Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 12 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968812-5972017--5859-4882045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELlGIONSGEMEiNDE ZU LEIPZIG 20. Min 19: 3 n i Winterhilfe. „Winterhilfe". - Ganz einfach klingt das Wort; „Winterhilfe", — Doch es birgt einen tiefen Hütt. In schwerer Zeit Voll Ernst und Bitterkeit Wir heute Sten n. Viel Not und Elend w?r um nn:i Co ojr.y.» * ff; ''d 7lfWv MmU Unseren Armen drum gilt unser Sorgen; . - Wer weiß, ob wir nicht selber morgen Auf fremde Hilfe angewiesen sind? Deshalb muß jeder helfen, ob Mann, ob Frau, ob Kind! Wir alle wollen Helfer sein, Damit Ihr Armen seht, Daß hinter Luch in festen ReiKn Die ganze Judenheit zusammensteht! Und so opfert alle, alle, Damit unser Ruf nicht leer verhalle: Kein Jude Opfer der Wintersnot, Jedem Kleidung, jedem Brot! Gewaltig klingt das Wort; „Winterhilfe"! (Aus dem Gemeinschaftswettkampf des Rundes Deutsch-Jüdischer Jugend, O. G. Leipzig; Mittlerengruppe - 14 Jahre). jüdische üfinferhiifen Postscheckkonto Nr. 20516 (Isr. Religionsgemeinde, Abt. Winterhilfe). Le'zte Winterhilfssammlung! Morgen findet die letzte Pfundsammlung In Form einer Bargeldsammlunp statt. Um'««eres Winter hüiibeireuten die Durchführung des Pessachfestes zu ermöglichen, wollen wir die eingehenden Gelder zu, Anschaffung von Pessachwaren verwenden. Es hat des halb keinen Zweck, daß Lebensmittel gespendet werden, da unsere Räume bereits am 20. d. Mts. von Chomez geräumt worden sind. Unsere P*undsammlungen han>n werimaöig denselben Ertrag wie unsere Eintopfsammlungen. Wir bitten, da die Oktober• Eintopfsammlung ausgefallen ist, zu dieser Sammlung den doppelten Betrag zu geben. An unsere Winterhilfsbetreuten! Unsere letzte Ausgabe von Lebensmitteln findet am 30. und 31. März 1936 in Form von Pessachwaren statt, da wir unseren Winterhilfsbetreuten die Durchführung des Pessachfestes ermöglichen wollen. Wir bitten daher, in den Wohnungen bereits ab 30. März Räume bereitzuhalten, in denen Pessachwaren bis zum Fest aufgehoben werden Di ü her felsl Hin de< r ei S/e tan An \V3 1IVJ tat \v\ lel ht M V sc ul Ml 6 R ti F n g 6 1! Das Wort „Schule" läßt zunächst den Begriff ernster Arheit anklingen, und zwar ernst« Arbeit der Lehrer und ihrer großen und schwierigen Aufgabe, Kinder zu Menschen zu bilden, und ernste Arbeit der Schüler bei Her großen und schweren Aufgabe für den kindlichen Geist, fremdes Wissen aufzunehmen, und für die kindliche Seele, sich einem Ganzen einzufügen. Eine Schule darf aber nicht den alleinigen Zweck verfolgen, Wissen zu vermitteln, und deshalb ist für den Geist einer Schule nicht nur da« Ergebnis ernster Prüfungen bezeichnend. In ganz besonderem Maße zeigt er sich auch, wenn die Oemeinsohaft von Schülern und Lehrern si'h zusammenschließt, um außerhalb des tätlichen notwendigen Gar ges des Unter itilits frohe Stunden schaffen uad ciue Feier zu gestalten, die Ausdruck des Geistes der Schule sein soll und ist. Die Leipziger jüdischen Schulen haben nach drei Jahren wieder einmal eine solche Probe abgelegt. In Ernsiem und Heiterem haben Lehrer und Schülerschaft in stundenlanger bunter Folge gezeigt, was sie können auf dem Gebiete, das an künstlerisches Schaffen angrenzt. Wieder einmal hat sich erwiesen, daß wirkliche reine Freude nur dann empfunden Und bereitet werden kann, wenn auch die frohe Sache ernst genommen wird. Und ernst hat bei allem Frohsinn jeder Mitwirkende seine Arbeit genommen, gleichgültig ob es der Lehrer war, der aus dem Rosenfeldschen Gedicht „Sturm" einen packenden melodramatischen Sprechchor gestaltet hat, oder ob es der kleine Schüler war, der mit seiner Trillerpfeife brav und akkurat der Rombergschen Kindersymphonic zu ihrer wahrhaft froh stimmenden Wirkung mit verhalf. Es ist unmöglich, jede einzelne dargebotene Leistung zu bezeichnen, und es ist auch unnötig; denn die ganze Feier war, was man selten findet, von einheitlichem Geist getragen. Sie zeugte von einem großen Verständnis der Lehrer für die Seele ihrer Zöglinge. Die Gefahi, die allen Kinderaufführungen innewohnt, nämlich das peinliche Gefühl, daß es sich um einen kind i s c h e n Versuch, sich wie Erwachsene zu geben, handelt, war in glücklichster Weise gebannt. Die Kinder spielten nicht kindisch, sondern kindlich. Die Stoffe, die sie gestalten sohlen, waren kindlich aufgefaßt, wie es ihrem Alter entsprach. Mit einem Wort: die Kinder spielten sich selbst, und dies ist wohl der eigentliche Grund, warum jeder, der dies mit erlebt hat, wirklich frohen Herzens die paar Stunden verbrachte. I I