Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 7 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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*• - fj OCIIC i UtMtlNUEbLAI I DER ISkAELITISCHFN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 14. Februar 1936 Wanderung in andere Länder systematisch und geordnet betrieben wird, und wir sind der Ansieht, daii die Kräfte der jüdischen Institutionen in Deutschland und die Hilfsbereitschaft des ausländischen Judentum« auch In den Dienst dieser Auswanderung zu stellen .-;ind. Wir haben uns von jeher und in der letzten Zeil in besonderem Matte bereit erklärt, an allen dieser Aufgabe gewidmeten Arbeiten teilzunehmen; es gilt, die großen Erfahrungen, die wir bei der Ausbildung und Auswanderung der Chshlzim und bei der Transferierung jüdischer Mittelstandsvcrmögcn nach Palästina gewonnen haben, fui die Aufgaben nutzbar zu machen, die jetzt im Interesse einer Auswanderung in andere Länder in Angriff genommen werden. Wir haben niemals ein AuswandcriMigsinöiiopol fiii Palästina gefordert oder vorgeschlagen. . Im. Ciegenteil haben wir e<?tft?. auch-im .Intet«, esse des Palästina-Aufbaues für nötig gehalten, da6 Menschen, die für Palästina keine Eignung oder keine Neigung haben, nach anderen Ländern auswandern können. Wir verlangen freilich den Primat für die Auswanderung nach Palästina, weil nur sie mehr und anderes ist als die Kettung einzelner jüdischer Individuen und zugleich auch nationalwirtschaftliche und nationalkulturelle Bedeutung hat. Über die Situation in der Frage der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Niehtzionisten machte Dr. Moses u. a. folgende Ausführungen: der verstärkte Anspruch der Zionisten auf Beeinflussung der gesamtjüdischen Arbeit in einem gewissen jüdischpolitischen Sinne akzentuierte den Gegensatz zwischen Zionisten und Niehtzionisten. Die Erkenntnis von der einzigartigen Bedeutung Palästinas als Einwandcruügäl&iid bei gewachsen und die Organisation des Keren Hajessod werde von einem immer grölleren Teil auch nichtzionistischer Juden als eigene Organisation empfunden. Andererseits hätten sich nach einer gewissen Anfangsperiode Widerstände gegen das Vordringen des zionistischen Einflusses geltend gemacht. Darum sei es notwendig geworden, ausdrücklich zu erklären, dal! dem Zionismus die sachliche Führung auf allen Lebensgebieten gebühre, auf denen zionistische Initiative den Juden Deutschlands neue Wege zu konstruktivem Aufbau und zu systematischer Hilfsarbeit gewiesen wohnen können oder wollen, erklären, daß sie es vorziehen, den Zionisten die Geschäfte ganz zu übergeben, so würden sie auch vor der Übernahme der vollen Verantwortung nicht zurückschrecken.!ü deu dreitägigen Verhandlungen des Delegiertentages wurde eine umfangreiche praktische Arbeit geleistet; in den ScIilulJansprachen. konnte ein Ausblick auf eine neue Arbeitsperiode gewiesen werden, die die Erfüllung der zionistischen Aufgaben in Deutschland in Zusammenarbeit mit dei Gcsaintheii uca deutschen Judentums entscheidend näherbringen soll. Zum Vorsitzenden der Z. V. f. D. wurde wiederum Dr. Siegfried Moses gewählt, dem nach erfolgter Wahl eine eindrucksvolle Vertrauenskundgebung zuteil wurde. Der neue Landesvorstand setzt sich aus 72 Mitgliedern zusammen. Aus der großen-Zaul wichtiger Resolutionen, "die beschlössen' wurden, sei nur eine im Wortlaut wiedergegeben: Appell an die Judenheit in Deutschland. „Der XXV. Delegiertentag der Z. V. f. D. wendet sich mit einem brüderlichen Appell an die Judenheit in Deutschland. Das jüdische Schicksal in einer Zeit historischer Wende und Wandlung der gesamten jüdischen Lebensgrundlage, in einer Zeit, wo große Massen des jüdischen Volkes in Bewegung und Wanderschaft geraten sind, und eine neue Form unserer Existenz aus eigener Kraft geschaffen werden muß, verlangt die Zusammenfassung aller jüdischen Energien für die Aufgabe der nationalen Erneuerung unseres Volkes, deren Krönung ein niedliches und kulturell schöpferisches jüdisches Nationalheim in Palästina sein soll. In der schweren Aufbauarbeit, deren Früchte allen Juden — und in der letzten Periode besonders such den Juden .Deutschlands — zugute kommen, bedarf der Zionismus, dessen schwere und verantwortungsvolle Aufgäben der Delegiertentag sichtbar hervortreten ließ, der Mitarbeit aller Juden. Kein Jude darf heute abseits stehen, wenn es gilt, an der jüdischen Zukunft mitzuarbeiten. Gerade in einer Zeit, in der nach einer Periode erstaunlichen ununterbrochenen Aufstiegs das Aufbauwerk in Palästina vor gewissen Schwierigkeiten steht, die der Delegiertentag rückhaltslos dargelegt, aber auch auf ihr wahres Maß zurückgeführt hat, bedarf es des Einsatzes aller Kräfte, um so mehr als die Stimme der Judenheit Deutschlands, die einen Ausweg für Tausende ihrer Menschen und insbesondere ihre Jugend sucht, gewiß nicht ungehört verhallen 7. w edetaebenadi Vermögen, IVeil des firmen JlolsuamM <mifl€rleidtireihmseintcs! Xu habe. Nunmehr sei der zionistische Kampf um Zubilligung des entscheidenden zionistischen Einflusses in eine neue Phase getreten. Die zionistische Organisation verlange jetzt die Führung in allen zentralen und örtlichen Körperschaften, die den Gesamtplan der }ftrt??chen Arbeit bestimmen. Wenn dieser Führuiigsanspiuch erst jetzt erhoben werde, so sei dies dadurch bedingt, dal! durch die Haltung der ganzen Judenheit Deutschlands in der Auswanderungsfrage die Berechtigung des zionistischen Programms nicht bloß in der Theorie, sondern auch in der Praxis erwiesen worden sei Die zionistische Organisation sei zur Zusammenarbeit mit den übrigen Gruppen silsviie k*.«•;«•, •*<>; sich an eine;;;'■ rmS'USfh«-* CinHui; noch nicht ge- Jüdische Zeitschau. Ludwig Holländer KVH Berlin kommt die Trauerkunde, daß Dr. Ludwig Holländer, der langjährige Direktoi und Syndikus des C. V., nach langem schweren Leiden am Sonntag, den >>. Februar, in die Ewigkeit abgerufen worden i<t. Mit Ludwig Holländer ist eine Persönlichkeit dahingegangen, die der deutschen Judenheit lange Zeit hindurch ihren Stempel aufgedrückt hat. Schon als Student setzte er sich mit Eifer und Hingabe für die Interessen seiner Glaubensgenossen ein. Nachdem er dann Anwalt geworden war, wurde er zum Syndikus des C. V; berufen. Hier riß Ludwig Hollände! kraft seiner überragenden Persönlichkeit sofort die Führimg an sich. Die deutsche Judenheit sah, dal! hier ein Mann mit ganz außergewöhnlichen Geistesgaben stand, der sieh nicht darauf beschrankte, die judeufrage nach überkommenen Begriffen zu betrachten, sondern der bis in die innersten Tiefen seines Wesens hinein stets aufs neue darüber nachdachte, wie dieses ungeheuer schwierige Problem zu lösen sei. Zeit seines Lebens blieb Ludwig Holländer so ein Suchender und mit sich Ringender. Er stellte an sich selbst in geistiger Beziehung die höchsten Anforderungen und verlangte dies auch von allen seinen Mitarbeitern. Die Entwicklung der Verhältnisse gestaltete sich für einen wird. Nur eine starke und geschlossene Zionistische Organisation, deren Mitglieder von dem Bewußtsei', persönlicher Verpflichtung und Verantwortung erfüllt sind, kann dieser geschichtlichen Aufgabe genügen. Durch den Anschluß an die Zionistische Organisation «iiü jeüci, dei zu uns kommt, nicht nur seinen Anteil an der grollen jüdischen Schöpfung unserer Zeit leisten, sondern auch das beglückende Bewußtsein empfangen, daß es über alle Not der ludenfrage hinweg einen Sinn und eine grolle Zukuufbperspcktive im Leben des jüdischen Volkes gibt. Das Wohl des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit ist unser höchstes Ziel. Darum rufen wir von diesem Delegiertentag alle Juden, in deren Herzen die Liebe zum Judentum nicht erloschen Ist. zur rcn-.ck-.r.ärncn Arbeit, Eiaretb«»"« in 'Ait vcn. i r.ccäor Hcrzl gesshaffene Zionistische Oigattisation. die durch feinte Kral* das jüdische Volk ZU einem neuen Leben führt." Mann wie für ihn besonders tragisch, und er sah sich infolge seines Immer stärker werdenden leidenden Zustandes dann gezwungen, nach der staatlichen Umwälzung in den Ruhestand zu treten; doch nahm er auch noch verschiedentlich Gelegenheit, in der Presse das Wort an die deutsche Judenheit zu richten. Auch in diesen Verlautbarungen blieb er keineswegs einseitig an allem hatten, was er früher für richtig gelullten hatte, sondern er fand Erkenntnis und Mut, sich auf die neue Zeit und ihre Forderungen einzustellen. Daß der Centraiverein zu einer grollen und bedeutenden Organisation geworden ist, ist Holländers ureigenstes Werk. Die kleine Monatsschrift „Im deutschen Reich'1 wurde unter ihm zur bedeutenden Woehenausgabe der C V.-Zeitung ausgebaut und von ihm aufs stärkste geistig beeinflußt i »er K. <.. sah in ihm ebenfalls den würdigsten Vertreter, den er an die Spitze seines Geschäftsausschusses stellen konnte. Im Qeneralkomitee der Großloge IJ. O. B. B. leistete Ludwig Holländei wertvollste Arbeit, auch im charitativen Sinne. Ludwig Holländer hat oftmals sein Wort an die deutsche Judenheit gerichtet, wie an die gesamte deutsche Öffentlichkeit,. Seine Stellung brachte es mit «ich, daß er so manchen Gegner hatte, jedoch keinen Feind. Vor der Ehrlichkeit seines Wollens und der Lauterkeit seiner Gesinnung verstummte auch der stärkste Gegner. Ludwig Holländer und sein Werk w erden in der deutschen Judenheit fortleben. Kurt Sabatzky.