Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 19 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 üEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 8. Mai 1936 des jiddisch, das vor. nahezu V5 der geüäftften jnueuiteit gesprochen, zumindesten verstanden wird, ist es nötig, eine Verbindung zu der Sprache zu suchen, die in dem wichtigen jüdischen Zentrum gesprocher. wird, ia Palästina; zu der Sprache, utc die größte Aussicht iiat, einst Geltung für die Weltjudenheit zu bekommen. Die Pflege dieser beiden Sprachen, die am ehesten imstande wären, ein festes Band um das jüdische Volk /u bilden, muß zur Hauptaufgabe unserer Kulturarbeit werden. Jede jüdische Vereinigung, welcher Art sie auch sei, muß sich bemühen, etwas dazu beizutragen. Ich möchte daher auch unserem Hilfsverein ans Herz legen, außer der eigentlichen Aufgabe, die ihm zugrunde liegt. Miß au dieser Kulturaiifgabe zu beteiligen. Noch befinden wir uns bei dieser Arbeit in Hui. \ rsrirhd.-tr! •.vir 1rv.jfw5nt1.-r.-rr [« ffemt.'»fif..ry.l fcng? Zeit den Zusammenhang mit dem Gallith judentum verloren hatten, den Anschluß an den sich in Bildung befindlichen Juden (oder vielleicht neuen Menschentyp überhaupt), wie er in Palästiaa heranreift, noch nicht gesucht haben, bedarf es unserer ganzen Kraft, der neuen Aufgabe gerecht zu werden. Hier handelt es sich nicht um ein Problem, das unser Verstand hervorgebracht hat, sondern um eine Folge des Erlebten in uns. und mögen wir willig oder unwillig sein, wir müssen uns eines Tages mit dichci Aiiuciegeniieii auseinandersetzen. Gewiß haben wir in dem ewigen Buche einen Boro Uuerscliupfficher höchster Erkenntnisse und Lebensbilder, und es bedarf keines Wortes, daß wir unseren Geist und unseren Willen immer wieder in seine Tiefen versenken müssen, aber jede Zeit braucht für ihr Erlebtes und Erlittenes neue Formen, um die wir als Gemeinschaft einer eigenen Welt mission ringen müssen! Unser gegenwärtiges Dasein in Westeuropa hat die materielle Grundlage unserer Existenz stark erschüttert, ja, sie bedingt und unbeständig gemacht. Sollte nicht diese Zeit, wie so oft in ähnlichen Abschnitten unserer Geschichte, dafür geeignet sein, durch Zusammenfassung der unvergänglichen, inneren Kräfte unter Hintansetzung wechselnder Gegensätze in uns, das entstehen zu lassen, was vor Jahrhunderten der Menschheit Richtung gegeben hat, was dem Schwankenden Halt vc-iiciiii und ihn zeitlos macht.-' Sollte nicht aus der Augleichung unserer Wesen, durch VerfJpfnm» in Ja», was ten unser U r i g ne s nannte, das entspringen können, was man als Idee be/eichnet? Wir können sie nicht erzwingen und nicht, erhaschen ..u i.- Wiiwn ab"r durch - Achtung- Und-Pflege unserer Ligcnaii, andererseits durch Erfassen der bewegenden Kräfte der uns zuweilen schmerzvoll umspannenden Umwelt, die Grundlage für diese Idee erschaffen! In dem kleinsten Dienst, den wir an unserer Mitwelt leisten, in der bescheidensten Milde, die wir anderen nngt deinen lassen, former. wir einen Baustein für das, was über unsere eigene Qual und Freude die Zeit überstrahlt, wir schaffen somit den Boden für die Idee und den Glauben an die wahre Menschlichkeit. Für jüdische Arbeit — für die Heimstätte der Juden. In der überaus starkbesuchten Synagoge Prinzrege ntcnstrnße fand eine Kundgebung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin „Für jüdische Arbeit für die Heimstätte der Juden" statt. Die Berliner Gemeinde als größte Deutschlands brachte damit ihre* Anteilnahme mit den jetzigen Geschehnissen in Palästina und ihre Verbundenheit mit dem JischuW zum Ausdruck. Der Vorsitzende der Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, nahm zu Beginn seiner Ausführungen Veranlassung, nach Abschluß des Winterhalbjahres der ganzen Gemeinde für die glänzende Durchführung der Winterhilfe Dank zu sagen. Er sprach sodann von den jüngsten Vorgängen in Palästina, die man nicht mit Unmut beantworten, aber auch nicht mit Schweigen übergehen soiie. Wieder, wie so oft, erscheinen, so sagte er, die Wochen zwischen Pessaeh und Schwuot wie eine Mahnung zur SejhsthewahTungi Zu. überwindende Schwierigkeiten, die uns nie iresrhreekt haben, werden auch jetzt das große Werk nicht hindern. Es müsse betont werden, so führte Direktor Stahl weiter aus, daß die von Juden im Lande bisher vollhracnte Leistung nur zum Fortschritt und Segen für alle gewesen ist und keinem Nichtjuden Schaden zugefügt hat. In einigen rein persönlichen Worten, von denen er wünschte, daß sie auch in Palästina gehört und verstanden werden sollten, erinnerte Direktor Stahl daran, daß er nach seiner Rückkehr aus dem Lande vor zwei Jahren an der gleichen Stelle neben der Anerkennung der großen Leistung in Palastina an zwei Dingen Kritik geübt habe: er habe verlangt, daß in den Kwuzot, in den Siedlungen und Städten die Religiosität mehr an Boden gewinnen solle, und er habe verurteilt, dr.w &.ric horfHfhPti <•'•••! an ' l.; ... uic Politik hi(tcitiM'C4Ugcn Warden; d*H steh jra scharf g*gweinander abgegrenzte Parteien bilden, die nicht geeignet seien, den Widerspruch zu anderen im Land lebenden Völkern in der Weise aufzuheben, wie dies erforderlich wäre. Im ersten Fall sei vielleicht inzwischen schon eine Besserung eingetreten, im zweiten wohl weniger. Es müsse für ein gutes Zusammenleben mit den anderen Völkern im Land gesorgt werden. Vor allem müßten die jungen Menschen, die Chaluzim, zu deren Arbeit sich Direktor Stahl in herzlichen Worten bekannte, ermahnt werden, Fehler, die anderswo Schaden angerichtet haben, nicht ins Land zu tragen. Direktor Stahl schloß seine Ansprache mit der Zusicherung der Anteilnahme und der Bereitschaft unserer Menschen hier, mit ihrer Kraft und ihrem Leben sich einzusetzen für die, die draußen für das künftige Glück der Juden schaffen. Rabbiner Dr. Max Wiener nannte die Veranstaltung ein Bekenntnis für das jüdische Erez Israel. Auf dieser Welt werde nichts Wertvolles geschenkt und wenn es ({«schenkt werde, sei es nicht wertvoll. So müsse auch dieses Land erworben werden. Wenn der Jischuw die Aufrichtung eines Volkes bedeuten soll, dann seien die Opfer Märtyrer, auf die wir in dem Bewußtsein sehen, daß unsere eigenste Sache auf dem Spick steht. Man dürfe nicht an das Einzelschicksal der nächsten Menschen denken, die jeder jetzt dort habe. Man dürfe nur hoffen, daß jeder einzelne in rechter'Haltung seine Pflicht gegenüber dem Land erfülle. Jeder müsse in dieser Zeit, da wir uns wieder zusammengefunden haben, dazu helfen, daß immer mehr Juden ir.r. Laad kommen. E» kcrfiuht nur auf das Wollen an und darauf, daß wir uns als jüdische Patrioten im religiösen Sinne bewähren. In Palästina werde ein natürliches Volk mit natürlicher Gliederung erst geschaffen. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee betonte in seiner Eigenschaft als Mitglied lies Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin das Bekenntnis, das die ' iemeinde auch mit der heutigen Veranstaltung zur Heimstätte in Palästina ablegen wolle. Wir alle seien einer ewigen Weltregelung unterstellt, die nicht den Frieden um jeden Preis kenne, sondern auch den Kampf um etwas, das errungen werden muß. Auf das Verhältnis zwischen Arabern und Juden übergehend, zog Dr. Klee eine historische Parallele: Isinael, der ältere Sohn Abrahams, hätte jetzt die historische Geste dem jüngeren Bruder gegenüber machen und in der gemeinsamen Erinnerung an den Vater Abraham ihm die Arme weit öffnen können; dies habe er versäumt Der Redner unterstrich, daß Palastina eine historische Notwendigkeit sei, der Schlußstein des ewigen Wanderns. Das jüdische Volk habe wie jedes andere das Recht auf eine Heimat und auch die Kraft, sie sich zu schaffen. Denn Grund zu diesem Anspruch seien nicht die üblich, aufgeführten politischen und wirtschaftlichen Argumente, sondern die Gesamtheit aller ersichtlichen Gründe, die aus dem historischen Leben des Volkes kommen. Das jüdische Volk will nur seine alte Heimat. Dr. Klee betonte, er wolle an dieser Stelle nicht politisieren, aber so viel wolle er sagen: wir seien nie intolerant gegen den Islam. Unser Wille sei hart, aber einfühlsam. Wir wollen die Freundschaff, werden aber den Kampf auch nicht scheuen. Wir werden unseren Weg mit dem Ernst von Menschen gehen, die gelernt haben, daß er Geschichte macht. In Palästina sei eine neue jüdische Kultur im Werden. Auch dies sei ein Schatz, den uns nehmen zu lassen, wir nicht bereit seien. Wir wollen niemand verdrängen, so sagte Dr. Klee zum Schluß, aber das jüdische Land, das mit eigenem Blut erworben isl, sei und bleibe jüdischer I \:,t „iMJ_„«l.-„«ll .. I '..., ' . ~ 1*. t * ■ ittni. itnl. r\ : ".........f. Wf :• «..»ai*!';•.' C:™;:: •. :■■ K.ltnuyCUUUg Vi Ji i Oil vJCo.iuj;v.ll uCS W1I1UUC1- •chen Chors und von Rezitationer. der bekannten Vortragsküastlcrir. Frau Edith Herrnstadt-Oettiugen unirahmt. Lag ba-Omer Der 3'J. Tag der Omer-Zählung zwischen dem 1. Pessach- und dem 1. Schwiios-Tage zählt zu den festlich hervorgehobenen Werktagen. In der Literatur taucht eine Erwähnung der Bedeutung dieses Tages erst im Mittelalter auf; daher ist Zuverlässiges über Entstellung und Bedeutung der Lag ba-Omer-Feier nicht auszusagen. Als Begründung wird in der Überlieferung in erster Reihe das Aufhören eines Massensterbens unter den Schulern Rabbi Akibas angeführt. Der in Osteuropa verbreitete Brauch, daß die Kinder, vom Schulbesuch befreit, mit einem Spielzeug in der Form einer Armbrust spielen, lenkt die Gedanken darauf, daß Lag ha-Omer Gedenktag eines mit Waffen errungenen Sieges ist; um welche Zeit es sich aber handelt, bleibt ungeklärt. Ii: Palästina wird der Lag ba-Omer u. a. durch eine Feier am Grabmale des R. Simon beu Jochai begangen: Nach der Annahme der Kabbalisteu gilt er als der Todestag des von ihnen als Verfasser des Sohar verehrten Mischna-Lehrers. Sie begehen ihn in einer bis zu ekstatischer Freude gesteigerten Stimmung, weil sie -dqn Tod als Aufstieg in die himmlische Sphäre betrachten. Über den Verlauf der Leier entnehmen wir dem Bande der S'-hockenbiieherei von Mnrit/ ziobel „Das Jahr des Juden" folgende kurze Schilderung: „Taugende von Pilgern aus Palästtüd und den NaeuiKn landein, ja seiusi