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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1933-12-15 · 50 (15.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
9 (1933)
Issue
50 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 kann, ob für den gleichen Abend oder an einem unmittelbar voran« Bellenden oder folgenden Abend eine andere Veranstaltung vorgesehen ist. Es wurde weiterhin in Fallen, in denen ein schon belegter Abend von einer anderen Stelle besonders dringend gewünscht wird, auch! die Möglichkeit gegeben sein, eine Verständigung über eine Verlegung der einen oder anderen Veranstaltung herbeizuführen. Vom Vorstand! der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig ist demgemäß1 diese Anregung als sehr beachtenswert weitergegeben und befürwortet worden. Auch an dieser Stelle sei nochmals auf diese Einrichtung hingewiesen, deren Inanspruchnahme im eigensten Interesse der Veranstalter liegt. Für die Durchführung dieser Anregung hat sich auf Wunsch Oemeinderabbiner Cohn, Walter-Blümcl-Straße 10 (Fernruf J«t>ll) zur Verfügung gestellt, der entsprechende Meldungen entgegennimmt. Ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die jüdische Wohlfahrtsarbeit. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung haben sich in den letzten Monaten stark verschlechtert. Zur intensiveren Betreuung der einzelnen Hilfsbedürftigen brauchen wir weitere ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bereit sind und gelingend Zeit haben, sich in uneigennütziger Weise vier Arbeit zur Verfügung /u stellen. Für die neuen Mitarbeiter sind in den Wintermonaten Lehrgänge zur Anlernling geplant. Die von der Gemeinde Betreuten sollen in Bezirke aufgeteilt werden, die dann Pflegern und Pflegerinnen unterstellt werden. Dadurch wird eine bessere Kenntnis der häuslichen Verhältnisse erreicht werden. Uber die Zuteilung der Arbeit wird in einer größeren Besprechung Aufschlug gegeben. Die Bewerber müssen sich mindestens 1—2 Stunden täglich für soziale Arbeit freimachen. Es wäre angenehm, zu erfahren, ob und gegebenenfalls wo die Interessenten sozial bereits gearbeitet haben. Meldungen bitten wir schriftlich bei der Fürsorgeabteilung der israelitisch <*n Religionsgemeinde ZU Leipzig, Leipzig Cl. Walter-Blümel- Str. 10, bis zum 22. Dezember 1933, abgeben zu wollen. Jüdische Ar/te und Privatkassen. Die ,,Jüd. Rundsch." veröffentlicht nachstehende Zuschrift, die auch unsere Leser stark interessieren durfte: Die Deutsche K r a 11 k e n v e r s i c h e r u n g s - A. - (i. versendet an ihre sämtlichen Mitglieder neue allgemeine Versicherungsbedingungen mit einer Postkarte, auf der der Versicherungsnehmer den neuen Bedingungen zustimmen soll. In einem Begleitschreiben wird erklärt, es handle sich um eine geringfügige Abänderung der Tarife teilweise zugunsten des Versicherungsnehmers, und einzelner Bedingungen, deren genaue Lektüre empfohlen wird. Wohl die wenigsten Versicherungsnehmer vergleichen die drei umgedruckten Seiten Bedingungen mit den früheren Bedingungen, und es entgeht ihnen dann der äußerst wichtige § l<> Ziffer l, der lautet: „Die Erstattung von Rech n u u gen b e s t i in in t e r Ärzte kann abgelehnt werden. Line solche Maßnahme ist den Versicherungsnehmern des betreffenden Bezirkes oder Landteils durch besondere schriftliche Mitteilung bekannt/umachen und an den Verwaltungsstellen sichtbar auszuhängen. Von der Zustimmung der Mitteilung an erlischt die Verpflichtung der Gesellschaft für die Erstattung der Kosten von Behandlungen, die von jenem Zeitpunkt an durch den betreffenden Arzt neu aufgenommen werden." Es besteht in weiten Kreisen die Befürchtung, daß diese Bedingung zu dem Zwecke gemacht ist, um die judischen Ärzte weiter auszuschalten. Vielen Versicherungsnehmern dürfte diese Möglichkeit der Satzungsänderung entgangen sein, und es wäre daher zu empfehlen, daß auf der Karte das Einverständnis nur mit der Einschränkung erklärt wird, dali man § 16 Ziffer 1 der allgemeinen Versicherungsbedingungen ablehnt. In früheren Verlautbarungen wurde ausdrucklich betont, daß von den Versicherungskassen die Rechnungen jüdischer Arzte honoriert werden, wenn es sich um die Behandlung von Nichtariern handelt. Der oben zitierte Paragraph könnte eine Handhabe bieten, um von diesem allgemeinen (irundsatz abzugehen. Berufsmusiker und gute Amateure werden für das jüdische Streichorchester gesucht. Anmeldungen telefonisch Sonntag 9 II Uhr unter y>706. Nächste Probe Mittwoch, 13. Dezember, 20 Uhr, Elsterstr. 7, Erdgeschoß. Jüdischer Ausschuß für Kunstpflege. Jüdischer Frauenbund Ortsgruppe Leipzig. Der Vorstand der Ortsgruppe Leipzig des jüdischen Frauenbundes und Vertreterinnen der ihm angeschlossenen Vereine stehen jeden Dienstag nachmittag von I ') Uhr in den Räumen des Nähkurses (Walter-Blumel-Str. 10III r.) ihren Mitgliedern zwecks Aussprache und Beratung über Fragen sozialer, wirtschaftlicher, erzieherischer, aber auch rein personlicher Natur zur Verfügung. Diese Nachmittage sollen dem Zwecke dienen, den gerade in schweren Zeiten so notwendigen Kontakt zwischen Verstand und Mitgliedschaft zu vertiefen. 5. Bunter Abend zur Unterstützung jüdischer Künstler. Wer etwa geglaubt haben sollte, daß unsere jüdischen Kunstler nur zu mehr oder minder flacher und billiger Kabarettkunst fähig sind, der ist beim 5. Bunten Abend zur Unterstützung engagementsloser jüd. Künstler ichnell eines Besseren belehrt worden. Aus dem Programm leuchteten uns diesmal keine geringeren Namen als Beethoven, Mozart, Mendelssohn usw. entgegen; man ging also mit ganz anderen Erwartungen als bisher in den weißen Saal des Zoo. Und SO wurden wir auch nicht in unserer Vermutung gi t.msi.lit. daß im Mittelpunkt dieses Abends das Ernste stehen sollte, dai! die heiteren Nummern diesmal nur die etwas feierliche Stimmung lösen und auf den Sin» de-; nächstfolgenden Sil \ est'erabends hinweisen sollten. Ernste, tiefe Menschen mit ernstem, innerstem Willen schaffen dem aufnahmefreudigen Hörer immer wahren Genuß. Dr. Sally Rablnowiez, Musja Gottlieb und Josef Wassermann jeder ein Meister seines Fachs und jeder von iler tiefinnerlicheii Glut der Musik beseelt wußten allen die dem Laiengemüt oft so spröde erscheinende Kammermusik wirklich schmackhaft zu machen. So war auch -< hon lier Boden fur die eiusten Rezitationen VOII Fr!. Sophie Cassel bereitet, die Perlen jüdischer Dichter aus einem warmen jüdischen Herzen zum Vortrag brachte. Der zweite Teil ihrer Darbietung scheiterte leider an ihrer zu Schwachen Stimme. Ungemein verbessert hat sich Anni Pom e ranz, die sich mit ihrer sympathischen Stimme und durch geschickte Programmauswahl in die Herzen des Publikums einsang. Daß Jolly Arro-M eierstein und Emilie Winterberg was Beifall anbetrifft den Vogel abschießen würden, war vorauszusehen. Die beglückten Mienen am Schluß des Abends zeigten, daß Emilie schnell der Liebling der Zuhörergemeinde geworden ist. Und da nur solche Kanonen in den Silvesterpunsch beim 6. Bunten Abend hineingeschüttet werden sollen, wird man am 31. Dezember wohl den ganzen Abend lachen können. Besonders schön wäre es, wenn sich einige Herrschaften, die es sehr eilig haben, von der Unart abbringen ließen, ihre Garderobe schon 1 Stunde vor Schluß zu holen und damit den Oenuß der anderen rücksichtslos zu stören. e. Vortrag Kurt Blumenfeld. In der Zionistischen Vereinigung Leipzig sprach am Donnerstag im überfüllten Saale des Städtischen Kaufhauses Kurt Blumenfeld über „Das Judentum in dieser Zeit". Nicht nur das Judentum in dieser Zeit, sondern das Judentum in allen Zeiten und in allen Ländern, veranlaßte diese Generalabrechnung Blumenfelds. Er wies mit eindringlichen Worten darauf hin, daß durch die jahrtausendalte Geschichte des Judentums immer die gleiche Reaktion auf die gleichen äußeren Ereignisse erfolgte. Der leidenschaftliche Aufruf ßlumcnfclds stellte den Begriff der „jüdischen Totalität", die nur auf eigener Scholle gedeihen kann, in den Mittelpunkt. Bisher war im jüdischen Denken der Begriff der Sicherheit so sehr verankert, daß er aOes andere überwucherte. Und erst dann, wenn sich jeder einzelne Jude bewußt ist, daß diese Sicherheil nie bestand, daß sie nie bestellen wird, wird das in der Bibel so oft mitgeteilte „Gehen in das Land" zur beglückenden Wahrheit werden, und auch jene Juden mit ganzem Herzen erfassen, die bisher aus ideellen oder weniger ideellen Motiven eine innere Notwendigkeit des Palästinaaufbaues verneinten.«— Herr Dr. Fritz Loehenstein sprach seinem Freunde und Führer feinfühlende Worte der Einführung und des Abschlusses, die Herr Dr. Lehrfreund unterstrich. Ein Massenchor, gestellt aus verschiedenen jüdischen Jugendbünden, trug jüdische Lieder vor, die großen Beifall fanden. Als besonders erfreuliches Ergebnis dieser Veranstaltung sei mitgeteilt, daß 18 Neuanmeldungen der Zionistischen Ortsgruppe erfolgten. Vortragsabend der Wizo. Am 4. Dezember veranstaltete die Wizo,' Leipzig, einen Vortragsabend im Saal der Alten Börse. An Stelle der erkrankten Frau Dr. Steiner aus Prag sprach Frl. Grete Bloch aus Berlin über die Geschichte der Wizo und ihre Tätigkeit in Palästina. Die Zuhörer waren besonders erfreut, als die interessanten Ausführungen von Frl. Bloch von Bildstreifen begleitet wurden, die das Leben und das Arbeitsgebiet der Mädchen auf den Lehrfarmen Nahalal und Ness Ziona, sowie im Hostel in Tel-Awiw anschaulich auf der Leinwand schilderten. Man sah die Mädchen in Haus, Feld und Garten, in der Küche, im Kuhstall, bei der Säuglingspflege und -beratung, heim Pflanzen und beim Verkauf ihrer Setzlinge. Man hörte voll Erstaunen, daß 02 Prozent der Mädchen in den erlernten Berufen weiterleben, daß das Hostel in Tel-Awiw die beste und billigste Verpflegung liefert, man nahm teil an der Barmizwah einer Lehrfarm, erlebte ihren Beginn inmitten einer Landwüste und ihren 13. Geburtstag in einem Paradies von Blumen, Bäumen und Früchten. Es ist kaum zu glauben, daß es ausschließlich Frauenhhnde waren, die all das geschaffen haben. Mehr als Worte es vermögen, zeigen die Bilder, welcher Leistungen Wille und Idealismus fähig sind. Da der Film so großen Beifall gefunden hat, wird ihn die Wizo Ende Januar nochmals zur Vorführung bringen. Amtliche Bekanntmachung. Barmizwa- Vorbereitung Zur Barmizwa.Vorbereitung werden seitens der Gemeinde unentgeltlich besondere Lehrgänge abgehalten. Für die in der Zeit vom 1. Juli 1921 bis 30. September 1921 geborenen Knaben beginnt der Lehrgang am 1. Januar 1934. Nur wer daran teilgenommen hat, wird als Barmizwa in der Qemeindesynagoge zugelassen. Anmeldungen bis 31. Dezember 1933 im Gemeindeamt, Walterßlümel- Straße 10 I. Von der Teilnahme können auf Antrag der Eltern solche Knaben befreit werden, welche bereits ihren Religionsunterricht privat durch einen von der Gemeinde angestellten Lehrer erhalten. Auch diese Kinder sind zur angegebenen Zeit zu melden. Leipzig, den 23. November 1933. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Aus dem Gemeindeamt. Gottesdienste: Gemeindesynagoge. Chanukka- und Sabbatgottesdienst: Freitag, den 15. Dezember, Abendgebet 10.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); Sonnabend, den 10. Dezember, Morgengebet 0 Uhr, Jugendgottesdienst 10 Uhr mit Predigt (Rabbiner Dr. Goldmann); das besondere Nachmittagsgebet und der l.ehrvortrag fallen an diesem Sabbat aus; Abendgebet 10.54 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 16.15 Uhr. Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 22. Dezember, Abendgebet 10.15 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend, 'Ii. Dezember, Morgc-igebet 9 Uhr, Nachmittagsgebet 16.25 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Rabbiner Cohn); Abendgehet 16.57 Uhr. Morgengottesdienst an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen 8 Uhr, werktags 7.30 Uhr, Abendgottesdienst 10.15 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge (Otto-Schill-Str.) und Talmud Thora-Synagoge (Keilstr.): Freitag, den 15. Dezember: Abendgebet 16.15 Uhr. Sabbat: Morgengebet 8.10 Uhr; Mincha 10 Uhr; Ausgang 16.54 Uhr. Wochentag: Morgengebet 7 Uhr; Abendgebet 16.15 Uhr. Aus dem Sozialamt. Ernsthafte Interessenten für Siedlung wollen sich unter Angabe von Alter, Familien- und Vermögensverhältnissen sowie landwirtschaftlichen Vorkenntnissen beim Sozialamt melden.

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