Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 18 (2.5.1936)
- Date
- 1936-05-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 2. Mai 1936 machen und die bahnweisenden Persönlichkeiten an die rechten Stellen zu setzen. Vor aüem ist er dem weitverbreiteten Vorurteile unterlegen, daß sowohl die literaturhistorische, wie die religionsgeschichtliche Durchforschung der biblischen Quellen zu gesicherten Ergebnissen geführt hahe. denen man ohne Bedenken vertrauen dürfe. Dali fast ausschließlich nichtjüdische Gewährsmänner zu Rate gezogen sind, mag der Verfasser dem Versagen jüdischer Forschung zur Last legen. in der Benutzung der Quellen leitet ihn durchweg die „höhere Bibelkritik"; alle Gegeninstanzen, wie die seit langem von Benno Jacob erhobenen, bleiben unbeachtet. Der „Priesterkodex" wird in. ein bereits fertiges Werk eingebaut, das Deuteronoüiiuiii isi untergeschoben, in den alteren Quellen haben wir es hier und da mit Geschichtsklitterung zu tun und zur Landnahme dienen „erfundene Rwftztitel". Die Stämme habe» möerrctt de» Auknlhalts in Ägypten keine gemeinsame Überlieferung, und wachsen zu Dank! Wohnsitz erstrebenswert erscheint. Keine dieser Behauptungen ist Unwidersprochen. Besonders verzeichnet erscheint aber das Werden und Wachsen des Gottesglaubens, sowohl in seinen geistigen Grundlagen als in seinen Institutionen, Riten und Brauchen; weniges, wie der Sabbai, findet mit Linschränkung Gnade, nur die Höhenlage der Ethik wird anerkannt. Nach Theilhaber würde eine Offenbarung eher ein Hemmschuh und ein Vorwurf sein. Wörtlich schreibt er (S. 46): „Wäre den Juden eine von Gott s< Ib^t offenbarte Religion zu- _eela.lltLn^.iJir_i{}.'[ilLa)st Jiöoute.juiia_iüclji_als_L!ri>IH.it fetern, ja man müßte sogar das immerwährende Sichverlieren an die niederen Kulte rügen." Woher Jisrael die Kraft nahm, sich gegen die Einflüsse von Babel, Ägypten, Midjan-Arabien, Kanaan, Aram, später Persien zu behaupten, UUÜ Statt in heillosen Synkretismus zu verfallen, einen erhabenen Glauben von Weltbedeutung zur Blüte zu bringen, bleibt unverständlich. Gern möchte Theilhaber der „bunten Reihe" der Propheten seit Arnos gerecht werden. „Die Größe der neuen Propheten liegt bereits in der Kraft ihrer sittlichen Persönlichkeit, in der Gewalt ihrer ethischen Forderungen, die den Umbruch der Nation einleiteten. Es handelt sich ... um die Vertiefung des Gedankens, daß Gott der Vertreter der Sittlichkeit, des Rechtes, der Wahrheit ist. An die Stelle der, reinen Machtfaktors, der dämonischen Gewalt, tritt in Gott die Verkörperung der Liebe, der Menschlichkeit, das Prinzip der Humanität" (S. 68). Daß diese Männer jedoch an die geniale Schöpfung Moses anknüpfen (der allerdings bei einem Gewährsmann wie Cduard Meyer ais ein nicht gerade „heroischer (!) Zauberer" erscheint), ist für ihn eine fromme Konstruktion (vermutlich Priesterbetrug), weil ja ein Herabsinken von einer bereits erklommenen 1 Söhe, die die Bibel immer wieder bezeugt, wider das Schema gradlinigen Fortschritts verstieße. So bleiben Theilhaber die genialen Entdeckungen der Einen, schöpferischen Allmacht, der Ebenbildlichkeit der Seele, der Einheit des Menschengeschlechts, der Bildlosigkeit Gcjttes, seiner erhabenen Heiligkeit als des Zieles des Einzelnen, und seiner Herrschaft auf Erden als des Zieles der Weltgeschichte belanglos, z. T. „nur erhabene Träum«»" Unser 7«»rwvor* k«nn«* uiti Mose nichts zu tun haben, weil es die späteste Zusammenfassung von sittlichen Gesetzen sei, nach dem Vorgange kultureller und ritueller. Im gesamten Priester-, Opfer- und Reinheitswesen, das hrsnnHt'rQ auf Mose und Aron zurückgeführt wird, kam? der Verfasser kaum einen zeitbedingten Wert anerkennen, da es seiner Meinung nach bis zuletzt in groben, z. T. niederen, abergläubischen Vorstellungen und Übungen verhaftet blieb. Mit Recht spricht Theilhaber wenigstens den Büchern Psalmen, Sprüche, H i o b, Hohelied und Prediger den Charakter zeitloser Literatur zu und bemerkt, daß der Einfluß der Apokalyptik und Pseudepigraphen sich im entstehenden Christentum, auswirkte. Jesu volkstümliche Größe findet der Verf. zutreffend darin, „daß er oft mit einem Satz, mit prägnanten Worten den Kern der Dinge berührt und wie ein H i 11 e 1, ein S c h a m m a i, das Leben gewissermaßen in einem Aphorismus einfängt". Erst seine Wendung vom Propheten zum Messias wurde verhängnisvoll. Doch hält er ihm zugute, daß er der übermäßigen Bewertung des Zeremonialgesetzes (Sabbat, Opfer, Speisegesetz) entgegengetreten sei; ist doch nach Theilhaber z. B. das Schemittajahr immer eine Belastung wirtschaftlicher Lebensinteressen des Landbaus gewesen, und warnt er Der Winter ging vorüber, Der Frühling zog in's Land; Die „jüdische Winterhilfe" Hat mit warmer, gütiger Hand Die vielen von ihr Betreuten Mit reichlichen Gaben bedacht, Dafür sei an dieser Stelle Ihr herzlichster Dank gebracht! H. A. Hnrh «-ifrjgvor dem unvernünftigen Festhalten an aiien Gesetzen „mit ihrem Heiligenschein" unter Hinweis auf Indien und China! luden als Inder und Chinesen! Dennoch läßt unser Geschichtsschreiber auch dem Talmud Geeinem Volke nurzusa.....um," weif''ihheii allen die Jorfaricbene a!» k. rechtigkeit widerfahren . Fr ist ihm „ein.-grandioser• Versuch- und eine küiiuiiai ersten Ranges, ein ganzes Volk einem ethischen Leben zuzuführen, dem göttlichen Gedanken in allem Religiösen, Wirtschaftlichen, Politischen, Rechnung zu tragen." „Hier schuf sich ein unterdrücktes Volk . . . ein eignes, seelisches Gebäude, ein geistiges I eben, das es bis zum letzten ergriff und mit Werten versah. Wir können diese intellektuelle Leistung in der absterbenden Kultur der Antike nicht genug würdigen." Näher auf sie einzugehen, lag nicht im Plan des Verfassers. Es bleibt uns noch übrig, der Beleuchtung zu gedenken, die üüi ehe biologischen, bcvulkcrungsstatistischeu und ökonomischen Fragen im Verlaufe seiner Darstellung fällt. Eine kluge Zurückhaltung übt er in der Frage nach der rassischen Zusammensetzung unseres Blutes; er weilt aber um den natürlichen Rasocnstolz eines edlen Volkes, die Treue gegen seine Geschlechtsregister und seine Sprache und die vereinzelt dastehende Aktion E s r a s zur Verhütung religiöser und sprachlicher Überfremdung. Besonnene Kritik übt Theilhaber an den Zahlenangaben der Bibel, wie an denen des Joseph us; seine Berechnung der Bevölkerungsziffern zu verschiedenen Zeiten haben größere Wahrscheinlichkeit. Die Menschenleere nach der babylonischen Eroberung lockte zur Wiederansiedlung, die römische Gewaltherrschaft dagegen trieb die Bewohner des noch" um 130 „jüdischen Landes" zur Massenflucht nach Babel. Die Erzeugnisse des Landes sind in harter Arbeit dem Boden und der Viehzucht abgewonnen; Brot, Wein. Öl, Flachs, Wolle, sämtliche Metalle, aber auch Kleidungsstücke, Teppiche, Purpurwaren, Seide. " Lande schuf keine Panier mußten eingeführt werden. Der Absatz Valuta; eine Konkurrenz mit billiger erzeugenden Getreideländern (Sizilien, Nordafrika) war unmöglich. Handwerk und körperliche Arbeit waren hochgeachtet, keine Spur von Trägern des Kapitalismus, geschweige ein Volk von Händlern. Dennoch gab es seit der Syrer- und Römerzeit auch ernste Spannungen zwischen Reich und Arm, Verschuldung durch Steuerdruck, Ausnutzung der Kraft der Armen; üppige Herodäer und habsüchtige, sadduzäisch gesinnte Hohepriester haben den letzten Konflikt mit Rom verschärft. Wenn Dr. Theilhaber uns im 2. B a n d e die Versuche der Wiederhcr.icdluug des Landes auf die Gegenwart -mit Eiöüvrung ihrer Aussichten darlegen-will, duif mau dessen Erscheinen mit Spannung erwarten. Jüdische Zeitschau. Reichsausstellung jüdischer Künstler im Jüdischen Museum zu Berlin. Am 2b. April wurde im Jüdischen Museum /u Berlin eine vom Sekretariat für Bildende Kunst im Reichsverband jüdischer Kulturbünde veranstaltete Ausstellung von Werken schaffender Künstler vor geladenen Gästen eröffnet. Von örtlichen Kommissionen wurden in den Städten Breslau, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim, München und Stuttgart Werke dort lebender Maler und Bildhauer ausgewählt, denen durch diese Ausstellung Gelegenheit geboten werden sollte, Berlin, dem jüdischen Zentrum des Reiches, ihre Arbeiten zu zeigen. Eine Jury, bestehend aus Prof. Erich Wolfsfeld, Joseph Batö, Alexander Öppler, Prof. Franz Landsberger und Rahel Wischnitzcr-Bernstcin, unterstützt durch Lisbet Cassircr und Dr. Max Osborn, bereiteten in Berlin die Ausstellung vor. Die Berliner jüdischen Künstler hatten auf eine Beteiligung verzichtet, um den beschränkten Raum ganz den Kollegen zur Verfügung zu halten. Bei der Eröffnung begrüßte Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee im Namen des Gcineindevorstnndes und. des Jüdischen Museumsvereines die Erschienenen. Wie das Palästinawerk, so führte er aus. durch die gegenwärtigen Ereignisse unberührt fort