Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 31. Januar 1936 den Landessprache gestellt werden, die Beantwortung erfolgt ausschiieljlich in hebräischer Sprache. Auf diese Weise wird die Zentralstelle nicht nur Informationen über das Leben in Eiez Israel in einer der Mentalität des Kindes angepaßten und in ihm verständlicher Form erteilen, sondern auch zur Verbreitung der hebräischen Sprache durch rege Korrespondenz beitragen, herner wird die z.entraisteiie die Korrespondenz, zwischen den Schulkindern in Erez. Israel und in der Diaspora vermitteln und für regelmäßige Beantwortung sorgen. Diese Briefe, von den Kindern selbst geschrieben und beantwortet, sollen natürlich nur in hebräischer Sprache abgefaßt sein. Die Briefe der Kinder sollen an den Waad Arzi Haker en Hakaymeth Leisrael, Tei-Aviv P. O. B. 738 gerichtet werden. Sie können aber auch an die Zentrale des Keren Kajemeth Lejisrael, Berlin W15, Meinekestr. 10, gericliiet werden, der sie dann jeweils nach Palästina weiterleitet. Rechtzeitige Abgabe der Steuerklärungen. Viele Fälle sind uns bekannt geworden, in denen GemeindcmitgTieder Hie von den Finanzämtern ihnen zugesandten Vordrucke zur Abgabe der Steuererklärung zur Kcichseinkom in en Steuer beiseitegelegt und nicht cflcolgl haben. Durch solche Vernachlässigung sind ihnen dann größte Unannehmlichkeiten erwachsen. Häufig verursachte es bei Ausländern unendliche Mühe, ein infolge dieses Versäumnisses schon eingeleitetes Ausweisungsverfahren zur Einstellung zu bringen. Wir möchten daher auf die sorgfältige Beachtung der von den Finanzämtern geforderten Vorschriften über Abgabe der Steuererklärung hinweisen.. In den nächsten Tagen werden den Steuerpflichtigen die Vordrucke /u den Steuererklärungen zugehen, die laut Bekanntmachung des Finanzamtes in der Zeit vom I, bis 29. Februar d. J. richtig ausgefüllt und unterschrieben abzugeben sind. Auch durch verspätete Abgabe der Steuererklärung können erhebliche Nachteile erwachsen. Bevorstehende Veranstaltungen 5. Februar: Gemeindeabend. 8. Februar: (icsellschaftsabend. 15. Februar: Verein jüd. Händler u. Reisender: Wohltätigkeitsabend. 26. Februar: Jüdischer Kulturbund: Dela Lipinskaja. 22. März: Collegium musicum: Synagogen-Konzert. 2b. März: Jüd. Kulturbund: Gastspiel des Hamburger Kulturbund- Theaters „Spiel im Schloß". Neue Bücher Wenn Ihr ins Land kommt... Zum 15. Schwat. Jugendbücherei des Keren Kajemeth Lejisroel. Berlin 1936 (Hechaluz-Verlay) Noch gerade rechtzeitig zum 15. Schwat erscheint ein in seiner Ausstattung wie in seiner Zusammenstellung sehr ansprechendes Büchlein, das ganz besonders für die Ausgestaltung von Feiern zum 15. Schwat wertvollste Anregungen gibt. Talmud-Legenden in Übersetzungen und Nachdichtungen, Erzählungen, in deren Mittelpunkt das Fest des Pflanzens steht, Gedichte und Lieder, zum Teil mit Noten, wechseln ab mit Hinweisen auf die Bedeutung dieses Volksfestes im alter. Israel, in der Cülili, wie im heutigen Crc/. israei. In äußerst geschickter Weise sind Quellen aus Mischna und Talmud in Iwrith, mit und ohne Vokalisation, mit und ohne deutsche Übertragung eingestreut, so daß das Büchlein in gleicher Weise unterhält und belehrt. Es wird von der Jugend mit Freude begrüßt werden. Die schöne Ausstattung macht es besonders auch als Geschenkbüchlein geeignet. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Dem Andenken David F r i c d 1 anders, dessen 1UU. Todestag jungst wiederkehrte ict (^?G capKpii pr^cnfpnpne r\r,»>i»»*it.f*f! .i«r v.»»»,."-"*.-:?, für die Geschichte du Juden ui Deutschland t' hiio Vcliap. Berlin W15^ Tewidmet Fachleute VQH Puf. Historiker PädsffOflren TIicg- / o ...... * ---— - . «**.», - ..*.»«•••»».«, i.^, * * , ■ 1 * *- iogen, Vertreter der älteren wie der jüngeren Generation, haben reiches, teilweise völlig neues, wissenschaftlich wertvolles Material zusammengetragen, das die vielseitige, nicht unumstrittene Persönlichkeit jenes Kämpfers und darüber hinaus das Zeitgeschehen zu charakterisieren hervorragend gecignel ist. Ernst F r a e n k e I stellt Friedländers Persönlichkeit in die geschichtliche Entwicklung und die Wandlung der geistigen Bildung um die Wende des 18. Jahrhunderts hinein und betont den nachhaltigen Einfluß, den Moses Mendelssohn auf David Friedländers Denken und Wirken gewann. Die vielfältigen, intensiven, zunächst nicht immer erfolgreichen Bemühungen Friedländers um die Fortentwicklung der staatsrechtlichen Stellung der Juden in Preußen in den 25 Jahren vor dem Edikt von 1812 legt Ismar Freund mit Hilfe von zum Teil erstmalig veröffentlichten Akten des Preußischen Geheimen Staatsarchivs dar. Die piece de resistance in Friedländers Leben, sein Sendschreiben an den Berliner Oberkonsistorialrat Probst Teller vom Jahre 1799, in dem der Vorschlag der Glaubensvereinigung unterhreitet wird, erfährt durch Ellen Littmann eine gründliche Darstellung. Der für die politische und geistige Situation der Juden der damaligen Zeit bezeichnende Briefwechsel, seine Vorgeschichte, sein Echo in christlichen und jüdischen Kreisen und die sich anschließende Literatur werden eingehend behandelt. Bisher unbekannte Gutachten und Briefe Friedländers hat Moritz Stern zusammengestellt; sie befassen sich u. a. eingehend mit dem Berliner jüdischen Schulwesen und mit der Umbildung des Gottesdienstes in den Synagogen. Ismar Elbogeü kennzeichnet in einem Spezialbcitrag Friedländers Übersetzung des Gebetbuches als ein typisches Werk der Aufklärung, jacob Jacobson stand der außerordentlich umfangreiche handschriftliche Nachlaß David Friedländers zur Verfügung; die wenigen hier gedruckten Proben, Familienbriefe und Ausarbeitungen lassen den Wunsch nach weiteren Veröffentlichungen aufkommen. Max Freudenthal behandelt in einem vielfach aut Archivakten und t-amilienpapiere gestutzten aufschlußreichen Artikel „Ein Geschlecht von Erziehern" das Werden und Wirken vieler aus der Sanderslebener Familie Heinemann stammender Pädagogen, die in ihren jüdischen Schulen in Deutschland und im Ausland neben dem überkommenen jüdischen religiösen Wissen auch allgemeines Bildungsgut vermittelten, es handelt sich dabei nicht um bleue Familiengeschichte, sondern um einen Tjedeutsamen Ausschnitt aus der Geschichte des jüdischen Erziehungswesens, in dem Friedender unbestrittene, zeitlich weiterwirkende Erfolge erzielt hat. Auch die zahlreichen Miszellen stehen im engen Zusammenhang zu David Fricui.iiidci und seiner Zeit. Besprechungen zahlreicher Neuerscheinungen bilden den Abschluß des reichhaltigen wertvollen Heftes. Neuerschienene Bücher. Stefan Zweig: Jeremias. Eine dramatische Dichtung in neun Bildern. Wien -Leipzig- Zürich 1936 (Herbert Reichner Verlag}. Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters. Mit zehn Bildtafeln. Wien -Leipzig—Zürich 1936 (Herbert Reichner Verlag). Vom Verfasser neubearbeitete Auflage. Stefan. Zweig: Arturo Toscanini. Ein Bildnis. 1936. (Herbert Reichner Verlag.) Alexander Lernet-Holenia: Der Herr von Paris. Eine Erzählung aus der Zeit der großen Revolution in Frankreich. 1936 (Herbert Reichner Verlag). Joseph Gregor: Rede auf Oskar Strnad. Wien—Leipzig—Zürich iQ3ö (Herbert Reichner Verlag). James Hilton: Leb wohl, alter Chips! Wien-Leipzig-Zürich 1936. (Herbert Reichner Verlag.) Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Heute muß zuerst wieder einmal ein „Loblied" auf die angestimmt werden, die das Wort „Sport" und „Jugend" so gerne und so begeistert hinausruten, bei denen aber in Wirklichkeit der Einsät? für sie erst da beginnt, wo er bei den wahren Sportlern schon längst aufgehört hat, denn der sonntägige Boxabend des „Bar Kochba" hätte noch einige Besucher mehr vertragen können. Die oben Erwähnten mögen sich einmal die Jugend zum Vorbild nehiTiCn) (Iis sich \vir!«!ic!i &*"ößtenteils ciuS Eintrittsgeld for**?^*'*^' prK#*t_ tcln muß und die dennoch als die immer Begeisterten so zahlreich die Galerie bevölkerte Die Kämpfe selbst brachten zum großen 1 eü hervorragenden Sport. Zum ersten Male stellten sich hier Schwergewichtler gegenüber, die für viele ein klein wenig Vorgeschmack dessen gewesen sein mögen, was sich die ganz Großen des Boxsports einander zu sagen haben: Deutsch vom „Makkahi"- Berlin besiegte hierin seinen Klubkameraden Friedmann. Das spannendste Treffen lieferten sich entschieden der II. Makkabiah-Sieger Franke-Berlin und der alte Haudegen Gabler-Chemnitz. Vollendete Technik bei beiden, der Berliner meist im Angriff, aber der Chemnitzer zeigte dafür, was richtige und kluge Deckungsai bdt heißt, den Punktsieg Frankes konnte er jedoch nicht verhindern. Von den Hiesigen war Nebeuzahl entschieden der größte Aktivposten, bewundernswert seine Art, den Gegner aus der Defensive heraus zu zermürben, so daß beim Ende der 3. Runde auch der Sieg der seine war. Heftler könnte man tatsächlich den Reinamen der ..Pechvogel" geben, voriges "lahr ctci're ihn in pfrtem „unbewachten Augenblick" durch ein an sich heriHellet k. u. die Niederiage, dieses Mai konnte er infolge Tiefsciiiags in der 2. Runde nicht durchhalten. Im Vergleich zu seinem vorletzten Kampf zeigte sich H. bedeutend verbessert, so daß er auch bis zum Schicksalstreffer klar in Führung lag. Sein Gegner, Ellstein-Chemnitz, mußte natürlich disqualifiziert werden, wodurch H. doch noch zum Sieger erklärt wurde. Wilkomirski schien nicht besonders bei Luft zu sein, ein Giüek für ihn, daß es nur über drei Runden ging, eine vierte hätte ihn wahrscheinlich unter sein dieswöchiges Unentschieden gegen Brand II-Berlin rutschc.i lassen. Brand I brauchte gegen Lieser I nicht völlig durchzustehen, da der Ringrichter diesen Kampf vorzeitig abbrach. Auch sein Bruder hatte das gleiche Pech, gegen einen „Goliath" antreten zu müssen, dennoch war der noch unerfahrene Kamlja-Chemnitz froh, es mit diesen drei Runden geschafft zu haben, zumal L. der technisch reifere Könner war. Dem hiesigen Süßkind setzte man auch nicht gerade einen Jungen seiner Art vor; der ihn fast um Kopfgröße überragende Berliner Tischhauer konnte dadurch leicht Sieger werden. Als Hauptattraktion gab es natürlich Kämpfe der ganz großen Kleinen, und konnte sich mancher ältere Boxer, besonders bei der Begegnung Lieser IV (genannt Mathäus)—Weiß, die bekannte Scheibe abschneiden. Im Eröffnungskampf des Abends wurde das Gegensätzliche des bisher Gesagten bewiesen, indem der kleine Weißkirch gegen den größeren Gradus die Oberhand behielt. Die leitende Hand über diesen Abend hielt der neue-und doch aite Obmann der Boxabteilung Leopold Gerson. dem Karl Frischer mit seiner großen Erfahrung als Ringrichter trefflich assistierte, in einer Art, die es ermöglichte, das große Programm in knapp zwei Stunden reibungslos durchzuführers.