vermag, gerät bei seinem jüdischen Gastfreunde, dem Bankier Besso, in eine große, prunkvolle Gesellschaft. Und Bessos schöne Tochter begrüßt ihn leicht mit ihrem Palmenzweig in ihrer Hand und spricht zu ihm: „Die Feier der hebräischen Weinlese, das Laubhüttenfest." Und Tancred-Disraeli fühlt und spricht es aus-: ,^Es gibt keine Weinberge mehr in Israel, aber die ewige Satzung verpflichtet die Kinder Israels, die Weinlese noch immer zu feiern. 11 n Volk, das die Weinlese w e i t c r feiert, a-u e h wenn es k c i u e Früchte mehr erntet, wird seine Weinberge w i e d e r - bekommen. Wie uncrbittlkh ist das Gesetz! Welch unbezähmbarer Geist lebt in dem Volk." „Die glücklicheren Sepharden, die Hebräer, die nie die sonnigen Gebiete um das Mittclmecr verließen, haben zwar ihr angestammtes Land verloren, aber in ihren schönen asiatischen Städten, in ihren maurischen und arabischen Gärten haben sie es leicht, sieh mit dem Sinn der Bräuche verbunden zu fühlen und einer gabenspendenden Natur zu huldigen. Aber vergegenwärtigt euch ein Kind Israels in dem schmutzigen Elendsviertel einer nordischen >t::;!t Scnnc iiit. eln< Traulw reift Und doch feiert, dei Jude "aticf: i.-.^i die Weinlese rdes, nür.'iürpen Palästina Da: gcoietct ihm. sieben läge in einer Laubhütte zu hausen, gebaut aus Zweigen dicker Bäume; und die Rabbinen haben ihn gelehrt, daß diese dicken Bäume die Palme, die Myrthe und die Trauci weide seien. Das Oesetz befiehlt, daß er die Frucht edler Bäume zu pflücken hat, und Aus sächsischen Gemeinden Tagung des Sächs. Israel. Gemeinde Verbandes in Dresden. In Dresden fand unter starker Beteiligung aus allen Gemeinden die diesjährige Tagung des Sächs. Israelitischen Gemeindeverbandes statt. Die Sitzung, in deren Leitung die Herren Carl Goldschmidt und Max Lesser sich teilten, erhielt besonderes Gewicht durch die Teilnahme des Herrn Dr. Franz Meyer vom Präsidialausschuß der Reichsvertretung. Einleitend sprach der Vorsitzende herzliehe Worte der Verbundenheit mit dem Aufbauwerk in Palästina und gedachte ferner der großen Toten des Jahres: Sokolow und Brodnitz. Die Prüfung und Riehtigsprechinig der Haushaltrcchnung für 1935 ertoigte, ebenso wie die Annahme des Haushaltplanes für 1936, einstimmig. (Die Laudcskasse für Wanderfursorge soll künftig als Organ in den Verband eingebaut werden ) Die bereits bei dvi \oi igen Sitzung beschlossene Disziplinarkammer wurde eingesetzt, über die kulturelle Betreuung der Kleingemeinden und du Diaspora- Siedlungen durch die Großgemeinden wurde berichtet. Es wurden Verbilligter oder freier Zutritt zum Besuche der Gemeindesynagoge oder des Zweiggottesdienstcs an uen hohen Feiertagen wird nur gewährt, wenn dies durch die Vermögens- und Einkommensverhältnisse herrninrlpt ict In Fäücn löt dt) tft- MrhA« Gecjch, dcöo^.i i\'a».ii|jiuiuiig uuren unser Wohlfahrtsamt vorbehalten bleibt, bis spätestens 28. August bei uns einzureichen. Leipzig Cl, den 4. August 1936, Der Vorstand Walter-BKimel-Str. 10, I. der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig. die Rabbinen erklären, daß das nur der Etrog sein kann. Seine I landelsbeziehungen ermöglichen ihm, oft mit beträchtlichen Kosten, ein paar Palmhlatter aus Kanaan zu besorgen, die er in der Synagoge schüttelt, mit demselben Ruf, mit dem einst die Menge den göttlichen Davidssprossen bei seinem Einzug in Jerusalem begrüßte. So feiern im fernen . Land die Abkommen, die Beduinen, die vor mein als dreitausend Jahren Kanaan eroberten, den Erfolg, der ihren Vorvätern zum ersten Mal Traum und Wein bescherte. Aber da ist einer geboren und aufgewachsen in der Judenstraße von Frankflirt oder im Nebel und Schmutz des Londoner Eastend; jeder Beschimpfung ausgesetzt, ohne Erziehung, ohne irgend etwas, was den Geschmack bilden, das Gefühl für das Schöne wecken könnte, nie mit Freundlichkeit behandelt, selten mit Gerechtigkeit, in niedriger oft entwürdigender Arbeitsfron, allem preisgegeben, was den Menschen schlecht macht, unter Lebensbedingungen, die kein Volk überstanden hätte, das nicht das ungemischte Blut der kaukasischen U-.\«ibewahrt hat und nicht dem Gesetze aes Moses gehorcht. Vergegenwärtigt euch solch ein Geschöpf, auf das ihr mit Vorurteil, Abneigung, Abscheu, vielleicht Haß herabseht. Der Herbst kommt, und in diesem Geschöpf erwacht die überschäumende Freude an der Lese der Traube in der Heimat des Weins. Er baut seine Laube neben seiner elenden Behausung, bedeckt sie dicht mit den schönsten Blumen und Früchten, die er sich beschaffen kann, die Myrthe und den Etrog nicht zu vergessen, und hängt an die Decke bunte Lampions. Nach der Synagoge ißt er mit seiner Frau und seinen Kindern zu Abend in der freien Luft, als wären sie in den heiteren Dörfern von Galiläa, unter dem milden Sternenhimmel des Südens. Dann spricht er den Kiddusch, den hebräischen Segen zum festlichen Mahl, bricht und verteilt das Brot und weiht mit einem Gebet den Becher Wein, den er hält. Oder er spricht das besondere Dankgebet des Wochenfestes, in dem er Gott für die Ernte preist, die seine Kinder nicht mehr pflücken, aber auch für sein Versprechen, daß sie es eines Tages wieder tun werden ..." ___ ________ _________Hier wird cter Dichter--ztmr Propheten und"hier"vereinigt sich der Prophet mit dem seherischen Staatsmann, der jene Wege weist, die dereinst erst sein junger Privatsekretär, James Arthui Balfour. zum Ziele führen wird. Disraeli, der Christ, hat — wie viele andere britische Staatsmänner - das echte und unverfälschte Judentum als die Mutter aller Religionen erkannt. Er hat mit dem inneren Auge den Wiederaufbau Palästinas durch jüdische Hände geschaut, und er hat keinen Zweifel darein gesetzt, daß die beiden semitischen Bruderstämme. luden und Araber, in Palästina einträchtig nebeneinander wohnen und schaffen werden. Eine großartige Vision, auch wenn sie in diesem Augenblick gefährdet seheint. Die Sehnsüchte und Träume des jungen „Tancrcd" dürfen i«il Fug für sich das Krcld auf Zeitiosir. keit. auf .ems ewige'Kontinuität der Dinge LumüiVriicrten. r.r.rr. wen» diese uingc im ö|jicgcl der Akuiaiitat gebrochen oder verzerrt erscheinen. Gerade jenen, die an der Zukunft von Erez Israel zweifeln oder verzweifeln mögen, sei die Lektüre von Disraeli» „Tancred" zwiefach empfohlen. Anregungen gegeben, in welcher Weise die getroffenen Maßnahmen (MitverpTlichtung von Rednern zu Gemeindevorträgen, Versendung von Bücherkisten der Gemeindebibliotheken, Erstattung von Fahrgeld zu Genieindeveranstaltungen) noch wirksamer gestaltet werden können. Im Anschluß an den Verwaltungsbericht des Vcrbandssyndiküs Dr. Saalheimer, in dem Fragen des Kirchensteuergesetzes, des Lastenausgleichs, der Sammlungen, der polizeilichen Meldungen, der Berufsfortbildung und der Landeswohlfahrts- und Jugendarbeit zur Sprache kamen, wurden mehrere Beschlüsse gefaßt: Entsprechend dem Vorschlag der Reichsvertretung werden die Gemeinden Sammlungen, die von der Reichsvertretung nicht ausdrücklich als vi wünscht bezeichnet sind, künftig nicht zulassen und ihre Mitglieder zur NichtbeteiligtUtg an diesen Sammlungen auffordern. Ferne! nahm der Verband die Vom Preußenverband vorgeschlagene Regelung des Ste-uciausgieichs bei hortzügeu an und schuf gleichzeitig eine entsprechende Meldeeinrichtung. Die Errichtung einer Jüdischen' Jugendherberge in Sachsen, wozu die Genehmigung der Reiehsjugeiidfulirung erforderlich ist, wird erwogen Rabbiner Dr. Weif rciciicrie über nie

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